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Das Museum Kunst Palast in Düsseldorf will eine Übersicht über die Malereigeschichte der DDR geben. Neues bringt die Schau aber nicht hervor

Ein differenzierter Blick



Wolfgang Mattheuer, Die Flucht des Sisyphos, 1972

Wolfgang Mattheuer, Die Flucht des Sisyphos, 1972

Homogene Entwicklungen sind in der Kunst fremd. Nirgendwo gab es sie zu irgendeinem Zeitpunkt. Trotz Vorgaben geistlicher, weltlicher oder gesellschaftlicher Systeme existierte immer mehr oder minder offen, latent im Verborgenen oder ganz im Schatten großer Strömungen eine Schar abweichender Positionen. Der allgemeinen Wahrnehmung blieb die Entfaltung der Künste in all ihren Facetten jedoch zumeist verborgen. Politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen Gegebenheiten geschuldet, konzentrierte sich der Blick auf aktuelle Sichtweisen oder bekannte Namen. Eine Ausstellung im Düsseldorfer Museum Kunst Palast unternimmt nun den Versuch, die Breite künstlerischer Ausdrucksformen in der ehemaligen DDR offenzulegen. Dafür fährt der hausinterne Kurator Steffen Krautzig rund 160 Werke auf, darunter überwiegend Gemälde, aber auch Grafiken und Plastiken.


Die Exponate stammen von 13 nahezu ausnahmslos bekannten Künstlern. Insofern bietet die Schau nichts wirklich Neues und transportiert in Kennerkreisen hinlänglich bekannte Thesen in ein breites Publikum. So blendet die Schau etwa die kleine, aber doch existente Szene der Performance- und Aktionskunst aus, die gerade in der DDR in Opposition zum Staat stand. Die Gründe für diesen konzentrierten Blockbuster liegen neben dem 30. Jahrestag des Mauerfalls insbesondere in der Funktion Düsseldorfs als neuer Wirkungsort ostdeutscher Künstler. Allein an ihrer Kunstakademie lehrten einige von ihnen, so Gotthard Graubner, Günther Uecker, der 1961 aus der DDR geflohene Gerhard Richter oder der 1980 ausgebürgerte A.R. Penck. Sie zählten zu den 665 Künstlern, die zwischen 1949 und 1989 die DDR verließen.

Der Staat im Osten förderte die sozialistische Nationalkultur, die sich um die Lehre des Sozialistischen Realismus scharte. Zum Inbegriff der ostdeutschen Kunst wurde die Leipziger Schule, vertreten durch Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer, Werner Tübke, ergänzt um den Hallenser Willi Sitte, die den Realismusbegriff erweiterten und verfremdeten. Vom Staat massiv überwacht und trotzdem gefördert, entstand im Licht der öffentlichen Wahrnehmung die problematische Reduzierung der Kunstlandschaft auf dienstbare, zweckgebundene und figurative Politkunst im Gegensatz zur freien abstrakten Moderne im Westen. Diesem Bild versucht die Ausstellung nun entgegenzutreten.

Grob chronologisch und nach Künstlerbiografien geordnet, setzt der Parcours mit zwei frühen, weniger geläufigen Malern ein, die noch im 19. Jahrhundert geboren wurden. Eher düster und akademisch-altmeisterlich zeigen sich zu Beginn die Gemälde von Wilhelm Lachnit und Elisabeth Voigt aus den unmittelbaren Nachkriegsjahren. Beide Künstler galten nachfolgenden Generationen als Vorbild. Lachnits marionettenhaft gesteuerte „Gliederpuppe“ aus dem Jahr 1948 im melancholischen surrealen Duktus verweist subtil schon auf die beginnende „Fremdlenkung“. Rasch geriet Lachnit in die Mühlen des Formalismus-Streits und zog sich ebenso wie Voigt zurück, die bis 1958 in Leipzig lehrte und Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke unterrichtete. Sinnsuche, Existenznot und vor allem die in der Ausstellung immer wiederkehrende Maske kommentieren in abgedunkeltem Kolorit den Gang der Zeit.

Auch der Konstruktivist Hermann Glöckner wurde kritisiert und marginalisiert. Doch die enorme Ausstrahlung von Person und Werk konnten den vielseitigen und berühmtesten unter den gegenstandslosen Künstlern der DDR nicht ganz ins Abseits drängen. In stiller Standfestigkeit und innerer Freiheit schuf er eine breite Spanne von zersplitterten, auf konkrete Sujets zurückgehende abstrakte Bilder bis hin zu informellen Schwüngen und auf Faltungen fußende Papierlineaturen. Mittels kreisender Linien und verästelter Formfindungen erkundete mit Ironie und Hintersinn Gerhard Altenbourg Fragen von Macht und Ohnmacht. Weit vom Erfahrungshorizont der DDR-Gesellschaft entfernt sind seine Papierarbeiten Manifeste unbeirrter geistiger Freiheit. Altenbourg verachtete die Staatsmacht und verweigerte sich ihrer Zudringlichkeit, indem er sich künstlerisch in seine eigene wunderliche und verschrobene Welt einspann.

