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Am 06.11.2020 06.11.2020: Auktion 133 - Moderne und Zeitgenössische Kunst mit Benefizauktion für den Verein der Berliner Künstlerinnen 1867

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Winterlandschaft in Schreiberhau in Schlesien / Hans Purrmann

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Amazone, nach 1906 / Franz von  Stuck

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© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Neumeisters Auktion mit Kunst der Moderne bis zu den Zeitgenossen nahm eher bei den günstigeren Stücken Fahrt auf. Gezielt suchte das Publikum gerade im Skulpturenkatalog „shape“ aus

Ein Lichtschein in der düsteren Großstadt



Lesser Ury, Straßenszene im Tiergarten, 1915/20

Lesser Ury, Straßenszene im Tiergarten, 1915/20

Der 1861 geborene Lesser Ury, heute als Hauptvertreter des deutschen Impressionismus angesehen, erlangte erst spät Erfolg. Als Mitglied der Berliner Secession widmeten ihm 1916 die namhaften Galerien von Paul Cassirer in Berlin und Heinrich Thannhauser in München schließlich Einzelausstellungen, die ihm eine breitere Bekanntheit sicherten. Heute nennen ihn Kunsthistoriker neben Max Liebermann und Lovis Corinth. Urys verdienter Ruhm fußt maßgeblich auf seinen stimmungsvollen Großstadtbildern, wie der „Straßenszene im Tiergarten“ aus der Zeit um 1915/20. Kutschen und erste Automobile ziehen über den in die Tiefe fluchtenden und derart nassen Teer, dass dieser spiegelglatt wirkt. Helle Braun- und Gelbtöne des aufklarenden Himmels, der zwischen den Wipfeln der Alleebäume sichtbar ist, verleihen der Pastellmalerei ihre kalte und doch harmonisch wohlige Atmosphäre einer „Ruhe nach dem Sturm“. Dass der Maler mit den polnisch-jüdischen Wurzeln heute noch Anerkennung findet, belegt sein Spitzenplatz bei Neumeister. Mit taxkonformen 85.000 Euro führte der Karton die Auktion der Klassischen Moderne bis zur Gegenwartskunst an.


Für einige weitere prominente Künstler verlief der 6. Dezember in München jedoch weniger erfreulich. Alexej von Jawlenskys stark stilisiertes „Heilandsgesicht“ von 1919/20 aus seiner wichtigen Phase der Beschäftigung mit Köpfen nach dem Ersten Weltkrieg, ließ – wie häufig im vergangenen Kunstmarktjahr – vergeblich auf 250.000 bis 350.000 Euro hoffen. So erging es auch dem großen Fürsprecher der Abstraktion Willi Baumeister, dessen „Lyrik mit Kammzug auf Blau-Grün“ von 1954 für 65.000 bis 85.000 Euro genauso liegenblieb, wie Max Ernsts drei Jahre jüngere, kompliziert abstrahierte und blau-braun kolorierte Figur „Le Facteur Automne“ (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Dieser Trend machte vor jüngeren Meistern keinen Halt: Das typisch verwischt wirkende „Porträt Heiner Friedrich“ des Kunstmarkt-Dauerbrenners Gerhard Richter fand als unikate Farbfotografie für 150.000 bis 200.000 Euro wieder keinen Abnehmer.

Letztlich setzte Neumeister trotz Verzichts der Käufer auf viele Hauptlose 920.000 Euro brutto um, gab noch 55 Prozent der Werke des Hauptkatalogs ab, überzeugte das Publikum aber mit der Sonderrubrik für Skulpturen unter dem Titel „shape“ auffallend wenig. Hier fanden nur 37 Prozent der Positionen einen neuen Besitzer. Die Käufer wählten zum Ende des Jahres genau aus, waren im Zweifelsfall aber doch zahlwillig. Dies bewies etwa István Nádlers strenge diagonale Balkenkonstruktion „Bartok“ von 1981. Der hierzulande eher unbekannte Künstler schoss von 2.000 Euro unerwartet auf 12.000 Euro. Auch seine beiden anderen frei abstrakten Kompositionen von 1989, die eine mit dem Namen „Keményen I“ für hart oder streng, gingen zu Preisen von 3.900 Euro und 8.500 Euro über den Schätzwerten in die ungarische Heimat Nádlers.

