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Kentaur, 1891/93 / Franz von  Stuck

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Stehender Mädchenakt vor Rot, 1954 / Karl Hofer

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Grisebach legt in diesem Herbst einen Millionenbetrag für einen Franzosen vor

Ein schwebendes Paar überflügelt alle



Marc Chagalls „Les fiancés aux anémones“, eine Küstenlandschaft in freundlichen Farben, ist das unangefochtene Prunkstück in der anstehenden Auktionsrunde bei Grisebach. Im Vordergrund eröffnet ein auslandender Strauß von roten und violetten Anemonen den Bildraum. Dahinter führt ein orange-gelber Farbwechsel den Blick vorbei an einigen Häusern hinauf zum Gipfel eines bewaldeten Hügels, wo ein grauer Turm die Landschaft überragt. Es ist der Glockenturm der Kirche von Saint-Paul-de-Vence, jenem verschlafenem Dorf an der Côte d’Azur, in dem Marc Chagall von 1966 an lebte. Typisch für das Spätwerk des Künstlers ist, dass sich in seinen Gemälden die Ebenen von Realität und Traum überlagern. So steigt über den Dächern des Ortes ein schwebendes Paar in den hellblauen Mittelmeer-Himmel empor. Die Frau scheint in ein Brautkleid gehüllt; sie trägt einen weißen Schleier. Begleitet wird sie von einem Mann mit dunkelblauem Sakko, der sie überragt und mit seiner Rechten an die Brust zu fassen scheint. Um sie herum schwirren angedeutete Figuren durch den Himmel. Eine Kuh, ein Hahn und andere Menschen. Es sind die klassischen Symbole der Gemälde von Chagall, sie stehen für das Leben im Allgemeinen und für Fruchtbarkeit im Besonderen. Wen der Maler hier abbildete, verriet er selbst. Es ist seine 1944 verstorbene Frau Bella, die er vielfach malte. „Ganz weiß gekleidet oder ganz in Schwarz, geistert sie lange schon durch meine Bilder, als Leitbild meiner Kunst“, so Chagall selbst. Nun geistert sie auch bei Grisebach. Und Das Berliner Auktionshaus erwartet mit einer Schätzung von 1 bis 1,5 Millionen Euro einen Spitzenpreis.


Die großen Namen des Expressionismus prägen die Abendauktion „Ausgewählte Werke“ am 28. November in Berlin. „Die hellgrüne Jacke“ von Hermann Max Pechstein gehört zu den herausragenden Positionen. 1909 als Reaktion auf die Begegnung mit den Pariser Fauvisten gemalt, macht Pechstein hier die Farbe zum bestimmenden Element. Bezeichnenderweise ist der Name des weiblichen Models nicht bekannt, von dem noch zwei weitere Portraits des Künstlers existieren (Taxe 400.000 bis 600.000 EUR). Das zehn Jahre jüngere Gemälde „Morgenrot“ zeigt einen veränderten Pechstein. In friedvoller Intimität trottet hier eine kleine Herde Kühe durch einen Dorfeingang dem Betrachter entgegen (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). Auch Pierre-Paul Girieud war von der Suggestionskraft der Farbe à la Paul Gauguin begeistert. So malte er 1907 in leuchtendem Kolorit mit kräftigen Konturen „Les Vendanges de Noë“ als Herbstallegorie mit einer Weinlese aus einem Jahreszeitenzyklus nach biblischen Motiven (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Zugpferd Klassische Moderne

Der wohl berühmteste Tiermaler der Moderne ist ebenfalls zugegen: Grisebach offeriert eine aquarellierte Postkarte von Franz Marc aus dem Jahr 1913 mit zwei gegenläufig übereinander getürmten Pferden in Weiß und Grün. Der Künstler schickte die Karte wohl während seines letzten Fronturlaubs an Elisabeth Macke (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR). Wiederum von deren Mann, August Macke, ist die kleinformatige „Katze auf grünem Kissen I“ von 1909 mit von der Partie. Das mit schnellen und präzisen Pinselstrichen gefühlvoll eingefangene Tier taucht immer wieder im Frühwerk des Rheinischen Expressionisten auf (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR).