Dagegen sah sich Bernhard Heisig nicht als Künstlerindividuum außerhalb der Gesellschaft und hielt wenig vom Autonomiegedanken. Der „deutsche Maler der Erinnerung“ mit Vita als SS-Mitglied und DDR-Biografie wurde auch im Westen durch seine Porträts, Landschaften und Stillleben berühmt, die er in flüchtiger Pinselführung und die Vergänglichkeit von Situationen betonenden Lichtreflexen ausführte. Eine der vier Fassungen des Kanzlerporträts von Helmut Schmidt ziert die Ausstellung, die den deutschen Staatsmann vital und mit expressiver Pinselführung selbstbewusst in Szene setzt. Visuelle Denkprozesse des „Hirnschreibers“ Carlfriedrich Claus in Form geisterhafter Fantasien und lichtdurchlässiger „Sprachblätter“ leiten zu den eindringlichen Gemälden und Skulpturen von Wolfgang Mattheuer über. In der DDR geschätzt und zugleich von der Staatssicherheit beargwöhnt, nahm er die Rolle eines Kritikers ein, indem er existentiell menschliche wie gesellschaftliche Problemstellungen thematisierte, sie aber in verklausulierten Symbolbildern umsetzte. Der das wahre Gesicht verbergende „Maskenmann“ oder „Die Flucht des Sisyphos“, der sinnlos herabrollende Steinkugeln wieder hinaufrollt, deuten Enttäuschungen und eine Desillusion im Leben der DDR-Bürger an.

Kann ein politisch engagierter und überzeugter Kulturpolitiker auch als Künstler akzeptiert werden? Im Spannungsfeld dieser Frage wird das Werkschaffen von Willi Sitte gesehen. Die Ausstellung zeigt Werke aus allen drei Phasen des vielseitigen begabten Künstlers. Von der frühen, vom Kubismus und italienischen Neoklassizismus geprägten Malerei über die mit expressivem Gestus dargestellten Körper bis hin zur schwungvoll-barocken Bildsprache in vollen Pinselschwüngen, mit denen Sitte muskulöse Gestalten ausformuliert, reicht die Bandbreite seiner künstlerischer Fähigkeiten. Von Ralf Winkler, alias A.R. Penck, darf die ikonische Darstellung „Der Übergang“ von 1963 nicht fehlen, deren Bedeutung der Sammler Peter Ludwig rasch erkannte und sie für seine Kollektion erwerben konnte. Auch Michael Morgner bewegt sich in zeichenhaften Formeln zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. 1991 erwarb der Kunstpalast von ihm das erste Gemälde eines ostdeutschen Künstlers: Der „Schreitende“ von 1990, eine auf Linien reduzierte Figur mit weit ausholendem Schritt, kann als standhafter Mensch gegenüber staatlicher Unterdrückung gedeutet werden.

Angela Hampel schuf Frauengestalten in kraftvoller Präsenz, inspiriert vom Expressionismus und der Punk-Bewegung, die im Kunstmarkt der 1980er Jahre zu Verkaufsschlagern mutierten. Die Werke der für die Gleichberechtigung eintretenden Künstlerin führen zu den rätselhaften, wie Bühneninszenierungen wirkenden Themen von Werner Tübke. Die leicht lesbaren, aber in surrealer Kleinteiligkeit sich verästelnden, eigensinnigen Malereien in altmeisterlichem Stil ließen die Doktrin vom Sozialistischen Realismus vermissen, weshalb auch Tübke umstritten war. Mit dem großformatigen Werk „Sizilianische Großgrundbesitzer mit Marionetten“ von 1972 rückte auch er die Fremdbestimmtheit des Lebens als Puppentheater in den Fokus. Den Abschluss des Parcours bestreitet die Malerin, Grafikerin, Filmemacherin, Autorin und Performerin Cornelia Schleime, deren Arbeiten aus Verknüpfungen von Inszenierung, Fotografie mit Literatur und Grafik bestehen. Nach ihrem Ausstellungsverbot im Jahr 1981 konnte sie 1984 die DDR verlassen und bearbeitete nach der Wende ihre Stasi-Akte in Grafiken und Collagen.

Die Ausstellung „Utopie und Untergang. Kunst in der DDR“ ist bis zum 5. Januar 2020 zu sehen. Das Museum Kunst Palast hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr geöffnet. Geschlossen bliebt an Heiligabend und Silvester. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 8 Euro bzw. 2 Euro. Der Ausstellungskatalog kostet im Museum 29,80 Euro, im Buchhandel 38 Euro.

Kontakt:

Museum Kunst Palast

Ehrenhof 4-5

DE-40479 Düsseldorf

Telefon:+49 (0211) 566 42 100

Telefax:+49 (0211) 566 42 906

E-Mail: info@museum-kunst-palast.de



07.10.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


05.09.2019, Utopie und Untergang. Kunst in der DDR

Bei:


Museum Kunst Palast

Kunstsparte:


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Hermann Glöckner, Schwarz und Weiß auf Blau, 1957

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Angela Hampel, Medea, 1985

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Willi Sitte, Nach der Schicht im Salzbergwerk, 1982

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Werner Tübke, Sizilianischer Großgrundbesitzer mit Marionetten, 1972

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Elisabeth Voigt, Der rote Stier, 1944-1961

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Bernhard Heisig, Brigadier II, 1968/70/79

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Wilhelm Lachnit, Gliederpuppe, 1948

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Michael Morgner, Schreitender, 1990

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A.R. Penck, Der Übergang, 1963

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Cornelia Schleime, o.T., 1986

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Carlfriedrich Claus, Beginn eines Briefs an Prof. Will Grohmann, 1963

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Gerhard Altenbourg, Ecce homo I (Der sterbende Krieger), 1949

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