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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Der Kunst des 20. Jahrhunderts bei Bassenge in Berlin mangelte es etwas an Zugpferden. Dennoch lag die Zuschlagsquote recht hoch

Schwüle Todeserotik



Franz von Bayros, Schwestern der Salome, wohl vor 1920

Franz von Bayros, Schwestern der Salome, wohl vor 1920

Franz von Bayros ist ein Kind des Fin de siècle. Der 1866 in Zagreb geborene österreichische Grafiker, Illustrator und Maler trat vor allem mit erotischer Kunst in Erscheinung. Seine Illustrationen zu den Klassikern der galanten und frivolen Literatur brachten ihm den Ruf eines berüchtigten Erotomanen ein. So musste er 1911 wegen Einschreitens der Zensur seinen Studien- und Lebensort München verlassen. In seiner Kunst verknüpfte Bayros das Raffinement des Rokoko und seine überbordende Fantasie mit der Schwere des Symbolismus und den tiefenpsychologischen Erkenntnissen Sigmund Freuds, so auch in dem Blatt „Schwestern der Salome“. Schon die Wahl des biblisch-erotischen Stoffes rückt ihn in die Nähe von Oscar Wilde, Aubrey Beardsley oder Franz von Stuck. Vier halbgereifte nackte Mädchen halten eine große Platte mit dem Haupt Johannes des Täufers in die Höhe und tragen sie in einem ekstatischen Schwebetanz über einem Rosenteppich zu der in sich zusammengesunkenen, schwermütig thronenden Prinzessin im Hintergrund. Die mit Kreide, Kohle und Aquarell ausgeführte Zeichnung diente als Vorlage zu Blatt 41 der 1920 erschienen „Bayros-Mappe“. Sein Freund, der österreichische Schriftsteller Rudolf Hans Bartsch, bezeichnete dieses Motiv als „vielleicht das Heißeste, was Bayros je ersann“. Kühl blieb es mit den „Schwestern der Salome“ auch im Berliner Auktionshaus Bassenge nicht. Denn dort erhitzten sich die Gemüter der Käufer, bis anstelle der taxierten 12.000 Euro immerhin der Rekordwert von 22.000 Euro erreicht war.


In der an Glanzpunkten armen Versteigerung vom 30. November markiert dieser Wert, der zudem bei einer „Femme assise“, einer Farblithografie von 1955 nach Pablo Picassos Portrait seiner Geliebten Dora Maar, erzielt wurde (Taxe 18.000 EUR), das Ende der Fahnenstange. Zwar konnte Bassenge samt Nachverkauf fast Dreiviertel der 340 Positionen ab- und damit netto knapp 900.000 Euro umsetzen, doch so manches Highlight blieb liegen, besonders bei der expressionistischen Druckgrafik. Kein Sammler mochte sich etwa für Ernst Ludwig Kirchners kraftvoll ausgearbeiteten Holzschnitt „Segelboote bei Fehmarn“ von 1914 (Taxe 30.000 EUR), Emil Noldes „Selbstbildnis“ samt Hut von 1911 (Taxe 10.000 EUR) und seinen noch bekannterer Holzschnitt „Prophet“ von 1912 (Taxe 20.000 EUR) oder Karl Schmidt-Rottluffs „Selbstbildnis“ mit geschlossenen Augen von 1914 erwärmen (Taxe 10.000 EUR). Letzterer reüssierte wenigstens mit seinem dynamischen Holzschnitt „Boot im Kanal“ von 1911 bei 10.000 Euro (Taxe 9.000 EUR). Mit Lyonel Feiningers frühen karikaturhaften Radierungen „Kleinstadt“ und „The Privateer (Der Reeder)“ von 1911 konnten die Käufer ebenfalls nichts anfangen.

