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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Das Belvedere 21 lässt in Wien die letzten zwanzig Schaffensjahre von Herbert Brandl Revue passieren

Apokalypse zur schönen Aussicht



in der Ausstellung „Herbert Brandl. Exposed to Painting – Die letzten zwanzig Jahre“

in der Ausstellung „Herbert Brandl. Exposed to Painting – Die letzten zwanzig Jahre“

In einem der Comics von Maurice de Bevere, alias Morris, fordert Joe, einer der vier Daltons, der ebenso wie seine Brüder wieder einmal von Lucky Luke gefasst wird, seinen Bruder Averell auf, zu erklären, wie ausgerechnet er darauf gekommen sei, dass der Cowboyheld den Weg der Verbrecherbande bei Sonnenuntergang und in einer unbesiedelten Wüstengegend kreuzen würde. Averell antwortet ihm: „Wegen der Landschaft, Joe. Wegen der Landschaft...“ Eine aktuelle Ausgabe des „Lucky Luke“, des einsamen, rast- und heimatlosen Helden, der Verbrecher jagt, Armen und Benachteiligten hilft und immer auf der Seite des Gesetztes steht, hängt derzeit im Belvedere 21. Sie stammt aus der Hand des Malers Herbert Brandl und ist quasi prominenter Türsteher am Entree zur großen Personale, die zurzeit in Wien zu sehen ist.


Die Natur in ihren vielfältigen Erscheinungsformen ist das große Thema von Herbert Brandl, dessen Œuvre der letzten zwanzig Jahre das Haus nun in einer groß angelegten Ausstellung präsentiert. In der Schau stellt Kurator Rolf H. Johannsen die wichtigsten Sujets des Malers und Bildhauers vor: überwältigende Panoramen mit hoch aufragenden Bergformationen und Felsen, Bilder von Auenlandschaften, von Wasserfällen und Wildbächen, von Teichen und Wiesen. Der 1959 in Graz geborene Brandl, der zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn in den 1980er Jahren zur Generation der „Neuen Wilden“ gezählt wurde und bis letztes Jahr eine Professur an der Düsseldorfer Kunstakademie innehatte, gehört seit langem zu den „malerischen Aushängeschildern“ der österreichischen Kunstproduktion. Neben zahlreichen Personalen nahm Brandl an international bedeutenden Ausstellungen teil, darunter 1992 an der Documenta IX in Kassel. 2007 waren seine Arbeiten bei der Biennale in Venedig im Österreichischen Pavillon mit einer Einzelpräsentation vertreten.

Gleich ob er mit konkreten Bildideen beginnt oder sich vom Eigenleben der Farbläufe überraschen lässt, ob er Erinnerungen berücksichtigt oder allein durch seine malerischen Mittel Analogien zu bekannten Erscheinungen in der Natur schafft: Brandls Bildwelten sind abstrahierende Reflexionen einer inneren Sicht und dabei doch stets einer konkreten äußeren Dingwelt verpflichtet. Die Undurchschaubarkeit ihrer Entstehung und die konstante Offenheit der Bilder sind stets besondere Qualitäten seiner Werke.

Seit Jahren erobert sich der ehemals passionierte Bergsteiger, der Gebirge aufgrund einer Erkrankung nicht mehr selbst erwandert, die Motive durch die distanzierte Erinnerung an fotografische Bilder und vor allem im Malprozess: rasch, intuitiv, mit hohem körperlichen Einsatz. Neben Gemälden, in denen Landschaften im Zentrum seiner malerischen Praxis stehen und die wilde, unberührte Natur Gefühle des Erhabenen weckt, folgt Herbert Brandl in seinen neuen Arbeiten auch dem Impuls, den gegenständlich-landschaftlichen Bezug seiner Arbeiten zurückzudrängen und legt den Schwerpunkt auf die Wirkung reiner Farbe. Entscheidend für die naturnahe Impression, die auch jedes einzelne Werk dieser auf den ersten Blick gegenstandslosen Gemälde bereithält, ist Brandls Palette, die in subtilen Abstufungen Assoziationen an Naturvorgänge evoziert. Die Farbe streicht er in opaken Schichten und transparenten Lasuren horizontal und vertikal auf- und nebeneinander oder verdichtet sie mittels vehement gesetzter und sich überlagernder Pinselstriche durch Richtungswechsel zu einem dynamisch gestalteten Geflecht.

Die spontan gesetzten Gesten öffnen in Werken, wie in der 2019 entstandenen dreiteiligen monumentalen „Apokalypse zur schönen Aussicht“, die Oberflächen und lassen die gelb, roten und grünen Spuren in einem lodernden Farbraum pulsieren. Dabei scheint es dem Maler weniger um ein konkretes Vorbild zu gehen, als um den Wunsch, den unsichtbaren Triebkräften der Natur ein Gesicht zu geben. Überzeugend demonstriert Brandl eine spezifische Eigenart seiner Malerei, die Farbe aus der Farbe heraus zu entwickeln. Die Bilder wirken zuweilen wie Ausschnitte aus größeren Zusammenhängen, ohne Anfang und Ende, selbst an den Übergängen angesiedelt. In diesen Werken arbeitet Brandl mehr als zuvor impulsiv und dynamisch und filtriert die Konflikte zwischen Licht und Farbe zum eigentlichen Sujet. Sie lassen die Betrachter in eine Bildwelt eintauchen, die zwischen Abstraktion und Figuration changiert und beide Optionen der Annäherung offenhält. Denn „das idealste Bild“, erklärte Herbert Brandl schon 2007, „wäre für mich eines, das offen lässt, wohin es weitergeht.“

