Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 07.04.2020 115. Auktion: Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen

© Galerie Bassenge Berlin

Anzeige

After eight 2 / Doris Ziegler

After eight 2 / Doris Ziegler
© Galerie Döbele - Mannheim


Anzeige

Enten am Wehr / Alexander Koester

Enten am Wehr / Alexander Koester
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Stillleben mit Blaudistel und Fruchtschale, 1958 / Karl Schmidt-Rottluff

Stillleben mit Blaudistel und Fruchtschale, 1958 / Karl Schmidt-Rottluff
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Das Wiener Auktionshaus im Kinsky beginnt das neue Jahr mit Kunst des 20. Jahrhunderts und hat dazu zahlreiche Werke aus Österreich versammelt

Schmelzende Museen



Albin Egger-Lienz, Schnitter, um 1920/22

Albin Egger-Lienz, Schnitter, um 1920/22

Einen Überblick über die österreichische Kunst seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert erhält, wer den Katalog zu kommenden Auktion im Kinsky in die Hand nimmt. Dort sind gut 570 meist malerische und zeichnerische Positionen von rund 260 Kunstschaffenden gelistet. Viele sind Arbeiten auf Papier zu moderaten Preisen im dreistelligen und vierstelligen Euro-Bereich. Selten schwingen sich die Schätzungen in den Sechsstelligkeit auf, etwa bei Albin Egger-Lienz’ markantem Motiv des „Schnitters“ aus den frühen 1920er Jahren. Der kraftvoll ausformulierte, auf das Wesentliche konzentrierte Bauer, der mit seiner Sense im dichten Kornfeld steht und seiner archaischen Tätigkeit nachgeht, will 120.000 bis 200.000 Euro sehen. Noch etwas höher rangieren die fünf überlängten Gestalten, die Werner Berg als „Kegler“ ohne konkreten Anlass auf einer Wiese am Sommerabend in Untersicht, daher monumental und statuarisch aufgereiht sowie in violetten, blauen und grünen Tönen koloriert hat. Die 1979 ebenfalls in ihrer existenziellen Situation erfassten Menschen sollen 150.000 bis 250.000 Euro einspielen.


Zeitlich greift das Angebot im Abschnitt „Klassische Moderne“ noch ins 19. Jahrhundert zurück und hält etwa ein Konvolut von 18 lithografierten Karikaturen Honoré Daumiers für jeweils 500 bis 1.000 Euro oder Georg Fischhofs spätromantische sommerliche Stadtsilhouette wohl an einem der südlichen Alpenseen für 1.000 bis 2.000 Euro bereit. Die Moderne beginnt mit den Wiener Secessionisten, unter anderem der Zeichnung eines aufgestützt nach links knienden Akts von Gustav Klimt aus dem Jahr 1904 (Taxe 35.000 bis 70.000 EUR) oder mit Koloman Mosers stilisiertem „Blick auf die Rax“ um 1913. Den Gebirgszug hielt Moser damals häufiger in verschiedenen Lichtstimmungen von der Villa seiner Schwiegereltern Mautner von Markhof in Semmering fest. Eine stärker überhöhte Version brachte es im Kinsky im vergangenen Dezember auf 150.000 Euro, diesmal sind für das lichtere Bergmassiv 35.000 bis 70.000 Euro veranschlagt. Ganz im Symbolismus ist Friedrich Königs Gemälde „Der Tod und das Mädchen“ von 1912 angesiedelt, in dem die junge Frau schon fast sehnsüchtig das Gerippe im feuerroten Umhang mit Sanduhr auf einer blühenden Bergwiese erwartet (Taxe 10.000 bis 16.000 EUR). Ebenfalls nicht ganz geheuer ist der schwarz gekleidete Geiger, der auf Richard Hartingers Achteck von 1911 einer ausgelassen tanzenden Biedermeiergesellschaft aufspielt (Taxe 1.000 bis 2.000 EUR).

