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Die österreichische Hauptstadt im Herbst: Albrecht Dürer in der Albertina, die Kunstmesse Viennacontemporary und das Galerienfestival „curated by“ – Wien bietet in diesen Wochen ein vielfältiges Programm, das auch zahlreiche internationale Kunstinteressierte in die Donaumetropole lockt

Wien dreht auf



auf der Viennacontemporary 2019

auf der Viennacontemporary 2019

Die Wiener Ringstraßenbahn rattert wie immer zuverlässig und in dichtem Takt durch die innere Stadt. Vorbei an Wahlplakaten und Würstelständen, nächster Halt: Staatsoper. Von hier aus sind es nur wenige Schritte bis zur Albertina, wo in diesen Tagen eine Jahrhundertschau zu sehen ist. Meisterwerke Albrecht Dürers, vom legendären Aquarell „Feldhase“ über „Das große Rasenstück“ bis hin zu selten in dieser Fülle gezeigten Ikonen der frühen Druckgrafik, sind hier versammelt. Seit 1959 soll es die erste große Dürer-Schau weltweit sein, so die Ankündigung des Museums. Viele Besucher reisen von weither an, um die häufig reproduzierten Motive des Nürnberger Meisters einmal im Original betrachten zu können.


Ein internationales Publikum war in diesen Herbsttagen ohnehin in Wien. Gerade ist die Messe Viennacontemporary zu Ende gegangen, die zwar nicht als eine Kunstmesse der absoluten Oberliga gilt, jedoch mit ihren Schwerpunktsetzungen in der Wiener Szene und als wichtiges Schaufenster osteuropäischer Galerien bei den Sammlern durchaus punkten konnte. Wer nach dem Besuch der 110 Galerien aus 26 Ländern noch Energie hatte, fuhr von der Marx Halle im Schlachthofviertel noch weiter an den Stadtrand, um in einem ehemaligen Bürogebäude aus den frühen 1990er Jahren die Satellitenmesse „Parallel“ zu besuchen. Hier drängten sich auf drei vollgestopften Etagen Hunderte von Künstlern, die entweder von Galerien, Projekträumen oder Kunstvereinen vertreten wurden, in Klassenausstellungen der Wiener Akademien zugegen waren oder sich selbst promoteten. Ein buntes Sammelsurium, das dem Besucher viel Zeit und Ausdauer abverlangte, um die Perlen herauszufischen. Dazu zählte der sechsminütige Experimentalfilm „Ore“ der Wiener Künstlerin Claudia Larcher von 2018 bei der Galerie Lisi Hämmerle aus Bregenz. Zunächst bleibt unklar, ob es sich um Bilder aus der Mikro- oder Makroperspektive handelt. Die Kamera bewegt sich, untermalt von trägen Hammerschlägen auf Metall, über eine zerklüftete Oberfläche, die sich nach und nach als eine offenbar vom Bergbau versehrte Landschaft entpuppt. Tatsächlich handelt es sich um eine digitale Collage aus unzähligen Bildern und Videosequenzen von alpinen Bergwerken, die Claudia Larcher hier zu einer imaginären Landschaft amalgamiert hat.

Die Hauptmesse Viennacontemporary wurde in diesem Jahr erstmals von der aus Berlin zugezogenen, deutsch-polnischen Kunstmarktkennerin Johanna Chromik geleitet. Während im Hauptsektor neben Wiener Platzhirschen wie den Galerien nächst St. Stephan, Krinzinger, Christine König oder Georg Kargl Fine Arts auch viele interessante Aussteller aus Osteuropa ihr Programm unterbreiteten, stach in der benachbarten Halle der vom Österreichischen Bundeskanzleramt geförderte und von der Wiener Kunsthistorikerin, Autorin und Galeriedirektorin Fiona Liewehr kuratierte Sektor „Zone 1“ hervor. Die Einzelpositionen mussten unter 40 Jahre alt sein und einen Bezug zu Österreich haben, also Künstler*innen, die entweder die österreichische Staatsangehörigkeit besitzen, in Österreich leben oder dort studiert haben.

