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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Vielfalt und Internationalität ist Neumeisters Rezept für die alte Kunst von Antiken, über Möbel bis zur Malerei

Landleben aus Russland



Konstantin Alexandrowitsch Trutowski, Russischer Bauernjunge, 1892

Konstantin Alexandrowitsch Trutowski, Russischer Bauernjunge, 1892

Recht müde schleppt sich ein Bauernjunge, der schwer mit Krügen und Gepäck beladen ist, durch die Weite der russischen Landschaft. Wenig motiviert und ausdruckslos zieht er seinen Weg entlang. So sah der 1826 in Kursk geborene Realist Konstantin Alexandrowitsch Trutowski das entbehrungsreiche Leben der Landbevölkerung seiner Heimat. Wenig Folkloristisches und Geschöntes schmeichelt dem Blick des Betrachters. Damit korrespondiert auch die tonige, braun- und graulastige Farbwahl. Trutowski malte seinen „Russischen Bauernjungen“, der nun bei Neumeister für 6.000 bis 8.000 Euro zum Verkauf steht, 1892 am Ende des Zarenreiches – kein Wunder, das wenige Jahre später die Russische Revolution die herrschende Klasse hinwegfegte. Etwas charmanter, aber immer noch mit traurigen Augen hat der 1874 in Tiflis geborene Alexander von Salzmann ein russisches Mädchen in einem roten Rock und einem weiten bunten Tuch eingefangen. Sein Aquarell verlangt 1.000 bis 1.200 Euro. Für eine „Mondnacht“ an der Küste nehmen die Neumeister-Experten Ivan Konstantinovich Ajvazovskij in Anspruch und vergleichen das Werk stilistisch mit seinen frühen Arbeiten aus den 1840er Jahren. Da die Bucht unter dem tiefblauen Himmel mit Segelschiff und zwei Fischern am Strand dem bekannten russisch-armenischen Marinemaler nur zugeschrieben ist, stehen entsprechend niedrige 10.000 bis 15.000 Euro auf dem Preisschild.


Diese russischen Positionen weisen schon auf die über viele Ländergrenzen hinweg reichende Bandbreite der Auktion „Alte Kunst“ hin, die am 15. Juli bei Neumeister in München verhandelt wird. Die ländliche Malerei des 19. und frühen 20. Jahrhunderts vertritt dabei etwa noch Heinrich von Zügel, dessen „Hirte mit Schafherde und Maultier“ aus dem Jahr 1914 von einem spätimpressionistisch groben Farbauftrag lebt (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Die bäuerliche und heimelige Atmosphäre greift sein älterer Münchner Zeitgenosse Franz von Defregger im Bild „Sommerfrische“ auf, wo sich Alpen- und Stadtbewohner auf dem Platz vor einem einfachen Haus versammelt haben (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Südliche Abendstimmung mit warmen Gelb- und Brauntönen verströmt dann Johann Jakob Freys weiter und detailreicher „Blick auf die Akropolis“ von 1856 (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Nicht nur mythologisch, sondern auch im Format von fast 3,7 Metern Breite monumental ist „Walhalls Sturz“ des Düsseldorfer Malers Fritz Roeber. Die Leinwand aus dem Zyklus „Untergang der nordischen Götterwelt und Erscheinen des Christentums auf der neuen Erde“ gehörte zur Ausstattung der Villa Karl von der Heydts in Bad Godesberg und lässt auf 15.000 bis 18.000 Euro hoffen.

Vornehme Einrichtung mit Naturanklängen

Wer in seinem Anwesen ähnlich viel Platz hat, aber auf den Bombast Walhalls verzichten möchte, kann auf eine feine Tapisserie der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aus Aubusson zurückgreifen, die mit Schäferinnen und Schäfer in einer urigen Flusslandschaft den pastoralen Idyllen des Rokoko huldigt (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR). Passend florale Elemente rahmen den etwa gleichaltrigen, wohl rheinischen Spiegel in fein umschlingender Weise (Taxe 5.000 bis 5.500 EUR). Noch zurückgenommener ist das gravierte stilisierte Blumendekor auf einer schlichten Horizontaltischuhr aus Augsburg, die Jeremias Pfaff in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in das vergoldete Messinggehäuse einpasste (Taxe 3.500 bis 3.700 EUR). Unter den Möbeln sticht ein blockartiger, zurückhaltender, französischer Mahagonisekretär mit dunkelgrauer Marmorplatte um 1780 heraus, der mit dem Schlagstempel „J. Canabas“ auf den um 1715 in Deutschland geborenen, dann in Paris tätigen Möbelschreiner Joseph Gengenbach verweist. Prunkstück des Tages ist jedoch der etwa zwanzig Jahre ältere Mainzer Schrank mit leicht geschweifter Front und vorgelagerter Lisenengliederung. Bandwerk begrenzt die Felder auf den Türen mit Nussmaser oder Rautenmarketerie, womit Natur und Kunsthandwerk zu einer optisch reizvollen Einheit verschmelzen (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR).

