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Das Kunsthistorische Museum in Wien nimmt die Besucher derzeit zu einer Reise durch barocke Affekte mit und hat die beiden Protagonisten der Emotionssteigerung zusammengebracht: Caravaggio und Bernini

In melodramatischen Gefühlswallungen



Michelangelo Merisi da Caravaggio, Narziss, um 1601

Michelangelo Merisi da Caravaggio, Narziss, um 1601

Die verhängnisvolle Liebe ist dem Jüngling ins Gesicht geschrieben: in Michelangelo Merisi da Caravaggios um 1600 entstandenem Gemälde ist Narziss, der sich am Wasser sitzend in sein eigenes Spiegelbild verliebt, völlig eingenommen von seinem Abbild. Das Gemälde führt dem Betrachter die stille und doch so dramatische Szene ganz nah vor Augen: Noch scheint der Jüngling nichts von den lebenslangen Qualen unerwiderter Liebe zu ahnen, zu denen ihn die Göttin Nemesis wegen seiner Herzlosigkeit verdammt hat. Mit der Linken liebkost der über die Schönheit seines eigenen Spiegelbildes erstaunte Jüngling die Wasseroberfläche, als versuche er das eigene Ebenbild zu verführen. Die meisterliche Darstellung fängt die „meraviglia“ – das Staunen – der Situation für den Protagonisten ein und löst beim Betrachten ein ebensolches Gefühl aus, beschrieben durch den fast vollkommenen Kreis rund um das hell erleuchtete Knie als Mittelpunkt, der sich in Narziss und seiner seitenverkehrten Spiegelung schließt.


Wie kaum jemand sonst hat der 1571 in Mailand geborene Michelangelo Merisi da Caravaggio seine Bilder effektvoll mit Emotionen aufgeladen. Seine Werke, wie „David mit dem Haupt Goliaths“ von 1600/01, „Knabe, von einer Eidechse gebissen“ um 1597/98 und „Johannes der Täufer“ um 1602, lassen auch die Betrachterinnen und Betrachter nicht unberührt und lösen Staunen, Erschrecken und Mitgefühl aus. Caravaggio und der fast dreißig Jahre jüngere Bildhauer Gian Lorenzo Bernini prägten mit ihren Werken nicht nur ihre Zeit, sondern waren stilbildend für viele nachfolgende Künstlergenerationen. Eine spektakuläre Ausstellung im Kunsthistorischen Museum in Wien vereint bis Mitte Januar rund siebzig Meisterwerke auch von Zeitgenossen.

Caravaggio und Bernini stehen für das intensive Wechselspiel zwischen den Schwesternkünsten „pictura“ und „sculptura“, das für den Erfolg des römischen Barocks entscheidend war. Folgerichtig vereint die Wiener Schau Gemälde und Skulpturen als Ausdruck eines gemeinsamen Geistes und des künstlerischen Dialogs vor über drei Jahrhunderten: Maler bezogen ihre Anregungen von Skulpturen, und vice versa entwickelten Bildhauer nach dem Vorbild der Malerei Methoden, um ihre Werke lebendig erscheinen zu lassen. Was die Werke von Caravaggio und Bernini miteinander verbindet, ist vor allem eine neue Aufmerksamkeit für die wirklichkeitsnahe Darstellung und das Pathos großer Gefühle. Während Caravaggio die Zurschaustellung menschlicher Regungen durch dramatischen Verismus, neues Kolorit, spannungsgeladene Inszenierung von Licht und Schatten und eine kraftvolle Erzählstruktur gelingt, erzielt Bernini die Visualisierung unsichtbarer, nicht zuletzt psychischer Kräfte durch eine leidenschaftliche Bewegung der Körper, durch malerische Lichteinwirkungen und aufgewühlte Draperien.

Seine Büste der „Medusa“ von 1638/40, die in der Ausstellung unmittelbar neben Caravaggios „Narziss“ platziert ist, führt Berninis Meisterschaft in der Verkörperung menschlicher Regungen überzeugend vor: die Sagengestalt Medusa, deren Haare in Schlangen verwandelt worden waren, besaß dem Mythos nach die Fähigkeit, jeden zu versteinern, der sie anblickte. Der Held Perseus konnte dieser tödlichen Macht mithilfe eines spiegelnden Metallschilds entgehen und Medusa enthaupten. Bernini meißelte die sich windenden Schlangen mit technischer Meisterschaft aus dem Stein heraus. Die starke Mimik der „Medusa“ mit geschwungenen Augenbrauen und geöffnetem Mund verrät ihre Angst und ihr Erschrecken vor dem unmittelbar bevorstehenden Tod. Zugleich gelingt Bernini mit der Skulptur aus Marmor, zu der er unter anderem durch Gedichte von Giambattista Marino angeregt wurde, in denen Medusa den Leser davor warnt, dass selbst die Blicke einer Marmorversion ihres Antlitzes den Betrachter zu Stein erstarren lassen könnten, eine Paragone zwischen zwei Schwesterkünsten und ein spannender Rollenwechsel: Poesie als sprechende Skulptur und Skulptur als schweigende Poesie.

Berninis Medusenhaupt ist ebenso wie Caravaggios „Narziss“ ein Zeugnis technischer Virtuosität und Lebendigkeit, in dem das Gefühl des Erstaunens – italienisch „stupore“ – angesichts des eigenen Selbst in einer lebhaften Mischung von Wirklichkeit und Imagination ausgesprochen emotional in Szene gesetzt wird. Römischer Barock, das verdeutlicht die Ausstellung, ist in erster Linie die Kunst der „affeti“, der Gefühle. Die von Malern wie Bildhauern gemeinsam verfolgte Strategie war direkt auf das Innenleben der Betrachter*innen ausgerichtet. Die innersten Gefühle menschlicher Wesen wurden so dargestellt, dass sie beim Anschauen die gleichen Emotionen erwecken sollten.

Die Schau gliedert sich nach Begriffen, die im damaligen Kunstdiskurs üblich waren: neben „meraviglia & stupore“ (Verwunderung & Staunen) sind das „orrore & terribilità“ (Entsetzen & Schrecklichkeit), „amore“ (Liebe), „moto & azione“ (Bewegung & Handlung), „vivacità“ (Lebendigkeit), „passione & compassione“ (Leid & Mitleid), „visione“ (Vision) und „scherzo“ (Scherz, Streich, Spiel). Anders als die später geläufige Epochenbezeichnung Barock waren diese Begriffe den präsentierten Künstlern sowie deren Zeitgenossen vertraut und legen eine mögliche Lesart nahe, ohne andere auszuschließen. Es ist ein Parcours unterschiedlichster menschlicher Regungen, den die Besucher der großartigen Wiener Ausstellung durchlaufen: vorbei an Augenpaaren, die durchdringend blicken, herausfordernd, erstaunt und manchmal erschrocken, vorbei an Tränen des Leids und der Freude, an Mündern, die schreien in Schmerz und Not, an Lippen verbissen, zusammengepresst oder ekstatisch geöffnet, vorbei auch an heftig gestikulierenden Armen, wehenden Haaren, geballten Fäusten und wallenden Gewändern. Sie machen physische und innere Bewegungen sichtbar.

Während die Kunst der Renaissance noch auf Harmonie und Proportion setzt und die Bewegung der Seele von der Bewegung der Körper unterscheidet, ist der Barock eine Kunst der Extreme: „Schönheit“ ist nicht mehr nur gefällig, sondern „wird“, wie der Kunstkenner und Biograf Giulio Mancini 1624 verkündet, „in allen Dingen sein“. Maler wie Bildhauer schaffen Figuren, deren Körper wie aus Fleisch und Blut sind und die für jegliche Art von Empfindung und Gefühl empfänglich zu sein scheinen. Affekte werden nicht nur dargestellt und bei Betrachterinnen und Betrachtern ausgelöst, sondern gleichzeitig beobachtet und reflektiert. Das Schockierende und das Abstoßende sind von da an Teil des ästhetischen Kanons. Darum geht es der Schau vor allem: wie die Kunst des 17. Jahrhunderts in Rom zur bildlichen Darstellung und Hervorrufung kollektiver Emotionen führte, die nichts an aktueller Resonanz eingebüßt haben.

