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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Das Clemens Sels Museum in Neuss verbindet in einer dialogisch angelegten Schau zwei Sammlungen. Die Schärfung von individuellen Sichtweisen soll dabei neue Perspektiven in die Diskussion bringen

Eine Basis für Zwiegespräche



Heinrich Campendonk, Heiliger Julian jagend, um 1907

Heinrich Campendonk, Heiliger Julian jagend, um 1907

Expressiv drängt ein Geschwader hetzender, nach Beute lechzender Jagdtiere durch das längsrechteckige Bildfeld, überneigt vom heiligen Julian. Angeregt von Gustave Flauberts Heiligenlegendenbuch trieb der Maler Heinrich Campendonk um 1907 Julians Leidenschaft für das brutale Treiben der Jagd auf die Spitze. Auf Grundformen reduzierte Figuren in strenger linearer Flächigkeit und in gestaffelter Reihung weisen das Bild als Entwurf für eine Wandgestaltung aus. Daneben taucht der Blick in die Atmosphäre altrussischer Interieurs. Auch der Maler Iwan Jakowlewitsch Bilibin ließ sich bei der Motivwahl für die Wandmalerei eines Volkshaussaales von literarischen Vorlagen beeinflussen. Erzählungen aus Alexander Puschkins orthodoxen Heiligenlegenden und Märchen bettete Bilibin in eine Landschaft, deren koloritreicher zierender Duktus eine begleitende Direktive an den Betrachter abgeben sollte. Ausdrucksvoll verweisen die plakativen Entwürfe auf die Umsetzung erzieherischen Schrifttums in das Medium der bildenden Künste. Doch welche Vermittlungsform erweist sich als nachhaltig oder flüchtig? Wie hält es die Gegenwart damit? Heute dient primär der Film als Grundlage visueller Bildfindungen und Parallelwelten.


Der vorwärts drängenden Tiermeute folgend, führt der Weg im Clemens Sels Museum in Neuss über die Treppe ins oberste Geschoss. In der Ausstellung „Begegnungen. Die verbindende Sprache der Kunst“ steht man plötzlich vor einer stürmischen See. Stolz und machtvoll navigieren mit Kriegsbeflaggung bestückte Galeonen durch das aufgewühlte Meer voller hoch schlagender, von Schaumkronen besetzter Wellen. Beiboote und Wolkenberge dramatisieren den Kampf gegen die Naturgewalten. Nur die Stadt Dordrecht im Hintergrund erfasste um 1650 der niederländische Marinemaler Jacob Adriaensz Bellevois auf dem Gemälde als hellen Fixpunkt. Ruhiger, doch nicht minder im imperialen Habitus geht es nebenan in der Vedute von Anna Ostroumowa-Lebedewa zu, einer Schülerin von Ilja Repin. Von der Newabucht schweift der Blick an einem grauen Wintertag über spiegelnde Eisschollen auf die Kaimauer der Wassiljewski-Insel in St. Petersburg. Majestätisch führt die Sicht über eine Auffahrt zur mittig platzierten Rostra-Säule mit ihren ausladenden Schiffsbugen. Ostroumowa-Lebedewa will mit ihrer Gouache ebenfalls die Größe und Stärke von Russlands Marine demonstrieren. Doch was bedeuten und bewirken Machteinfluss und Kriege auf Dauer? Seestreitkräfte waren früher primäre Faktoren für Stärke. Heute ist die deutsche Marine mit nur 16.000 Soldaten der kleinste Teil der Bundeswehr. So hat sich seit Kaisers Zeiten die Welt gewandelt. Was sind heute Machtfaktoren? Was verbindet uns heute mit anderen Ländern?

In Neuss treffen derzeit Arbeiten westeuropäischer Künstler aus dem Fundus des Clemens Sels Museums auf ausgewählte Werke russischer Maler der Sammlung Rubinstein-Horowitz. Seit dem ersten Zusammentreffen der Sammlerin Tanya Rubinstein-Horowitz, die von ihrem Großvater Jakov Rubinstein die Kollektion geerbt hat, mit Museumsdirektion Uta Husmeier-Schirlitz Ende 2016 hat sich dieses Ausstellungsprojekt herauskristallisiert. Als Ergebnis vieler Gespräche wurde die geschickte Verschmelzung von 40 Museumsarbeiten mit ebenso vielen aus der Düsseldorfer Privatsammlung erarbeitet. Ausgangspunkt waren dabei nicht rein kunsthistorisch-analytische Aspekte, wie Epochen, Stile, Künstler, sondern die Intention, welche gemeinsamen inhaltlichen Potentiale die Bilder bergen und was sie evozieren können. „Noch nie wurde bei uns im Museum unter den Besuchern so viel diskutiert wie jetzt in der Sonderausstellung“, resümiert die Kuratorin und Direktorin Uta Husmeier-Schirlitz über das erfolgreiche Konzept.