Fantastische Bilderwelten

Marc Chagalls Lithographie „Carmen (2. Etat)“ druckte Charles Sorlier anlässlich der Theatereinweihung der Metropolitan Opera in New York im Februar 1967. Für den bei Neumeister offerierten zweiten Zustand fügte Chagall noch verschiedene Farben, die beiden Figuren oben rechts sowie den Vogel unten links zu der träumerisch luftigen Komposition hinzu, was ein deutscher Privatmann mit 40.000 Euro würdigte (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR). Eindringlich surreal ist „Are you my mommy?“ von George Rodrigue. Aus der undatierten Leinwand blickt dem Betrachter ein blauer Hund mit gelben Augen entgegen, auf dessen Kopf sich ein weißer Vogel niedergelassen hat. Die skurrile Darstellung war einem Sammler 35.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Einen kindlichen Charakter hat ebenso Paul Klees „Zeichnung zum Bootverleiher“ von 1918, die mit feinem Bleistift und Aquarell eine fantasiegeladene Szenerie am Wasser einfängt und taxkonform 31.000 Euro in die Kassen spülte.

Urig ist Emil Noldes Folge von 110 Bergpostkarten in 30 Motiven, wobei die Gebirge menschliche Züge tragen. Die mit optischen Witz durchzogenen anthropomorphen Klischeedrucke der Jahre um 1896/98 begeisterten für hohe 14.000 Euro, die die Nolde Stiftung in Seebüll bereit war, zu zahlen (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Für die Veränderung des menschlichen Körpers steht Pablo Picasso. Freudig bunt gemustert und auf die nötigsten Linien reduziert ist seine nach einer Zeichnung gedruckte Lithographie „Femme nue et roi à cheval“ von 1954, die 6.500 Euro erlöste (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Etwas höher stieg die jüngere Kaltnadelradierung „Autoportrait avec deux femmes“ von 1972, in der Picasso die Linien wieder stärker verdichtete. Das Blatt einer 125er Auflage, das den beliebten Künstler selbst nur schwer erkennen lässt, fand für 7.000 Euro einen neuen Eigentümer (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Picassos schon seit der gemeinsamen kubistischen Phase naher Malerfreund Georges Braque war etwas günstiger zu haben. Sein „Oiseau bleu et gris“ als Lithographie von 1962, der mit einfachen schwarzen Linien umrissen ist und über die titelgebenden Farbflächen zieht, spielte 5.200 Euro ein (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).