Farblos

Für Erich Heckels Kaltnadelradierung zweier „Reiter“ in der Manege von 1911 kamen nur 6.500 Euro zusammen (Taxe 8.000 EUR), und auch für Conrad Felixmüllers einsamen Mann auf der Radierung „Ruhrrevier“ von 1920 stoppten die Gebote schon bei 5.500 Euro (Taxe 6.000 EUR). Bei all diesen schwarz-weißen Blättern war wohl zu wenig Farbe im Spiel. Denn als Peter August Böckstiegels kantiges Portrait seiner Frau „Hanna“ von 1920 in Rot und Gelb sowie der seltenen Variante mit grünem Hintergrund auf das Auktionspult stieg, gab es bei den Kunden kein Halten mehr. Sie hievten den intensiven Farbholzschnitt auf 14.000 Euro (Taxe 4.000 EUR). Über Zuwächse durfte sich auch George Grosz für Tuscheblatt eines energisch gestikulierenden Agitators um 1923 auf 6.000 Euro (Taxe 3.500 EUR) und für seine stellenweise aquarellierte Sepiazeichnung „Der Ganove und sein Schatten“ im südfranzösischen Riviera-Hafen Cassis-sur-Mer wohl von 1927 auf 19.000 Euro freuen (Taxe 15.000 EUR), ebenso Käthe Kollwitz. Ihr seltener Holzschnitt „Hunger“ mit zwei ausgemergelten verzweifelten Gestalten kletterte auf 5.500 Euro (Taxe 2.000 EUR), ihre Kreidelithografie „Helft Russland“, die als Plakat in großer Auflage erschien, von der aber nur wenige Abzüge überlebt haben, auf 7.500 Euro (Taxe 2.200 EUR). Erfolgreich war Rolf Nesch mit einer Radierplatte von 1927 bei 4.200 Euro, die seine eben angetraute Frau Irma im Pelzmantel auf dem Kutschbock eines Zweispänners in Rückenansicht zeigt (Taxe 1.800 EUR).

Auch die Zeichnungen erwirtschafteten einige schöne Zuwächse, etwa bei Franz Skarbinas winterlich vornehm gekleideter Dame im Profil auf 1.200 Euro (Taxe 900 EUR) oder Max Liebermanns eindrücklicher Schilderung des Berliner Galeristen Fritz Gurlitt um 1892 auf 8.500 Euro (Taxe 3.000 EUR). Walter Ophey gesellte sich mit einem aus verwischten farbigen Kreidelinien sparsam aufgebauten Tal mit Bäumen von 1914 bei 2.400 Euro hinzu (Taxe 1.800 EUR), Karl Hofer mit einem melancholischen kleinen Pierrot um 1945 bei 2.600 Euro (Taxe 1.200 EUR). Glück hatte auch Jeanne Mammen mit ihrer Skizze einer Frau unter schwarzem Hut um 1910 zu gleichem Wert (Taxe 900 EUR). Nicht ganz die erhofften 20.000 Euro blieben für Hermann Max Pechsteins Dame mit auffällig voluminösem Hut übrig, die er um 1911 als „Schreibende“ in nervösem Duktus mit Kreide und Bleistift an einen Tisch platzierte. Hier endete die Kauflaune schon bei 18.000 Euro. Fernand Légers Tuscheblatt eines Stilllebens mit Lampenfuß und Zweig von 1951 verbesserte sich um 1.000 Euro auf 8.500 Euro.

Deutlich in eine malerische Richtung ging es mit einer Suite von acht Zeichnungen, in denen der jüdische Künstler Uriel Birnbaum mit einem Skelett einen modernen Totentanz kreierte. Die dicht aquarellierten Blätter scheinen von innen zu leuchten und waren als Entwürfe für Glasfenster gedacht, die es nun auf 8.000 Euro brachten (Taxe 2.800 EUR). Adolf Dietrichs naives Pastell einer groß dimensionierten Frau auf einer blühenden Wiese als Allegorie des Frühlings von 1906 blieb bei 6.500 Euro gleichfalls nicht unentdeckt (Taxe 5.000 EUR), ebenso Otto Gleichmanns seltsam distanziert geschilderte „Frau mit Schleier“ auf einem Aquarell des Jahres 1923 bei 10.000 Euro (Taxe 6.000 EUR). Noch besser schnitt das spätromantisch süßliche Ölgemälde mit dem Sonnenuntergang in einem herbstlichen Birkenwald des wenig geläufigen Malers Honig Krebepz von 1898 bei 12.000 Euro ab (Taxe 2.400 EUR). Etwas schwerer tat sich Joachim Ringelnatz’ traumartige Schilderung „Die rote Küste“, auf die ein Seeungeheuer zusteuert. Die kleinformatige humorvolle Leinwand von 1925 konnte nur 10.000 Euro auf sich vereinen (Taxe 12.000 EUR).

Bald 100 Jahre

Auch Max Slevogts Ölskizze eines Afrikaners vor dunklem Hintergrund aus den späten 1890er Jahren gab auf 20.000 Euro nach (Taxe 25.000 EUR), während Poppe Folkerts’ Gemälde „Nordseebrandung mit Schiffen“ an einem bewölkten Tag in impressionistischer Lockerheit bei 11.000 Euro hofiert wurde (Taxe 7.000 EUR). Um 1.000 Euro konnte Eugen Spiros südlich heitere Ansicht der türmebewehrten Altstadt von Tossa del Mar an der Costa Brava aus dem Jahr 1934 auf 7.000 Euro zulegen. Lotte Laserstein reitet gerade auf einer Welle der Aufmerksamkeit. Diesen Vorteil nahm sie bei ihrem Portrait einer jungen Frau samt verträumt abgewandtem Blick von 1938 mit 8.000 Euro wahr (Taxe 5.000 EUR). In die Abstraktion ging es mit Karl Otto Götz’ schwarzen informellen Schwüngen auf einer Gouache von 1965 bei 10.000 Euro (Taxe 8.000 EUR), mit Théo Kergs reliefartig plastischem Öl-Gips-Gemisch „Hiroshimein“ in erdverbundenen Farben von 1960 bei 8.500 Euro (Taxe 2.000 EUR) oder Katharina Grosses hochrechteckiger Farbfeldmalerei in Gelb über Orange und Türkis von 1996 bei 12.000 Euro (Taxe 7.000 EUR). Pierre Soulages, der an Heiligabend seinen 100. Geburtstag feiert, konnte seine „Lithographie no 8“ von 1958 mit schwarzen Balken über rot-grauem Grund gewinnbringend bei 6.500 Euro abgeben (Taxe 4.500 EUR).

Einer figurativen Malweise blieb der Tscheche Vlastimil Benes verpflichtet, der 1965 eine winterliche Hinterhofszene mit einem eingezäunten Sportplatz in einem poetischen Realismus auf den Gipsgrund zauberte und dafür nun 3.400 Euro einnahm (Taxe 1.500 EUR). Sein polnischer Kollege Edward Dwurnik steuerte die surreale blaue Vedute „Prosaisch in Bolków“ von 1984 bei, in der ein Strom durch die mit Kreuzen und einer Marienstatue bestückten Straßen der Stadt Bolków in Schlesien zu fließen scheint. Hierfür spendierten die Kunden 11.000 Euro (Taxe 6.000 EUR). Auf deutscher Seite standen Marwan mit einer braunen typisch zerfließenden Kopflandschaft in Öl aus den späten 1970er Jahren für 12.500 Euro (Taxe 12.000 EUR) und Johannes Grützke mit dem Portrait der portugiesischen Mezzosopranistin Madalena Leal de Faria von 1993 für 13.000 Euro (Taxe 15.000 EUR). Bei Cornelia Schleime und ihrer titellosen Collagemalerei mit Stier und Torero von 1988 zeigten sich die Bieter mit 4.000 Euro dann wieder beherzter (Taxe 1.500 EUR). Für die sieben Farboffsetlithografien mit fantasievollen Konstruktionszeichnungen des eben verstorbenen Belgiers Panamarenko aus der „Edition Staeck“ von 1999-2003 lief es bei 7.500 Euro ebenfalls gut (Taxe 2.400 EUR). Eine der jüngsten malerischen Arbeiten war Martin Wittfooths Ziegenbock „Herald“, dem ein Dornengestrüpp aus dem Kopf wächst. Das auf Blattgold gemalte Tierportrait von 2016 generierte 5.000 Euro (Taxe 6.000 EUR).

Tiere erfreuten sich bei der Skulptur einiger Beliebtheit. So steigerten sich Max Essers Bronze eines stehenden Fischotters um 1925 auf 3.400 Euro (Taxe 1.800 EUR), August Gauls seltene Echse von 1919 auf 6.500 Euro (Taxe 2.800 EUR) und Renée Sintenis’ kleines, sich aufbäumendes Fohlen von 1917 auf 7.000 Euro (Taxe 2.500 EUR). Aber auch das Menschenbild fand seine Anhänger, etwa Gerd Ewels weiblicher stehender Akt „Positana II“ mit über dem Kopf verschränkten Armen um 1958 bei 6.500 Euro (Taxe 3.500 EUR) oder Claus Korchs um 2002 aus Kalkstein grob gehauener schlanker „Weiblicher Dreiviertelakt“ bei 900 Euro (Taxe 1.200 EUR). Der ebenfalls heuer verstorbene Bildhauer Karl-Heinz Krause trat mit dem golden patinierten „Frauenakt im Schneidersitz“ von 1987 bei 2.400 Euro hervor (Taxe 1.500 EUR). Markus Lüpertz fasste 2016 seine archaische Hommage an die römische Göttin „Felicitas“ farbig und erwirtschaftete damit nun 7.500 Euro (Taxe 9.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Galerie Bassenge

Erdener Straße 5a

DE-14193 Berlin

Telefon:+49 (030) 893 80 290

Telefax:+49 (030) 891 80 25

E-Mail: info@bassenge.com



19.12.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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