Alfons Walde ist für seine heiter durchsonnten, tief verschneiten Bergpanoramen aus seiner Heimat Kitzbühel beliebt. Diesmal stellt Tiroler im Kinsky aber zwei eher verhaltene Gemälde zur Verfügung. In grauem Kolorit legte er auf kleinem Papierformat die „Winterlandschaft gegen die Hohe Salve“ nieder (Taxe 25.000 bis 50.000 EUR), und auch seine Sicht auf die Andreas- und die Friedhofskirche in Kitzbühel, die Walde um 1924 in Gouache und Pastell auf Papier malte, lässt seine sonstige Strahlkraft vermissen (Taxe 50.000 bis 80.000 EUR). Die hat diesmal Max von Esterle in seiner Gouache eines Waldrandes mit Neuschnee von 1946 eingefangen (Taxe 6.000 bis 10.000 EUR). Der Alpenwelt huldigen zudem noch Ernst Nepo mit seinem freundlichen Blick auf Innsbruck von 1932 (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR) und dem weitaus ornamentaler aufgefassten Monte Pasubio aus den Vizentiner Alpen von 1916 (Taxe 18.000 bis 28.000 EUR) sowie Robert Aigner mit seinem Gebirgshof von 1937, den er mit Bauersleuten erzählerisch angereichert hat (Taxe 3.500 bis 5.000 EUR).

Heimatverbunden

Während Theodor Klotz-Dürrenbach 1919 seinen Blick vom Laaer Berg auf Wien im Hintergrund als ausweglose, fast verschlingende Landschaft verstanden hat, rücken Wilhelm Kaufmann mit seiner sonnigen „Kirschblüte in Grinzing“ von 1957 (Taxe je 3.000 bis 5.000 EUR)und Igo Pötsch mit seiner „Altstadt in den Weinbergen“ vielmehr die Schönheiten der Natur in den Vordergrund (Taxe 1.000 bis 2.000 EUR). Fast schemenhaft hat Zoran Musics 1968 seine „Paesaggio italiano II“ grau-ockerfarben mit einigen kräftigeren Farbsprenkeln auf die Leinwand aufgebracht (Taxe 20.000 bis 35.000 EUR). Tiefer in den Farbtopf griff Karl Hauk um 1930, um seine Bucht in Kroatien mit Blau, Braun und Grün in gemäßigt expressiver Sprache zu entwickeln (Taxe 18.000 bis 25.000 EUR). Ans Mittelmeer zog es zudem Georg Merkel bei seiner „Südfranzösischen Landschaft“ mit zentralem Kirchlein (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR) und Alfred Zoff um 1897 bei der Ölstudie eines felsigen Küstenabschnitts mit Brandung bei Sestri Levante (Taxe 2.500 bis 4.000 EUR).

Aus der Familie des Kärntner Künstlers Maximilian Florian stammen sechs Ölgemälde, darunter das kantige Selbstportrait von 1933 mit unsicherem Blick (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR), ein Bildnis seiner Frau Luise in einem Interieur unter dem Titel „Die Kokette“ von 1930 und die karge Landschaft „Die dunkle Erde“ von 1959 (Taxe je 5.000 bis 8.000 EUR). Auch Ludwig Heinrich Jungnickel wartet mit einem Konvolut an Arbeiten, meist Tierzeichnungen, auf. Am höchsten notiert dabei sein Ölgemälde einer Wildkatze mit scharfen Zähnen und grimmigem Blick bei 5.000 bis 8.000 Euro. Die Gattung Stillleben geht hauptsächlich auf das Konto von Frauen. Helene Funke präsentiert ornamental stilisierte „Tropische Pflanzen“ aus den späten 1910er Jahren (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR), Marie von Zülow ein blühendes Blumenbeet vor dem Malerhäuschen in ihrem Garten aus dem Jahr 1909 (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR) und Broncia Koller-Pinell Birnen in weißer Schale auf einem Stuhl (Taxe 6.000 bis 10.000 EUR). Diesen Wert soll auch Gerhild Diesners „Stillleben mit Lilie“, Obst und Flaschen in deutlichen schwarzen Konturlinien von 1946 einspielen. Als Aquarelle haben Alfred Wickenburg 1936 ein Stillleben mit Kürbissen (Taxe 2.000 bis 3.500 EUR) und Ferdinand Kitt 1955 einen Blumenstrauß in einer Vase angelegt (Taxe 1.500 bis 3.000 EUR).