Fröhlich bunte Lebenswelten

An realen Begebenheiten orientierte sich 1935 Augusto Giacometti in seiner „Ansicht von Venedig II“, die mit einem ähnlich blauen Kolorit aufwartet. Um die charmante, leicht neblige Kreidezeichnung stritten sich die Bieter, bis überraschend 20.000 Euro im Raum standen (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Mit Blau arbeitete auch Gabriele Münter bei dem „Parc Saint Cloud“, den sie 1907 in einem ausdrucksstarken kontrastreichen Farblinolschnitt für 12.000 Euro auf Japanpapier bannte (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Ein halbes Jahrhundert später nahm sie ihre Flächigkeit zugunsten starker Umrisslinien bei einem Blumenstrauß zurück. Das Ölgemälde mit gekonnt gesetzten Leerstellen erfreute für 16.000 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Ein breiter Pinselgestus ist ein Markenzeichen von Leo Putz, der sein „Stillleben mit Früchten“ 1932 auf einer Fensterbank vor blauem Himmel drapierte. Als Gegenpol zu diesem treten die bunten Früchte auf dem Teller hervor und brachten 6.000 Euro ein (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Als späte Impressionisten traten Heinrich Gottselig mit der sommerlichen Plauderrunde „Im Garten“ von 1921 für 1.900 Euro (Taxe 1.200 bis 1.500 EUR) und Hermann Goebel mit seinem Dampfersteg am Starnberger See von 1924 für 2.600 Euro an (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR). Ein gekonnter Umgang mit der flächig pastosen Ölfarbe lässt sich dem eher für seine Porträts bekannten Rumänen Corneliu Baba attestieren, der 1976 das pittoreske rote „Casa la Venetia“ für 8.000 Euro verewigte (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). In die Ungegenständlichkeit überführte Norbert Prangenberg die Farbwelten und schuf 1985 aus schwebendem Dreiecken, Kreisen, Trapezen und Klecksen eine kosmische Anmutung, die sich bei 4.300 Euro über ihrer Schätzung von 2.000 bis 3.000 Euro platzierte.

Freude am Sachlichen

Immer menschenleer und trotz des Charmes der alten Gebäude seltsam steril scheinen Candida Höfers Architekturfotografien. In ihrer typischen Vorgehensweise fing sie in „BNF Paris XIII“ 1998 einen vor Ort kaum erlebbaren Zustand der Kuppelhalle in der französischen Nationalbibliothek ein, der einem Kunstliebhaber 5.000 Euro wert war. Ihr zweiter Blick in einen kleineren Lesesaal der traditionsreichen Nationalbibliothek unter dem Titel „BNF Paris III“ erwirtschaftete 3.800 Euro (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR). Während Höfers Lichtbilder zeitlos wirken, lag die Vergänglichkeit 2006 im Fokus von Michael Wesely, dessen großformatige rosafarbene „Tulpen“ vor einer kahl grauen Wand eben verwelken. Schon die Bezeichnung „15.4-22.4.2006“ lässt Rückschlüsse auf die lange Belichtungszeit des C-Prints zu, der für 6.500 Euro faszinierte (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).

Massiv und bedrohlich ragt in kalten Tönen der zerklüftete „Hüfigletscher“, inszeniert von Axel Hütte, vom unteren Bildrand in den Nebeldunst. Die rohe Struktur des brechenden Eises, die im 2007 produzierten Reprint der Fotografie von 1997 an abstrakt pastose Malerei erinnert, kletterte von 8.000 Euro auf 13.000 Euro. Das Durcheinander und sein Aufbau fesselten 2005 gleichsam Ralph Fleck. Den „Marathon 14/III“ bevölkern zahllose bunt gekleidete Menschen, die kein Durchblicken zulassen und dem Betrachter gerade durch ihre Masse – bei aller individuellen Ausführung – uniform entgegentreten. Erst bei 17.000 Euro fiel der Hammer für die drei Meter breite Leinwand (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR).

Geistige und fleischliche Liebe

Wie ein Voyeur nähert sich der Betrachter der Dame auf einem Ölgemälde Julius Exters von 1909. Der nun 6.300 Euro teure sitzende Akt, der sich in einem braunen Zimmer mit flachem Bett und grünem Vorhang eben Strümpfe anzieht, scheint nichts davon zu ahnen (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Öffentlicher wird die Begierde in Max Beckmanns Darstellung der „Ulrikusstraße in Hamburg“ verhandelt. Die Lithografie von 1912 in gekonnt skizzenhafter Manier greift für taxkonforme 8.000 Euro atmosphärisch das illustre Chaos in der Straße der „Leichten Damen“ auf. In unerfüllter Liebe verzweifelt die elegant gekleidete Frau auf Roy Lichtensteins Comic-Serigrafie. Eine Sprechblase verrät ihre Hoffnung „M-Maybe he became ill and couldn’t leave the Studio!“, womit die Protagonistin wahrscheinliche Gründe für das Nichterscheinen ihres Liebhabers sucht. Die Freude an der Pop Art riss auch bei Neumeister nicht ab: 3.000 Euro über den erhofften 10.000 Euro waren zu zahlen. Direkter auf die Sexualität griff Thomas Ruff für seine Serie der „Nudes“ zurück, für die er pornografische Inhalte aus dem Internet verfremdete. Acht Farboffsetlithografien von 2001 aus diesem Werkzyklus kamen auf 8.500 Euro (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).

