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Welche Architektur nutzt dem Planeten Erde? Das fragt sich derzeit das Architekturzentrum Wien

Planschen über den Dächern von São Paulo



Paulo Mendes da Rocha und MMBB Arquitetos, SESC 24 Maio. São Paulo, Brasilien 2017

Paulo Mendes da Rocha und MMBB Arquitetos, SESC 24 Maio. São Paulo, Brasilien 2017

Architekten und ihr Fachgebiet werden von äußeren Einflüssen und Faktoren bestimmt. Macht- und gesellschaftspolitische Aspekte prägen die Architektur ebenso wie ihre technische Umsetzbarkeit. Gedrängt von den Interessen des Kapitals, sind Architektur und Urbanismus in eine Krise verstrickt. Neben der globalen Urbanisierungswelle bestimmen zwei große Themen die Architektur von heute. Während angesichts des von Menschen verursachten Klimawandels und der immer bedrohlicheren Ressourcenknappheit zum einen die Ökologie im Bausektor zunehmend an Gewicht erlangt, wächst auch der Einfluss der sozialen Verantwortung von Architekten.


Dass in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche musterhafte Projekte realisiert werden konnten, zeigt eine Ausstellung im Wiener Architekturzentrum (AzW). Anhand von aktuellen internationalen Beispielen beweist „Critical Care“, dass Architektur und Stadtentwicklung in Verbindung mit verschiedenen Allianzen dafür sorgen können, die klaffende Lücke zwischen Architekten und dem Alltag von Nutzerinnen und Nutzern ein wenig zu schmälern. Thematisch knüpft die Schau an „Think Global, Build Social!“ an, die vor fünf Jahren ebenfalls im Wiener AzW und im Berliner Architekturmuseum zu sehen war und sich der gesellschaftlichen Verantwortung zeitgenössischen Bauens widmete. Die neue Ausstellung „Critical Care – Architektur für einen Planeten in der Krise“ widmet sich 21 Bauten, die jeweils einem der fünf Themenkapitel zugeordnet sind: präsentiert werden sorgetragende Ideen für „Wasser, Grund und Boden“, für „Reparatur“, „Fertigkeiten und Kenntnisse“, „für Produktion“ und „den öffentlichen Raum“.

Das Projekt „SESC 24 de Maio“ in der Innenstadt von São Paulo ist ein Musterbeispiel für ein räumliches Sorgetragen für Zivilgesellschaft und Kultur. Angesichts hoher Kriminalität, Grundstücksspekulation und eines Mangels an sicherem Raum in São Paulo erfuhr ein zum brasilianischen Kulturerbe zählendes Gebäude in der Innenstadt eine neue Nutzung. Das ehemalige Warenhaus wurde vom Serviço Social do Comércio (SESC) aufgekauft und komplett umgebaut. Die 1946 gegründete Non-Profit-Organisation, die in ganz Brasilien tätig und mit einem Wohlfahrtsfond zu vergleichen ist, richtet ihre Angebote in den Bereichen Bildung, Kultur, Gesundheit und Medizin vor allem an die im Handel beschäftigten Arbeitnehmer, aber auch an die Allgemeinheit.

Allein in São Paulo – mit 12 Millionen Einwohnern eine der größten Metropolen der Welt – betreibt der SESC rund 40 Einrichtungen dieser Art. „SESC 24 de Maio“, das nach dem gemeinsamen Entwurf des Pritzker-Preisträgers Paulo Mendes da Rocha mit MMBB Arquitetos umgebaut wurde, ist öffentlich zugänglich und verbindet sich mit der städtischen Nachbarschaft. Auf insgesamt 14 Etagen stapeln sich nun die Freizeitangebote: im Erdgeschoß gibt es einen großen offenen Platz, was eine Seltenheit im historischen Zentrum von São Paulo ist, das einstige Parkdeck wurde zu einem Café und Theater umgewandelt, und als besondere Attraktion thront ein solarbeheiztes Schwimmbecken als öffentlicher Freiraum auf dem Dach – Abkühlung für jeden inklusive fantastischem Rundblick über die Stadt.

Die meisten Räume der sozialen Einrichtung sind offen für alle. Eine großzügige rückwärtige Rampe erschließt das Gebäude und lädt zum Flanieren ein. Es gibt jedoch auch Bereiche, die nur den Mitgliedern vorbehalten und dezidiert auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Sie können sich im neuen SESC etwa zahnärztlich behandeln lassen – für viele Paulistas ein Luxus, den sich nur wenige leisten können. Das neue Gebäude des Serviçio Social de Comércio setzt somit einen gesellschaftlichen und sozialen Auftrag um, der mit dem berühmten „SESC Pompéia“, einer ehemaligen Fass-Fabrik in São Paulo, die von Lina Bo Bardi zwischen 1977 bis 1986 zu einem großen Kultur- und Sportzentrum umfunktioniert wurde, in architektonischer Hinsicht Schule gemacht hat.

