Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 15.07.2020 Auktion 388: Alte Kunst

© Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Anzeige

Am Badestrand / Otto Pippel

Am Badestrand / Otto Pippel
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

El Anatsui ist einer der bedeutendsten Künstler Afrikas. Seine große Schau „Triumphant Scale“, die nun als zweite europäische Station in Bern zu sehen ist, ist auch ein Vermächtnis des 2019 verstorbenen Kurators und Weltbürgers Okwui Enwezor

Glanzvolle Materialwunder



El Anatsui, Gravity and Grace, 2010

El Anatsui, Gravity and Grace, 2010

Monumentalität ist ebenso ein Teil der gravitätischen Arbeiten von El Anatsui wie ihre Opulenz. Wie noble Roben, die mit Faltungen und Draperien fließende Bewegung und Dreidimensionalität suggerieren, hängen die metallischen Bahnen des weltweit gefeierten ghanaischen Künstlers derzeit an den Wänden des Kunstmuseums Bern. Nach dem wochenlangen Lockdown des Hauses ist es den Schweizern gelungen, die imposante Ausstellung „Triumphant Scale“ bis in den Herbst hinein zu verlängern. Glück für alle, die sie im Frühjahr und Sommer 2019 in München verpasst haben.


Golden, silbern und rot schillert am Beginn der Schau die Arbeit „Man’s Cloth“ von 2001. Sie enthält schon fast alles, was den glanzvollen Materialwundern El Anatsuis, die sich aus Tausenden gebrauchter Kronkorken, Flaschenmanschetten oder platt gehämmerten Getränkedosen zusammensetzen, einen einzigartigen Platz in der globalen zeitgenössischen Kunstproduktion gegeben hat. Die effektvolle Ästhetik des gebrauchten Alltagsmaterials spielt keine geringe Rolle für die flirrende Wirkung der Werke. Die Bedeutung dieser mit Licht und Transparenz, Leichtigkeit und Körperlichkeit kokettierenden Teppiche aber liegt in der plastischen Innovation, die der heute 76jährige als Ergebnis seines beharrlichen Suchens nach neuen formalen Ausdrucksmöglichkeiten hervorbrachte. Der Vergleich mit Stoffen wird häufig gebracht, aber in einem Interview machte Anatsui 2010 deutlich: „An Stoff an sich bin ich nicht interessiert. Es ist vielmehr das Format oder die Form des Stoffes.“

Form und Struktur gelten in der Plastik als unzertrennliches Paar. El Anatsui nimmt sich die Freiheit, darüber hinauszugehen. Seine wandfüllenden Objekte und seine sich über den Boden wölbenden und auftürmenden Bahnen aus flach geklopften Schnapsflaschenmanschetten wie etwa der grün, gelb und rosa changierende „Tiled Flower Garden“ von 2012 sind auch malerische Tableaus. Die Anordnung der einzelnen Teile, die Farbfolge, die Kontraste folgen bewusst gesetzten Strukturen, so dass sich anmutige Werke, wie „Gravity and Grace“ von 2010, das Gegensatzpaare wie Konzentration und Auflösung zu vereinen scheint, oder das triptychonartige, komplexe „In the world, But Don’t know the world“ von 2009, sich als gewaltige Seelenlandschaften voller Chiffren darstellen.

Zwischen Abstraktion, Ornament und Zeichen hat Anatsui ein eigenes Kompositionsmuster entwickelt, mit der er afrikanische Kultur und Kunst der Moderne verknüpft, ohne der Frage nach dem Sinn von Kunst auszuweichen. „Wenn ich ein Werk schaffe, ist das meiner Ansicht nach eine Metapher, die eine alternative Antwort spiegelt – eine Erforschung von Möglichkeiten und eine Erweiterung der Grenzen in der Kunst. Meine Arbeit kann Verbindungsglieder in dem sich entwickelnden Narrativ von Erinnerung und Identität darstellen. Die Verbindung zwischen Afrika, Europa und Amerika liegt eindeutig meinen Arbeiten mit Flaschenverschlüssen zugrunde“, sagte er schon 2003.

Vergleicht man in der Ausstellung die Kronkorken-Werke mit den frühen Holzskulpturen El Anatsuis, dann offenbart sich, dass die Entdeckung des Abfallmaterials die brillante Vollendung eines schon immer gedachten künstlerischen Konzepts war. Strukturen, Rhythmen, das Zusammenspiel von fragmentierten Details bestimmen schon in 1990er Jahren das Wesen seiner damals noch aus Holz gefertigten Arbeiten. Wie ein flaches Panorama, das gestrichelte Partien mit dicht an dicht gesetzten, kleinen geschlitzten Scheiben und geschnitzten Partien verbindet, erscheint das fast drei Meter breite Holzrelief „Grandma’s Cloth Series VI“ von 1992. Es wirkt wie eine Stufe zu jenem Ouevre-Höhepunkt, den Anatsui zweifellos mit seinen Metallgebilden erreicht hat.

