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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Irene Lehr verkaufte zum Jahresende beinahe alles: Ihr Schwerpunkt der Ost-Künstler trug dazu genauso bei wie die beliebte Plastik, Klassiker und kleinere Namen aus dem 20. Jahrhundert

Metro-Kunst



Günther Förg beschäftigte sich lange mit den Wechselwirkungen zwischen Architektur und Malerei, mit der er Räume akzentuierte und ihnen neue Wirkungen verlieh. Über seine zahlreichen Tätigkeiten innerhalb der Kunst am Bau kam er schließlich an die Metro AG nach Düsseldorf, für die er 2001 zwei vierteilige Wandinstallationen schuf: Jeweils vier Quadrate von monumentalen 2,5 Metern Seitenlänge bemalte er monochrom mit vier Farben und komponierte sie zu einem Streifen übereinander. Wie die beiliegenden Entwürfe zeigen, war eine Anbringung in einem schmalen, hohen und ansonsten eher tristen Treppenhaus geplant, wo die bunten Flächenarbeiten die schlichte nutzengebundene Neutralität kontrastreich aufsprengen sollten. Genauso überraschend wie die Farbeffekte den Besucher eines solchen Raumes treffen würden, erfreuten sich die immerhin je zehn Meter hohen Tafeln größter Beliebtheit bei Irene Lehrs Auktion in Berlin. Günstig auf je 40.000 Euro taxiert, schossen „Metro 1“ und „Metro 2“ in ungeahnte Höhen und dürften damit den unbekannten Preis, den die beiliegenden Rechnungen Förgs an die Metro AG Düsseldorf ausweisen, überstiegen haben. Für die erste Version war bei 350.000 Euro Schluss, während die zweite sogar bis 390.000 Euro kletterte.


Der 26. Oktober wartete für Irene Lehr jedoch nicht nur mit dieser sensationellen Steigerung der schon aufgrund ihrer Größe schwierigen Arbeiten auf. Die Auktionatorin verkaufte in Berlin immerhin 92,2 Prozent ihrer Offerten und generierte damit einen Nettoumsatz von 2,56 Millionen Euro. Trotz der hohen Preise für Förg, führte dieser den Tag aber nicht an. Maßgeblich zum Gesamterlös der Versteigerung trug mit 400.000 Euro Max Beckmann bei. „Eine Anzahl kleiner Bilder Marinen etc. (auch verkäuflich) sind fertig. … Meine Form ist dauernd in Weiterentwicklung zu größter Einfachheit und Klarheit“, schrieb dieser 1926 an seinen Galeristen I. B. Neumann in New York, was sich in der „Brandung, Kleine Marine“ deutlich ablesen lässt. Mit gedeckter Palette fing der Maler die Stimmung des trüben Tages an der Küste ein und malte das Wasser sowie den Sandstrand flächig. Bewegung bringt die weiße Gischt der Wellen ins Bild, die auf die in die Tiefe führenden Wellenbrecher treffen. Trotz des durchaus guten Ergebnisses und des Tageshöchstpreises verpasste das Gemälde von 1925/26 aber seine erhofften 450.000 Euro. Mehr Zuspruch erhielt Beckmann für einige druckgrafische Arbeiten, etwa für das markante „Doppelbildnis I. B. Neumann und Martha Stern“ von 1922 bei 2.600 Euro (Taxe 1.200 EUR) oder die frühe Lithografie „Boote auf dem Tegeler See“ von 1911 bei 4.800 Euro (Taxe 1.500 EUR).

Nicht nur die großen Namen zogen bei der Klassischen Moderne

Gegen Beckmanns wohlkomponierte Leinwand erscheint Ernst Ludwig Kirchners Farbkreidezeichnung „In der Hängematte“ geradezu ungestüm. Skizzenhaft und mit groben, vornehmlich orange-gelben Strichen bannte er um 1910 seine Figuren schnell aufs Papier und erntete damit hohe 22.000 Euro (Taxe 15.000 EUR). Nach oben ging es gleichfalls für Kirchners schmale, blau umrissene „Tänzerin im Kostüm“ der Jahre um 1916, die für 10.000 Euro den Besitzer wechselte (Taxe 8.000 EUR). Noch feiner ist August Mackes „Szene aus 1001 Nacht“ mit einem Diener im Zentrum, die er 1913 mit Tuschfeder in wenigen Zügen gekonnt umsetzte und damit verdiente 11.000 Euro erlöste (Taxe 9.000 EUR). Lyonel Feiningers Bleistiftzeichnung einer Häuserfassade an einer Pariser Straßenecke von 1907 holte zu 4.000 Euro aus (Taxe 3.000 EUR), sein kristalliner Holzschnitt „Barke und Brigg auf See“ von 1919 zu 5.200 Euro (Taxe 1.800 EUR) und Karl Schmidt-Rottluffs auf einer Postkarte mit Farbstiften entwickelte Winterlandschaft samt rotem Haus zu 7.000 Euro (Taxe 3.500 EUR).