In Zone 1

Im Eingangsbereich der „Zone 1“ stach die bereits 2009 entstandene, standfüllende Installation „Educational Model: A Construction for Sitting, Reading, Writing, Drawing and Learning“ der tschechischen Künstlerin Eva Kotátková, Jahrgang 1982, bei der Galerie Hunt Kastner aus Prag ins Auge. Das modulartige Ensemble aus Tischen und Hockern unterschiedlicher Höhe kann als kritische Auseinandersetzung mit einem elitären Bildungssystem verstanden werden, das es nur wenigen erlaubt, ganz oben an der Spitze anzukommen. Dazu hatte die Galerie kleinformatige, figurative Tuschezeichnungen der Künstlerin aus dem Jahr 2008 zu den Themen Lernen und Schule gehängt.

Gegenüber zeigte die Wiener Galerie Sophie Tappeiner mit Sophie Thun einen aktuellen Shooting Star der Wiener Szene. Die 1985 geborene Fotokünstlerin war ausschließlich mit analogen, schwarz-weißen Selbstporträts aus ihrer fortlaufenden Serie „After Hours“ vertreten. Die Akte in Hotelzimmern nimmt sie mittels Selbstauslöser auf und zwar immer dann, wenn Thun, die für berühmte männliche Kollegen als Assistentin arbeitet, gerade in einer anderen Stadt zu tun hat. Zu sehen ist immer die nur mit ihrer auffälligen Brille bekleidete Künstlerin, die den Betrachter selbstbewusst anschaut. Indem Sophie Thun jeweils zwei dieser Aufnahmen zusammensetzt, entsteht der Eindruck, als hätte sie mit sich selbst Sex. Die Serie berührt dabei sowohl feministische Fragestellungen im Hinblick auf die Rückeroberung und Kontrolle des Bildes vom eigenen weiblichen Körper, als auch Fragen der Hierarchien und ökonomischen Abhängigkeiten innerhalb des Kunstbetriebs. Schließlich fertigt sie die Aufnahmen in der knapp bemessenen Zeit, die der Künstlerin für ihr eigenes Werk bleibt, nachdem sie ihren „Brotjob“ erledigt hat. In der Dunkelkammer produziert Sophie Thun dann ästhetische Fotogramme, indem sie ihre eigenen Hände dabei belichtet, wie sie die beiden Negative zusammenschieben. Diese Unikate stießen sowohl bei internationalen Sammlern, als auch bei den Medien auf großes Interesse.

Auf eine weitere jüngere weibliche Position machte die ortsansässige Galerie Raum mit Licht in der Malerin Titania Seidl aufmerksam. Die 1988 geborene Wienerin bezieht sich in ihrer farbintensiven Malerei auf ihre selbst geschriebenen, tagebuchartigen Texte, die sie parallel zu den Gemälden aufzeichnet. In collageartiger Schichtung kombiniert Seidl figurative Elemente wie Kleidungsstücke, Vasen, Kordeln, Dekorationsobjekte oder Sonnenbrillen mit abstrakten Zonen. Auch durch Übermalungen und weiße Leerstellen kreiert sie poetische Bilderzählungen, die wie Selbstbespiegelungen der Künstlerin daherkommen. Nicht zuletzt tauchen bestimmte Elemente auf unterschiedlichen Bildern auf. Titania Seidl erläuterte diese Methode des Wiederaufgreifens bestimmter Sujets in einem Interview mit dem ORF: „Es gibt ganz viele Motive, die sich so von Bild zu Bild spielen und die in einem Bild den Ursprung haben und dann im anderen wiederkommen. Es gibt tatsächlich so eine Art Dialog zwischen den Bildern untereinander, aber natürlich auch zwischen dir als Betrachter und den Bildern.“