Während Otto Rudolf Schatz’ in Öl gemalter Strauß mit Wiesenblumen aus den späten 1940er Jahren für sein gemäßigtes Schaffen steht (Taxe 3.500 bis 5.000 EUR), sind seine weiblichen Akte in schwarzer Kreide mit Tempera aus den 1920er Jahren aufregender; verraten sie doch seine Schulung an Egon Schiele (Taxe je 1.500 bis 2.500 EUR). Als versierte Zeichner treten noch Rudolf Wacker mit einer voluminösen nackten Frau (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR), Oskar Kokoschka mit einem 1936 schnell skizzierten Portrait seiner späteren Frau Olda in blauer Fettkreide (Taxe 8.000 bis 14.000 EUR) und Wilhelm Thöny mit der Karikatur „Der Verehrer“ samt Blumenstrauß für die Angebetete hervor (Taxe 1.500 bis 2.500 EUR). Edmund Kalb nahm sich selbst als suchenden Künstler auf drei Kohlezeichnungen in den Blick (Taxen zwischen 1.500 und 4.000 EUR). Mit einer gewissen Melancholie sah zudem Josef Floch das Künstlerdasein in dem Ölgemälde „In the studio I“ von 1957 und ließ dazu einen Maler an der Staffelei nebst Frau und Kind an einem Akt arbeiten (Taxe 25.000 bis 40.000 EUR).

Abstraktes aus der Nachkriegszeit

In der Abteilung „Zeitgenössische Kunst“ melden sich dann erstmals ungegenständlich Positionen zu Wort. Von einer gestisch expressiven Malweise sind Johann Fruhmanns Pinselschwünge in Braun, Grau und Weiß auf einer titellosen Leinwand des Jahres 1963 geprägt (Taxe 5.000 bis 8.000 EUR), ebenso Hans Bischoffshausens gekritzelte und teils geritzte Farbspuren auf einer Holztafel von 1957 (Taxe 25.000 bis 45.000 EUR). Wenige Jahre später sollte Bischoffshausen zu seinen stillen meditativen „Monochromen Reliefs“ übergehen, die ihn berühmt machten. So trug er für die „Fracture de l’energie“ von 1961 Spachtelmasse aus einer Hartfaserplatte auf, fasste sie in reinem Weiß und ließ nur eine kaum sichtbare Struktur von einigen Schattenvertiefungen übrig (Taxe 45.000 bis 80.000 EUR). Mit Goldlack und runden Erhebungen arbeitete er Ende der 1960er Jahre bei seiner „Mediation über den Schmerz“ (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR) und dem „Komprimierten Raum“ (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Die Erinnerung an Natürliches lebt in Max Weilers Farbabstraktionen fort, etwa in seinen „Morgenwolken“ von 1989 (Taxe 50.000 bis 80.000 EUR) oder in seiner filigranen Papierarbeit „Pflanzenwelt“ von 1986 (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Die Natur in ihren vielfältigen Erscheinungsformen ist auch für Herbert Brandl Ausgangspunkt seines Schaffens, was er allerdings bis zu einem Eigenleben der Farbwahl und -verläufe abstrahiert, wie auf einer orange-braunen Leinwand mit gelben Lichtpunkten von 2003 (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR) oder auf dem gleichaltrigen Hochformat in hellem bis dunklem Rot (Taxe 18.000 bis 25.000 EUR). Zu einem pastosen Farbauftrag griff Brandl bei seinem frühen Werk „2 Winde“ von 1984 und ließ eine gelbe und weiße Farbbewegung auf dunklem Grund aufeinander treffen (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR). Bei Ernst Insams Farbschlacht von 1995 schälen sich dann doch fassbarere Naturformen heraus und vereinigen sich zu „Ein paar Kaisergebirge“ (Taxe 6.000 bis 10.000 EUR). Von etwas Konkretem geht ebenfalls Arnulf Rainer aus, verfremdet es aber durch Übermalungen. So scheinen sich auf seiner mit schwarzer Farbe übergangenen Lithografie „Vorteil (Aphrodite Apollo)“ von 1966 noch farbige Gesichter abzuzeichnen (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), bei seiner „Fußmalerei“ von 1977/78 der für den Titel verantwortliche Fußabdruck mit vier Zehen (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR).