Auch die übrigen 20 Projekte sind Beispiele einer richtungsweisenden Perspektive für Architektur und Urbanismus: darunter ein ökologischer Community Land Trust in Puerto Rico oder die Revitalisierung historischer Bewässerungssysteme in Spanien. Die Kuratorinnen Angelika Fitz und Elke Krasny präsentieren zudem die erdbebensichere und nachhaltige Dorfentwicklung in China, den Überschwemmungsschutz durch traditionelle CO2-arme Bautechniken in Pakistan und Bangladesch, die vielfältige Umnutzung modernistischer Bauten in Brasilien und Europa sowie neue Konzepte für öffentliche Räume und durchmischte Quartiere in Wien, London und Nairobi.

Ein besonders kluger und nützlicher Beitrag stammt von der deutsch-indischen Architektin Anupama Kundoo. Ihre bisherigen Planungen sind geprägt von einem Interesse für Materialforschung, um eine Architektur mit geringen Umweltauswirkungen und gleichzeitig die Entwicklung von Gebäudetechnologien zu erreichen, die sozioökonomisch von Nutzen sind. Für ein Kinderheim im südindischen Pondicherry gestaltete sie Unterkünfte aus Lehmziegeln, die obdachlosen Kindern und ihren Pflegeeltern ein Zuhause bieten. Um die Festigkeit der Bauten zu erhöhen, wurden die Häuser nach Fertigstellung durch Feuer im Inneren regelrecht „gebacken“, um den Ziegeln mehr Stabilität zu verleihen und die Unterkünfte wasserbeständig zu machen. Die Technik erfordert fast nur Arbeitskraft und kaum Geld für zugekauftes Material. Kostendämpfung und Ressourcenschonung bestimmen Kundoos Plan: Fahrradfelgen mit Speichen dienten als Schalung für die Fenster und später als Fenstergitter, Glasflaschen strukturieren das Mauerwerk in den Sanitätsbereichen, und die Öffnungen auf der Oberseite der Kuppeln wurden mit Teegläsern verschlossen. Das Vorhaben ist beispielgebend für einen radikalen Denkansatz, der das Problem des leistbaren Wohnens für alle erkundet, nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch unter dem Gesichtspunkt umfassender Nachhaltigkeit.

Obwohl die Konzepte große regionale Unterschiede aufweisen, da alle Teil ihres jeweiligen geografischen, wirtschaftlichen und politischen Kontexts sind, reagieren sie ohne Ausnahme auf die gegenseitige Wechselwirkung zwischen Lokalem und Globalem. Das Resultat ist ein konkreter Fortschritt der Infrastruktur und damit eine oft überraschend kostengünstige Verbesserung der Lebenssituation der jeweiligen Nutzerinnen und Nutzer.

Eines macht die Ausstellung, die die Projekte anhand von Fotografien, Modellen, Videos und kurzen Erläuterungen vorstellt, unmissverständlich deutlich: Ausgangspunkt für die Erhaltung, Fortsetzung und Reparatur des krisengebeutelten Planeten sind immer die spezifischen lokalen Verhältnisse. Somit arbeitet jedes der Fallbeispiele an konkreten Problemen – seien es Überschwemmungsgebiete in Pakistan, fehlende Infrastruktur für geflüchtete Menschen in Jordanien, Weiternutzung der Architektur-Moderne in Europa und Brasilien, Erdbebengebiete in China, von Hurrikans und Gentrifizierung bedrohte Siedlungen in Puerto Rico, Überflutungen in Kenia oder von globalen Developern dominierte Stadtentwicklungen in London und Berlin.

Für das Berufsbild des Architekten der Zukunft wird der Paradigmenwechsel für gravierende Veränderungen sorgen. Die Ausstellung ist somit auch ein Plädoyer für eine neue Haltung: Aus der traditionellen Rolle eines Auftragnehmers oder Organisators hin zu der eines Initiators, mit der Aufgabe, nicht nur zu schöpfen, sondern mitzuhelfen, die kolossalen globalen Schäden zu reparieren.

Die Ausstellung „Critical Care. Architektur für einen Planeten in der Krise“ ist bis zum 9. September zu sehen. Das Architekturzentrum Wien hat täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 9 Euro, ermäßigt 7 Euro.

Kontakt:

Architekturzentrum Wien

Museumsplatz 1

AT-1070 Wien

Telefon:+43 (01) 522 31 15

Telefax:+43 (01) 522 31 17

E-Mail: office@azw.at



19.08.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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