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Junge Kunstpreisträger in Biel

Bernhard Hegglin, Reccurring patterns (farm 2), 2019

Das Kunsthaus Pasquart in Biel gibt derzeit mit der Schau „Kiefer Hablitzel | Göhner Kunstpreis 2019“ einen Einblick in das Schaffen junger Schweizer Künstler. Wie der Titel bereits deutlich macht, handelt es sich um Arbeiten der insgesamt sieben Preisträger des jährlichen Wettbewerbs der Stiftungen Kiefer Hablitzel und Ernst Göhner. Die Finalisten konnten sich gegen 222 Mitbewerber durchsetzen. Die Ausstellung bietet ein weites Spektrum unterschiedlicher Medien und Inhalte: So wollen etwa großformatige Gemälde, zeichnerische und installative Werke oder Arbeiten, die sich mit Wort, Text und Erzählung oder der Untersuchung des Körpers und der physischen Realitäten auseinandersetzen, einen Eindruck von der Vielfalt und Originalität dieser jungen Schweizer Kunstschaffenden geben.

Der 1990 in Sanaa im Jemen geborene Mohamed Almusibli lebt und arbeitet in Zürich sowie in Genf. Sein Medium ist die Installation mit Text und Sound. Worte versteht er als Stimme, die neben einer individuellen Äußerung auch eine Aussage mit politischem Potential sein kann. So offenbaren seine Werke gesellschaftliche Zwischentöne, die er subtil in ihren räumlichen Kontext einbettet. Als Ausgangspunkt für „Seven Days, 2018“ nimmt Almusibli eine von seiner Mutter zusammengestellte Playlist jemenitischer Liebeslieder und reflektiert diese in verschiedenen Medien. Er zeigt die arabischen Liedertexte wie Bilder und hinterfragt, wie Geschichte überliefert wird und Wahrheit sich konstituiert.

Der Malerei ist Natacha Donzé verpflichtet. 1991 in Boudevilliers geboren, studierte die Schweizerin zunächst Textildesign in Paris, danach in Lausanne, wo sie heute lebt, Bildende Kunst. In ihren Gemälden untersucht sie soziale Codes, Stereotypen, Alltäglichkeiten und Fabeln der Populärkultur. Ihre Bildkompositionen isolieren, wiederholen oder kombinieren Form, Fläche, Farbe und figurative Symbole aus den unterschiedlichen Kulturbereichen. Die Malerin schafft eine vielschichtige Formensprache, in der die Beziehung zwischen den figurativen und abstrakten Elementen der Leinwand offengelassen wird. Für Biel schuf sie eine Reihe an Werken, darunter auch „Emotional forecast IV“, die sich auf die architektonische Dekorationen beziehen.

Der 1989 in Zürich geborene Bernhard Hegglin, der an der Hochschule der Künste seiner Heimatstadt studiert hat, befasst sich mit Zeichnung, Skulptur und Installation. Ausgehend von der Decke, bahnen sich seine Metallgebilde ihren Weg als feingliedriges Liniengefüge in den Raum und überschreiten die medialen Grenzen von Zeichnung und Skulptur. Zudem hat Hegglin an den Enden der Metalllinien Seiten aus dem Schweizer Werbemagazin „Best of“ befestigt.

Auch Roman Selim Khereddine kam 1989 in Zürich zur Welt und besuchte nach einem Geschichts-, Arabisch- und Türkischstudium die dortige Hochschule der Künste. In seinen Werken bearbeitet er Geschichte als vielgestaltiges Konstrukt, indem er vorhandene Geschichten, Anekdoten und Mythen neu konstituiert und so bestehende Zusammenhänge und ihren Wahrheitsanspruch unterläuft. Die Vermischung von Fiktion und Realität ermöglicht es ihm, gesellschaftliche, soziale und politische Konstellationen zu dekonstruieren. Seine Bilder ergänzt er mit in Beton gegossenen Tierkörpern und -köpfen, die an die Methoden der Tierpräparation erinnern. Das Tier ist für Khereddine einerseits wissenschaftlicher Untersuchungsgegenstand, andererseits auch Fabelwesen, das auf andere Methoden der Geschichtsschreibung referiert.

Nils Amadeus Lange, geboren 1989 in Köln, studierte zunächst Theater an der Hochschule der Künste Bern. Seine Betätigungsfelder sind daher die Performance und die Choreografie. Lange nutzt seinen Körper als Ausdrucksmittel und Instrument zur Dekonstruktion von Konventionen und sozialen Modellen, wie Rollenbilder und Genderklischees. Für diese Ausstellung in Biel hat er neben einer Performance eine Installation geschaffen, bei der er Hochkultur mit Trivialem und Populärem aus der Massenkultur vermischt.

Auch Sveta Mordovskaya entstammt dem Jahrgang 1989. Die Russin, die in Zürich und Wien arbeitet, untersucht in ihrer zeichnerischen und skulpturalen Praxis die Beziehung des Körpers zu den Dingen und Materialien in unserer Umwelt. Sie konfrontiert vertraute alltägliche Gegenstände mit Körperlichkeit, wobei ihr Blick stark auf die Beschaffenheit der Objekte gerichtet ist. Die Materialität und die geformten Oberflächen erinnern an Sedimente, Fossilien oder Korallenreste, die wie geologische Reliquien die Spuren der Zeit verbildlichen, aber auch an dekorative Elemente der Inneneinrichtung erinnern. So erzeugt Mordovskaya mehrdeutige, poetisch anmutende Werke, die zwischen Anthropomorphismus und Abstraktion oszillieren.

Die 1991 in Winterthur geborene Valentina Triet, die einen Bachelor an der Zürcher Hochschule der Künste absolvierte und aktuell an der Akademie der bildenden Künste in Wien studiert, beschäftigt sich mit Techniken der Orientierung im Raum, in der Architektur, in der Infrastruktur und in der Landschaft. Sie erarbeitet verschiedene Perspektiven auf ein Thema, die sie in Installationen, Skulpturen, Texten, Fotografie oder Film umsetzt und dabei jeweils ein spezifisches Narrativ entwickelt. Triet entzieht sich mit ihrer künstlerischen Praxis einer eindeutigen Lektüre ihrer Arbeit; vielmehr spielt die assoziative Verwendung von alltäglichen Materialien eine wichtige Rolle.

Die Stiftungen Kiefer Hablitzel und Ernst Göhner richten jährlich ihren Kunstpreis für Kunstschaffende unter 30 Jahren aus, die in der Schweiz leben. Die Ehrung wird in Kooperation mit dem Bundesamt für Kultur durchgeführt. Die Gewinner zeigen ihre Werke in einem institutionellen Umfeld, dieses Jahr im Kunsthaus Pasquart in Biel. Begleitend zur Ausstellung erscheint eine Publikation im Verlag für moderne Kunst.

Die Ausstellung „Kiefer Hablitzel | Göhner Kunstpreis 2019“ läuft bis zum 24. November. Das Kunsthaus Pasquart hat am Mittwoch und Freitag von 12 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr und am Wochenende von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 11 Franken, ermäßigt 9 Franken.

Kunsthaus Pasquart
Seevorstadt 71-75
CH-2502 Biel

Telefon: +41 (0)32 – 322 55 86
Telefax: +41 (0)32 – 322 61 81


04.11.2019

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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Veranstaltung vom:


22.09.2019, Kiefer Hablitzel | Göhner Kunstpreis 2019

Bei:


Centre Pasquart

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Variabilder:

Bernhard Hegglin, Reccurring patterns (farm 2), 2019
Bernhard Hegglin, Reccurring patterns (farm 2), 2019

Künstler:

Bernhard Hegglin

Künstler:

Natacha Donzé

Künstler:

Nils Amadeus Lange

Künstler:

Sveta Mordovskaya

Künstler:

Valentina Triet








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