Kunst ohne Bewusstsein

Eine Renaissance hat in den letzten Jahren der 1951 geborene Wiener Rudolf Polanszky gefeiert. In seiner Kunst will er den Einfluss der bewussten Vorstellung ausschalten und versteht seine Werke als eine „Ad-hoc-Synthese“. Dafür sammelt er Materialien, die er der Witterung und dem Gebrauch aussetzt, sie vergisst und sie dann spontan zu einem bewusst absichtslosen Kunstwerk zusammenfügt, so bei seinen „Reconstructions“ von 2002 und 2005 (Taxe 25.000 bis 45.000 EUR und 45.000 bis 75.000 EUR). Bei Hermann Nitsch geht es um das Freisetzen emotionaler Vorgänge unter Ausschaltung des Verstands. So entstehen seine Bilder oft bei quasiliturgischen Malaktionen, wie bei seinem „Aktionsrelikt“ in Öl und Blut auf Karton von 1987 (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR) oder bei einem jungen ekstatischen „Schüttbild“ von 2018 in dick aufgetragenem tiefem Grün und Blau (Taxe 25.000 bis 40.000 EUR). Martha Jungwirth siedelt ihre Aquarelle und Ölbilder an der Grenze zwischen figurativen und ungegenständlichen Ausprägungen an. So tauchen in einer Mischtechnik auf Papier von 1982 noch einige Kopfformen auf (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), während in einem acht Jahre jüngeren, ebenfalls titellosen Werk der gestische Malauftrag zu einem ungezügelten Gefühlsausbruch tendiert (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Hildegard Joos greift da lieber auf geometrische Formen zurück und lässt etwa bunte Trapeze von einer Ecke der weißen Leinwand zur anderen purzeln (Taxe 1.500 bis 2.500 EUR) oder fantasievolle Gebilde aus Kreisen, Drei- und Vierecken über einen hellbraun melierten Grund schweben (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR). Als schemenhafte ephemere Wolkengebilde in Ocker hat Eva Schlegel die Farbe über ihr Diptychon von 1998 verteilt (Taxe 12.000 bis 18.000 EUR). Arbeiten auf Papier mit gegenstandloser Motivik steuern etwa Josef Mikl in seiner Rötelzeichnung einer vertikalen Struktur von 1966 (Taxe 800 bis 1.200 EUR), Walter Schmögner mit seiner humorvollen Mischtechnik „Kopf im Ameisenhaufen“ von 1980, Drago Julius Prelog in seiner kleinteiligen Stricheanordnung auf rotem Grund (Taxe je 1.000 bis 1.500 EUR), Gottfried Mairwöger mit seinen beiden in verdünnter Ölfarbe aufgebrachten Farbverläufen, die er 1975 zur „Holunderstaude VI“ und zum „Obstbaum I“ umgedeutet hat (Taxe je 1.000 bis 2.000 EUR), oder Markus Prachensky mit seiner 1982 aquarellierten Balkenformation bei (Taxe 5.000 bis 8.000 EUR).

Kampf der Giganten

Aber auch die figurative Kunst hatte in Österreich immer ihre Anhänger. Eine der Hauptströmungen nach dem Zweiten Weltkrieg war die Wiener Schule des Phantastischen Realismus. In der Versteigerung tut sich hier vor allem Ernst Fuchs hervor. Auf das malerische Repertoire vergangener Jahrhunderte bezog er sich in den 1960er Jahren bei seinem Gemälde „Greif und Drache“ und stellt den Kampf der beiden Mischwesen in einer apokalyptischen Weltlandschaft dar, wobei der geflügelte Greif die Rolle des heiligen Georg als Bezwinger des Bösen mit seinen Lichtlanzen einnimmt (Taxe 22.000 bis 30.000 EUR). Aus vielen kleinen Kringeln hat Alfred Klinkan 1975 seinen Überzieher auf rotem Grund gestrickt und ihm das Etikett „Mit dem Pullover von Gloriette buderst um die Welt!“ eingenäht (Taxe 12.000 bis 18.000 EUR). Erotisch wird es bei Franz West und seiner Collage „Lunedi con Samuel“ von 1981 mit dem Torso einer nackten Frau, die eben ihre Schamhaare frisiert (Taxe 14.000 bis 20.000 EUR). Hubert Schmalix lässt seinen weiblichen Akt von 2003 mit Eisenketten an den Hand- und Fußgelenken in einer unbestimmten Landschaft auftreten (Taxe 8.000 bis 14.000 EUR).

