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Kunstmuseum Stuttgart: Ein schwäbischer Traum

Margarete Depner, Die Sinkende, 1933

Mit der aktuellen Ausstellung „Der Traum vom Museum ‚schwäbischer‘ Kunst“ erzählt das Kunstmuseum Stuttgart die komplexe Entwicklungsgeschichte der städtischen Kunstsammlung. Besondere Berücksichtigung erfahren dabei die vermeintlich „kunstlosen Jahre“ des Nationalsozialismus, die – wie neue Erkenntnisse belegen – aufs Engste mit der Gründung des Kunstmuseums Stuttgart verbunden sind. In acht Räumen erläutert Kurator Kai Artinger mit zahlreichen Kunstwerken, etwa von Margarete Depner, Franz Heinrich Gref, Fritz Ketz, Bernhard Pankok, Theodor Werner oder Arnold Waldschmidt, Fotografien und Archivalien das unbekannte Geschichtskapitel der Institution und ihrer Akteure. In einer Petersburger Hängung illustrieren beispielsweise fast 100 Landschaftsbilder die Bedeutung der Landschaftsmalerei für die städtische Kunstsammlung und führen das Kunstverständnis im Dritten Reich vor Augen. Der Erzählbogen spannt sich insgesamt von den Anfängen in der Weimarer Republik bis in die Nachkriegszeit der jungen BRD. Außerdem stellt Kai Artinger die Ergebnisse der jüngsten Provenienzforschung und die bisher ermittelten Restitutionsfälle vor.

Der tradierten Darstellung zufolge begann die Geschichte der städtischen Kunstsammlung 1924 mit der Schenkung eines Gemäldekonvoluts des italienischen Grafen Silvio della Valle di Casanova. Diese Sammlung wurde während ihrer Präsentation in der Villa Berg ab 1925 in kleinem Umfang erweitert. Aber erst im Dritten Reich wurden durch systematische Ankäufe und die Kunst- und Kulturpolitik der Nationalsozialisten die Weichen für die Entstehung eines städtischen Kunstmuseums in Stuttgart gestellt. Die Machthaber träumten von einem Museum „schwäbischer“ Kunst, für das sie selbst noch in den Kriegsjahren bereit waren, enorme Geldsummen zu investieren. Von 1933 bis 1943 gaben sie für den Erwerb von regional entstandenen Kunstobjekten über eine Million Reichsmark aus.

Trotz dieser enormen Bestrebungen kam es vorerst nicht zur Gründung eines eigenen städtischen Museums, auch wenn die Nationalsozialisten mit der Einrichtung eines Kunstreferates diese Entwicklung zielstrebig vorantrieben. Nach dem Ende des Dritten Reiches übernahm die Stadt die Kunstsammlung mit dem Ziel, diese weiter auszubauen und nun auch endlich für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dieses Vorhaben wurde schließlich 1961 mit der im Kunstgebäude eröffneten Galerie der Stadt Stuttgart verwirklicht, dem heutigen Kunstmuseum Stuttgart. Da der Sammlungsschwerpunkt weiterhin primär auf „schwäbischen“ Künstlerinnen und Künstlern des 19. und 20. Jahrhunderts lag, lebte darin die von den Nationalsozialisten entwickelte Idee des „Museums schwäbischer Kunst“ bis heute fort.

Die Ausstellung „Der Traum vom Museum ‚schwäbischer‘ Kunst. Das Kunstmuseum Stuttgart im Nationalsozialismus“ läuft bis zum 1. Juni. Das Kunstmuseum Stuttgart hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, freitags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Am Karfreitag bleibt das Museum geschlossen, an den übrigen Feiertagen ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro. Die begleitende Publikation aus dem Wienand Verlag kostet im Museum 29 Euro, im Buchhandel 38 Euro.

Kunstmuseum Stuttgart
Kleiner Schlossplatz 1
D-70173 Stuttgart

Telefon: +49 (0)711 – 216 196 00
Telefax: +49 (0)711 – 216 196 15


03.02.2020

Quelle: Kunstmarkt.com/Maria Schabel

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