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Bonn eröffnet Beethoven-Jahr – auch mit viel Kunst

Josef Karl Stieler, Beethoven mit dem Manuskript der Missa solemnis, 1820

Der Ruhm Ludwig van Beethovens als meistgespielten Giganten klassischer Musik ist ungebrochen. Zwar jährt sich sein 250. Geburtstag erst im Dezember 2020. Doch schon jetzt beginnen die ein Jahr andauernden Feiern in seiner Geburtsstadt Bonn. Das Licht der Welt erblickte der Spross einer Musikantenfamilie im hinteren Flügelanbau eines barocken Bürgerhauses vermutlich am Tag seiner Taufe, dem 17. Dezember 1770. Seit 1893 dient das anmutige Domizil in Bonns Innenstadt als Museum und nun als größtes Exponat zweier Ausstellungen, die in das Jubeljahr einführen.

Vorder- und Hinterhaus sind Domizil einer komplett neu gestalteten Dauerausstellung. Unter dem Leitbild des Flaneurs gibt es statt eines chronologischen Rundganges nunmehr Themenräume. So erschließen Porträts, wie ambivalent der Blick der Zeitgenossen auf Beethoven war. Die Umbruchzeit in der einst bedeutenden kurfürstlichen Residenzstadt, das soziale Umfeld, Tagesabläufe sowie Beethovens bahnbrechende kompositorische Grenzerweiterungen werden durch zahlreiche Dokumente, Modelle, Fotografien, historische Instrumente und Hörstationen vorgestellt. Erstmals geöffnet ist das Schlafzimmer der Eltern als mutmaßliches Geburtszimmer.

Der alte Kassen- und Shopbereich wurde auf die andere Straßenseite verbannt. In dem so neu entstandenen Raum ist nun die Sonderausstellung „In bester Gesellschaft – Joseph Stielers Beethoven-Portrait und seine Geschichte“ zu sehen. Hier hat Kuratorin Silke Bettermann Archivalien und rund zehn von etwa 500 nachweisbaren Portraits des bayerischen Hofmalers versammelt. Josef Karl Stielers berühmtestes Werk hat die Welt erobert. Entstehung und Wirkung der Beethoven-Ikone, insbesondere deren Vorbildfunktion etwa für Interpretationen von Andy Warhol bis hin zur Verwendung in der Souvenirkultur, stehen hier im Mittelpunkt.

Das Porträt selbst findet sich jedoch in der großen Ausstellung „Beethoven – Welt. Bürger. Musik“ in der Bundeskunsthalle. Hier erwartet den Besucher eine Präsentation, die die Person, das Schaffen und das kulturelle wie künstlerische Umfeld Beethovens erläutert. Schnell werden die gewaltigen gesellschaftlichen Umbrüche vom feudalen zum bürgerlichen Zeitalter deutlich. Die Verwerfungen und Napoleonischen Kriege ab 1794 führten zur Auflösung des kurfürstlichen Hofes in Bonn. Dies hinderte Beethoven an der Rückkehr von seinem zweiten Studienaufenthalt in Wien. Dort lebte er nun bis zu seinem Tod 1827.

Francisco de Goyas Radierzyklus „Die Schrecken des Krieges“ kommentiert eindrücklich die kämpferischen Auseinandersetzungen der Zeit. Sie wirkten sich sowohl auf das Schaffen Beethovens, als auch auf seine Gesundheit aus. Zeitlebens war er ein schwer kranker Mann, verzweifelte unter dem Verlust des Gehörs und konnte nie eine Familie gründen. Die breit von den Kuratorinnen Agnieszka Lulinska und Julia Ronge ausführlich dargebotene Wirkungsgeschichte setzt ein mit dem wachsenden Stellenwert der Musik im 19. Jahrhundert. Das Musikzimmer etablierte sich als prachtvoller Salon. So interpretierte der Wiener Maler Josef Maria Auchentaller in einem fünfteiligen Gemäldezyklus Satzthemen der sechsten Sinfonie „Pastorale“ für einen bürgerlichen Musiksalon.

Abschließender Höhepunkt ist der für die XIV. Wiener Ausstellung der Secession von Gustav Klimt als Hommage an den Komponisten geschaffene Beethoven-Fries. Das monumentale Wandbild von 1902 ist von Beethovens neunter Sinfonie inspiriert und gilt als Höhepunkt des Wiener Jugendstils und Hauptwerk des Malers. Am Schluss des Bonner Rundgangs steht die Krönung spätromantischer Beethoven-Verehrung, Max Klingers Beethoven-Denkmal, das hier vom österreichischen Künstler Oliver Laric neu gedeutet wird.

Die Ausstellungen „In bester Gesellschaft – Joseph Stielers Beethoven-Portrait und seine Geschichte“ und „Beethoven – Welt. Bürger. Musik“ laufen vom 17. Dezember bis zum 26. April 2020. Das Beethoven-Haus hat täglich von 10 bis 18 Uhr, die Bundeskunsthalle täglich außer montags von 10 bis 19 Uhr, dienstags und mittwochs bis 21 Uhr geöffnet. An den Weihnachtstagen und zum Jahreswechsel gelten gesonderte Öffnungszeiten, teils ist geschlossen. Das Kombiticket für beide Ausstellungen kostet 20 Euro, ermäßigt 13 Euro. Zur Ausstellung in der Bundeskunsthalle ist ein umfangreicher Katalog für 35 Euro erschienen. Der Stieler-Katalog zur Ausstellung im Beethoven-Haus ist für 12 Euro zu haben.

Beethoven-Haus
Bonngasse 24-26
D-53111 Bonn

Telefon: +49 (0)228 – 981 750
Telefax: +49 (0)228 – 981 75 31

Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland
Friedrich-Ebert Allee 4
D-53113 Bonn

Telefon: +49 (0)228 – 91 71 0
Telefax: +49 (0)228 – 23 41 54

Quelle: Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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