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Das Museum der Moderne in Salzburg bereitet Sigalit Landau und ihrer eindringlich poetischen Kunst einen großen Auftritt

Die Jahre des Salzes



Sigalit Landau, DeadSee, 2005

Sigalit Landau, DeadSee, 2005

Das Tote Meer nennt Sigalit Landau ihr Atelier. Für die israelische Künstlerin ist der 400 Meter unter dem Meeresspiegel liegende und von Jordanien, Israel und dem Westjordanland begrenzte See ein „magischer Ort“, der gleichermaßen Inspirationsquelle und Labor für ihre Videoarbeiten, fotografischen Serien und Salzskulpturen ist. Er dient ihr sowohl als Metapher für die Abgründe der Geschichte, als auch für eine ästhetische Utopie. Aktuell ermöglicht eine Ausstellung im Salzburger Museum der Moderne eine intensive Begegnung mit dem Werk der Tochter jüdischer Immigranten mit österreichischen Wurzeln. Mit ihren ortsspezifischen Arbeiten nimmt sie seit mehr als zwanzig Jahren Bezug auf Geschichte und Erinnerung, privates und kollektives Gedächtnis, archaische und utopische Mythen ebenso wie auf aktuelle Fragen zur menschlichen Verfasstheit.


Geboren 1969 in Jerusalem und aufgewachsen am nah gelegenen Ufer des Toten Meeres, kehrte Landau 2004 nach Auslandsaufenthalten in Philadelphia, New York, Berlin und London und nach dem Tod der Mutter in ihre Heimat zurück. Ein Jahr später entstand ihre erste Videoarbeit am Toten Meer: eine Trilogie mit dem Titel „DeadSee“. In der Salzburger Ausstellung macht der betörend schöne, aus der Vogelperspektive gedrehte Film, der die Künstlerin auf einer riesigen Spirale aus Wassermelonen im türkisfarbenen Meer treibend zeigt, den Auftakt zu einem Resümee inhaltlich zusammenhängender Arbeiten. Mit ihnen belegt Sigalit Landau die Zeit ihrer künstlerischen Beschäftigung, die sie als „Salt Years“ bezeichnet und die sie 2017 in einer aufwändigen Publikation dokumentiert hat.

In überwältigenden Bildern dokumentiert der erste Teil der Trilogie, wie die Wassermelonenspirale von einer unsichtbaren Kraftquelle nach außen aufgezogen und immer kleiner wird, bis die Melonenkette schließlich als schmale grüne Linie aus dem rechten unteren Bildrand verschwindet. Gleichzeitig wird die Position des weiblichen Körpers zunehmend instabiler. In „DeadSee“ vereint Sigalit Landau eine Fülle von Motiven, die modifiziert und in anderen Konstellationen in vielen ihrer Arbeiten auftauchen: Zucker und Salz, Früchte, Kreis und Spirale, Spiel und Grenzen. Häufig betont Landau ambivalente und dichotomische Strukturen von Sichtweisen, die einander gegenüberstehen und ergänzen. So wie das Tote Meer für seinen hohen Salzgehalt bekannt ist, wird es doch vom Jordan, der sowohl für Israel, als auch für Jordanien wichtigsten Süßwasserquelle, gespeist. Dort werden die Wassermelonen oft mit Salzwasser übergossen, was dazu führen soll, dass ihr Fleisch noch süßer wird. Sowohl Zucker als auch Salz konservieren. Salz gelingt aber auch, etwas aufzulösen. Oder die Spirale: sie ist Symbol für unendliche Bewegung, Sinnbild für Wandel und wiederkehrenden Wechsel, Sammlung und Zentrierung nach Innen, Öffnung und Ausbreitung nach Außen, gehorcht eigenen Gesetzen, ist immer in Bewegung, dreht sich, wobei die Rotation innen sehr schnell ist und nach außen langsamer wird. Im Inneren jedoch, der statischen Achse, herrscht Stillstand.

Auch die zweite Arbeit aus der „DeadSee“-Trilogie folgt diesem Schema. „Standing on a Watermelon in the Dead Sea“ aus dem Jahr 2005 wurde unter Wasser im Toten Meer gefilmt. Das Video zeigt die Künstlerin beim Versuch, auf einer im Wasser schwimmenden Melone stehend die Balance zu halten. Trotz der Tendenz der Frucht, zur Oberfläche aufzusteigen, vermag es die Künstlerin, sich aufrecht zu halten. Sigalit Landau glückt mit dieser filmischen Arbeit ein schlüssiges Symbol für die die Unsicherheit und den Überlebenswillen vieler Menschen im Nahen Osten.

