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Wiener Belvedere öffnet wieder

Rudolf Schlichter, Damenkneipe, um 1925

Nach rund zwei Monaten kulturellem Stillstand, Ausgangsbeschränkung und rein virtuellen Angeboten dürfen die Museen Österreichs ab diesem Wochenende wieder Besucher empfangen. Als eines der ersten Häuser in Wien geht heute das Belvedere an den Start und öffnet seine Sonderschau „Into the night – Die Avantgarde im Nachtcafé“ von neuem. Im Unteren Belvedere widmen sich die Kuratorinnen Florence Ostende und Katharina Lovecky den Kabaretts, Cafés und Nachtclubs, die sich im frühen und mittleren 20. Jahrhundert als Treffpunkt für Künstler jeglicher Couleur etablierten und ihnen eine Plattform des kreativen Ideenaustauschs boten. Diese Schlüsselorte künstlerischer Autorenschaft waren Enklaven, in denen sich Geist und Idee frei von gesellschaftlicher oder politischer Norm entfalteten, Werke genreübergreifend entstanden und sich neue Formen künstlerischen Schaffens entwickelten. Aus diesem schillernden Nachtleben heraus blicken wir heute auf das in den 1880er Jahren gegründete Pariser Schattentheater Chat Noir als Vorwegnahme der Kinokultur, das Kabarett Fledermaus der Wiener Werkstätte, das Cabaret Voltaire der Dadaisten in Zürich oder auf die Berliner Etablissements als Geburtsstätten des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit.

Damit verbunden sind Persönlichkeiten wie Theo van Doesburg, Protagonist der De Stijl-Bewegung, der zusammen mit Sophie Taeuber-Arp und Hans Arp das Café L’Aubette in Straßburg ausstattete, Giacomo Balla, der den Nachtclub Bal Tik Tak in Rom designte, oder sein Futurismus-Kollege Fortunato Depero mit seinem 1922 ebenfalls in Rom gegründeten Cabaret del Diavolo. Um den vibrierend inspirierenden Flair der Zeit den Besuchern so nah wie möglich zu bringen, wurden originalgetreue Rekonstruktionen der Schauplätze angefertigt. Hinzu kommen über 320 Objekte in Form von Gemälden, Zeichnungen, Drucken, Fotografien, Filmen und Archivmaterialien, die den inhaltlichen Kontext aufschlüsseln, etwa von Jules Chéret, Otto Dix, Aaron Douglas, Valeska Gert, Hannah Höch, Josef Hoffmann, Marcel Janco, Elfriede Lohse-Wächtler, Oskar Kokoschka, Jeanne Mammen, Koloman Moser, Henri Rivière, Henri de Toulouse-Lautrec, Erna Schmidt-Caroll, Wole Soyinka oder Prince Twins Seven Seven.

Neben den schon erwähnten Lokalitäten trifft man auf Susanne Wengers Fassadengestaltung für den Mbari Mbayo Club ebenso wie auf die Wandbemalung von Uche Okeke für den Mbari Artists and Writers Club in Nigeria aus den 1960er Jahren. Mit der Ausweitung des Fokus auf die New Yorker Clubs der 1920er und 1930er Jahre oder auf den Estridentismus in Mexiko-Stadt möchte die Ausstellung den eurozentrischen Blickwinkel durchbrechen. Für Stella Rollig, Generaldirektorin des Belvedere, bietet die Schau einen neuen und spannenden Zugang zur bekannten Kunstgeschichtsschreibung. Diese alternativen Schauplätze der Moderne hätten sich als kreative Freiräume zum Nährboden kulturellen Denkens entwickelt.

Die Ausstellung „Into the night – Die Avantgarde im Nachtcafé“ ist noch bis zum 1. Juni zu sehen. Das Untere Belvedere hat täglich von 10 Uhr bis 18 Uhr, freitags zusätzlich bis 21 Uhr unter den derzeit üblichen Sicherheitsauflagen geöffnet. Der Eintritt beträgt 14 Euro, ermäßigt 11 Euro. Alle öffentlichen Führungen zu dieser Ausstellung bietet das Belvedere kostenlos an. Der 346 Seiten starke Ausstellungskatalog ist im Museum für 45 Euro zu haben. Das Belvedere 21 öffnet wieder am 1. Juni, das Obere Belvedere am 1. Juli.

Österreichische Galerie Belvedere – Unteres Belvedere
Rennweg 6
A-1030 Wien

Telefon: +43 (0)1 – 795 57 0
Telefax: +43 (0)1 – 795 57 121


15.05.2020

Quelle: Kunstmarkt.com/Ramin Shafiai

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14.02.2020, Into the Night - Die Avantgarde im Nachtcafé

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