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Fotografie aus 150 Jahren bei Bassenge in Berlin

Weltzusammenhänge



Jochen Lempert, Schwäne, um 1995

Jochen Lempert, Schwäne, um 1995

Eher beiläufig wirkt das, was der Fotograf Jochen Lempert auf seinen Bildern einfängt. Das können vorbeiziehende Schwäne, eine Libelle im Anflug oder die Blüte eines Stiefmütterchens sein. Sein Thema ist vor allem die Natur: Tiere, Pflanzen und andere Naturphänomene wie Wellen, Wolken und Lavaströme. Er fotografiert analog in Schwarzweiß, verzichtet auf digitale Tricks oder Nachbearbeitungen und entwickelt alle Abzüge per Hand in der Dunkelkammer. Da können schon einmal Staubkörner oder Flusen zu sehen sein, Falten und Risse im Druckpapier auftreten oder die Ränder ausfransen. Gezielt setzt Lempert Effekte wie Weichzeichner oder die körnige Textur einer Vergrößerung ein. Die perfekt inszenierte Hochglanzfotografie ist nicht sein Ding. Der 1958 in Moers geborene Künstler, der zunächst Biologie studiert hat und sich seit Beginn der 1990er Jahre als Fotograf betätigt, will dem Betrachter leicht zu übersehende Phänomene des Alltags näherbringen, ohne ihn dabei zu überrumpeln. Mit seinen Bildern lädt er ihn zum Nachdenken darüber ein, wie alles auf der Welt miteinander zusammenhängt.


Möglichkeit dazu bietet nun die Fotografieauktion bei Bassenge. Dort sind drei frühe Werke von Jochen Lempert gelistet, die der aktuelle Besitzer direkt beim Künstler erworben hat. Die Schwäne in stillem Gewässer um 1995 sind mit über einem Meter die größte Aufnahme und mit 4.000 Euro auch die teuerste, gefolgt von der Gegenüberstellung eines lapidar vor Fließen hängenden Handtuchs mit einer Mumie gleichfalls aus den 1990er Jahren für 1.500 Euro. Nur postkartengroß ist ebenso die „Sympetrum sanguineum“, die „Blutrote Heidelibelle“ von 1995, die sich gerade auf einer Pflanze niederlassen will (Taxe 1.000 EUR). Das „Stiefmütterchen“ aus der Serie „Physiognomische Versuche“ lichtete Lempert im Jahr 2002 ab; mit 500 Euro ist es das günstigste Exemplar seiner Naturverbundenheit.

Eine anregende Auswahl aus rund 150 Jahren Fotogeschichte konnte der Berliner Versteigerer Bassenge wieder zusammenstellen. Die ältesten Aufnahmen stammen aus den 1850er Jahren, darunter das kolorierte Portrait eines englischen Gentlemans mit Bart von Antoine Claudet. Der gebürtige Franzose gehörte zu den Fotopionierin in London (Taxe 3.000 EUR). Protagonisten der frühen Fotografie waren auch die Frères Bisson. Modern wirken ihre Veduten menschenleerer belgischer Städte, etwa der gotischen Tuchhallen in Ypern oder des Rathauses mit dem Marktplatz in Oudenaarde (Taxe je 1.200 EUR). In ferne Gefilde geht es mit dem umfangreichen privaten Andenkenalbum eines hochrangigen deutschen Offiziers in China. Dort sind rund 330 Aufnahmen mit Gruppenporträts von hochrangigen Mitgliedern der chinesischen Oberschicht, Ansichten der Chinesischen Mauer oder von Landschaften, Tempeln, Palästen, Toren, Denkmälern und Kunstwerken, Mönchen, Mandarinen, militärischen Aktivitäten oder europäischen Soldaten versammelt (Taxe 4.000 EUR). Ein malerisches Genre übertrug Ferdinand Küss mit seinem Stillleben samt Blumen, einem Spiegel und Nippes in den 1860er Jahren auf das Medium der Fotografie (Taxe 1.200 EUR).

Eher ein surrealer Zugriff auf diese Gattung gelang Herbert Bayer 1936 mit der konstruierten gestaffelten Landschaft „Shortly Before Dawn“ und den ruralen Versatzstücken „Wall with Shingles“, die er beide nochmal 1973 abzog (Taxe je 1.800 EUR). Bei Horst P. Horsts 1945 skulptural erfasster „Calla Aethiopica“ in starkem Hell-Dunkel-Kontrast steht mehr das Ästhetische im Vordergrund. Durch ihre Opulenz leben Vera Mercers Stillleben, wie sie sie auch 2014 auf dem großformatigen C-Print „Green Leaves“ arrangiert hat (Taxe je 2.000 EUR). Spartanisch agiert dagegen Arno Jansen, wenn er 1976 eine Feder, ein Schneckenhaus und ein Glas vor dunklem Grund hintereinander aufreiht. Sein Vintage verlangt nur 300 Euro. Der Natur seiner Heimat Island fühlt sich Olafur Eliasson verbunden. Bis heute hat er rund achtzig Fotoserien und eine Vielzahl von Einzelaufnahmen mit Gletschern, Wasserfällen, Flüssen, Vulkanen und Höhlen angelegt. Seinen zweifachen Farbabzug „Contact is content at Seljalandsfoss“ von 1996/2014 will er so gehängt wissen, dass die Quellen der beiden Wasserfälle aneinanderstoßen und so eine unwirkliche, gespiegelte Komposition ergeben (Taxe 3.500 EUR).

Durch die stimmungsvolle Zurückhaltung überzeugt Albert Renger-Patzschs Blick in den gotischen Kreuzgang des Klosters St. Annen in Lübeck von 1928, in den gerade das Sonnleicht hineinfällt (Taxe 2.000 EUR). Auffallend geometrisch-konstruktiv erweist sich ein Innenraum der kaiserlichen Katsura-Villa bei Tokyo in der Sichtweise Ishimoto Yasuhiros von 1954 (Taxe 900 EUR). Candida Höfer schwelgt bei ihren ebenfalls menschenleeren Interieurs „Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf“ von 2012 und eines Bibliotheksraums von 2009 dagegen in westlicher Fülle (Taxe je 2.000 EUR). Mehr um die konstruktiven Elemente und deren Typologie geht es bei den drei Vintages, die Bernd und Hilla Becher 1972 vom „Schwebebahn-Bahnhof, Werther Brücke“ in Wuppertal fotografiert haben (Taxe 3.500 EUR). Für technische Anlagen interessierte sich auch Robert Häusser. Doch bei ihm gewinnen die über- und hintereinander gestaffelten „Räder“ von Eisenbahnwagons aus dem Jahr 1953 oder die auf den Betrachter zulaufenden „Röhren im Chemiewerk“ von 1963 ein surreales Eigenleben à la Klapheck (Taxe je 1.800 EUR).

2003 sah Axel Hütte in der Nacht den 350 Meter hohen „Stratosphere Tower“ über dem Lichtermeer von Las Vegas, während Stephen Shore 1977 in „Moore Haven“ den unspektakulären Rand der amerikanischen Kleinstadt dokumentierte (Taxe je 1.200 EUR). Zu den „New Topographics“ kann man auch den Italiener Luigi Ghirri rechnen, der das Leben und dessen Wandel in seiner Heimat Italien vor seine Kamera holte. Dabei ging er abstrahierend vor, überlagerte mehrere Bildebenen, verfremdete die Farben, wählte ungewöhnliche Ausschnitte und arbeitete mit Reflexionen, wie bei der unbetitelten Aufnahme von 1977 mit einer Strandpromenade, die sich in einem Schaufenster spiegelt und in der unteren Hälfte rot gefärbt ist (Taxe 6.000 EUR). Mit seinen „Lichtgraphiken“ schuf Heinz Hajek-Halke in seinem Spätwerk eine Art abstrakt-informeller fotografischer Malerei. Drei Exemplare dieser Gattung hat Bassenge zu bieten: Die „Vogeluhr“ von 1967 für 3.000 Euro, „Im Zwielicht“ und „Zwitscherorgel“ von 1968 für jeweils 2.500 Euro.

Zahlreiche Fotografien nehmen den Menschen in den Blick. Neun Monate vor dem Tod Adolph von Menzels besuchte Jacob Hilsdorf den alten Maler in seinem Berliner Atelier und verewigte 1904 ihn in neun Portraits. Als kleine, fast zwergenhafte Gestalt taucht Menzel mit einem Skizzenbuch und einem Bleistift im Mund auf einem Hochformat Hilsdorfs auf (Taxe 2.000 EUR). 1961 stand Romy Schneider vor der Kamera von F.C. Gundlach und trat mit bezwingendem Blick aus dem Schatten heraus. Den auf 1.200 Euro geschätzten Vintage versah die Schauspielerin mit einer handschriftlichen Widmung. Einer anderen Filmikone verschrieb sich Bert Stern: Für die Vogue fotografierte er 1962 Marilyn Monroe kurz vor ihrem Tod. Die Bilder wurden als „The Last Sitting“ weltberühmt. Darin demonstriert die Diva die Bandbreite ihrer Kunst und zeigt sich mal lasziv, mal nachdenklich, mal lustig und humorvoll oder mal als verletzliche Größe. Für die erotischen Bilder „Marilyn Monroe Pink Scarf“ von 2009 und „Marilyn Monroe Crucifix“ von 2010 erwartet Bassenge jeweils 3.000 Euro.

Nan Goldin setzte oft unbekannten Personen aus ihrem privaten Umfeld ein Denkmal, so 1978 dem trauten Paar „Kim and Mark in my red car, Newton, MA“, das sie von der Rückbank aus ablichtete (Taxe 3.000 EUR). Ein einzelner Mann in Rückenansicht steht im Mittelpunkt von Will McBrides Aufnahme „Sektorengrenze etwa 1957 in Berlin“, der auf den Bretterverschlag mit der Aufschrift „Sie verlassen den amerikanischen Sektor“ zugeht (Taxe 1.200 EUR). Bilder aus der DDR hat Bassenge in einem eigenen Abschnitt zusammengefasst. Oft geht es auch hier um den Menschen, wie bei Sibylle Bergemanns „Promenade“ eines einsamen Mannes mit Hund an einem nebligen Tag aus den 1970er Jahren oder Arno Fischers älteren Herrschaften an der „Müritz“ von 1956 (Taxe je 1.200 EUR). Ute Mahler streifte in den 1970er Jahre durch die DDR und holte „Zirkuskinder vom Zirkus Hein“, ein junges Mädchen mit Puppe oder ein altes Bauernpaar in Thüringen vor ihre Linse (Taxe je 600 EUR). Sven Marquardts Steckenpferd war die Subkultur der DDR. Portraits der Akteure schoss er in den 1980er Jahren und fasste sie in einem elfteiligen Vintage-Portfolio zusammen (Taxe 1.500 EUR). Bernd Heyden entdeckte in den 1970er Jahren die Weiten der ostdeutschen Agrarlandschaften, aber auch eine kaum befahrene Autobahn unter bewölktem Himmel (Taxen zwischen 900 und 1.200 EUR).

Die Auktion beginnt am 4. Dezember um 15 Uhr. Die Besichtigung ist noch bis zum 2. Dezember von 10 bis 18 Uhr, am 3. Dezember von 10 bis 15 Uhr in der Rankestraße 24, 10789 Berlin, möglich. Der Katalog im Internet listet alle Objekte unter www.bassenge.com.

Kontakt:

Galerie Bassenge

Erdener Straße 5a

DE-14193 Berlin

Telefon:+49 (030) 893 80 290

Telefax:+49 (030) 891 80 25

E-Mail: info@bassenge.com



02.12.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Taxe: 3.500,- 

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Bert Stern,

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Taxe: 3.000,- 

Losnummer: 4365

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Taxe: 1.200,- EURO

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Axel Hütte, Stratosphere Tower. Las Vegas, 2003

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Taxe: 1.200,- EURO

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Bert Stern, 'Marilyn Monroe Crucifix', 1962

Taxe: 3.000,- 

Losnummer: 4366

Nan Goldin, Kim and Mark in my red car, Newton, MA, 1979

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Taxe: 3.000,- EURO

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Taxe: 3.500,- 

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Taxe: 2.000,- EURO

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