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Zu Lebzeiten gefeiert, nach dem Tode vergessen: Dieses Schicksal ereilte etliche Künstler. Mit Walter Ophey gastiert nun ein rheinischer Expressionist im Würzburger Kulturspeicher, dessen Name man sich merken sollte

Ein Leben für die Farbe



Walter Ophey, Kirche mit Sonne, 1920/23

Walter Ophey, Kirche mit Sonne, 1920/23

„Ich male, wie man singt“, schrieb Walter Ophey über seine eigenen ersten Bilder. Ein poetisch-spielerischer Grundton durchzieht daher auch viele seiner Gemälde. Aber es ist vor allem das lautstark tosende Kolorit, das sein Werk so bemerkenswert macht. So bekannte der Maler: „Ich fühle mich in der Farbe am wohlsten“. Ob schwül flimmernde Küstenlandschaften, feurig gelb zügelnde Pflanzenformationen oder bedrohlich rote Hausfassaden – die Farbe überstrahlt beinahe die Form.


Im Kanon der deutschen Expressionisten ist sein Name wenig bekannt. Vor rund einem Jahr hatte es sich das Museum Kunst Palast in Düsseldorf zur Aufgabe gemacht, genau dies zu ändern, und zeigte mit der Ausstellung „Walter Ophey. Farbe bekennen!“ die erste große Werkschau des Künstlers seit knapp 30 Jahren. Nun sind die Exponate nach Würzburg gewandert, wo sie das Museum im Kulturspeicher in Empfang nahm. Fernab des Rheinlandes wird sein Œuvre für viele Besucher eine Neuentdeckung und gleichermaßen eine farbenfrohe Erleuchtung sein.

Walter Ophey wurde 1882 in Eupen, einem beschaulichen Örtchen zwischen Lüttich und Aachen, geboren. 1900 schrieb er sich an der Düsseldorfer Kunstakademie ein. Die Stadt am Rhein sollte zu seiner Wahlheimat werden. „Ich bin bald vierzig Jahr da, schimpfe immer auf Düsseldorf und wohne immer noch da“, so Ophey in seiner Autobiografie. In der rheinischen Kunstszene war er zeitlebens bestens vernetzt. Schon 1905 kaufte der große Galerist Alfred Flechtheim eines seiner Bilder. Ophey war Gründungsmitglied des Sonderbunds und gehörte später zum berühmten Künstlerkreis des Jungen Rheinlands. Doch warum ist sein Name heute vergessen?

Mit den Großen seiner Zunft verbindet ihn viel. Zwei Jahre älter als Max Beckmann und zwei Jahre jünger als Ernst Ludwig Kirchner, gehörte Ophey zu jener Künstlergeneration, die mit aller Macht die verkrustete Kunstauffassung der Wilhelminischen Zeit überwinden wollte. Georges Seurat und Paul Signac, Georges Braque und Pablo Picasso und natürlich Vincent van Gogh waren dabei seine Vorbilder. Doch zunächst zog es Ophey, wie auch später August Macke, an die bald so verhasste Akademie. In den ersten Jahren hatte er nur nach Abgüssen zu zeichnen. „Gips und wieder Gips, dann Kopfmodelle und Akt. Für Farben fehlte das Geld“, erinnerte sich Ophey. In der Würzburger Ausstellung markieren einige jener schwarzen tristen Kreidezeichnungen den Anfang seines Schaffens.

Von da an ist die Präsentation weitgehend chronologisch aufgebaut. In offenen Kabinetten durchschreitet der Besucher die künstlerische Entwicklung Walter Opheys und die zentralen Stationen seines Lebens, wie etwa jener Herbst des Jahres 1910, als Ophey den Drang fühlte „farbiger zu malen“. In Zons am Niederrhein entstanden in diesen Tagen lichtdurchflutete Landschaften. Aus einzelnen Farbtupfen zusammengesetzt, versprühen die kolosshaften Baumstämme im „Eingang von Zons“ eine eigentümliche Unbeschwertheit. In Italien und ein Jahr später in Paris fand Ophey endgültig zur reinen Farbe. Es waren vor allem die Bilder Vincent van Goghs, die ihn zu neuen Bildfindungen animierten. Auf ähnliche Weise gerieten auch die Dresdner Maler der Brücke in den Bann des Niederländers und waren bald als „van Goghiana“ verschrien.

In Opheys großformatiger „Herbstphantasie“ von 1912 dominiert die Farbe das Geschehen. Es begrüßt den Besucher direkt beim Betreten der Ausstellung. Vor einem tüpflig bewölkten Himmel winden sich feurig gelbe Pflanzen empor. Rational lassen sich Ophey Bilder nicht fassen. Er malte mit viel Leidenschaft und Fantasie: Ein Bagger am Rhein wird zum bedrohlichen Monster, ein Kettenkarussell auf dem Jahrmarkt mutiert zu einem wilden Lichtkreisel.

Im Januar 1915 wurde Walter Ophey eingezogen. An der winterlichen Weichsel war der von Krankheiten geplagte Künstler bald nicht mehr kriegstauglich und verbrachte einige Monate im Lazarett. Hier zeichnete er viele seiner verwundeten Kameraden. In bunten schnellen Kreidelinien erfasste er ihre Körper und Betten. Jede Gestalt hielt er in einer anderen Farbe fest und wischte die Linie zu einer Seite hin aus, was seinen Zeichnungen einen charakteristischen Schimmer verlieh. Gesichter gab er den abgebildeten Menschen dabei nie, wodurch die farbigen Blätter zu eigentümlich unpersönlichen und emotionslosen Dokumenten des Krieges werden.