Als Alexej von Jawlensky 1911 zusammen Marianne von Werefkin nach Prerow auf dem Darß reiste, vollzog sich eine richtungsweisende Entwicklung in seiner Malerei: „Dieser Sommer bedeutete für mich eine große Entwicklung in meiner Kunst. Ich malte dort meine besten Landschaften und große figurale Arbeiten in sehr starken, glühenden Farben, absolut nicht naturalistisch und stofflich.“ Genau dies dokumentiert seine Ansicht des Hinterlandes von Prerow von 1911, für die Grisebach die Erwartungen gegenüber November 2018 um 100.000 Euro auf 200.000 bis 300.000 Euro gesenkt hat. Höher liegt mit 300.000 bis 400.000 Euro sein früher, sin sich ruhender „Abstrakter Kopf“, der um 1921, dem Jahr als Jawlensky nach Wiesbaden zog, datiert ist. Die „Kleine Landschaft aus Bandol“, die Max Beckmann 1938 an der Côte d’Azur malte, überzeugt durch ihre raffinierte Komposition. Ein Baum und ein Haus versperren zunächst den Blick in das Bild. Erst danach öffnet sich die atmosphärische Idylle der Mittelmeerküste. Flüchtig und doch punktgenau gesetzte farbige Pinseltupfer lassen ein kleines Fischerdorf erkennen (Taxe 300.000 bis 500.000 EUR).

Max Liebermann steuert mit sechs Arbeiten die meisten Werke zur Versteigerung bei. Ein 2013 an die Erben von Martha und Max Liebermann restituiertes Gemälde sticht hier besonders hervor. „Rote und weiße Blumen nach Südost“ von 1925 gehören zu den rund 200 Gemälden, die Liebermann im Garten seines Sommerhauses am Berliner Wannsee schuf (Taxe 350.000 bis 450.000 EUR). Von dem Impressionisten sind zudem der „Gemüsemarkt in Delft“ in einem der dortigen Kanäle von 1907, das flotte „Pferderennen in den Cascinen“ von 1909 (Taxe je 300.000 bis 400.000 EUR), die noch realistisch geprägte „Kleinkinderschule“ von 1875 (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR) sowie die eher spontan aufgefassten Gemälde einer „Dünenlandschaft“ von 1912 und eines „Reiters am Strand“ von 1900 für jeweils 100.000 bis 150.000 Euro zu haben. Es ist jedoch ein furioses Selbstportrait von Lovis Corinth, das bei den deutschen Impressionisten den ersten Platz einnimmt. Bei ihm handelt es sich um eines von nur vier Selbstbildnissen des Künstlers, die am Walchensee entstanden sind, zwei davon befinden sich in Museumsbesitz (Taxe 400.000 bis 600.000 EUR). Für Corinths Blumenstilleben „Rosen, Tulpen und Flieder“ von 1916 hat Grisebach 300.000 bis 400.000 Euro angesetzt. Das opulente Gemälde verlockt durch die überlebensgroße Darstellung der Pflanzen, die ähnlich wild und kraftvoll wie die Malerei ein Eigenleben zu führen scheinen.

Wilde Gesten, breite Farben

Fritz Winters „Ruhiger Tag“ von 1965 vermittelt mit stimmungsvollen ausgefransten Farbfeldern vorwiegend in gedeckten Farben zwischen Vor- und Nachkriegsavantgarden (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Der Schüler von Paul Klee und Freund von Willi Baumeister zählt wie auch Emil Schumacher, dessen kraftvolles Gemälde „Augila“ mit schwarzen Furchen und Seen auf rotem Grund wiederum mit 100.000 bis 150.000 Euro bewertet ist, zu den zentralen Protagonisten des deutschen Informel. Der vielleicht etwas weniger bekannte Peter Brüning hat seine großformatige Arbeit 1960 aus wilden und breiten Pinselschwüngen in Blau, Schwarz und Ocker in gestischer Expressivität entwickelt (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Ähnlich schwungvoll und doch einer inneren Ordnung folgend, präsentiert sich Hann Triers „Reich der Mitte II“ von 1965. Trier, der für seine beidhändig gemalten Werke bekannt ist, orientierte sich dabei an der chinoisen Vasenmalerei des Rokoko.