Ein weiteres eindringliches Bild der Schwerkraft von Gegenwart und Geschichte entsteht in Landaus „Salted Lake“ von 2011. Ihre mit Salzkristallen aus dem Toten Meer überzogenen Arbeits- und Militärstiefel setzte sie im polnischen Gdansk auf die Eisfläche eines zugefrorenen Flusses. Den elf Stunden dauernden Prozess, bei dem sich jeder der beiden Salzschuhe sein eigenes dunkles Loch in das Eis schmolz und im Süßwasser unterging, schnitt Landau zu einem Film von elf Minuten Länge. Danzig ist eine jener Städte, denen das 20. Jahrhundert tiefe Wunden zugefügt hat. In der Zwischenkriegszeit war die Hafenstadt aber auch jene „Freie Stadt“, die dem Schutz des Völkerbundes unterstand. Auf diese Rahmenbedingungen mussten die Nationalsozialisten Rücksicht nehmen. Zwar gab es in der Stadt seit den frühen 1930er Jahren immer wieder antijüdische Propagandamaßnahmen und Ausschreitungen. Im Großen und Ganzen aber galt die Hafenstadt bis in dieses späte Jahrzehnt hinein als eine Art „Insel“, auf der jüdisches Leben, insbesondere durch Selbsthilfe und Selbstbehauptung der jüdischen Bevölkerung, wenn auch unter zunehmenden Einschränkungen, aufrecht erhalten werden konnte.

Noch für eine weitere historische Markierung war Danzig der Schauplatz: hier wurde 1980 nach sozialen Unruhen die Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc gegründet wurde, die Vorbote des Umbruchs in Polen war. In „Salted Lake“ verdrängen Zeit, Chemie und Schwerkraft die Schuhe als Relikt der jüdischen Geschichte aus dem Bild und von der historischen sowie geografischen Bildfläche. Gleichzeitig weicht das Eis des zugefrorenen Sees dem Salz der Wüste. Mit großer Intensität und erschütternder Symbolik verhandelt die Künstlerin hier geschichtliche Markierungen ebenso wie existentielle Schwellen- und Grenzerfahrungen.

Mit der auf zwei Orte aufgeteilten Ausstellung, die unverständlicher Weise die Videoarbeiten und die Salzobjekte getrennt voneinander präsentiert, knüpft das Museum der Moderne an einen Gedanken an, dem auch die diesjährigen Salzburger Festspiele, unter anderem in der Inszenierung von Mozarts „Idomeneo“ von Peter Sellars, breiten Raum widmeten. Der US-amerikanische Theaterregisseur machte in seiner Regiearbeit das Meer zum Erzähler und forderte eine „ökologische Zivilisation“. Bei Sigalit Landau steht hingegen vor allem der politische Aspekt von Stranden, Untergehen und Wieder-Auftauchen im Zentrum ihrer künstlerischen Überlegungen.

Neben einer konzentrierten Auswahl von Filmen und Videoarbeiten, die seit 1999 entstanden sind, stellen die Kuratoren Thorsten Sadowsky und Marijana Schneider im Rupertinum die Installation „Salt Bridge Conference“ vor, die anhand von Modellen, Zeichnungen, Fotografien von Yotam From und Briefen Sigalit Landaus das Projekt einer sich aus dem Toten Meer erhebenden Brücke dokumentiert. Sie lädt die Menschen Israels, Jordaniens und des Westjordanlands dazu ein, zusammenzukommen. Ein „Höhepunkt von allem Wünschenswertem“, wie Landau selbst sagt.

Die zwei Ausstellungsetagen am Mönchsberg versammeln hingegen vor allem Objekte und Installationen aus den letzten zwei Jahren. Dabei handelt es sich um Kleidung, Alltags- und Arbeitsobjekte wie Taue und Fischernetze, die Landau monatelang im Wasser des Toten Meeres versenkte. Durch den extremen Salzgehalt veränderten die Gegenstände ihre Farbigkeit und Oberfläche und wurden schließlich von einer schweren, weißen und kostbar glitzernden Kruste von Kristallen umschlossen und damit zu Objekten besonderer Ästhetik transferiert. Sigalit Landau bezeichnet ihre Salzarbeiten als „konzeptuelle Readymades“, die in einem ritualhaften Prozess versenkt und wieder geborgen werden. Für sie ist das Tote Meer ein Ort der Reflexion: „Ein Ort, der die Zeit in glamouröse Kristalle verwandelt und Salz – ein Element, das Leben bewahrt, heilt und ermöglicht, aber auch vergiften, konservieren und konstruieren kann.“ Die Salzkristalle verwandeln die Alltagsgegenstände in abstrahierte Objekte, die gleichermaßen von Tod und Schönheit, von Belebtem und Unbelebtem erzählen und die wie en passant die Geschichte von Lots Frau, die zu einer Salzsäule erstarrte, in die Gegenwart transportieren.

