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Am Badestrand / Otto Pippel

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Kentaur, 1891/93 / Franz von  Stuck

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Stehender Mädchenakt vor Rot, 1954 / Karl Hofer

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Lempertz veranstaltet seine traditionelle Preußen-Auktion in Berlin coronabedingt etwas später und legt sich vor allem beim Porzellan wieder mächtig ins Zeug

Abgelenkter Zeus



Johann Friedrich Spindler und Heinrich Wilhelm Spindler zugeschrieben, Kommode, um 1760

Johann Friedrich Spindler und Heinrich Wilhelm Spindler zugeschrieben, Kommode, um 1760

Sieben Jahre lang kämpfte der preußische König Friedrich II., später auch der „Große“ genannt, gegen halb Europa und entging einer totalen Niederlage oftmals nur um Haaresbreite. Am Ende der Auseinandersetzungen aber, 1763, hatte er weitgehend erreicht, was er wollte: Preußen war die fünfte Großmacht auf dem Kontinent und Schlesien dauerhaft gesichert. Es folgte eine relativ lange Friedensperiode, in welcher Friedrich mehr seinen Interessen an künstlerischen Dingen nachgehen konnte. Vor allem konnte er endlich sein Schloss in Potsdam, das Neue Palais, realisieren. Dafür brauchte er zahlreiche Künstler und Handwerker, und es fügte sich gut, dass aus Bayreuth gerade zwei hochbegabte Möbelschreiner, Johann Friedrich Spindler und sein Halbbruder Heinrich Wilhelm Spindler, in die preußische Residenzstadt gezogen waren. Was die beiden bislang geschaffen hatten, entsprach stilistisch und qualitativ ganz den Vorstellungen des anspruchsvollen Monarchen.


Zu den bis dahin entstandenen Schöpfungen der Spindlers gehört wahrscheinlich eine Kommode, die bei der traditionellen Berlin-Auktion des Auktionshauses Lempertz – vom April-Termin auf den 16. Mai verschoben – versteigert werden soll. In hoher technischer Vollendung zeigt sie ein aus diversen Hölzern zusammengesetztes Blumenbouquet und auf dem Blatt eine Brunnenarchitektur mit Nereide und Putto. Rokokobeschläge weist das Möbelstück nur noch an den vier Beinen auf, an den beiden Schubladen dagegen ließ später ein Freiherr von Plotho sechs Beschläge mit seinem Wappen anbringen. 60.000 bis 70.000 Euro soll die Kommode kosten. Ein weiteres wohl aus der Spindler-Werkstatt um 1760 stammendes Stück, dessen blumiger Intarsiendekor noch prachtvoller und farblich variantenreicher ist, steht für 80.000 bis 100.000 Euro zum Verkauf. Wie zwei schlanke Beistelltische, die die Spindlers offenbar bereits in Potsdam gefertigt haben (Taxen zwischen 8.000 und 30.000 EUR), werden die Kommoden aus einer westfälischen Privatsammlung eingeliefert.

Unter den preußischen Königen entwickelte sich Berlin seit dem beginnenden 18. Jahrhundert zu einem Zentrum der Künste und des Kunsthandwerks in Deutschland. Charles Vigne etwa betrieb eine Tapisseriemanufaktur mit zeitweise dreihundert Mitarbeitern, aus der unter anderem eine Wandteppichserie mit Motiven nach Jean-Antoine Watteau hervorging. Ein Exemplar daraus mit einem Liebespaar ist für 15.000 bis 20.000 Euro zu haben. Aus niedersächsischem Privatbesitz stammt eine größere Sammlung an Fayencen aus Berliner Manufakturen des frühen 18. Jahrhunderts. Die meisten sind in Blau-Weiß gehalten und mit exotischen Motiven geschmückt, wie ein Set von drei Deckelvasen der Werkstatt des Cornelius Funcke, seltener mit Wappen wie ein Orangenkübel von Gerhard Wolbeer (Taxen je 8.000 bis 10.000 EUR).

Unter den Schnupftabakdosen ragt ein Rokokostück des mittleren 18. Jahrhunderts mit der Darstellung einer herrlichen Gartenlandschaft mit fantasievoller Treppenanlage auf dem Deckel hervor. Auf einem beigefügten Zettel der goldenen Ausführung steht geschrieben, dass sie einst dem preußischen Generalfeldmarschall Johann David Ludwig Yorck von Wartenburg gehörte (Taxe 25.000 bis 28.000 EUR). Eine andere, um 1770 wohl in der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) hergestellte Tabatiere feiert in Miniaturen des Porzellanmalers Isaak Jakob Clauce König Friedrich II. als Protektor der Künste (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Unter den Berliner Silberschmieden sind Johann Christian Lieberkühn d.J., vertreten durch einen großen Leuchter von 1746/47 mit des Königs Monogramm (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR), und Hermann Neupert II. zu nennen, von dem es eine Kaffeekanne in spätesten Rokokoformen gibt (Taxe 13.000 bis 16.000 EUR). Mit einer großen Deckelterrine wohl aus der Werkstatt des Potsdamer Meisters Johann George Hobermann ist um 1780/90 bereits der Klassizismus erreicht (Taxe 10.000 bis 14.000 EUR).

Die Totenmaske Friedrichs II. nahm 1786 der aus Fürth stammende Bildhauer Johannes Eckstein ab. Sie ist heute verschollen, aber Eckstein selbst fertigte noch im selben Jahr einen Bronzekopf mit den Gesichtszügen des Verstorbenen an (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR). Später verbreitete sich das Bild des Königs unter anderem durch eine 1805 von Johann Carl Friedrich Riese entworfene und bei KPM in weißem Biscuitporzellan vervielfältigte Büste (Taxe 20.000 bis 24.000 EUR). Von Friedrich Wilhelm II., der nur gut zehn Jahre auf dem preußischen Königsthron saß, bietet Lempertz ein intimes Portrait des Schweizer Malers Anton Graff für 12.000 bis 16.000 Euro an.

Eine große klassizistische Marmorschale aus englischem Privatbesitz, deren Entwurf auf Karl Friedrich Schinkel zurückgehen soll, gehört zu den prachtvollsten Stücken des frühen 19. Jahrhunderts (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Wiederum KPM steht auf dem Etikett eines vasenförmigen Nachtlichts nach einem Modell Rieses. Vor goldenem Hintergrund ist die sogenannte „Aldobrandinische Hochzeit“ nach antikem Muster zu sehen (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Aus einem umfangreichen Service mit mindestens hundert Gedecken, das Großherzog Paul Friedrich von Mecklenburg-Schwerin um 1837 bei Johann George Hossauer in Auftrag gab und das sich noch bis in die 1970er Jahre in mecklenburgischem Familienbesitz befand, kommen für 25.000 bis 27.000 Euro zwölf vergoldete Silberteller mit Muschelmotiv zum Aufruf.

Das Brustbildnis König Friedrich Wilhelms IV. nach Franz Krüger prangt auf einer fast siebzig Zentimeter hohen KPM-Vase der 1840er Jahre. Rückseitig ist ein Teil des ehemaligen Zisterzienserklosters Lehnin zu betrachten (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR). Auf einem rund zehn Jahre jüngeren, schon historistischen Gefäß, entworfen als „Urbino-Vase“ von Julius Wilhelm Mantel, steht die Muse Erato nachdenklich mit einem Schwan an einer lyraförmigen Gartenskulptur (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Ebenfalls bei KPM lief um 1840/45 eine Bildplatte mit der Darstellung „Der heilige Franziskus umarmt den gekreuzigten Jesus“ nach einem Gemälde des Spaniers Bartolomé Esteban Murillo vom Band. Sehr originell ist bei dem von Lempertz angebotenen Stück der geschnitzte Holzrahmen in Gestalt einer von Blattranken umwundenen gotischen Ruine (Taxe 40.000 bis 45.000 EUR).

Die letzte Epoche der Berlin-Auktion gilt der Kaiserzeit. Augusta, die Gemahlin Wilhelms I., ziert eine wiederum von Julius Wilhelm Mantel entworfene und von seinem Sohn Louis Mantel dekorierte Biscuitporzellankanne aus dem Jahr 1871 (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR), während ihr Ehemann und ihr Enkel Wilhelm II. von einer Prunkvase aus dem Dreikaiserjahr 1888 blicken (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR). In historistischem Prunk des Neorokoko hat Paul Schley einen Deckenleuchter gestaltet. Die plastischen Blumen und Blüten aus Porzellan und vergoldeter Bronze sind von vollendeter Technik (Taxe 40.000 bis 45.000 EUR). Ein von Martin Fritzsche entworfener Tafelaufsatz mit zwei Frauenfiguren als Allegorien auf Ägypten und Europa von 1901 (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR) und eine Allegorie der Landwirtschaft, von Ignatius Taschner um 1905 als nackte junge Frau mit Fruchtgehängen auf einem Stier kreiert, runden das Angebot in Richtung Jugendstil ab (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).

Ein eigener schmaler Katalog widmet sich einer Privatsammlung von Porzellanen aus der Kaiserlichen Manufaktur Wien, die ebenfalls am 16. Mai in Berlin versteigert wird. Die ältesten Stücke stammen von etwa 1760/70 wie ein Dejeuner mit Darstellungen von Putten und Kindern in anmutigen Landschaften en grisaille. Eine üppige Blumenmalerei von Johann Teufel schmückt einen Pokal samt Untertasse aus der Zeit um 1830 (Taxe je 6.000 bis 8.000 EUR). Jeweils 8.000 bis 10.000 Euro stehen auf den Preisschildern eines Tellers mit der Ansicht des Wiener Stephansdoms sowie einer Tasse samt Untertasse mit weiteren Veduten aus den späten 1810er Jahren. Als teuerste Offerte geht eine Bildplatte an den Start, auf der Johann Weixlbaum um 1808 ein Gemälde des Niederländers Andries Cornelis Lens aus dem Jahr 1775 kopierte. Es zeigt, wie Götterchefin Hera ihren Gemahl Zeus auf dem Berg Ida einschläfert, um ihn von den trojanischen Kampfhandlungen abzulenken (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Die Versteigerung beginnt am 16. Mai um 11 Uhr mit dem Wiener Porzellan, um 12 Uhr folgt die „Preußen Auktion“. Die Vorbesichtigung ist bis zum 8. Mai täglich von 11 bis 15 Uhr, vom 9. bis zum 14. Mai von 11 bis 17 Uhr möglich. Das Berliner Lempertz-Team organisiert für Sammler individuelle Vorbesichtigungen, damit die Abstandsregeln eingehalten werden können und die Gesundheit der Kunden und Mitarbeiter keinen Gefahren ausgesetzt wird. Die Auktionskataloge sind auch online unter www.lempertz.com verfügbar.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Poststraße 21-22

DE-10178 Berlin

Telefon:+49 (030) 278 760 80

Telefax:+49 (030) 278 760 86

E-Mail: info@lempertz.com



06.05.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Seltener Orangenkübel mit dem Wappen der Familie von Morenthal,  um 1705.

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