Gotthard Graubner emanzipiert in seiner Malerei die Farbe zum reinen Gegenstand. Dennoch löst er das Kolorit nicht vom individuellen Gestus des Farbauftrags, erweitert sie zum Relief und kreiert sogenannte Farbraumkörper. Ein solcher steht nun bei Grisebach mit „bedecktes rot“ von 2001 für 100.000 bis 150.000 Euro zum Verkauf. Konrad Klapheck brachte in der Nachkriegszeit wieder die Figuration ins Spiel. Seine Maschinen führen aber ein surreales Eigenleben, wie „Die Selbstsicheren“ von 1959, eines seiner frühen Schellenbilder von 1959 in blauen Farbabstufungen (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Roy Lichtenstein späte Lackserigrafien „Water Lilies with Japanese Bridge“ (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR) und die „Water Lilies with Willows“ (Taxe 160.000 bis 250.000 EUR) von 1992 wurden direkt beim Künstler erworben und sind eine Hommage an Claude Monets weltberühmte Seerosen-Bilder aus Giverny. Die leicht spiegelnde Oberfläche lässt den Betrachter wortwörtlich in die Kunstwerke eintauchen. Ähnliches geschieht auch bei Günther Förgs titellosem Gemälde von 1991. Das mit Acryl auf Blei gemalte Werk stellt seine Materialität in den Vordergrund und darf als ein typisches Beispiel von Förgs späten Arbeiten der 1980er Jahren gelten. Die Taxe liegt bei 250.000 bis 350.000 Euro.

Skulptur und Fotografie

Die Bildhauerei ist diesen Herbst wenig stark vertreten. Den Auftakt am 28. November macht ein rund 80 Zentimeter hoher Bronzeguss von Georg Kolbe. Dessen „Adagio“, eine sinnend in ein Tuch gehüllte Frauenfigur von 1923, wird auf 70.000 bis 90.000 Euro geschätzt. Jeweils 25.000 bis 35.000 Euro werden für Bernhard Heiligers „Kleinen Phönix III“, einen sich in die Unendlichkeit aufschwingenden Bronzeguss von 1962, sowie für Bernhard Luginbühls „Kleinen Strahler“, eine konstruktivistische Weiterführung von Picassos berühmter Stier-Plastik um 1960, erwartet. An der Spitze thront unangefochten eine rot lackierte Kerto-Holz Skulptur von Tony Cragg mit geneigt angeordneten, auf- und abschwellenden Scheiben. „Finnish Totem“ von 2001 soll 180.000 bis 250.000 Euro einbringen.

Auch die Fotografie hat erstmals Einzug in die „Ausgewählten Werke“ bei Grisebach gehalten. Hier wartet mit Heinrich Kühns „Landschaft mit Linden“ durchaus eine Überraschung. Der Abzug von 1898 versucht, mit fotografischen Mitteln ein der Malerei ähnliches Bild zu erzeugen. Bei der diagonal in die Tiefe strebenden Landschaft handelt es sich um einen mehrfachen Gummidruck in Braun auf Aquarellpapier. Für das technisch anspruchsvolle Bild sind 100.000 bis 120.000 Euro vorgesehen. Außerdem aufgerufen wird eine gesellschaftskritische Fotoserie. In neun Silbergelatineabzügen zeigt Duane Michals einen scheinbar Geld essenden Mann. Die um 1980/81 gefertigte Folge tritt mit 10.000 bis 15.000 Euro an.

Moderne und Zeitgenossen sind breit aufgestellt

Der 29. November beginnt vormittags mit einer charakteristischen Berliner Szene Lesser Urys: Seiner „Dame im Café“ beim Schlürfen ihres Getränks aus der Zeit um 1910/20 für 80.000 bis 120.000 Euro. Danach offeriert Grisebach 20 Arbeiten von August Macke aus einer deutschen Sammlung. Zu den Spitzenwerken zählen etwa ein Aquarell seiner lesenden Frau Margarethe von 1914 (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR) sowie eine farbige Ansicht einer „Uferpromenade“ mit schlendernden Menschen aus dem selben Jahr (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Sein Vetter Helmuth Macke gibt derweil ein „Hauskonzert“ mit sechs unbeschwert Musizierenden. Für 8.000 bis 10.000 Euro wartet das Gemälde von 1927 noch mit einer Landschaft samt Pferdefuhrwerk auf der Rückseite auf.

