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Wie reagiert der Kunsthandel auf die Corona-Pandemie? Einen Vorteil hat aktuell, wer im digitalen Raum gut aufgestellt ist. Das kann einiges abfedern. Aber nicht der ganze Kunstmarkt hat seine Internet-Aktivitäten ausgebaut

Kunstkauf im Krisenmodus



Die Art Basel Hong Kong entfällt, hat aber Schauräume im Internet eingerichtet

Die Art Basel Hong Kong entfällt, hat aber Schauräume im Internet eingerichtet

„Eine Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“ Dieses Zitat von Max Frisch hat Katrin Stoll, Chefin des Münchner Auktionshauses Neumeister, an das Ende ihrer Email gesetzt, mit der sie die Versteigerungen in der kommenden Woche abgesagt hat. Für den 24. und 25. März war der Auftakt mit Schmuck, Kunsthandwerk und Alter Kunst ins neue Auktionsjahr geplant. Doch daraus wird es nun nichts. Denn das Corona-Virus hat Neumeister einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auch für Katrin Stoll stehen erst einmal die gesundheitliche Vorsorge und die Eindämmung der Pandemie im Vordergrund. Daher hat sie Frühjahrsversteigerungen auf den 21. und 22. April verschoben, sofern die behördlichen Genehmigungen bis dahin wieder erteilt sind.


Eine Absage, wie diese, jagt derzeit die andere. Das kulturelle Leben steht in Zeiten der Corona-Pandemie still. Das betrifft auch den Kunsthandel weltweit. Überall schließen Galerien, werden Auktionen verlegt und Messen abgesagt. Alles andere wäre verantwortungslos, würde die Ausbreitung des Virus beschleunigen und die Gesundheit der Menschen gefährden. Auch beim größten Schweizer Versteigerer Koller wollte man in der nächsten Woche in die Vollen starten. Doch nun hat Cyrill Koller ebenfalls die Reißleine gezogen und die für den 23. bis 27. März angesetzten Saal-Auktionen gestrichen. Ein neuer Termin steht noch nicht fest. Auch der Schweizer Kollege Beurret Bailly Widmer Auktionen sah sich gezwungen, die Frühjahrsauktion in Basel vom 25. März auf ein bisher noch nicht veröffentlichtes Datum zu verschieben. Hier wollte man nicht auf das Saalpublikum verzichten, hat man doch mit Albert Ankers historistischer Winterszene „Die Taufe“ für 1,2 bis 1,5 Millionen Franken das Spitzenwerk der eidgenössischen Frühjahrssaison im Angebot. Besonders hart trifft es die französischen Versteigerer wie Piasa, Artcurial oder Drouot, bei denen durch die verhängte Ausgangssperre keine direkte Begegnung mehr mit Einlieferern oder Sammlern möglich ist.

Wer im Internet gut aufgestellt ist, kann sich derzeit glücklich schätzen. Hier schlägt das Virus nicht zu und kann den Kundenkontakt nicht unterbinden. Vor allem die Auktionshäuser haben in den vergangenen Jahren im digitalen Raum reichlich aufgerüstet, eigene Online-Auktionen aufgebaut oder bespielen verschiedene Plattformen. So verweist Cyrill Koller auch auf seine „ibid online only Auktionen“, die aufgrund der aktuellen Lage zwar um einige Tag auf Ende März verschoben, aber nicht ausgesetzt werden. Da auch das Palais Dorotheum in Wien und seine Filialen in den Bundesländern für den Publikumsverkehr geschlossen sind, hat der österreichische Branchenführer angekündigt, seine Versteigerungen vorerst nur im virtuellen Raum abzuhalten, und verweist dabei auf die über 500 Online-Auktionen, die er im vergangen Jahr durchgeführt hat.

