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Jirí Tichý in Duisburg

Jirí Tichý, Hommage an Apollinaire, 1970/71

Gewebte Kunstwerke, die an der Wand präsentiert werden und keinen der gängigen funktionalen Zwecke erfüllen, sowie dafür vorbereitende Entwürfe des tschechischen Künstlers Jirí Tichý stehen derzeit im Mittelpunkt einer Ausstellung des Wilhelm Lehmbruck Museums in Duisburg. Seit den späten 1950er Jahren beschäftigte sich der 1924 geborene Künstler zunehmend mit diesem bis dahin recht ungewöhnlichen Medium. Tichý erarbeitete die oft expressiven Werke an einem eigens für diesen Zweck konstruierten Hochwebstuhl nicht teppichartig am Stück, sondern fügte sie aus verschiedenen Partien zusammen, wobei mitunter eine jahrelange Entstehungszeit die Folge war. Es handelt sich auch nicht um klassische Tapisserien, sondern um formal freie und motivisch sowohl abstrakte als auch figurale Elemente integrierende Stoffbilder.

Schon nach dem Abitur 1941 wollte Jirí Tichý Künstler werden und schrieb sich ein Jahr später an der Kunstgewerbeschule in Prag ein. Wegen des Zweiten Weltkrieges wurde die Ausbildung jedoch bald unterbrochen. Erst 1945 konnte er sein Studium in der Malereiklasse der Prager Hochschule für Kunstgewerbe bei Emil Filla fortsetzen. Zwei Jahre später wechselte er in die Abteilung Textilkunst bei Antonín Kybal, da dort eine etwas größere künstlerische Autonomie von den Vorgaben der sozialistischen Doktrin möglich war. Ein schwerer persönlicher Schicksalsschlag, der Tod seiner jungen Ehefrau nur einen Tag nach der Hochzeit an einer Rauchvergiftung, führte 1949 zu einer schweren Schaffenskrise, die erst 1952 mit einer neuerlichen Heirat ihr Ende fand.

Mit den Tapisserien konnte er sich seit den 1950er Jahren allmählich als freischaffender Künstler etablieren, zugleich arbeitete er aber auch als Entwerfer etwa für Glasfenster, als Buchgestalter und als Redakteur. Nach dem sogenannten Prager Frühling, dessen Liberalisierungs- und Demokratisierungsbestrebungen Tichý aktiv unterstützte, musste er vorübergehend Repressionen hinnehmen. Gleichzeitig aber wuchs seine Reputation auch im Ausland, vor allem in Deutschland und Österreich. Er erweiterte seine Arbeiten durch Integration von Materialien wie Metall, Holz und Glas sowie konkrete Gegenstände. Bereits 2004 fand zu Ehren seines 80. Geburtstages im Lehmbruck Museum eine große Werkschau statt. 2013 starb Tichý 88jährig im südböhmischen Budweis.

Die Ausstellung „Jirí Tichý“ ist coranabedingt bis zum 20. September verlängert. Das Lehmbruck Museum hat täglich außer montags von 12 bis 17 Uhr, am Wochenende ab 11 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 5 Euro. Eine kleine Begleitbroschüre zur Ausstellung stellt das Museum auf seiner Homepage zum Download zur Verfügung.

Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum
Friedrich-Wilhelm-Straße 40
D-47051 Duisburg

Telefon: +49 (0)203 – 283 26 30
Telefax: +49 (0)203 – 283 38 92


18.05.2020

Quelle: Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Events (1)Adressen (1)Kunstsparten (3)Stilrichtungen (2)Variabilder (5)Künstler (1)

Veranstaltung vom:


29.02.2020, Jirí Tichý

Bei:


Wilhelm Lehmbruck Museum Duisburg

Kunstsparte:


Tapisserie

Kunstsparte:


Textilien

Kunstsparte:


Skulptur

Stilrichtung:


Nachkriegskunst

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Variabilder:

Jirí Tichý, Babylonisch genanntes Konzert, 1995
Jirí Tichý, Babylonisch genanntes Konzert, 1995

Variabilder:

Jirí Tichý, Gespräch des Wassers mit dem Menschen, 1965
Jirí Tichý, Gespräch des Wassers mit dem Menschen, 1965









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