Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 22.02.2020 Auktion 22. Februar 2020: Norddeutsche Kunst - Dekorative Kunst

© Auktionshaus Stahl

Anzeige

Enten am Wehr / Alexander Koester

Enten am Wehr / Alexander Koester
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Stillleben mit Blaudistel und Fruchtschale, 1958 / Karl Schmidt-Rottluff

Stillleben mit Blaudistel und Fruchtschale, 1958 / Karl Schmidt-Rottluff
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Amazone, nach 1906 / Franz von  Stuck

Amazone, nach 1906 / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Das in den Niederlanden gefeierte Rembrandt-Jahr zum 350. Todestag des großen Barockmalers schließt mit einer Ausstellung aus Werken der ersten zehn Schaffensjahre in seiner Geburtsstadt Leiden

Am Ende steht die Jugend



Rembrandt, Selbstportrait, um 1628

Rembrandt, Selbstportrait, um 1628

„Schau mir in die Augen….“ Jener Vers eines bekannten rheinischen Karnevalsliedes stößt bei der Betrachtung des braungrau abgetönten Selbstporträts von Rembrandt Harmenszoon van Rijn, so sein vollständiger Name, auf Schwierigkeiten. Man muss schon sehr genau hinschauen, um die konzentriert geradeaus blickenden dunklen Pupillen zu erkennen, die im Kernschatten des wallenden Lockenschopfes liegen. Von links fällt das Licht scharf auf Nacken und Kragen und lässt auch noch Teile der Wange erglühen. Fast scheint es so, dass der Dargestellte durch Drehung des Kopfes die Helligkeit abwehren will, denn alles andere hüllt sich in Dunkelheit. Am deutlichsten stechen noch die gewellten Haare hervor, dessen Zotteln Rembrandt mit dem spitzen Ende seines Pinsels in den Farbuntergrund kratzte.


Das 1628 geschaffene Ölbild diente Rembrandt weniger zur Selbstdarstellung, als vielmehr zum Ausprobieren neuer malerischer Möglichkeiten von Licht und Schatten. Dutzende Radierungen stellen derzeit im Leidener Museum De Lakenhal zahlreiche Varianten der experimentellen Nutzung der eigenen Person vor. In vielen Modifikationen ist Rembrandt zu sehen, mal seriös, mal verärgert, brüllend mit offenem Mund, aufgerissenen Augen, vollkommen überrascht oder hellauf lachend. Sogar als kniender Bettler inszeniert er sich, in Lumpen und mit einem aufsässigen Gesichtsausdruck. Die Ausführungen variieren von skizzenhaft-flüchtigen Bildern bis hin zu großer Detailtreue sowie mit und ohne Schatteneffekten. Auch in vielen seiner Gemälde hat sich Rembrandt verewigt, sei es nur im Hintergrund als Staffagefigur, die der Betrachter erst auf den zweiten Blick wahrnimmt. Hier präsentiert sich jemand, der nach neuen Herausforderungen sucht.

Dies und eine Reihe von weiteren Aspekten thematisiert die Ausstellung „Jonge Rembrandt – Rising Star“ im Museum De Lakenhal im niederländischen Leiden vor. Damit erinnert seine Geburtsstadt aus Anlass seines 350. Todestages an ihren berühmtesten Sohn. Die Ausstellung widmet sich dem Frühwerk des Meisters zwischen 1624 und 1634 und damit den für sein Werkschaffen entscheidenden und prägenden Jahren, in denen Rembrandt zu seinem spezifischen Stil fand. Die Schritte dahin führen über 40 Gemälde, 70 Radierungen und zehn Zeichnungen, die vor rund 400 Jahren in Leiden entstanden.