Mit ihnen hat er spätestens nach der Teilnahme an der Biennale in Venedig 2007, die ihn in ganz Europa bekannt machte, den Kunstmarkt erobert. Auf der TEFAF in Maastricht, weltweit eine der Top-Messen, hing im vergangenen Jahr am Stand der Galerie Axel Vervoordt ein wandfüllendes Werk Anatsuis für 1,1 Millionen Euro. Während seine starren Holzplastiken auf Auktionen heute zwischen 40.000 und 100.000 Euro gehandelt werden, bewegen sich die Zuschläge für die weich geschwungenen Assemblagen bei Sotheby’s und Phillips im hohen siebenstelligen Bereich. Jüngstes Beispiel ist der Hammerpreis von 750.000 Pfund, den Phillips in London im Februar für die rot glänzende „Affirmation“ von 2014 erzielte. Mit Aufgeld sind das umgerechnet rund 1,1 Millionen Euro.

El Anatsui, der 1944 in Ghana geboren wurde, lehrt und arbeitet heute in Nigeria. Seine „schillernden Echos einer schmerzlichen Zeit“ wie ein Kritiker unlängst sein jüngeres Werk nannte, sind heute in den namhaften Museen vertreten, und doch ist „Triumphant Scale“ seine erste Übersichtsschau. Initiiert und konzipiert hat sie der Anfang 2019 verstorbene Kurator Okwui Enwezor, der 2011 bis 2018 das Haus der Kunst in München leitete, gemeinsam mit Chika Okeke-Agulu. Die Ausstellung „Triumphant Scale“, die ihre Welttournee verständlicherweise im Haus der Kunst begann, ist somit auch ein Vermächtnis des politisch ambitionierten Kunstvermittlers und Weltbürgers Enwezor, dessen Ziel es war, den eurozentrischen Blick zu durchbrechen und den Wahrnehmungsradius auf ein globales Kunstgeschehen zu lenken. Mit seiner Universalität überwindet El Anatsui äußere und innere Grenzen: Ausdruckskraft und geistige Tiefe, Schönheit und Würde haben die Kunst schon nimmer zu einer Weltsprache gemacht.

Die Ausstellung „El Anatsui – Triumphant Scale“ wird voraussichtlich bis 1. November verlängert. Das Kunstmuseum Bern hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, dienstags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 18 Franken, ermäßigt 14 Franken, für Studierende 10 Franken. Es gelten derzeit coronabedingte Abstands- und Hygieneregeln. Der Katalog zur Schau erscheint als erste deutschsprachige Publikation im Juni. Der Prestel Verlag hat die Übersetzung von Susan Vogels „El Anantsui. Art and Life. Revised and Expanded“ für 49 Euro ins Programm genommen.

Kontakt:

Kunstmuseum Bern

Hodlerstraße 8-12

CH-3000 Bern

Telefon:+41 (031) 328 09 44

Telefax:+41 (031) 328 09 55



28.05.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 18

Seiten: 1  •  2

Events (1)Adressen (1)Kunstsparten (2)Stilrichtungen (1)Berichte (3)Variabilder (9)Künstler (1)

Veranstaltung vom:


13.03.2020, El Anatsui - Triumphant Scale

Bei:


Kunstmuseum Bern

Kunstsparte:


Skulptur

Kunstsparte:


Relief

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Bericht:


Florenz zeichnet Arata Isozaki und El Anatsui aus

Bericht:


Praemium Imperiale vergeben

Bericht:


El Anatsui erhält Goldenen Löwen in Venedig

Variabilder:

El
 Anatsui, Black Block, 2010
El Anatsui, Black Block, 2010







El Anatsui, Black Block, 2010

El Anatsui, Black Block, 2010

El Anatsui, Wisdom, 1974

El Anatsui, Wisdom, 1974

El Anatsui, Sacred Cows, 1982

El Anatsui, Sacred Cows, 1982

El Anatsui

El Anatsui

El Anatsui, Old Cloth Series, 1993

El Anatsui, Old Cloth Series, 1993

El Anatsui, Leopard Cloth, 1993

El Anatsui, Leopard Cloth, 1993

El Anatsui, Awakened, 2012

El Anatsui, Awakened, 2012

El Anatsui, Chambers of Memory, 1977

El Anatsui, Chambers of Memory, 1977




Copyright © '99-'2020
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce