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Journal

Der kleine Golfstaat Katar will in der oberen Liga mitspielen und setzt dabei auf alte und moderne arabische Kunst. Museumssammlungen und Neubauten greifen heimische Traditionen auf, lassen aber auch internationale Tendenzen nicht außer Acht

Großformate mit Bodenhaftung



Das neue Nationalmuseum von Jean Nouvel in Doha

Das neue Nationalmuseum von Jean Nouvel in Doha

Ein merkwürdiges Objekt ist in Katars Hauptstadt Doha gelandet. Ähnlich einem Ufo besteht es aus verschachtelten Rundscheiben. Am Rand des Stadtzentrums steht das vom französischen Stararchitekten Jean Nouvel geplante neue Nationalmuseum. Als Vorbild der bizarren Großform dienten ihm kristalline Sandrosen, die sich in der Wüste durch Ausblühungen bilden. Überdimensioniert in sandfarbenen Betonscheiben ausgeformt und an Stahlgerüsten aufgehängt, weckt das Objekt die Neugier. Hohe schiefe Wände grenzen im Inneren offene Zonen ab. Sie verschwimmen nahezu gänzlich in dominierenden filmischen Projektionen. Originale Objekte aus Geologie, Archäologie, Kunst und Kultur sind in den aufwendigen Inszenierungen nur ein Teilaspekt bei der Vermittlung der Landesgeschichte, die sich mit der einsetzenden Öl- und Gasförderung in den 1940er Jahren in die Moderne katapultierte. In den 500 Millionen US-Dollar teuren Neubau hat Nouvel den historischen Palast der Scheichs aus dem Jahr 1906, ein nationales Baudenkmal mit alter Ausstattung, geschickt integriert. Kostbarstes Artefakt ist der zwischen 1860 und 1870 gefertigte „Baroda-Teppich“ aus eineinhalb Millionen Perlen und Edelsteinen. Der Maharadscha von Baroda ließ das zweieinhalb Meter lange Stück für das Grab Mohameds in Medina fertigen. Doch Katar gelang es 2009, das Wunderwerk aus Tausendundeiner Nacht für fast 5,5 Millionen US-Dollar bei Sotheby’s zu erwerben.


Gegenüber wartet das nächste kulturelle Highlight von Doha. Nach langem Bitten willigte der chinesisch-amerikanische Architekt Ieoh Ming Pei ein, das Museum of Islamic Art zu entwerfen, aber nur, weil er auf einer Halbinsel vor der Skyline der Stadt bauen durfte und sein Werk somit nicht im allgemeinen Baugetümmel untergeht. Das Zentrum des 2008 eröffneten, Fort Knox-ähnlichen, von arabischen Kult- und Wehrbauten inspirierten kubischen Blocks ist eine große Kuppelhalle. Rundherum reihen sich dunkle Ausstellungssäle. Hier versammelt sich ein einzigartiger Kosmos von Schätzen aus allen Verbreitungsgebieten des Islam. Die Manuskripte, Keramiken, Gläser, Metall-, Eisen- oder Holzobjekte, Textilien, Bilder oder Kultgegenstände repräsentieren exemplarisch einen Zeitraum aus 1400 Jahren. In den 1980er und 1990er Jahren brachten die katarischen Einkäufer den Kunstmarkt durcheinander, da sie alles erwarben, was angeboten wurde und höchsten Qualitätsansprüchen genügte.

Ausgehend von diesen beiden musealen Flaggschiffen entspannt sich entlang der Küste über sieben Kilometer die „Corniche“, eine sichelförmig gebogene Bucht mit Promenade. Das Ende akzentuiert eine Pyramide. Sie ist ein Wahrzeichen des neuen Doha. 1982 eröffnete hier das Nobelhotel Sheraton Grand. Seinerzeit war rundum nur Wüste. Der amerikanische Architekt William Leonard Pereira konzipierte den markanten Bau zugleich als Tagungs- und Gästehaus der Regierung. Hierzu setzte er eigens einen auskragenden Trakt oben auf. Die Wabenstruktur des Monumentalbaus ist herstellungsbedingt. In eine Stahlrahmenkonstruktion wurden Fertigteile aus Beton eingehängt, so dass alle 371 Zimmer einen eigenen Balkon besitzen. Fast zeitgleich ist die nahe Hauptpost nach Entwürfen des britischen Büros Twist and Whitley entstanden. Abgetreppte Halbbetonschalen erinnern an landestypische Schwalbennester und erwirken sowohl eine gute Beleuchtung, als auch die nötige Schattenwirkung. Auch das Postgebäude ist mittlerweile als landestypische Variante des Brutalismus denkmalgeschützt.