„Ich denke“, sagt Sigalit Landau, „ein Teil der Magie, die die Dinge besitzen, besteht darin, dass sie einerseits wirken, als seien sie von Schnee bedeckt, zum anderen sehen die Kristalle aus, wie Diamanten. Es hängt vom Licht ab. Das ist von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig. Wenn ich mit anderen Techniken arbeite, habe ich alles unter Kontrolle, aber wenn man als Künstler mit der Natur arbeitet und umgeht, dann gibt es viele Überraschungen, die man zuvor nicht im Blick hatte. Man kann sehr leicht scheitern. Ich kann die krassesten Dinge thematisieren, Schmerz, Verfall, Gewalt. Das Meer bedeckt es mit einer Schicht, die zugleich unsere Erinnerung hinterfragt, auch wie die Zeit alles verändert, das Meer verbirgt es. Die Schönheit indessen gestaltet das Meer.“

In einem Interview mit Jessica Stewart für „My Modern Met“ kündigte Sigalit Landau vor zwei Jahren neue Videoskripte und Performances an – Vorschläge, die weiterhin mit dem Toten Meer und auch mit ökologischen Belangen verbunden sind. Man darf darauf gespannt sein, ob es der charismatischen Künstlerin mit ihrem Vorhaben gelingen wird, dem teils durch Industrie und Umweltzerstörung geschädigten Gebiet des Toten Meeres zu einer nachhaltigen, integrativen und regionalen Entwicklung zu verhelfen. Ihr Projekt „Salt Bridge“, so schreibt die Künstlerin auf ihrer Homepage, „has the potential to attract diverse audiences and offer a unique meeting platform and a meaningful artistic existential experience“. „Salt Bridge“ ist zwar noch eine utopische Zukunftsvorstellung, aber schon heute „eine einzigartige Begegnungsplattform und eine sinnvolle künstlerische Existenzerfahrung“.

Die Ausstellung „Sigalit Landau – Salt Years“ ist bis zum 17. November zu sehen. Das Museum der Moderne hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 8 Euro. Der Katalog, erschienen als englischsprachige Ausgabe samt deutschem Supplement im Hatje Cantz Verlag, kostet 50 Euro.

Kontakt:

Museum für moderne Kunst Salzburg - Rupertinum

Wiener-Philharmoniker-Gasse 9

AT-5020 Salzburg

Telefon:+43 (0662) 84 22 200

Telefax:+43 (0662) 84 22 20 700



24.09.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


06.07.2019, Sigalit Landau. Salt Years

Bei:


Museum der Moderne Salzburg

Kunstsparte:


Film und Video

Kunstsparte:


Skulptur

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Bericht:


Spiel und bittere Erkenntnis

Variabilder:

Sigalit Landau, Standing on a Watermelon in the Dead Sea –
 Under the Dead Sea, 2005
Sigalit Landau, Standing on a Watermelon in the Dead Sea – Under the Dead Sea, 2005

Variabilder:

Sigalit Landau, Salted Lake, 2011
Sigalit Landau, Salted Lake, 2011

Variabilder:

Sigalit Landau, Mermaids (Erasing the Border of Azkelon), 2011
Sigalit Landau, Mermaids (Erasing the Border of Azkelon), 2011







Sigalit Landau, Standing on a Watermelon in the Dead Sea – Under the Dead Sea, 2005

Sigalit Landau, Standing on a Watermelon in the Dead Sea – Under the Dead Sea, 2005

Sigalit Landau, Salted Lake, 2011

Sigalit Landau, Salted Lake, 2011

Sigalit Landau, Mermaids (Erasing the Border of Azkelon), 2011

Sigalit Landau, Mermaids (Erasing the Border of Azkelon), 2011

Sigalit Landau, Working Title WM I+II – Three Men Hula, 2010 – 1999

Sigalit Landau, Working Title WM I+II – Three Men Hula, 2010 – 1999

Sigalit Landau, Climb Every Mountain, 2018

Sigalit Landau, Climb Every Mountain, 2018

Sigalit Landau, When I go, 2017

Sigalit Landau, When I go, 2017

Sigalit Landau, Tutu, 2017

Sigalit Landau, Tutu, 2017

Sigalit Landau, Littoral, 2017

Sigalit Landau, Littoral, 2017

Sigalit Landau, Hebung des „Tutus“ aus dem Wasser des Toten Meeres, 2016

Sigalit Landau, Hebung des „Tutus“ aus dem Wasser des Toten Meeres, 2016

Sigalit Landau, All those Grapes, 2017

Sigalit Landau, All those Grapes, 2017

Sigalit Landau, Strand, 2017

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