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Alexander Kanoldt für Regensburg

Alexander Kanoldt, Stillleben I/1927, 1927

Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg hat ein Stillleben von Alexander Kanoldt erworben. Das Meisterwerk der Neuen Sachlichkeit zeigt einen hölzernen Tisch, der mit einer weißen Porzellanschale, einer eckigen grünen Flasche und einer immergrünen Pflanze im Blumentopf gedeckt ist. Im Hintergrund wird das Ensemble von einem roten und gelben Stoff gefasst. Mit dem markanten „Stillleben I“ von 1927, das hinsichtlich seiner Größe und handwerklichen Qualität zu wichtigsten Gemälden Kanoldts zählt, kann das Museum eine Lücke schließen. Bisher waren Kunstwerke des 1881 in Karlsruhe geborenen Malers nur als Leihgaben aus anderen Institutionen in Regensburg zu sehen. Mit dem heute präsentierten nüchternen Stillleben erhält die Sammlung nun einen eigenen „Kanoldt“. Seinen Platz findet es neben Werken von Oskar Moll, Oskar Schlemmer und Carlo Mense – allesamt Kanoldts Kollegen an der Breslauer Kunstakademie.

Die Museumsdirektorin Agnes Tieze freut sich über den Neuzugang: „Unser großer Dank geht an die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, namentlich Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters, an die Ernst von Siemens Kunststiftung und die Kulturstiftung der Länder sowie die Freunde und Förderer des Kunstforums Ostdeutsche Galerie in Regensburg e.V.“ Sie hatten den Erwerb des Gemäldes gerade im Hinblick auf den Marktwert des Künstlers ambitioniert unterstützt. Die Bedeutung des „Stilllebens I/1927“ gründet auch in der Tatsache, dass Alexander Kanoldt während seiner Zeit an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe Breslau zwischen 1925 und 1931 insgesamt nur 34 Stillleben schuf. Knapp die Hälfte von ihnen gilt heute als verschollen oder zerstört. Seit langem wurde kein vergleichbares Werk Kanoldts auf dem Kunstmarkt angeboten.

Die Provenienz hat es ebenfalls in sich und kann eine eigene Geschichte erzählen, die das Kunstforum Ostdeutsche Galerie bei dem Neuzugang auch darstellen will. Vermutlich direkt nach der Fertigstellung hatte der jüdische Fabrikant, Generalkonsul und Kunstliebhaber Leo Smoschewer in Breslau das Stillleben erstanden. Nach seinem Tod war 1939 seine Witwe gezwungen worden, das Bild zu einem mutmaßlich viel zu niedrigen Preis an die Kunstsammlung Görlitz zu verkaufen. Ohne Zugriff auf den Erlös und ohne Möglichkeit zur Flucht, nahm sich Elise Smoschewer kurz darauf das Leben.

Während des Zweiten Weltkriegs war das Gemälde als Bestandteil der Görlitzer Sammlung in ein Depot in Niederschlesien ausgelagert und dort gestohlen worden. Danach galt es als verschollen. Erst vierzig Jahre später tauchte es im westdeutschen Kunsthandel auf und wurde 1987 vom Saarlandmuseum in Saarbrücken erworben. Nach umfänglicher Provenienzforschung restituierte das Saarlandmuseum 2017 das Gemälde gemäß der Washingtoner Prinzipien an die Erben Leo Smoschewers. Von ihnen erwarb es jetzt das Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, das eine einzigartige Sammlung mit Werken deutschsprachiger Künstler aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa verwahrt.


01.08.2019

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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