Weniger Spontanes und Leichtes charakterisiert Johannes Walter-Kuraus „Weiblichen Rückenakt“ von 1919, bei dem gerade die durchdachte Verwendung der Stoffe um den Körper auffällt. Trotzdem stoppten die Gebote für das Ölgemälde, das verso zudem eine vollwertige Waldlandschaft um 1912 trägt, schon bei 40.000 Euro unter Vorbehalt (Taxe 50.000 EUR). Hoch hinaus ging es dagegen für Edith Dettmanns stillen „Blick aus dem Fenster“ von 1925 über Stadtgebäude und eine fast leere Straße, den im Vordergrund eine Tasse mit Margeriten schmückt. Für die wenig bekannte Stralsunder Künstlerin setzte Lehr nur 1.000 Euro an, was die Bieter aber nicht von einem Wettstreit bis zu 13.000 Euro abhielt. Gerade einige nicht geläufige Künstler durften sich über das Interesse der Käufer freuen, etwa Adolf Bügers in Rosa- und Weißtönen erblühender „Garten im Frühling“ von 1920 über 2.800 Euro oder das gleichaltrige Selbstbildnis des Hamburger Impressionisten Ernst Eitner über 3.400 Euro (Taxe je 1.500 EUR).

Alois Erbachs künstlerische Tätigkeit für satirische Zeitschriften lässt sich auch an seinem nun 3.600 Euro teuren Aquarell mit verschiedenen Szenen aus dem Leipziger Hauptbahnhof von 1919 ablesen (Taxe 2.400 EUR). Mit sozialkritischen Themen befasste sich auch Gerta Overbeck, so 1922 in ihrem anrührenden Blatt „Bettler mit Napf“, das mit 4.600 Euro umworben wurde (Taxe 4.000 EUR). Eine Kollegin im Geiste hatte sie in Lea Grundig, die diesmal bei Irene Lehr mit der Tuschezeichnung einer sanft ruhenden Frauengestalt von 1926 für 1.400 Euro (Taxe 1.000 EUR) und einem Konvolut von 62 dann schon eher aufrüttelnden Radierung für 3.300 Euro vertreten war (Taxe 3.000 EUR). Grethe Jürgens zeichnete und aquarellierte in den 1920er Jahren ihre Hannoveraner Künstlerfreunde, darunter Erich Wegner und Gerta Overbeck. Ihre beiden postkartengroßen Blätter mit den kantigen Köpfen kamen auf jeweils 1.500 Euro (Taxe je 1.200 EUR). Schon um 1913 hatte sich der rheinische Expressionist Joseph Kölschbach in die Ungegenständlichkeit verabschiedet. Sein Aquarell mit einer von der Natur inspirierten Farbwallung kam auf 2.200 Euro (Taxe 1.000 EUR).

Zwei zum Preis von einem versprach Carl Lohses gelblastige Sommerlandschaft „Bei der Ernte“, auf die er verso um 1930 die „Raben am Friedhof“ gemalt hatte. Die beidseitige Rahmung ermöglicht die individuelle Hängung. Das Doppelwerk erreichte aber nur 8.000 Euro (Taxe 10.000 EUR). Etwas jünger ist Josef Mangolds kühl neusachliches „Stillleben mit rotem Mohn“ von 1931. Drei der Blüten stehen aus einem grauen Tonkrug empor und sind vor der graubraunen Wand auf dem dunklen Tisch das einzig farbig lebendige Element in dem für 20.000 Euro taxkonform abgegebenen Gemälde. Einem klassischen Malstil verpflichtet blieb Bernhard Kretzschmar, als er um 1952 den „Blick auf die Dresdner Altstadt – Brühlsche Terrasse“ fertigstellte. Das Querformat, auf dem das „Elbflorenz“ seinem Namen gerecht wird, ging für 10.000 Euro an einen Liebhaber (Taxe 12.000 EUR). Viel später entstand Michael Triegels „Junger Mann mit Spanischem Kragen“, den er allerdings angelehnt an die Techniken alter Meister schuf. Seinem Porträt verlieh er eine distanziert kühle Stimmung, wobei der gewollt renaissancehafte Rahmen die Spannung zwischen der modernen Bildnis und dem alten Stil verstärkt. 8.000 Euro waren Triegels Lohn (Taxe 9.000 EUR).