Für Emil Noldes lyrisches Aquarell „Vier auf einem See fahrende Gondeln“ um 1924 werden 40.000 bis 60.000 Euro disponiert, für seine prominente „Villa im Tessin“ 60.000 bis 80.000 Euro. Höher angesetzt ist ebenfalls eine kleinformatige Ölarbeit auf Papier von Max Ernst. „Les Canards“ von 1954 sind ein eindrückliches Beispiel für Ernsts späten Surrealismus und seinen meisterhaften Umgang mit der Technik der Décalcomanie (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Nicht weniger surrealistisch inspiriert ist Wols’ aquarellierte Tuschfederzeichnung „La lanterne“ um 1940/41 mit seltsamen biomorphen Gestalten in einem Geäst (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Eine Aufforderung, auch mal die stillen Momente zu genießen, gibt der „Netzflicker“ von Felix Nussbaum aus dem Jahr 1928 (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Gleiches gilt für Hans Purrmanns „Kakteenhügel auf Ischia“. Das späte Werk des Matisse-Schülers von 1953 wirkt etwas aus der Zeit gefallen und soll dennoch stolze 70.000 bis 90.000 Euro erbringen.

Nachmittags steht bei Grisebach die zeitgenössische Kunst auf dem Programm. Zu den Hochkarätern zählen hier Arbeiten von Konrad Klapheck, in denen der Düsseldorfer Maler wiederum Maschinen und Apparaturen zum Leben erweckt, wie eine Schreibmaschinentaste 1985 zum „Angebot“ (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR) oder ein Röhrensystem mit Pumpbehältern 1963 zu „Ammen“ (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). Als Gemeinschaftsarbeit tritt die humorvolle Leinwand „Music Chairs“ von Martin Kippenberger und Maria Papadimitriou von 1996 an (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR). Norbert Biskys Ölgemälde „wir schlagen zurück II“ von 2001 irritiert durch martialisch gestählte, aber erotisch dargebotene Jungmännerkörper in sanften Pastelltönen (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Etwas höher bewertet ist Rainer Fettings Bronzeguss „Desmond“ von 1987. Die über 2,5 Meter hohe Plastik zelebriert für 60.000 bis 80.000 Euro gleichfalls die elementare männliche Körperlichkeit.

Die Offerte umfasst außerdem einen der berühmten „Filzanzüge“ von Joseph Beuys, der einst in der Berliner Galerie von René Block als einer von 100 nummerierten Anzügen erworben wurde. Für die angebotene Nr. 93 liegt die Schätzung bei 50.000 bis 70.000 Euro. Eine von Beuys’ beliebten „Capri-Batterien“ aus dem Jahr 1985 ist desgleichen zu haben. Das Multiple aus gelber Glühlampe mit Steckerfassung und Zitrone legte die neapolitanische Galerie Lucio Amelio 1985 in insgesamt 250 Exemplaren auf. Eines der 50 nummerierten Künstlerexemplare soll nun 8.000 bis 10.000 Euro kosten. Zur jüngeren Generation zählen Haegue Yang mit ihrer ironischen, leuchtenden Ramschskulptur „Jewel-wish Table Light“ von 2010 (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR), Martin Kobe mit seiner 2003 gemalten zackig-futuristischen Architekturvision (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR) oder Robin Rhode mit seinem vergoldeten Bronze-Spaten in einem schwarzen Kohlehaufen von 2007 (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Die Auktion „Ausgewählte Werke“ beginnt am 28. November um 18 Uhr. Am 29. November folgen um 11 Uhr die „Moderne Kunst“, um 14 Uhr „Werke aus einer rheinischen Privatsammlung“ und um 18 Uhr die „Zeitgenössische Kunst“. Die Besichtigung der Werke ist bis zum 26. November täglich von 10 bis 18 Uhr, dienstags lediglich bis 15 Uhr möglich. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.grisebach.com.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com



26.11.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Maximilian Nalbach

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Max Liebermann, Reiter am Strand, 1900

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Zuschlag: 200.000,- EURO

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Helmuth Macke, Hauskonzert, 1927

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Zuschlag: 8.000,- EURO

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August Macke, Uferpromenade, 1914

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