Nahebei erstreckt sich die Downtown mit ihren Wolkenkratzern. Viele nehmen in ihren Großformen Bezug auf die Kultur vor Ort. Perlen, Segel, Kugeln, Netze und Flammen rufen die Geschichte Dohas als Stätte der Perlentaucher, Händler, Fischer, Beduinen, Öl- und Gasproduzenten in Erinnerung. Jean Nouvel entwarf auch den Doha Tower mit der markanten Pickelhaube und dem vorgeblendeten weißen Stahlnetzgitter. Dessen eingeschnittene geometrische Ornamentik im arabischen Stil ist zur Sonnenseite enger gefasst, um besser zu verschatten. Die Zentrale des Landesgaskonzerns nebenan trägt eine nachts hell erstrahlende Fackel an der Spitze. Von einem Netz eingefasst wird der Tornado Tower, während der an den Schmalseiten aufgeschlitzte Navigation Tower sich wie ein Segel aufbläht.

Auch die Kunst im öffentlichen Raum nimmt einen hohen Stellenwert in Katar ein. Zweimal ist der amerikanische Bildhauer Richard Serra präsent. Nach Aufstellung der Plastik „7“ aus sieben zusammengesteckten Stahlplatten am Meeresufer erregte 2014 die in einem Wüstental installierte raumgreifende Arbeit „East-West/West-East“ großes Aufsehen. Vier Vollwandstahlplatten mit zehn Zentimetern Dicke und rund 15 Meter Höhe rhythmisieren eine Wegstrecke von einem Kilometer und reflektieren die Weite und majestätische Größe der Natur.

Für Furore sorgte auch eines der jüngsten Kunstwerke, das sich in dem neuen Stadtteil „Education City“ findet. „The Miraculous Journey“, so der Titel, schuf der britische Bildhauer und Maler Damien Hirst. Vor einem Krankenhaus reihte er 14 monumentale Bronzeplastiken auf. Die Figurationen illustrieren die Reise eines Fötus von der Empfängnis bis zur Geburt – recht gewöhnungsbedürftig für ein islamisches Land. So mussten die Wachstumsphasen eines Menschen kurz nach der Installierung 2013 noch einige Zeit mit Sackleinen verhüllt werden. Erst 2018 endete die Vertuschung.

In der Nähe macht ein weiterer neuer Monumentalbau auf sich aufmerksam. Wie ein zusammengefaltetes Blatt Papier erscheint die vom Niederländer Rem Koolhaas entworfene Nationalbibliothek. Das Innere besteht aus einer riesigen Halle. Auf ansteigenden Rängen stehen die Bücherregale. Historisches Schrifttum wird in einer eigenen, in den Boden eingelassenen Abteilung verwahrt. Katar bietet auch hier keine Retrofolklore. Fußend auf eigener Geschichte, stellt sich das Land der Gegenwart und ist wenig um ästhetische Kraftprotzerei bemüht. Im Bewusstsein der eigenen Historie beschreitet es selbstsicher und originell die künstlerische Zukunft.



30.03.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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 Tower von Jean Nouvel, links das Hochhaus der Gasgesellschaft mit der Flamme an der Spitze
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Damien Hirst, The Miraculous Journey, 2005-2013
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Damien Hirst, The Miraculous Journey, 2005-2013
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Im Nationalmuseum von Katar
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Jean Nouvel, Nationalmuseum von Katar, Doha 2011-2019

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Jean Nouvel, Nationalmuseum von Katar, Doha 2011-2019

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Im Nationalmuseum von Katar

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William Leonard Pereira, Sheraton Grand, 1982

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Glasbehälter, Ägypten oder Syrien, Mitte 14. Jahrhundert

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Damien Hirst, The Miraculous Journey, 2005-2013

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Richard Serra, Wahrzeichen 7

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Rem Koolhaas, Nationalbibliothek von Katar, 2017

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Kriegermaske, östliche Türkei oder Westiran, 15. Jahrhundert

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Ieoh Ming Pei, Museum of Islamic Art MIA

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