Figürliche Plastik in ausgewählter Form

In der Sonderrubrik „shape“ machte ebenso ein Akt auf sich aufmerksam. Fritz Klimschs „Olympia“ von 1937 avancierte schnell zum zweitteuersten Stück des Tages. Die lebensgroße Sitzende mit angewinkeltem Knie und gesenktem Blick, von der nur drei Güsse bekannt sind, wollte mit 65.000 Euro von einem deutschen Sammler umworben sein (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Sein Talent, komplexe Körperbewegungen einzufangen, beweist die ein Jahr ältere grazilere „Tänzerin“, die mit den Beinen nach vorn wippt und mit ihren Händen versucht, die Pose auszubalancieren. Die leicht auf Zehen stehende Bronze verlangte taxkonforme 10.000 Euro. Noch dynamischer strebt Franz von Stucks „Amazone“ des Jahres 1897 reitend auf einem massiven hohen Sockel nach vorn. Die glänzend schwarzbraune Patina gibt der muskulösen Kämpferin beim Speerwurf ihre klassische Eleganz, die einen Bieterwettstreit bis zu 32.000 Euro aus der Börse eines süddeutschen Sammlers beförderte (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Starr steht dem Stephan Balkenhols „Männlicher Torso“ von 2011 gegenüber. Die farbig gefasste Bronze des mehr für seine Holzfiguren berühmten Bildhauers, die deutliche Bearbeitungsspuren trägt, gefiel für hohe 17.000 Euro (Taxe 13.000 bis 15.000 EUR).

Goldener Metallglanz charakterisiert Gabriella Crespis „Kaffee-Tisch 2000“ aus der Serie „Purimi“. Aus Nussholz und Messingplatten montierte die Künstlerin 1972/82 das edel anmutende Designobjekt zusammen. Der Hammer des Auktionators fiel erst bei 22.000 Euro (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Noch wertvoller ist der Objektkasten von Yves Kleins Multiple „Petite Venus Bleue“ mit Blattgold ausgekleidet und steht somit im Kontrast zum kleinen Korpus der „Venus Bleue“ in Kleins typisch strahlendem Blau. Die posthume Arbeit ging für 10.000 Euro weg (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Doch gerade im Bereich der Skulptur waren für Neumeister einige Wermutstropfen zu verkraften. Für Hans Arps glatt kupferfarbene geometrische Plastik „Une bonne assise“ von 1965 erwärmte sich bei 35.000 bis 45.000 Euro kein Bieter, ebenso für Daniel Spoerris lustig-martialische Figürchen „Guerriers de la nuit“ von 1982, die für den schon gesenkten Preis von 70.000 bis 100.000 Euro zum zweiten Mal bei Neumeister an den Start gingen.

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



05.02.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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Lesser Ury, Straßenszene im Tiergarten, 1915/20
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Paul Klee, Zeichnung zum Bootverleiher, 1918
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Franz von
 Stuck, Amazone, 1897
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Paul Klee, Zeichnung zum Bootverleiher, 1918

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Taxe: 25.000 - 35.000 EURO

Zuschlag: 31.000,- EURO

Losnummer: 21

Franz von Stuck, Amazone, 1897

Franz von Stuck, Amazone, 1897

Taxe: 15.000 - 20.000 EURO

Zuschlag: 32.000,- EURO

Losnummer: 200




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