Das erste Exponat, Rembrandts frühestes bekanntes Gemälde, ist bereits vom Experimentieren mit Licht und Schatten geprägt. Noch etwas unbeholfene und unüblich flüssig wirkende Pinselstriche evozieren eine gewisse Nachdenklichkeit in dem um 1624 entstandenen „Brillenverkäufer“. Es wird spekuliert, ob das karikaturhaft illustrierte Käuferpaar nicht Rembrandts Eltern darstellt. Im zwei Jahre später datierten Ölbild „Die Taufe des Eunuchen“ lehnte sich Rembrandt motivisch und hinsichtlich der visuellen Mittel an sein Lehrer Pieter Lastman an. Indem er die Aktion bei weitgehender Reduzierung der Landschaft in den Vordergrund schob und die Vertikale statt der Horizontalen betonte, verlieh er dem Sujet einen dramatischen Aspekt.

Die Bearbeitung anderer Themen aus der Bibel, Mythologie und Historie offenbaren schon recht bald die Entwicklung, die Rembrandt unabhängig von allgemeinen Strömungen der Zeit vollzog. Als er im Jahr 1625 die „Steinigung des heiligen Stephanus“ illustrierte, ergänzte er die klassische Ikonografie durch signifikante Elemente und eine lichtmäßige Betonung. Erstmals öffentlich zu sehen und publiziert ist nun die weitere, um 1627/28 entstandene biblische Schilderung „Lasst die Kinder zu mir kommen“. Das neu entdeckte Gemälde war 2014 auf einer Auktion als „Dutch School“ gelistet und konnte nun eindeutig Rembrandt zugeschrieben werden. Im Hintergrund verewigte sich der Maler als junger Mann, der über die Szenerie schaut.

An Dramatik nicht zu überbieten ist der von Reue ergriffene Judas, der dem Hohenpriester und den Ältesten seine Silberlinge vor die Füße wirft. Mit welcher Akribie Rembrandt die Lichtspots auf die blitzenden Münzen, auf die handelnden Personen und die Bibel lenkte, faszinierte sofort Constantijn Huygens, den einflussreichen Sekretär und Berater des niederländischen Statthalters Friedrich Heinrich von Oranien, dermaßen, dass er nach Inaugenscheinnahme des Gemäldes um 1630 sofort von einem großen Meisterwerk sprach. In der Folge unterstützte er Rembrandt und vermittelte ihm Aufträge. So konnte der Künstler umgehend zwei Gemälde an die englische Korne verkaufen. Der Durchbruch war mit dem Judas-Bild gelungen.

Die Perfektionierung des Einsatzes von Licht und Schatten zeigen im weiteren Verlauf der Ausstellung die um 1630/31 gemalte „Entführung der Proserpina“, die aus der Berliner Gemäldegalerie entliehen werden konnte. Erstmals ist sie zusammen mit der ein Jahr später entstandenen „Entführung der Europa“ zu sehen, die vom Getty Museum in Los Angeles nach Leiden gereist ist. Ein brillantes Selbstporträt des Künstlers aus dem Jahr 1635 schließt die Auswahl ab. Zu diesem Zeitpunkt lebte der Maler schon nicht mehr in seiner Geburtsstadt Leiden. Weitreichend ambitioniert, zog es ihn 1631 in die große Stadt Amsterdam. Seine um 1625 zusammen mit dem Malerfreund Jan Lievens gegründete Werkstatt in Leiden führte eine Gruppe talentierter Assistenten um den Maler Gerrit Dou noch bis 1634 weiter.

Die Ausstellung im Museum De Lakenhal regt dazu an, Orte in der unmittelbaren Umgebung aufzusuchen, die den frühen Rembrandt prägten und zahlreiche Motive bestimmten. An der Stelle seines 1927 wegen Baufälligkeit abgerissenen Geburtshauses steht heute eine anlässlich des 400. Geburtstages im Jahr 2004 geschaffene Bronzegruppe des deutschen Künstlers Stephan Balkenhol mit dem jungen Rembrandt bei der Betrachtung eines Selbstporträts, ergänzt von einem Reliefporträt in Keramik an der dahinter liegenden Hauswand. Gegenüber steht heute wieder die 1611 errichtete und 1987 rekonstruierte Bockwindmühle „De Put“, ein Motiv, das in vielen Bildern Rembrandts auftaucht und daran erinnert, dass sein Vater als Müller arbeitete.

Auch die streng kalvinistische Lateinschule, die Rembrandt nach Abschluss der Grundschule zwischen 1616 bis 1620 besuchte, ist zu besichtigen. Der Unterricht über Religion, klassische Geschichte und Rhetorik hat den jungen Maler maßgeblich beeinflusst. Kurzzeitig war er danach an der Universität Leiden eingeschrieben, bevor er beim in Italien geschulten Maler Jacob Isaacsz van Swanenburg von 1620 bis 1624 in Leiden unterrichtet wurde. Danach schloss sich eine sechsmonatige Lehrzeit beim Historienmaler Pieter Lastman in Amsterdam an. Rembrandts frühe Bilder und das Umfeld ihrer Entstehung in Leiden lassen neben der suchenden Sturm- und Drangphase auch ein erstaunliches Maß an Geborgenheit und Glück durchschimmern. In Amsterdam begann dann ein recht ambivalenter Lebensabschnitt, der mehr den Star und Geschäftsmann repräsentiert.

Die Ausstellung „Jonge Rembrandt – Rising Star“ läuft bis zum 9. Februar. Das Museum De Lakenhal hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7,50 Euro, ermäßigt 3,40 Euro. Der Ausstellungskatalog kostet im Museum 29,95 Euro.

Kontakt:

Museum De Lakenhal

Oude Singel 32

NL-2312 RA Leiden

Telefon:+31 (071) 516 53 60



15.01.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 30

Seiten: 1  •  2  •  3  •  4

Adressen (1)Kunstsparten (3)Stilrichtungen (1)Berichte (5)Variabilder (19)Künstler (1)

Bei:


Museum De Lakenhal

Kunstsparte:


Grafik

Kunstsparte:


Zeichnung

Kunstsparte:


Malerei

Stilrichtung:


Barock

Bericht:


Meisterhafte Grafik im Überblick

Bericht:


Rembrandt als einflussreiches Vorbild

Bericht:


Rembrandt - Genie auf der Suche

Bericht:


Menschen statt Ideale







Rembrandt, Interieur mit Figuren, um 1627

Rembrandt, Interieur mit Figuren, um 1627

Rembrandt, Der Prophet Jeremia, 1630

Rembrandt, Der Prophet Jeremia, 1630

Rembrandt, Lasset die Kinder zu mir kommen, um 1627/28

Rembrandt, Lasset die Kinder zu mir kommen, um 1627/28

Rembrandt, Mann in orientalischer Tracht (de Nobele Slaaf), 1632

Rembrandt, Mann in orientalischer Tracht (de Nobele Slaaf), 1632

Rembrandt, Selbstportrait als Bettler, 1630

Rembrandt, Selbstportrait als Bettler, 1630

Rembrandt, Selbstbildnis mit Mütze und offenem Mund, 1630

Rembrandt, Selbstbildnis mit Mütze und offenem Mund, 1630

Rembrandt, Der Lobgesang des Simeon, 1631

Rembrandt, Der Lobgesang des Simeon, 1631

Rembrandt, Portrait eines alten Mannes (Rembrandts Vater), um 1625/30

Rembrandt, Portrait eines alten Mannes (Rembrandts Vater), um 1625/30

Rembrandt, Historie mit Selbstporträt des Malers, 1626

Rembrandt, Historie mit Selbstporträt des Malers, 1626

Rembrandt, Der Raub der Europa, 1632

Rembrandt, Der Raub der Europa, 1632

Rembrandt, Christus in Emmaus, um 1628

Rembrandt, Christus in Emmaus, um 1628

Rembrandt, Der Brillenverkäufer (Allegorie des Sehens), um 1624

Rembrandt, Der Brillenverkäufer (Allegorie des Sehens), um 1624

Rembrandt, Judas bringt die 30 Silberlinge zurück, 1629

Rembrandt, Judas bringt die 30 Silberlinge zurück, 1629




Copyright © '99-'2020
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce