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In Wien hat die Albertina Modern eröffnet und präsentiert in ihrer Antrittsschau einen profunden Überblick über die österreichische Kunstentwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1980er Jahre

Beginn mit Geburtswehen



Robert Klemmer, Laufender Klemmer, 1969

Robert Klemmer, Laufender Klemmer, 1969

Nach elf Wochen nun endlich: „The Beginning“. So lautet der Titel der Ausstellung, mit der die Albertina Modern im Wiener Künstlerhaus am Mittwoch ihre Pforten für Besucher geöffnet hat. Nachdem sich die Fertigstellung der Ausstellungsräume wegen aufwändiger Renovierung- und Restaurierungsarbeiten verzögert hatte, musste die ursprünglich für März geplante Eröffnung aufgrund des Corona-Lockdowns abermals verschoben werden. Nun ist es so weit, und das leise Opening, das ohne Pomp und Publikum aus dem Ausland zelebriert wurde, steht stellvertretend für die veränderten Rahmenbedingungen der Kunstpräsentation, die den Kulturbetrieb wohl auch in naher Zukunft noch beschäftigen werden.


Am neu restaurierten Standort, an dem traditionell die Künstlervereinigung „Künstlerhaus. Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler Österreichs“ residiert, wird auf einer Ausstellungsfläche von 2.000 Quadratmetern österreichische und internationale Gegenwartskunst gezeigt, vor allem Werke aus der Sammlung Essl. Bereits Mitte der 1990er Jahre konnte das niederösterreichische Unternehmerpaar Agnes und Karlheinz Essl im Wiener Künstlerhaus eine erste Überblicksschau mit rund 250 Arbeiten österreichischer Kunst nach 1945 vorstellen. Damals suchten die Essls einen Standort für ihre Kollektion, für die die Inhaber einer einst erfolgreichen Baumarktkette in Ermangelung eines geeigneten Ortes 1999 im nahe gelegenen Klosterneuburg einen privaten Museumsbau errichteten.

Aber fünfzehn Jahre nach dessen Einweihung bot die Unternehmerfamilie ihre Sammlung wegen finanzieller Schwierigkeiten der Republik Österreich zum Kauf an. Die öffentliche Hand schlug jedoch einen Ankauf der Kollektion für kolportierte 86 Millionen Euro aus. In die Bresche sprang der Bauunternehmer Hans Peter Haselsteiner, der mit einem Überbrückungskredit von über 100 Millionen Euro das Museum in Klosterneuburg und sechzig Prozent der Sammlung erwarb und in eine Privatstiftung einbrachte. Bereits im Herbst 2014 wurden Gustostücke des internationalen Bestands bei Christies’s in London versteigert, um wie Haselsteiner, der Gründer der Strabag AG, später betonte, den nationalen, also österreichischen Anteil der Kollektion als kulturelles Erbe zu bewahren.

Schließlich machte Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder den Milliardär auf das renovierungsbedürftige Künstlerhaus in Wien aufmerksam. Dessen Eigentümer, die Mitglieder der Künstlervereinigung, hatten sich jahrelang erfolglos um eine Instandsetzung des maroden Gebäudes bemüht. Nach aufreibenden Kontroversen einigte man sich schließlich darauf, dass Haselsteiner für die Kosten der Renovierung aufkommen und als Gegengabe mit seiner Sammlung im Erdgeschoss einziehen und fast Dreiviertel an einer Besitz- und Betriebs-GmbH erhalten werde, während die Künstlervereinigung die Räumlichkeiten im ersten Stock des Gebäudes nutzen könne. Laut Vertrag übernimmt Haselsteiner in dieser „öffentlich-privaten Partnerschaft“ auch die Instandhaltungskosten. Den Museumsbetrieb bezahlen die Steuerzahler.

Schröder gelang es, der Albertina sowohl die abgespeckte Haselsteiner-Essl-Kollektion als Dauerleihgabe bis 2045 zu sichern, als auch die vierzig Prozent der Sammlung, die bei den Essls verblieben waren, zu übernehmen. Das Sammlerpaar hatte sich zu einer Schenkung entschlossen, nachdem es zuvor noch 150 Werke an den deutschen Unternehmer und Kunstsammler Reinhold Würth verkaufte. Über den Preis der 2018 und 2019 veräußerten Werke vereinbarten die Beteiligten Stillschweigen.

Da nun in Wien mit der Albertina Modern ein Haus existiert, das Schröder als „neues Museum moderner Kunst“ bezeichnet, gab es nicht nur seitens der Grünen, sondern auch von Kolleginnen wie Mumok-Direktorin Karola Kraus und Stella Rollig, der Leiterin des Belvedere, den Vorwurf doppelgleisiger Ausstellungspolitik im Feld österreichischer Kunstgeschichte. Denn mit der Geburtsstunde der Dependance katapultiert sich das Haus vom Start weg in den Kreis der großen Museen für die Kunst der Moderne und Gegenwart. Auch die spektakuläre Rhetorik, mit der der begleitende Pressetext auf die Geschichte des Hauses und den „Ungeist des Nationalismus“ verweist, den „The Beginning“ nun „exorzieren“ wolle, um dem Ausstellungsgebäude „eine neue Identität zu schenken“, wird nicht wenigen grüblerische Falten auf die Stirn getrieben haben.

Denn in dem Gebäude, in dem unter dem Künstlerhaus-Präsidenten Rudolf Hermann Eisenmenger die letzte Station der Schandausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt wurde, fanden später wichtige Präsentationen wie „Kunst um 1970“ statt, die der damalige Präsident Hans Mayr mit dem Sammlerehepaar Peter und Irene Ludwig aus Aachen kuratierte. Auch die 1985 vom Wien Museum organisierte und zum Publikumsliebling avancierte Ausstellung „Traum und Wirklichkeit“ oder „Kampf um die Stadt, Kunst und Alltag um 1930“, die 2009/10 von Wolfgang Kos erarbeitet wurde, haben das Künstlerhaus bereits in anderem Licht erscheinen lassen. Spät leistete auch die Künstlerhaus-Vereinigung selbst einen entsprechenden Beitrag, als 2012 der Versuch einer Aufarbeitung der unrühmlichen Geschichte des Hauses und der führenden Rolle, die Künstlerhaus-Mitglieder während und auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg in der Kunst- und Kulturpolitik gespielt hatten, unternommen wurde. Eine Plattform für die Begegnung von Kunstinteressierten und Sprachrohr in kulturpolitischen Anliegen wurde das Künstlerhaus aber vor allem durch seine rund 440 Mitglieder aus allen Bereichen künstlerischen Schaffens, mit denen sich die Albertina Modern nun in einer Art Kunst-WG die Räumlichkeiten teilt.

Während der noch bis vor kurzem amtierende künstlerische Leiter des Künstlerhauses Tim Voss im ersten Stock zur Gruppenausstellung „Alles war klar“ einlud, einer Schau, die sich anhand überwiegend neuer für die Ausstellung geschaffener Werke mit der Geschichte des Künstlerhauses auseinandersetzt, wird mit der im Erd- und Untergeschoss eingerichteten Präsentation „The Beginning“ die Vielfältigkeit österreichischer Kunst nach 1945 gewürdigt. Dazu haben Klaus Albrecht Schröder und ein fünfköpfiges Team von Kuratorinnen und Kuratoren mit 74 Künstler*innen wichtige Positionen an der Schwelle zur Postmoderne versammelt – vom Wiener Phantastischen Realismus über die frühe Abstraktion, den Wiener Aktionismus, die kinetische und konkrete Kunst sowie die österreichische Variante der Pop Art bis zu dem für Wien so kennzeichnenden gesellschaftlichen Realismus. Herausgekommen ist ein perfekt inszenierter Streifzug durch dreieinhalb Jahrzehnte österreichischer Kunst. Die Auswahl kann sich am Ende souverän vom Vorwurf einer vor allem von privaten Sammlervorlieben geprägten Kollektion befreien und entwirft unter Einbeziehung eigener Bestände, wie auch von Werken aus weiteren Sammlungen, etwa aus dem Wien Museum, dem MUSA und der Sammlung Liaunig, mit insgesamt fast 400 Exponaten ein Panorama österreichischer Kunstschaffender, die zu Recht als „Neuerer“ bezeichnet werden können.

Die Vielzahl einzelner Positionen formte sich in der österreichischen Nachkriegszeit zu einem Pool künstlerischer Avantgarden, die ungeachtet der verschiedenen Ansätze und Differenzen ein antifaschistischer Konsens einte. Gemeinsam sind den Künstlerinnen und Künstlern dieser Avantgarden ein fundamentaler Widerspruch gegen Autorität und Hierarchie, die Kritik an der Verdrängung vergangener Schuld und eine rigorose Zurückweisung eines reaktionären Kunstverständnisses, das lang nach 1945 in Österreich als Ideal galt. Gegen dieses Ideal malte der junge Ernst Fuchs an, ebenso seine Kollegen Anton Lehmden und Rudolf Hausner. Die Wiener Aktionisten wandten sich gegen repressive gesellschaftliche Zustände und suchten bewusst die Konfronation mit staatlicher und kirchlicher Autorität, während die Abstrakten wie Wolfgang Hollegha und Markus Prachensky dagegen ihre gestisch kraftvollen Bilder setzten. Gesellschaftskritische Realisten wie Alfred Hrdlicka, Reimo Wukounig und Gottfried Helnwein, der sich schon in seinen frühen Arbeiten mit Themen wie Gewalt, Faschismus und Holocaust, Erinnerung, Verdrängung und den Konstellationen von Macht beschäftigt hat, verfluchten dieses Ideal, während es die Künstler der Art Brut verspotteten.

Ein besonderes Augenmerk legt die Ausstellung auf Werke von Künstlerinnen, die ab den späten 1960er Jahren den Geschlechterkonflikt zum Ausgangspunkt ihrer widerständigen Kunst machten und das reaktionäre Ideal ebenfalls bekämpften: die Aktionistin Valie Export und die feministische Avantgarde von Renate Bertlmann und Friederike Pezold bis Birgit Jürgenssen und Karin Mack. „The Beginning“ widmet sich aber auch bedeutenden Einzelgänger*innen. Dort, wo sich eine neue Nüchternheit der Ausstellungsräume nicht verwirklichen ließ, nutzten die Kurator*innen architektonische Gegebenheiten wie kleine Rundsäle geschickt für räumliche und inhaltliche Gegenüberstellungen, wie zum Beispiel von Werken Maria Lassnigs und Arnulf Rainers.

Während im Erdgeschoß die überwiegend großformatigen und großzügig gehängten Arbeiten für einen Wow-Effekt sorgen, erwarten die Besucher*innen in den unteren und niedrigeren Ausstellungsräumen kleinere Formate, die leider zu dicht gehängt sind. Dies ist aber wohl dem Anspruch geschuldet, nicht nur die Heroen dieser 35 Jahre umfassende Zeitspanne österreichischer Kunst zu präsentieren, sondern mit Ingeborg G. Pluhar, Ida Szigethy, Robert Klemmer, Max Peintner und Auguste Kronheim auch auf die Qualität von bisher Übersehenen hinzuweisen. Angesichts solch künstlerischer Innovation, die den internationalen Vergleich nicht zu scheuen braucht, muss man staunend feststellen, dass ein solch profunder, souveräner und gediegener Überblick von dreieinhalb Jahrzehnten österreichicher Kunstgeschichte in dieser Form noch nicht zu sehen war.

Der Ausstellung, die bis Anfang November zu sehen ist, wird eine Schau über die Kunstproduktion der 1980er Jahre folgen. Erst danach plant Schröder einen Brückenschlag zwischen heimischer und internationaler Kunst. Sein Aktionsradius hierfür wird nach den durch die Corona-Krise verursachten erheblichen finanziellen Einbußen maßgeblich von den budgetären Mitteln abhängen, die der ehemalige Kulturminister und jetzige Finanzminister Gernot Blümel dem Haus zugesteht. Dass der Direktor der Albertina mit dieser Hoffnung nicht allein steht, versteht sich von selbst. Gleichwohl kann es nicht im Interesse der Öffentlichkeit liegen, dass sich die Bundesmuseen gegenseitig Konkurrenz machen, anstatt in puncto Marketing und Leihverträgen kostengünstigere Kooperationen zu entwickeln. Auch was die Sammlungen angeht, kommen sich die Häuser sonst gegenseitig in die Quere.

Die Ausstellung „The Beginning – Kunst in Österreich 1945 bis 1980“ läuft bis zum 8. November. Die Albertina Modern hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 9 Euro; für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren ist er kostenlos. Der Ausstellungskatalog kostet 49,90 Euro.

Kontakt:

Albertina Modern

Karlsplatz 5

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 53 48 30



29.05.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Reimo Wukounig, Der verbitterte Zögling – Zyklus „Einatmen – Ausatmen“, 1974

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Prunkstiege im Wiener Künstlerhaus

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