Caravaggio, der verruchte Maler und Mörder, dem Prostituierte als Modelle für biblische Frauengestalten standen und dem man vorwarf, fromme Sujets zu profanieren, und Bernini, der Meister der Überwältigung und Günstling mehrerer Päpste, bilden die Klammer für die Präsentation von 65 Kunstwerken von insgesamt 31 Künstlern. Mit dabei sind etwa Guido Reni, Carlo Saraceni, Giovanni Baglione, Andrea Sacchi, Nicolas Poussin, Lodovico und Annibale Carracci und Francesco Mochi. Dass mit dem Bildnis der „Maria Magdalena in Ekstase“ von Artemisia Gentileschi aus den 1620er oder 1630er Jahren, das in Wien erstmals öffentlich ausgestellt wird, ein einziges Zeugnis einer Malerin mit von der Partie ist, macht deutlich, welche außerordentliche Position die rund 20 Jahre nach Caravaggio geborene Künstlerin einnimmt. Das Gemälde zeigt die neuartige Interpretation eines im 17. Jahrhundert populären Sujets einer Frau, die ihr sündiges Leben als Prostituierte bereut und einer frommen Zukunft zuwendet. Üblicherweise vermittelt Magdalenas Gesichtsausdruck Reue, Hingebung, religiöse Verzückung oder Kontemplation. In Gentileschis Gemälde ist die Vorstellung einer von tiefer persönlicher Befriedigung überwältigten Heldin einzigartig. Diese Magdalena, vermutlich ein Selbstbildnis der Künstlerin, richtet ihren Blick nicht auf eine unsichtbare himmlische Macht, sondern ruht erschöpft, aber verzückt und sehr erotisch sowie in innigster Befriedigung ganz bei sich selbst. Selbstbespiegelung und Voyeurismus werden eins, und das Gemälde gleichsam zum Selbstläufer: es scheint die Besucher geradezu herauszufordern, den kostbaren Moment des Übergangs von einer Sünderin zu einer Heiligen mit der Dargestellten zu teilen.

Die Ausstellung „Caravaggio & Bernini. Entdeckung der Gefühle“ läuft vom 15. Oktober bis zum 19. Januar 2020. Für die Schau hat das Kunsthistorische Museum täglich von 9 bis 18 Uhr, donnerstags und am Wochenende bis 21 Uhr geöffnet, an Heiligabend von 10 bis 15 Uhr. Der Eintritt mit einem Zeitfensterticket beträgt 21 Euro, ermäßigt 17 Euro. Der begleitende Katalog kostet im Museum 39,95 Euro.

Kontakt:

Kunsthistorisches Museum Wien

Maria-Theresien-Platz

AT-1010  Wien

Telefon:+43 (01) 525 24 0

Telefax:+43 (01) 525 24 503

E-Mail: info@khm.at



20.12.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Michelangelo Merisi da Caravaggio, David mit dem Haupt des Goliath, um 1600/01

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Michelangelo Merisi da Caravaggio, Dornenkrönung Christi, um 1603

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Michelangelo Merisi da Caravaggio, Knabe, von einer Eidechse gebissen, um 1597/98

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Artemisia Gentileschi, Maria Magdalena in Ekstase, 1620/25

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Guido Reni, Bethlehemitischer Kindermord, 1611

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Gian Lorenzo Bernini, Medusa, 1638/40

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Gian Lorenzo Bernini, Die Ekstase der heiligen Teresa von Avila, 1647

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Gian Lorenzo Bernini, Heiliger Sebastian, 1617

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Gian Lorenzo Bernini, Kardinal Armand-Jean du Plessis (1585-1642), Duc de Richelieu, 1640/41

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in der Ausstellung „Caravaggio & Bernini. Entdeckung der Gefühle“

in der Ausstellung „Caravaggio & Bernini. Entdeckung der Gefühle“

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in der Ausstellung „Caravaggio & Bernini. Entdeckung der Gefühle“

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