Elke Krystufek erregt die Gemüter schon mal gerne mit ihrem nackten weiblichen Körper. Diesmal gibt sie sich brav als Blondine in dem Hochformat „Yesterday“ von 2002 (Taxe 5.000 bis 10.000 EUR) oder als dunkelhäutige Brünette in der Grisaille „Citronella – Lemoncoloured Tokyo Beauty Privacy Love“ von 2000, vermittelt ihre provokanten Botschaften aber mittels Schrift (Taxe 12.000 bis 20.000 EUR). Der drängenden Präsenz von Xenia Hausners koloristisch reichen Menschenbildern kann man sich kaum entziehen, so auch in der Malereicollage „Wonderhouse“ von 2004, in der André Heller und sein Sohn Ferdinand Sarnitz den Betrachter mit ihren strengen Blicken fesseln (Taxe 45.000 bis 65.000 EUR). Ähnlich agiert auch Josef Kern, der sich 1998 als Maler im blauen Bademantel mit Palette und einem nackten Modell frontal portraitiert hat (Taxe 4.000 bis 7.000 EUR). Seit den 1970er Jahren kombiniert Günter Brus seine Zeichnungen mit seinem literarischen Schaffen und hat dafür den Begriff der „Bild-Dichtung“ geprägt. Dazu gehört auch die Mischtechnik „O traurige Schönheit des Lächerlichen“ von 1987 mit einer menschlichen Gestalt samt versehrtem Körper (Taxe 6.000 bis 10.000 EUR).

Fremdländische Einsprengsel

Ohne den Menschen kommt Moni K. Huber bei ihren ausschnitthaften modernistischen Architekturansichten aus, so auch bei ihrem „Pavillon der Akademie der Bildenden Künste I“ in Nürnberg von 2014 (Taxe 5.000 bis 8.000 EUR). Auch einige Ausländer haben sich in den Teil mit der zeitgenössischen Kunst geschmuggelt, etwa der Isländer Erró mit seiner bunten Comic-Kitsch-Welt „The redfish orchestra“ von 2007/08 oder der Italiener Massimo Vitali mit seiner leicht anämischen Fotografie der Strandszene „Bloemendaal Sleep“ von 2001 (Taxe je 15.000 bis 20.000 EUR). Mit dem Medium Fotografie dokumentiert der Amerikaner Spencer Tunick seine Aktionen. Dafür arrangiert er nackte Menschengruppen im öffentlichen Raum von Städten, so auch in „Austria 15“ von 2008: Hier liegen nackte Männer, in ein Netz eigenwickelt, quer über einer Straße in Wien (Taxe 6.500 bis 9.000 EUR).

Mehr Raum als im Moderne-Abschnitt nimmt bei den Zeitgenossen die Skulptur ein. Noch an seinen Lehrer Fritz Wotruba erinnert Josef Pillhofer mit der kubisch aufgebauten klassischen Bronze „Große Sphinx“ von 1951 (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Mit kompakten geschlossenen Formen suchte Karl Prantl nach dem Wesentlichen in der Kunst und schuf Steine zur Meditation, so auch 1977/78 einen glatten, leicht abgeflachten Zylinder aus amerikanischem tauerngrünem Serpentin (Taxe 25.000 bis 45.000 EUR). Glas ist das Material für Kiki Kogelniks Serien „Little Heads“ und „Balloon Heads“ von 1996, die sie in Murano variantenreich zu lustigen Büsten fabrizieren ließ: den „Tête en l’air“ aus farblosem Glas mit blasigen Lufteinschlüssen (Taxe 18.000 bis 25.000 EUR), „Veronese“ aus blauem Glas mit zersprengter Silberfolie (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR).

Technoides, Natürliches und Menschliches verbinden sich in den Arbeiten Bruno Gironcolis zu merkwürdigen Gebilden. So erheben sich in einem Aluminiumguss über einer Schale mit Ährenzweig fünf gerippte Schläuche, auf denen Köpfe mit geschlossenen Augen und Kopfhörern schwanken (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR). Diese futurische Note kommt auch in seiner titellosen Papierarbeit von 1987 zum Tragen, in der er mit Metallfarbe einen Ährenkranz mit zwei Hunden und zwei Rückenfiguren verbindet (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Das Schwere und Grüblerische will Erwin Wurm seiner Kunst austreiben. So lässt er mit hintergründigem Humor die starre Architektur des markanten New Yorker Guggenheim-Museums in seiner weißen Polyesterskulptur von 2005 dahinschmelzen (Taxe 25.000 bis 40.000 EUR). Mit dem Gegensatzpaar von Festigkeit und Fragilität spielt auch seine Arbeit „Disobedience“ von 2014: Zwei graue Anzüge mit ockerfarbenen Hemden stehen ohne Inhalt herum, so dass sie zusammenfallen müssten (Taxe 18.000 bis 30.000 EUR).