Kunstpreis für ein Wartezimmer

Einen anderen Ansatz verfolgt der in Wien lebende deutsche Künstler Thomas Geiger, Jahrgang 1983, den die Münchner Galerie Sperling im Programm hat. Geiger hat während einer Performance-Biennale in der von Le Corbusier geplanten indischen Stadt Chandigarh Passanten gebeten, auf einem aus Pflastersteinen improvisierten Sockel Haltungen und Posen von europäischen Politikern, Philosophen und Künstlern nachzustellen. Als Basis dieser Posen dienten mitgebrachte Postkarten von Denkmalen aus Europa. Die jungen Inder nahmen mal spielerisch, mal ernsthaft die Posituren von Sigmund Freud, Marx und Engels, Mozart, Marie Curie, Winston Churchill oder Sissi ein. Thomas Geigers Farbfotografien behandeln das Hin- und Hergerissensein seiner Protagonisten zwischen Fremd- und Selbstdarstellung, europäischer und indischer Kultur auf humorvolle, aber auch hintersinnige Art und Weise. Den Bildrecht Solo Award für den besten Stand in der „Zone 1“ erhielt die Wiener Künstlerin Marina Sula, Jahrgang 1991. In der Koje der Wiener Galerie Gabriele Senn hatte sie das Ambiente eines Wartezimmers aufgebaut, wie es etwa in einer psychotherapeutischen Praxis aussehen könnte, flankiert von ihren konzeptuellen Fotografien und Zeichnungen. Der Bildrecht Solo Award ist mit 4.000 Euro dotiert.

Während die Viennacontemporary Ende September mit einer Besucherzahl von mehr als 30.000 zu Ende gegangen ist, läuft in Wien noch offiziell bis zum 12. Oktober das viel beachtete Galerienfestival „curated by“. Einige der Präsentationen sind jedoch noch länger zu sehen. Unter dem diesjährigen Motto „Circulation“ haben die 22 teilnehmenden Galerien jeweils einen oder mehrere internationale Kuratoren eingeladen, in ihren Räumen eine Präsentation zu der übergeordneten Themenstellung einzurichten. Dazu der Galerist Martin Janda, einer der Initiatoren von „curated by“: „Das Besondere an ‚curated by‘ ist, dass dieses Ausstellungsmodell aus einer intensiven Zusammenarbeit der Wiener Galerien entstanden ist und nun bereits seit elf Jahren besteht. Wie ein Netz spannt sich eine Vielzahl von Ausstellungen zu einem jährlich wechselnden Leitthema über die ganze Stadt. Die intensive inhaltliche Fokussierung, die unterschiedlichen Herangehensweisen der Kuratorinnen und Kuratoren und die Fülle von neuen künstlerischen Positionen machen ‚curated by‘ zu einer faszinierenden Ausstellungsreihe, die auch ein großes internationales Publikum anzieht.“

Viele Besucher der Viennacontemporary nutzten die Gelegenheit, während der Messe auch einige der Räume des Festivals „curated by“ zu besuchen. In der Galerie Martin Janda haben die ecuadorianische Kuratorin Manuela Moscoso und der israelische Künstler Ariel Schlesinger für die Schau „Coffee Shop – Wine Bar“ Gemälde, Videoarbeiten, Objekte und Skulpturen von sechs Künstler*innen versammelt, die sich, wie im Konzept beschrieben, „mit verschiedenen Zuständen von Materie, mit Körperverrenkungen und Verschränkungen von Figur und Boden auseinandersetzen“. Zirkulation pur also. Mit dabei sind etwa Ariel Schlesinger selbst, der eine Skulptur aus Spiegelfragmenten neu zusammengefügt hat, Kitty Kraus mit einem fragil wirkenden Hybrid aus Antenne und Halogenlampe oder der Argentinier Santiago de Paoli mit Gemälden voller merkwürdig verformter Körperteile.