Schwungvolle Plastik

Gut kam bei Irene Lehr diesmal besonders die Skulptur weg. Georg Kolbe führte mit seiner „Auferstehung“ der Jahre 1919/20 die Gattung an. Die durch ihre überlangen Proportionen zierliche Frauengestalt aufstrebenden Charakters hat eine glatte geschlossene Oberflächenstruktur. Die überschlagenen, nicht den Boden berührenden Beine lassen sie nach oben schweben. Die durch die geschlossenen Augen spirituell introvertierte Figur, die auf 90.000 Euro veranschlagt war, ging letztlich für überraschende 125.000 Euro an einen Sammler. Geerdeter ist da Fritz Klimschs „Akrobatin“, die auf dem Bauch liegend, gelenkig mit dem Fuß ihren Hinterkopf berührt. Die Bronze in komplexer Pose von 1927/28 verbesserte sich auf 29.000 Euro (Taxe 18.000 EUR). Vergleichsweise höher schnellte Renée Sintenis’ „Fußballspieler“ des Jahres 1927. Der nackte Sportler, der das rechte Bein zum Schuss erhoben hat und diesen Schwung mit dem nach hinten gestreckten Arm auszugleichen versucht, verdreifachte gleich seine Schätzung von 9.000 Euro.

In sich gekehrter ist wieder Hermann Blumenthals sechs Jahre jüngerer „Auf Block Kniender mit erhobenen Armen“, auch „Verlorener Sohn“ genannt, der dem Betrachter als Akt frontal ausgeliefert ist. Die Pose verleiht dem Mann einen unterwürfigen Anschein, den sein ausgemergelter Körper noch unterstreicht, wofür ein Kunde 9.000 Euro zahlte (Taxe 8.000 EUR). Die abstrakte Plastik vertrat unter anderem Kurt Schwitters. Dessen „Kleiner Hund“ lässt sich an der Form des Kopfes und der Schnauze des Tieres zwar erahnen, jedoch reduzierte der Künstler 1942/45 den Gipsguss zu geometrischen, asymmetrischen glatten Blöcken, wofür letztlich 16.000 Euro zusammenkamen (Taxe 12.000 EUR). Die Riege der Bildhauerinnen vertraten etwa noch Marianne Lüdicke mit ihrer charmanten Bronze „Mädchen umschauend, klein“ von 1973 für gute 3.200 Euro (Taxe 1.500 EUR) und Gertraud Möhwald mit jüngeren Arbeiten. Ihren „Kopf mit buntem Haarschmuck“, der damit an südländische Völker erinnert, setzte sie aus Porzellan, Scherben und schamottiertem Ton zusammen. Das bruchstückhaft wirkende Grundmaterial lasierte sie verschiedenfarbig, womit 9.000 Euro zu erzielen waren (Taxe 10.000 EUR).

Dass auch die unbekannteren und günstig bewerteten Positionen der Bildhauerei gut ankamen, machen etwa Joachim Dunkels goldbraun patinierte Bronze „Steigendes Pferd“ von 1963 für 2.400 Euro (Taxe 600 EUR), Waldemar Grzimeks wohlgemute „Kleine Sitzende“ von 1962 für 3.400 Euro (Taxe 2.000 EUR) oder Alfred Lörchers kompakte Terrakotta „Trunkener Silen“ von 1995 für 800 Euro deutlich (Taxe 300 EUR). Ihnen folgten noch die drei sich bückenden, vollbusigen Frauen auf Gustav Seitz’ Bronzerelief „Ernte“ von 1963 bei 2.600 Euro (Taxe 1.500 EUR), Toni Stadlers trauriger Kopf eines Jünglings bei 5.000 Euro und Werner Stötzers gedankenverloren auf einem Steinsockel „Sitzende“ als Allegorie des thüringischen Flüsschens Göritz von 1984 bei 4.200 Euro gewinnbringend nach (Taxe je 2.000 EUR). Schließlich ließ sich auch Rolf Szymanski nicht lumpen, als sein Torso eines stehenden weiblichen Akts an der Reihe war, und forderte für die schwarzbraune Bronzefigur von 1957/59 einträgliche 4.000 Euro (Taxe 1.500 EUR).

Figürlich abstrakt?

Aspekte der Analytischen Malerei tauchen 1963 bei Winfred Gaul im oberen Teil der Leinwand „Rouge“ auf. Unten ergänzte er das weiß abgegrenzte Quadrat aus knalligen Farbdiagonalen um das rot gerahmte und titelgebende Wort in Schablonenschrift, womit sein Öl- und Lackwerk für 8.500 Euro zwischen avantgardistischer Kunst und alltäglicher Formensprache schwankt (Taxe 6.000 EUR). 500 Euro weniger brachte sein ein Jahr jüngeres und mit ähnlichen Effekten spielendes „Zeichen“ ein, das an einen Drehschalter mit farbiger Rahmung erinnert. Es blieb damit aber trotzdem über der gleich hoch angesetzten Expertenmeinung. Schrift und Bild verband 1991/92 gleichfalls Dieter Krieg bei seiner umrissenen Kiste mit der Aufschrift „Danke“, an die eine erloschene Kerze gelehnt ist, und verlangte einem Kunstfreund immerhin 20.000 Euro ab (Taxe 15.000 EUR). Mit seiner auf den ersten Blick kindlich stilisierten Menschenzeichnung, aber tatsächlich künstlerisch durchdachten Gesamtkomposition traf William Nelson Copley genau den Geschmack des Publikums. Dieses trieb seine zwischen Tanz, Spiel, Musik, Alkoholmissbrauch und einem Überfall stehenden Figuren in „Je m’en fou“ von 1962, die allesamt durch leere Sprechblasen am inhaltslosen Kommunizieren sind, auf 37.000 Euro (Taxe 15.000 EUR).

Als einer der großen Meister abstrakter optischer Effekte gilt Victor Vasarely. „Horna“ aus dem Jahr 1957/87 entstammt jedoch seiner früheren Phase, bevor er sich noch deutlicher den Illusionen der Op-Art verschrieb. Die geometrische Komposition aus schwarzen und orangefarbenen Balken auf lilafarbenem Grund spülte 23.000 Euro in Lehrs Kasse (Taxe 18.000 EUR). Ein weiteres früh in der Karriere angesiedeltes Gemälde war von Günter Fruhtrunk im Angebot. Der jung verstorbene Hauptvertreter der Konkreten Kunst malte 1952/54 verschieden geformte und unterschiedlich farbintensive blaue Felder auf eine Hartfaserplatte, was auf seine durchgängige Beschäftigung mit dem Kolorit und der geometrischen Fläche hinweist. Zum im Katalog angegebenen Preis von 12.000 Euro war das Los dementsprechend nicht zu haben, sondern erst für 2.000 Euro mehr. Noch ein Klassiker der Nachkriegsabstraktion ist Karl Otto Götz, der lebenslang seine schwungvoll dynamischen informellen Pinselgesten kultivierte. Eine titellose Gouache von 1953, bei der dicke schwarze Schwünge seichtes Gelb und Lila überziehen, spielte 8.000 Euro ein (Taxe 7.000 EUR). Für Götz’ noch wildere, kometenhaft nach rechts strebende „Hommage à Lautréamont (Maldoror)“ von 1961 konnte sich dagegen bei einem Preis von 12.000 Euro niemand erwärmen. Die 1925 in Beirut geborene Etel Adnan ist spätestens seit ihrer Teilnahme an Documenta 2012 ein Begriff. So ist es nicht allzu verwunderlich, dass ihr abstraktes Aquarell, das an eine Baumgruppe erinnert, von 1.500 Euro auf 4.600 Euro zulegte.