An den Auktionsgiganten Sotheby’s und Christie’s geht das Corona-Virus ebenfalls nicht spurlos vorüber. Sie haben weltweit Büros geschlossen, verlegen die Versteigerungen und setzten verstärkt auf Internetaktivitäten. Sotheby’s gibt an, etwa einen Monat vor dem Auktionsdatum nach den Empfehlungen der Regierungen und Gesundheitsbehörden zu entscheiden, ob eine Auktion im realen Raum stattfindet, verschoben oder als Internet-Verkauf durchgeführt wird. Wie Christie’s will auch Sotheby’s die großen, für Mitte März bis Mitte Mai angesetzten Auktionen in Paris und New York später abhalten, in London dagegen soll alles nach Plan weitergehen.

Für den Kunsthändler Otmar Neher läuft der Geschäftsalltag aktuell noch recht normal weiter. In seiner Galerie in Essen gibt es kaum Publikumsverkehr, auf Vernissagen verzichtet er seit Jahren. Das Meiste finde bereits online statt, so Neher. Eine gute Webseite für die Geschäftsanbahnung, den Verkauf von Kunst und die Information darüber ist für ihn wichtiger, als das Ladenlokal. Dennoch wird sich durch die Corona-Krise das Geschäft eintrüben, die Stimmung gedrückter werden. Davon ist er überzeugt. Die allgemein schlechte wirtschaftliche Lage schlage auch auf den Kunstmarkt über. So musste er bereits zwei Absagen von potentiellen Kunden konstatieren, die ohne die Unsicherheiten durch das Corona-Virus sicherlich gekauft hätten. Daher hofft Neher auf Unterstützung durch die Politik. Nach seiner Vorstellung sollte für den Verkauf von Kunst wieder der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent eingeführt werden.

So sieht es auch der Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler (BVDG). In einer ersten Reaktion auf die Verschiebung der Art Cologne, des Gallery Weekends in Berlin und anderer Kunstmessen, auf den abrupten Abbruch von Ausstellungen und Veranstaltungen und den damit zu erwartenden Umsatzeinbrüchen für die Galeristen fordert der BVDG „die sofortige Wiedereinführung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes als primäres Instrument zur Existenzsicherung der deutschen Galerien“. Außerdem sieht er Kulturstaatsministerin Monika Grütters in Pflicht, die zwar inhabergeführte Verlage und Buchhandlungen sowie die Filmindustrie in großem Stil fördere, aber den Kulturwirtschaftsbereich der Galerien demgegenüber im Regen stehen lasse.

Besonders hart trifft es die Kunstmessen, die ja gerade auf ein großes Publikum angewiesen sind und für Kommunikation und Austausch stehen. Die Art Karlsruhe hat es im Februar noch geschafft, die TEFAF in Maastricht musste wegen der Corona-Krise aber schon zu Halbzeit am 11. März schließen. Die Art Basel Hong Kong, die in diesen Tagen stattfinden sollte, wurde komplett abgesagt, für die Aussteller wohl zu spät. Da waren die Kunstwerke schon verschifft und die Flüge und Hotels gebucht. Dafür hat die Art Basel die neuen „Online Viewing Rooms“ freigeschaltet, die schon länger in Planung waren. Rund 90 Prozent der rund 230 Galerien, die nach Hongkong gereist wären, nutzten dieses neue Angebot. Bis zum 25. März präsentieren die Aussteller dort etwa 2.000 Kunstwerke mit einem Gesamtvolumen von rund 270 Millionen US-Dollar und können Kaufgebote entgegennehmen. Diese „Online Viewing Rooms“ können zwar nicht das direkte Erleben der Kunst ersetzen, einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem normalen Messebesuch halten sie für den Interessenten aber doch parat: Bei allen Objekten ist der genaue Preis oder eine Preisspanne angegeben, das erste zögerliche Nachfragen entfällt somit.

Die Galerie Thaddaeus Ropac zeigt hier unter anderem die fotorealistische Kohlezeichnung der Ritterrüstung „Untitled (Adam)“ von Robert Longo aus dem Jahr 2012 für 650.000 US-Dollar oder Donald Judds minimalistisches querrechteckiges Wandobjekt aus Aluminium und rotbraunem Plexiglas von 1991 für 1 Million US-Dollar. Auch die Galerie Annely Juda Fine Art nimmt an den „Online Viewing Rooms“ der Art Basel und stellt dort David Hockneys „The Arrival of Spring in Woldgate, East Yorkshire“ von 2011 in den Mittelpunkt. In 49 typisch farbenfrohen iPad-Zeichnungen hielt Hockney den Übergang vom Winter zum Sommer in der Natur fest und ließ sie in einer Auflage von jeweils 25 Stück drucken, die nun für 55.000 US-Dollar pro Abzug zu haben sind. Die Galerie Eigen + Art, die mit einem Ausschnitt aus ihrem Programm in den „Online Viewing Rooms“ vertreten ist, gibt sich bei ihrer Preisgestaltung nicht ganz so offenherzig und hat nur Spannen festgelegt, für Uwe Kowskis Ölgemälde „Tagtraum“ mit einem abstrakten Farbraum von 2019 etwa 50.000 bis 100.000 US-Dollar, für Neo Rauchs gleichaltrige, aber kleinformatigere enigmatische Männerszene „Die Wächter“ 250.000 bis 500.000 US-Dollar.

Die meisten Kunstmessen sind aber vollkommen ausgebremst und haben keine virtuellen Plattformen. Sie lassen die Veranstaltung daher ausfallen oder verlegen die Ausgaben auf einen späteren Zeitpunkt im Jahr. Dies gilt weltweit. In Österreich sind etwa die Art Vienna und die Art & Antique Residenz Salzburg von M.A.C. Hoffmann betroffen. Während die Art Vienna nun auf einen Herbsttermin vom 11. bis 13. September in der Wiener Hofburg zieht, ist die Salzburger Messe für dieses Jahr ersatzlos gestrichen – wohl ein deutlicher kommerzieller Schaden für den Messeveranstalters und die Aussteller. Die Artmonte-Carlo hat die für Anfang Mai terminierte Ausgabe komplett abgeblasen und wird ihren fünften Geburtstag erst im kommenden Jahr feiern. In Berlin verdrängt das Corona-Virus nun das Gallery Weekend und die Paper Positions von Anfang Mai auf den 11. bis zum 13. September parallel zur Berlin Art Week.

Die beiden in den vergangenen Jahren zeitglich laufenden Messen Art Brussels und Art Cologne, die vom 23. bis 26. April hätten stattfinden sollen, trennen sich nun. Während die Art Brussels auf 25. bis 28. Juni verlegt ist, springt die Art Cologne nun in den November und geht zeitgleich zur Cologne Fine Art & Design über die Bühne. Wie Daniel Hug, Direktor beider Kölner Messen, die Doppelschau mit Kunst und Kunsthandwerk von der Antike bis zur Gegenwart aufstellen will, ist noch nicht bekannt. Insider munkeln schon, dass das auf längere Sicht das Aus für die kleinere Cologne Fine Art & Design bedeuten könnte; den auf Seiten der Aussteller gibt es doch einige Überschneidungen.

Nach einer konzertierten Aktion sieht es in der französischen Hauptstadt aus. Dort sind die Drawing Now Art Fair für zeitgenössische Zeichnungen und der Salon du Dessin für die Arbeiten auf Papier aus der Alten Kunst sowie die Art Paris nun auf einen gemeinsamen Zeitraum vom 28. Mai bis 1. Juni gewechselt. Auch die USA sind vom Corona-Virus betroffen. Daher fällt die Frieze New York Anfang Mai komplett aus, und die TEFAF New York mit moderner und zeitgenössischer Kunst sowie Design verschiebt ihre Veranstaltung auf den 31. Oktober bis 4. November. Das Corona-Virus hat den Kunstmesse-Kalender ganz schon durcheinander gewirbelt und wird für neue Abläufe, Kooperationen oder auch Verdrängungen sorgen.



20.03.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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