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Trauer um Christo

Ein Bild aus gemeinsamen Tagen: Jeanne-Claude und Christo im Jahr 2006 in Rostock

Der bulgarisch-amerikanische Verpackungskünstler Christo ist tot. Er sei am Pfingstsonntag in New York im Alter von 84 Jahren eines natürlichen Todes gestorben, teilte sein Mitarbeiterstab auf Facebook mit. Gemeinsam mit seiner Frau Jeanne-Claude gehörte Christo zu den bekanntesten Kunstschaffenden der Gegenwart. Vor allem mit ihren Verhüllungen populärer Gebäude wie 1985 des Pont-Neuf in Paris oder zehn Jahre später des Reichstags in Berlin haben sich die beiden ins allgemeine Gedächtnis eingeschrieben. Daher würdigte auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Verstorbenen und sagte: „Wir trauern um einen großartigen Künstler. Mit dem verhüllten Reichstag in Berlin hat Christo uns Deutschen ein Kunstwerk geschenkt, das immer unvergessen bleiben wird. Als Symbol für ein weltoffenes Deutschland hat es sich in unsere Herzen eingebrannt. Schöner und freier konnte Kunst nicht wirken.“

Erste Bekanntheit erlangte Christo Vladimirov Javacheff, wie der am 13. Juni 1935 im bulgarischen Gabrowo geborene Künstler vollständig hieß, in den 1960er Jahren durch seine Teilnahme an der Gruppe „Nouveau Réalisme“, auch wenn er kein offizielles Mitglied war. Er ging von der Assemblage aus und verpackte zunächst kleine Objekte wie Dosen, Flaschen, Stühle, Zeitungen, Fässer oder Autos. Damit verbarg er die eigentliche Sache, wollte aber den Blick und das Interesse der Betrachter auf diese eher bedeutungsarmen Alltagsgegenstände umso stärker fokussieren. Wie für die Künstler des „Nouveau Réalisme“ konnte auch für Christo alles zur Kunst werden. Hierarchien zwischen künstlerischen Ausdrucksformen und Inhalten gab es für ihn nicht. Waren die frühen Arbeiten noch bemalt, verzichtete der Künstler ab 1960 auf die Farbe.

Nach seinem Studium an den Kunstakademien in Sofia und Wien zog Christo 1958 nach Paris und finanzierte sein Leben mit dem Malen von Portraits. Durch die Auftragsarbeit für ein Bildnis lernte er seine spätere Ehefrau Jeanne-Claude Marie Denat kennen, die schon 2009 verstorben ist. Gemeinsam mit ihr setzte Christo ab 1961 diverse Projekte um. 1968 nahm das Paar an der Documenta teil. Für ihre Arbeit nutzen sie damals einen länglichen semi-transparenten weißen Ballon mit 5600 Kubikmeter Fassungsvermögen. Im Inneren befand sich ein kleinerer zweiter Ballon, der mit Helium gefüllt war. Beide Ballons sollten aufsteigen, was aber erst bei einem zweiten Versuch und einigen Änderungen gelang. 1969 verhüllten Christo und Jeanne-Claude einen Küstenstreifen Australiens mit einen synthetischen Tuch. 1970 begannen sie mit der Organisation des „Valley Curtain“, der dann 1972 ein 400 Meter langes Tal in den Rocky Mountains überspannte.

Neben Gebäuden verpackten Christo und Jeanne-Claude auch immer Naturräume. Für das Projekt „The Gates“ von 2005 ließen sie über 7.500 Metalltore im New Yorker Central Park aufstellen. Die Tore, von denen gelbe und orangefarbene Stoffbahnen herabhingen, waren fünf Meter hoch und erstreckten sich über eine Länge von 37 Kilometern. Der Stoff flatterte im Wind und schimmerte je nach Licht- und Schattensituation in den unterschiedlichen Farbtönen. Für ihre Vorhaben verzichtete das Künstlerpaar auf Sponsorengelder, auch wenn viele ihrer Kunstwerke mehrere Millionen Euro teuer waren. Dafür verkaufte es Grafiken, Zeichnungen und Collagen der Entwürfe und Realisationen. Die Einnahmen aus Souvenirs des New Yorker Projekts spendete das Duo etwa an eine New Yorker Naturschutzorganisation.

Auch über zahlreiche Ehrungen durften sich Christo und Jeanne-Claude freuen. 1987 erhielt das Duo den renommierten Goslarer Kaiserring, 2011 wurde es zum Mitglied der National Academy in New York gewählt. Mit Begründung, Christo breche mit der subtilen Provokation am monumentalen Objekt Denk- und Sichtweisen auf, wurde er 2014 mit dem Theodor Heuss Preis der Theodor Heuss Stiftung ausgezeichnet. Das Centre Pompidou in Paris plant ab Juli eine umfassende Retrospektive auf das Schaffen der beiden Künstler. Bis zu seinem Ableben arbeitete Christo an weiteren Projekten. So wollte er im Herbst 2021 den Arc de Triomphe in der französischen Hauptstadt verpacken. Dies soll trotz seines Todes wie geplant umgesetzt werden.

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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