In den 1920er Jahren zog es Ophey häufig in die Eifel oder ins Sauerland. Er suchte einen Ersatz für das nun belgische Eupen, in das er sich als Deutscher nicht mehr zurückziehen konnte. In dieser Zeit drängten die Farben in seinen Bildern oft in verschiedene Richtungen. Das grün-blaue „Rathaus im Sauerland“ zerbirst beinahe im Meer der es umgebenden tief roten Berglandschaft. Wie ein Spukschloss empfängt es seine Besucher durch eine spitzbogige schwarze Pforte. In Monschau malte er 1921 bei Nacht ein rotes Haus, das ähnlich dem Bug eines Ozeanriesens bedrohlich auf den Betrachter zusteuert. Die verunklärte Perspektive des Bildes sorgt dafür, dass die Welt auseinander zu brechen scheint. Fenster, Wände, Straßen und Schornsteine überschneiden sich und stürzen übereinander. Von der Beschaulichkeit der Nordeifel ist hier Nichts zu spüren. Viel eher scheint die Welt hier so, wie zehn Jahre zuvor bei dem Dichter Jakob van Hoddis beschrieben: „Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen [...]. Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.“

Opheys Bilder beruhen fast immer auf Impulsen aus der realen Welt, die er dann verfremdete und wie in seinen Stillleben oft zu unheimlichen Wesen kreierte. „Ich spinne mich ganz ein in den großen Wunderkasten, den man die Welt nennt, und hole mir die großen Formen herein in meinen eigenen kleinen Kasten.“ Die Inspirationsquellen können winzig sein, wie bei dem 1925 gemalten Werk „Steinfigürchen mit Zierkürbis“. Ophey verwandelte hier auf blutrotem Grund eine afrikanische Terrakottafigur in einen schreienden Golem. Die links und rechts neben ihr abgebildeten Kürbisse wirken beinahe wie kleine Golfbälle. In der Ausstellung dokumentiert eine Fotografie der Künstlerwohnung, dass Ophey das Figürchen selbst besaß. Es dürfte tatsächlich lediglich eine Handbreit hoch gewesen sein.

Warum zählt Ophey zu den großen Unbekannten in der Kunst? Als er 1930 in Düsseldorf mit nur 47 Jahren an Herzversagen starb, nahm das Vergessen seinen Lauf. Seine Witwe, die Lehrerin Bernhardine Bornemann, konnte die als „entartet“ deklarierten Werke nicht mehr ausstellen. Nach dem Krieg verkaufte sie 1954 in großer Not den Nachlass an die Stadt Düsseldorf, von der sie fortan eine schmale Leibrente bezog. Opheys Kunst verschwand allerdings im Depot. Ausstellungen seiner Werke fanden sporadisch und bisher nur im Rheinland statt. Die Aufarbeitung der Düsseldorfer Museumsbestände kann sich nicht nur sehen lassen, sondern sollte unbedingt auch gesehen werden. Dass dies nun in Würzburg möglich ist, ist der bisherigen erfolgreichen Zusammenarbeit der Häuser geschuldet, so Henrike Holsing, Kuratorin des Museums in Kulturspeicher. Einige der Exponate kehren nun sogar an den Ort ihrer Entstehung zurück. Denn 1928, als Ophey für kurze Zeit in Würzburg weilte, malte er eine perspektivisch schiefe Ansicht der Stadt. Darin ragen hinter dem Alten Krahn am Main die gespenstig verzerrten Türme des Doms in den grün-blauen Nachthimmel. Zwischen den zwei Turmspitzen grüßt ein sichelförmiger Mond den Betrachter, als wolle er ihm einen guten Nachhauseweg wünschen.

Die Ausstellung „Walter Ophey. Farbe bekennen!“ ist bis zum 19. Januar zu sehen. Das Museum im Kulturspeicher hat dienstags von 13 bis 18 Uhr, mittwochs bis sonntags von 11 bis 18 Uhr und donnerstags zusätzlich bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 4,50 Euro, ermäßigt 2,50 Euro. Jeden ersten Sonntag im Monat ist er frei. Ein Katalog ist für 24,80 Euro im Museumsshop erhältlich. Ab Februar wandert die Schau in die Städtische Galerie nach Bietigheim-Bissingen.

Kontakt:

Museum im Kulturspeicher

Oskar-Laredo-Platz 1

DE-97080 Würzburg

Telefon:+49 (0931) 322 250

Telefax:+49 (0931) 322 25 18



03.01.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Maximilian Nalbach

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Veranstaltung vom:


01.11.2019, Walter Ophey. Farbe bekennen!

Bei:


Museum im Kulturspreicher Würzburg

Kunstsparte:


Malerei

Kunstsparte:


Zeichnung

Stilrichtung:


Moderne Kunst

Stilrichtung:


Expressionismus

Bericht:


Auf der Suche nach dem „Urwesenhaften“

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Expressionismus mit Lokalbezug







Walter Ophey, Eingang von Zons, um 1909

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Walter Ophey, Wellen Saas-Fee, 1913

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Walter Ophey, Türme in Würzburg, 1928

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Walter Ophey, Steinfigürchen mit Zierkürbis, um 1925

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Walter Ophey, Stadtbild mit Kran (Würzburg), 1927

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Walter Ophey, Spaziergänger im Park

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Walter Ophey, Rathaus im Sauerland, um 1920

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Walter Ophey, Puppe, 1924/25

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Walter Ophey, Am Mittelmeer – Dekorative Landschaft, 1910

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Walter Ophey, Im Lazarett, 1915

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Walter Ophey, Bernhardine Bornemann im Kostüm, 1906/07

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Walter Ophey, Herbstphantasie, 1912

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Walter Ophey, Grüne Madonna, um 1913

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