Lehrs beliebte „Stammkünstler“ aus dem Osten

Einige Künstler, besonders aus dem Osten Deutschlands und der ehemaligen DDR, tauchen regelmäßig bei Irene Lehr auf und werden von ihrem Publikum gleichermaßen geschätzt. Dazu gehört etwa Hermann Glöckner, der mit seinem frühen „Bildnis der Mutter des Künstlers“ von 1929 begeisterte. Die Wertschätzung für die wichtige Frau in seinem Leben drückt sich schon der Materialwahl aus, denn Glöckner überzog die Rückseite des groben Porträts mit Goldpapier, was eine Verdoppelung des Wertes auf 16.000 Euro zur Folge hatte. Seine spätere, konstruktivistisch geprägte Phase vertrat das „Strahlenbündel in Schwarz“ aus der Zeit um 1935 für hohe 13.000 Euro (Taxe 9.000 EUR). Ein weiterer DDR-Abstrakter, der in den letzten Jahren eine kleine Renaissance erfahren hat, ist der 2018 in Dresden verstorbene Karl-Heinz Adler. Auch für seine beiden Arbeiten hatte Irene Lehr die Preise recht günstig angesetzt, so dass Steigerungen für seine rhombische Aquarell-Papiercollage „Schichtung“ von 1980 auf 4.400 Euro (Taxe 800 EUR) und für das durch die Verschiebung der diagonalen Mittelbahn aufgerissene Rechteckt einer Farbschichtung von Gelb zu Orange von 1994 auf 6.200 Euro nicht ausblieben (Taxe 1.000 EUR).

Beim Figürlichen blieb Albert Ebert mit seinen atmosphärisch düsteren Gemälden. Die zum Mond einer Nachtlandschaft blickende „Frau mit Regenschirm“ von 1964, die gleichermaßen romantisch wie deprimierend wirkt, verdoppelte wieder ihre Erwartung von 8.000 Euro. Älter und freundlicher war das „Mädchen mit Sonnenblumen“ des Jahres 1959, das die vielen Blumen beinahe in den Hintergrund rücken lassen. Die erwarteten 5.000 Euro waren im Bietergefecht schnell überschritten, die letzte Hand reckte sich erst bei 11.000 Euro. Mit dieser Preisvorstellung betrat auch ein Konvolut an Druckgrafiken Eberts der Jahre 1946 bis 1978 das Auktionspult. Irene Lehr konnte die 92 Blätter menschlicher Lebenswelten erst bei 15.000 Euro zuschlagen. Mit ruhigen, oft melancholischen Bildfindungen gesellten sich Rolf Händler und sein von Puppenköpfen übervolles Stillleben „Im Atelier“ von 1996 für 2.400 Euro (Taxe 1.000 EUR), Peter Herrmann und sein zurückhaltendes „Tischstillleben“ für 4.400 Euro oder Harald Metzkes und sein Zwei-Personen-Stück „Das Lied“ von 1933 samt Harlekin und eine Sängerin für 4.200 Euro dazu (Taxe je 4.000 EUR).

Dramatisch ist Willi Sittes 1964 entstandener „Trinkender Karbidarbeiter“, dessen Kopfbewegung nach hinten durch Wischspuren nachvollziehbar ist. Die angestrengte Ausstrahlung des Mannes unterstreichen das viele Schwarzweiß sowie die matten gelbbraunen Töne, womit er 16.000 Euro auf sich vereinen konnte (Taxe 12.000 EUR). Ähnlich gut kamen noch seine stärker auf der geometrischen Abstraktion beruhenden „Zwei Rückenfiguren“ von 1956 an, die aus verschiedenen Farbflächen in einer einfachen Hügellandschaft gebildet sind. Ein Interessent erkämpfte das Figurenpärchen für 11.500 Euro (Taxe 7.000 EUR). Während Sitte im Kunstbetrieb des Ostens etabliert war, geriet A.R. Penck mit seiner häufig aufrüttelnden Symbolsprache ins Fadenkreuz der Staatssicherheit. Auf dem Stoffquadrat „Wasser gegen Feuer“ greift er durch wenige Linien und Formen den Kampf zweier Urelemente auf, wobei das Feuer als stilisierte Figur den Wassermengen unterlegen scheint und zahlreich mit dem Schmerzausruf „Au“ beschriftet ist. Das zudem wegen der Justizwaage als Allegorie auf die überbordende Unterdrückung lesbare Werk von 1969 sollte 60.000 Euro kosten. Seine Tiefsinnigkeit honorierten die Bieter aber mit 95.000 Euro.

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dr. Irene Lehr Kunstauktionen

Sybelstraße 68

DE-10629 Berlin

Telefon:+49 (030) 881 89 79

Telefax:+49 (030) 881 89 95



09.01.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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Kurt Schwitters, o.T. (Kleiner Hund), 1942/45

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