Kuratiertes Galerienfestival

Rosemarie Schwarzwälder von der Galerie nächst St. Stephan hat in diesem Jahr den tschechischen Kurator Adam Budak gebeten, eine Gruppenausstellung mit internationalen Künstlern zu verantworten. Das Spannende daran: Budak kombiniert ältere, in Wien bisher wenig bekannte Positionen mit jüngeren, zur Zeit international im Fokus stehenden Künstler*innen wie etwa Katinka Bock. Eine Entdeckung ist die durch Suizid früh aus dem Leben geschiedene Brüsseler Autodidaktin Sophie Podolski (1953-1974). Ihre ebenso eigenwilligen wie wundersamen Zeichnungen und Radierungen erzählen genauso wie ihre in extrem verdichteter Schrift aufs Blatt geschriebenen Tagebuchaufzeichnungen von ihrem erschütternd kurzen Leben mit Drogenerfahrungen und Schizophrenie.

Ein paar Straßen weiter am Parkring 4 residiert im ersten Stock eines großbürgerlichen Wohnhauses die Galerie Croy Nielsen. Hier hat die am KW Institute for Contemporary Art tätige Berliner Kuratorin Anna Gritz eine sehenswerte Gruppenschau mit Künstler*innen organisiert, die mit ungewöhnlichen Materialien überwiegend skulptural arbeiten. Die auf dem Galerieboden liegenden, aus gefundenen Alltagsmaterialien komponierten Materialassemblagen der jungen, in Genf lebenden Amerikanerin Ser Serpas, Jahrgang 1995, stechen besonders heraus. Flankiert sind sie von Wandtexten mit Gedichten der Künstlerin.

In der Galerie Raum mit Licht im 7. Wiener Bezirk hat das deutsche Kuratorenkollektiv „Institut für Betrachtung“, dem unter anderen auch der ehemalige Direktor des Düsseldorfer Kunstvereins, Hans-Jürgen Hafner, angehört, eine Gruppenausstellung eingerichtet, in der es um politische Ansätze, aber auch um das Kuratieren an sich geht. Als Eyecatcher finden sich im Mittelpunkt der gelungenen Schau frühe Street-Fotografien Victor Burgins aus der Serie „Kings Road“ von 1974 bis 1984. Auf den Schwarz-Weiß-Aufnahmen hat Burgin unter anderem Londoner Jugendliche mit Punk-Attitüde verewigt, deren oppositionelle Haltung heute in Zeiten von Brexit und Boris Johnson wieder eine neue Aktualität erhält.

Das Format „curated by“ bringt nun schon seit elf Jahren frischen Wind in die Wiener Galerienszene. Während der Laufzeit des Galerienfestivals lockt ein vielseitiges Programm mit Kurator*innenführungen, Künstler*innengesprächen, Lesungen und Performances ein großes Publikum in die Galerienräume. Ganz bestimmt könnte „curated by“ auch ein Vorbild für andere Städte sein, nachdem sich Veranstaltungen wie „Gallery Weekends“, die mittlerweile europaweit nach dem Berliner Vorbild kopiert werden, langsam totgelaufen haben. Vienna Calling – es tut sich was in Wien.

Das Galerienfestival „curated by: Circulation“ läuft noch bis zum 12. Oktober, einige Ausstellungen auch noch darüber hinaus.

www.curatedby.at



08.10.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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 Con razon cito, 2017
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Santiago de Paoli, First Steps, 2019
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Blick in die Viennacontemporary 2019
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Ser Serpas, Con razon cito, 2017

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Santiago de Paoli, First Steps, 2019

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Blick in die Viennacontemporary 2019

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Gemälde von Titania Seidl am Stand der Galerie Raum mit Licht, Wien

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Sophie Podolski, Untitled, um 1968/69

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die Viennacontemporary in der Marx Halle

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Josef Bauer, Körpergalerie, 1974

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Thomas Geiger, Some Great Europeans (Wolfgang Amadeus Mozart), 2019

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Marina Sula bei der Galerie Gabriele Senn

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Arbeiten von Sophie Thun am Stand der Galerie Sophie Tappeiner

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Sophie Thun, Konkordia Str, PMST, 2019

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Victor Burgin, aus der Serie „Kings Road“, 1974-1984

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Installation von Eva Kotátková am Stand von Hunt Kastner, Prag

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