Die Auktion „Klassische Moderne – Zeitgenössische Kunst“ beginnt am 4. März um 14 Uhr. Die Besichtigung ist bis zum Auktionsbeginn täglich von 10 bis 18 Uhr möglich. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.imkinsky.com.

Kontakt:

im Kinsky - Kunst Auktionen GmbH

Freyung 4

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 532 42 00-9

Telefon:+43 (01) 532 42 00

E-Mail: office@imkinsky.com



02.03.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 36

Seiten: 1  •  2  •  3  •  4

Events (1)Adressen (1)Kunstsparten (4)Stilrichtungen (3)Kunstwerke (27)

Veranstaltung vom:


04.03.2020, Klassische Moderne – Zeitgenössische Kunst

Bei:


im Kinsky - Kunst Auktionen

Kunstsparte:


Arbeiten auf Papier

Kunstsparte:


Skulptur

Kunstsparte:


Zeichnung

Kunstsparte:


Malerei

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Stilrichtung:


Nachkriegskunst

Stilrichtung:


Moderne Kunst







Herbert Brandl, 2 Winde, 1984

Herbert Brandl, 2 Winde, 1984

Taxe: 30.000 - 50.000 EURO

Losnummer: 367

Edmund Kalb, Selbstportrait, 1929

Edmund Kalb, Selbstportrait, 1929

Taxe: 2.500 - 4.000 EURO

Losnummer: 180

Erwin Wurm, Guggenheim – Melting, 2005

Erwin Wurm, Guggenheim – Melting, 2005

Taxe: 25.000 - 40.000 EURO

Losnummer: 616

Josef Kern, Indisches Nachspiel II, 1998

Josef Kern, Indisches Nachspiel II, 1998

Taxe: 4.000 - 7.000 EURO

Losnummer: 449

Maximilian Florian, Die Kokette (Luise stehend im Interieur), 1930

Maximilian Florian, Die Kokette (Luise stehend im Interieur), 1930

Taxe: 5.000 - 8.000 EURO

Losnummer: 76

Hans Bischoffshausen, Ohne Titel, 1957

Hans Bischoffshausen, Ohne Titel, 1957

Taxe: 25.000 - 45.000 EURO

Losnummer: 526

Ernst Insam, Ein paar Kaisergebirge, 1995

Ernst Insam, Ein paar Kaisergebirge, 1995

Taxe: 6.000 - 10.000 EURO

Losnummer: 539

Koloman Moser, Blick auf die Rax von der Villa Mautner von Markhof, um 1913

Koloman Moser, Blick auf die Rax von der Villa Mautner von Markhof, um 1913

Taxe: 35.000 - 70.000 EURO

Losnummer: 3

Moni K. Huber, Pavillon der Akademie der Bildenden Künste I (Nürnberg), 2014

Moni K. Huber, Pavillon der Akademie der Bildenden Künste I (Nürnberg), 2014

Taxe: 5.000 - 8.000 EURO

Losnummer: 492

Arnulf Rainer, Vorteil (Aphrodite Apollo), 1966

Arnulf Rainer, Vorteil (Aphrodite Apollo), 1966

Taxe: 20.000 - 30.000 EURO

Losnummer: 454

Martha Jungwirth, Ohne Titel, 1900

Martha Jungwirth, Ohne Titel, 1900

Taxe: 40.000 - 60.000 EURO

Losnummer: 554

Josef Floch, In the studio I, 1957

Josef Floch, In the studio I, 1957

Taxe: 25.000 - 40.000 EURO

Losnummer: 86

Bruno Gironcoli, Ohne Titel, 1987

Bruno Gironcoli, Ohne Titel, 1987

Taxe: 40.000 - 60.000 EURO

Losnummer: 612




Copyright © '99-'2020
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce