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Manfred Schneckenburger gestorben

Der Kunsthistoriker und Kurator Manfred Schneckenburger ist tot. Der zweimalige Documenta-Leiter starb am Montag mit 81 Jahren in Köln. Nach seinem Studium der Germanistik, Geschichte, Kunstgeschichte und Ethnologie in München und Tübingen war der 1938 geborene Stuttgarter zunächst als Lehrer am Gymnasium tätig. Zeitgleich arbeitete er an seiner Dissertation und wurde 1969 über die Geschichte und künstlerische Bedeutung des Bildformats vom Mittelalter bis zum Rokoko in Tübingen promoviert. Dann absolvierte er an der Staatsgalerie Stuttgart ein Volontariat und schrieb Kunst- und Theaterkritiken. Erstmals trat Schneckenburger im großen Rahmen hervor, als er 1972 mit der Ausstellung „Weltkulturen und moderne Kunst – Die Begegnung der europäischen Kunst und Musik im 19. und 20. Jahrhundert mit Asien, Afrika, Ozeanien, Afro- und Indo-Amerika“ zu den Olympischen Spielen in München auf sich aufmerksam machte. Danach war er dann für zwei Jahre Direktor der Kunsthalle Köln.

1974 wurde Manfred Schneckenburger dann zum Leiter der drei Jahre später stattfindenden Documenta berufen. Hier präsentierte er erstmals umfangreich die neuen Medien Film und Fotografie. Umstritten war die Teilnahme von sechs „offiziellen“ Künstlern der DDR: Willi Sitte, Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke vertraten in einer gesonderten Abteilung die ostdeutsche Malerei, die Bildhauer Jo Jastram und Fritz Cremer die Bildhauerei der DDR. Die Funktion des Documenta-Leiters nahm Schneckenburger ein weiteres Mal für die Weltkunstausstellung im Jahr 1987 wahr, die mit fast 500.000 Besuchern zu einem kulturellen Großereignis avancierte. Damit war Schneckenburger neben Documenta-Gründer Arnold Bode der einzige Kurator, der die international bedeutende Kunstschau mehrmals verantwortete.

Von 1978 bis 1981 lehrte Manfred Schneckenburger an der Ruhr-Universität Bochum und arbeitete als freier Ausstellungsmacher und Autor. Von 1987 bis 1989 übernahm er die Documenta-Professur an der Gesamthochschule Kassel und wechselte 1991 als Professor für Kunst und Öffentlichkeit an die Kunstakademie Münster, die er von 1995 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2004 als Rektor führte. Auch im Ruhestand war er umtriebig und kuratierte von 2007 bis 2013 die Projektions-Biennale „Lichtsicht“ in Bad Rothenfelde bei Osnabrück. Als Publizist war Schneckenburger an Standardwerken der zeitgenössischen Kunst wie der zweibändigen Ausgabe „Kunst des 20. Jahrhunderts“ beteiligt, veröffentlichte zahlreiche Ausstellungskataloge oder die Bücher „Documenta. Idee und Institution“ und „Aushäusig. Kunst für öffentliche Räume“. 2004 wurde er für seine Leistungen auf dem kulturellen Gebiet mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. 2015 nahm Schneckenburger mit den übrigen bisherigen Documenta-Leitern den Hessischen Kulturpreis entgegen.

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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