Neben den üblichen Beschriftungen sind auf dem Boden unter den Gemäldepaaren Statements platziert, die mit ihren Aussagen die Entdeckerlust beim Vergleichen wecken und Bezüge zur Gegenwart herstellen sollen. Dass sich davon gerade junge Menschen ansprechen lassen, macht die nächste Paarbildung deutlich. Mit weit ausgebreiteten Armen gestaltete Henri Matisse für sein berühmtes Künstlerbuch „Jazz“ von 1947 die flächig-dekorative Figur des Ikarus als schwarze Silhouette mit rotem Herz vor blauem Nachthimmel. Die ausladende Gestik ist auch dem Harlekin von Sergei Jutkewitsch aus den 1920er Jahren eigen. Doch das Kostüm ist farbig gemustert, und der Pierrot bestimmt die Bewegungen. Diese regen besonders jugendliche Besucher, befördert durch Erlebnisinseln, zu Darbietungen und Überlegungen an, wie es sich mit den Extremen Stillstand und Aktion verhält.

Daneben wird stramm gestanden. Schneidig in Reihen oder im Stechschritt schreitend, karikierten der Art Brut-Künstler Leonardus Neervoort und der Kostümbildner Alexander Chwostenko-Chwostow nicht unterscheidbare Soldaten, die wohl nichts anderes als Kulissen für schwülstiges Herrschergebaren sind. Wo beginnt der Missbrauch von Menschen, und wie viel Individualität benötigt eine Gemeinschaft? Auch der wissenschaftliche Ertrag der Ausstellung überzeugt. Alle großteils unbekannten russischen Künstler dokumentiert der begleitende Katalog erstmals mit aufwendig recherchierten Lebensläufen.

Akt- und Symbolbilder, Landschaften, Stillleben, Porträts, mythologische Sujets und andere Gattungen der Malerei durchziehen den abwechslungsreichen Parcours, der heftige und tiefgründige Diskussionen anregt. Dieser wohltuend lebendige Ansatz spart aktuelle religiöse Themen nicht aus. Eine Madonna mit Kind des 15. Jahrhunderts aus dem Umkreis Rogier van der Weydens bereichert die Auswahl als Frömmigkeitsindiz. Ebenso detailgetreu ist Mstislav Valerianovich Dobuzhinskys Darstellung des Stadttors der Morgenröte in Vilnius. Hell erleuchtet ist die Kapelle im Obergeschoss, in der das Gnadenbild der Schwarzen Madonna steht. Soldaten knien betend vor dem Tor und bitten während der deutschen Besatzung im Jahr 1914 um Beistand. Können die Weltreligionen zu Not- und Kriegszeiten heute noch die nötige Hoffnung vermitteln und zu Konfliktlösungen beitragen?

Die Ausstellung „Begegnungen. Die verbindende Sprache der Kunst“ ist bis zum 1. März zu sehen. Das Clemens Sels Museum hat täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags bis 18 Uhr, am letzten Donnerstag im Monat bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro. Der Ausstellungskatalog kostet im Museum 19,95 Euro.

Kontakt:

Clemens-Sels-Museum

Am Obertor

DE-41460 Neuss

Telefon:+49 (02131) 90 41 41

Telefax:+49 (02131) 90 24 72

E-Mail: service@clemens-sels-museum-neuss.de



30.01.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


10.11.2019, Begegnungen – Die verbindende Sprache der Kunst

Bei:


Clemens-Sels-Museum

Kunstsparte:


Arbeiten auf Papier

Kunstsparte:


Malerei

Stilrichtung:


Moderne Kunst

Bericht:


Strahlendes Farbfest

Bericht:


Abgründig, anspielungsreich, rätselhaft

Bericht:


Vom doppelbödigen Lügen

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Künstlerbande







Jacob Adriaensz Bellevois, Galeonen und Küstenfahrer auf bewegter See vor Dordrecht, um 1650

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Anna Ostroumowa-Lebedewa, Blick auf die Wassiljewski-Insel in St. Petersburg

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Henri Matisse, Ikarus, 1947

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Maria Sinjakowa-Uretschina, Zoo

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