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Berlin bringt Jussuf Abbo zurück

Jussuf Abbo, Frauenkopf, 1928

Mit der heute anlaufenden Ausstellung „Jussuf Abbo“ trägt das Kunsthaus Dahlem zur aktuellen Aufarbeitung der Kunst- und Museumsgeschichte vor, während und nach der NS-Zeit bei. Die Schau würdigt erstmals seit 1945 wieder in einem musealen Rahmen einen Bildhauer, dessen Schaffen im Vorkriegsdeutschland vielfach beachtet wurde, mit der NS-Diktatur aber nahezu gänzlich in Vergessenheit geriet. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft war Jussuf Abbo 1935 nach England emigriert, wo er jedoch nicht an seine früheren künstlerischen Erfolge anknüpfen konnte. Auch in Deutschland blieb trotz der intensiven Bemühungen prominenter Fürsprecher die verdiente Anerkennung aus. Seine Skulpturen hat Abbo in verschiedenen Materialien ausgeführt. Sie zeugen von einem hohen Interesse an technischen Experimenten und Prozessen, die auch für den Betrachter nachvollziehbar bleiben sollen. Im Gegensatz zu seinen beruhigten Plastiken und Skulpturen sind seine Zeichnungen von oft kühnen expressiven Zügen geprägt. Die Subtilität in der Oberflächengestaltung seiner bildhauerischen Werke findet hier ihre Entsprechung in der unvermittelten Wirkungsmacht der zeichnerischen Geste.

Aufgrund zahlreicher Zerstörungen während der dramatischen Flucht des Bildhauers und Zeichners sind nur wenige seiner frühen Werke erhalten geblieben. Die Konfiszierungen in Museen 1937/38 durch die Nationalsozialisten und das zum Teil freiwillige Einschmelzen der Bronzen durch öffentliche Sammlungen trugen zu einer weiteren Reduzierung von Abbos Arbeiten bei. Die Schau im Kunsthaus Dahlem konzentriert sich in den rund 40 präsentierten Objekten auf Skulpturen der 1920er und späten 1940er Jahre sowie auf eine Auswahl von Papierarbeiten. Ausgehend von einer Auseinandersetzung mit den dem Klassizismus nahestehenden Theorien des Bildhauers Adolf von Hildebrand entwickelte Jussuf Abbo schon in seinem Frühwerk einen Personalstil, der das Naturvorbild überwand. Er suchte, so beschrieben es zeitgenössische Kunsthistoriker, mit Hammer und Meißel eine Form, jedoch nicht die ideale, nicht die klassische und nicht die realistische, sondern eine Form, die von Geist und Seele durchdrungen sei.

Jussuf Abbo wurde zwischen 1888 und 1890 in Safed im heutigen Palästina geboren. Auf Fürsprache des Architekten Otto Hoffmann kam er zur weiteren Ausbildung ab 1913 an die Berliner Hochschule für bildende Künste. In den Goldenen Zwanzigern begeisterte der Osmane die Hauptstadt mit seinen sensibel modellierten Frauenköpfe und expressiven Papierarbeiten. Wichtige Galeristen der Moderne wie Paul Cassirer und Rudolf Probst zeigten seine Werke. Abbo beteiligte sich als Teil der Avantgarde an den progressiven künstlerischen Bewegungen seiner Zeit und war beispielsweise mit Else Lasker-Schüler und Kurt Schwitters eng befreundet. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten war Abbo mehrfach gebrandmarkt: Er war nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches staatenlos, durch seine jüdische Abstammung dem NS-Rassenwahn ausgesetzt, und seine Freundin Ruth Schulz war unehelich von ihm schwanger. Das Paar floh 1935 mit gefälschten Papieren nach England, wo Abbo seine Karriere jedoch nicht fortsetzen konnte. Er verstarb 1953 verarmt im Exil.

Die Ausstellung „Jussuf Abbo“ läuft vom 8. November bis zum 20. Januar 2020. Das Kunsthaus Dahlem hat täglich außer dienstags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 6 Euro, ermäßigt 4 Euro. Die parallel erschienene zweisprachige Künstlermonografie aus dem Wienand Verlag ist im Museum für 29 Euro, im Buchhandel für 38 Euro erhältlich.

Kunsthaus Dahlem
Käuzchensteig 8
D-14195 Berlin

Telefon: +49 (0)30 – 83 22 72 58
Telefax: +49 (0)30 – 83 22 72 59


08.11.2019

Quelle: Kunstmarkt.com/Maria Schabel

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07.11.2019, Jussuf Abbo

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