Allerdings ist Brandls Zugang zur Natur nicht ein einsam romantischer, sondern ein zeitgemäßer, setzt er sich doch bewusst mit den Umweltproblemen des 21. Jahrhunderts auseinander und tritt als engagierter Umweltschützer auf. Sein künstlerisches Interesse an der Natur erhält eine konkret politische Dimension, wenn er durch die Wahl seiner Motive auf bedrohte Naturräume verweist, wie die Bachlandschaft Schwarze Sulm oder die Koralpe, einen Gebirgszug der Lavanttaler Alpen in der Steiermark. Beiden Landschaften hat Brandl eigene Serien gewidmet. Malerisch überhöht er die gefährdeten Gebiete zu Idealbildern von Natur. Dem Menschen als dem Bedroher der Ökosysteme sowie Baumaßnahmen, wie beispielweise dem im Koralpe-Gebiet geplanten Kraftwerk oder Pumpspeicher, die die Naturschätze gefährden, gewährt Brandl keinen Einlass in seine Bilderwelten. Den gestattet er nur gemalten und dreidimensionalen Vierbeinern, Mischwesen aus Katze, Hund und vor allem Hyänen, die gemeinhin einen schlechten Ruf als hässliche und gefährliche, aber feige Aasfresser haben.

In der Wiener Ausstellung dürfen sie an mehreren Orten ihr (Un)-wesen treiben: einmal bannt Herbert Brandl den stechenden Blick solch einer Wildkatze mittels schwarzer Farbe auf ein großes Leinwandformat; gegossen in Bronze, nagt das andere Mal ein Tier an einem Knochen; als Büste ziert der schweinsförmige Kopf einer Hyäne einen camouflagefarbenen Sockel. Zwei weitere, scheinbar domestizierte oder wie versteinert wirkende Bronzehyänen positioniert Brandl vor einer an der Wand angebrachten Textstelle des Schriftstellers Christoph Ransmayr: „Alles, was zu seinem Dasein nicht mehr brauchte als Feuchtigkeit, Wärme und das graue Licht dieser Tage, gedieh, wucherte. Erlosch ein Feuer, kroch blühendes Unkraut aus der Asche. Brennholz schlug aus. Verstohlen und mit glasigen Wurzeln zuerst, dann mit grünen Fingerchen, betörenden Blüten und schließlich mit zähen, von bemooster Rinde gepanzerten Armen griff die Wildnis nach der Stadt.“

Ransmayr beschreibt in seinem 1988 erschienenen Roman „Die letzte Welt“ die Geschichte des Römers Cotta, der sich auf die Suche nach dem tot geglaubten Dichter Naso (= Ovid) und dessen Hauptwerk, den „Metamorphosen“, macht. In Tomi am Schwarzen Meer, dem Verbannungsort Nasos, wird er Zeuge, wie die Küstenstadt zerfällt und seine Bewohner in Steine oder Vögel verwandelt werden. Schritt für Schritt erobert die Natur die Stadt zurück. Ransmayr versinnbildlicht mit diesem Weltuntergangsmotiv die Ohnmachtsgefühle und Existenzängste einer von der technischen Entwicklung überrollten Gesellschaft, vor der auch Herbert Brandl warnt. Aber dann, am Ausgang der Ausstellung, wartet wieder der Cowboyheld. „I’m a poor lonesome cowboy and a long way from home…“, so enden die Lucky Luke-Alben seit langer Zeit. Meist reitet der singende Held dabei in den Sonnenuntergang. Die Geschichte des Mannes, der schneller zieht als sein Schatten, geht weiter.

Die Ausstellung „Herbert Brandl. Exposed to Painting – Die letzten zwanzig Jahre“ läuft bis zum 24. Mai. Das Belvedere 21 hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags und freitags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er frei. Der Katalog kostet 29 Euro.

Kontakt:

Belvedere 21 - Museum für zeitgenössische Kunst

Arsenalstraße 1

AT-1030 Wien

Telefon:+43 (01) 795 577 00

Telefax:+43 (01) 79 557 136



25.02.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


31.01.2020, Herbert Brandl. Exposed to Painting - Die letzten zwanzig Jahre

Bei:


Österreichische Galerie Belvedere

Kunstsparte:


Skulptur

Kunstsparte:


Malerei

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Bericht:


Kalte Berge, heiße Posen

Bericht:


Offen, wohin es weitergeht

Bericht:


Landschaft mal zwei

Bericht:


Naturnahe Impressionen







Herbert Brandl, Ohne Titel, 2019

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Herbert Brandl, Apokalypse zur schönen Aussicht, 2020

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Herbert Brandl

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in der Ausstellung „Herbert Brandl. Exposed to Painting – Die letzten zwanzig Jahre“

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Herbert Brandl, Ohne Titel, 2018

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Herbert Brandl, Ohne Titel, 2006

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Herbert Brandl, Ohne Titel, 2005

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Herbert Brandl, Ohne Titel, 2003

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Herbert Brandl, Ohne Titel, 2002

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Herbert Brandl, Ohne Titel, 2001

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