Christliche Schnitzkunst

Holz ist das bevorzugte Material im Bereich der Skulpturen, die eine frontale Büste um 1450 mit einer verhalten-fröhlichen heiligen Jungfrau aus dem Umkreis des Meisters von Seeon bei 15.000 bis 20.000 Euro preislich anführt. Günstiger ist die ebenfalls farbig gefasste, mitteldeutsche Maria mit Kind aus den Jahren um 1480. Stehend hält sie sicher den Jesusknaben im Arm und überzeugt mit dem elegant durchkomponierten Faltenwurf ihres Gewandes (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Eine ungefähr 20 Jahre jüngere Bildschnitzerei, wohl eine hohe heilige Magdalena, steuert ein Meister vom Oberrhein. Wie bei einem heiligen Bischof aus Böhmen oder Österreich der Zeit um 1420 haben sich im Laufe der Jahre ihre geschnitzten Hände allerdings verloren (Taxen je zwischen 4.000 bis 6.000 EUR). Zwei Paneele mit Putten in tänzerisch bewegter Haltung, die auf Sockeln stehen und in den Händen ein Füllhorn und Tuch tragen, stammen aus Spanien um 1600 und könnten als Allegorien für Herbst und Winter zu einer Jahreszeitenfolge gehören (Taxe 3.500 bis 4.000 EUR).

Metall- und Keramikfiguren

Das plastische Schaffen setzt sich in der Abteilung Jugendstil vor allem im Werkstoff Metall fort. Jean-Baptiste Germain modellierte um 1890 seine Personifikation des Morgensterns als schwebenden aufsteigenden Frauenakt aus Bronze (Taxe 3.000 bis 3.500 EUR). Ähnlich dynamisch arbeitete sein deutscher Kollege Albert Hinrich Hussmann seine zurückgelehnte Europa auf einem äußerst kraftvoll muskulösen Stier aus (Taxe 2.500 bis 2.800 EUR). Profaner ist Walter Schotts „Kugelspielerin“ der Jahre um 1897, die sich nach vorn bückt und im Begriff ist, ihren goldenen Ball zu werfen (Taxe 3.000 bis 3.500 EUR). Im Jugendstil wurden die Natur und ihre Formenvielfalt wieder beliebter, was sich auch auf die Keramikproduktion niederschlug. In den Schwarzburger Werkstätten für Porzellankunst entstand unter Anweisung Edmund Sodes 1918 ein Pfau auf einem weißen Sockel, über dem das bunte Federkleid herabhängt (Taxe 2.500 bis 2.800 EUR). Ganz in Weiß gehalten sind dahingegen „Telchin auf Hippocamp“ und „Najade“ um 1940/42 von KPM in Berlin. Die bewegt reitenden Sagenwesen gestaltete Paul Scheurich für den Tafelaufsatz „Geburt der Schönheit“ (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR). Natur und Mensch verbindet Josef Wackerle mit seinem Sinnbild der „Flora“, die in ihrem weit flatternden blauen Umhang bunte Blumenblüten präsentiert. Die in der Münchner Porzellanmanufaktur Nymphenburg ab 1925 produzierte Figur ist auf 1.800 bis 2.400 Euro angesetzt.

Auf einem ansehnlichen Deckelhumpen hat der Augsburger Silberschmied Heinrich Mannlich um 1663/66 eine personifizierte Darstellung der vier Jahreszeiten getrieben (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR). In vergleichbarer Sitzposition wie den Winter arrangierte Johann Joachim Kändler seinen „Musizierenden Bettler“ mit Drehleier als Modell für die Porzellanmanufaktur Meißen. Der wohl Mitte des 18. Jahrhunderts umgesetzte Mann mit schwarzem Hut und löchriger blauer Hose soll nach den Experten Neumeisters 2.500 bis 2.700 Euro erzielen. Auf einen Kontrast setzt ein Teeservice aus Meißen um 1740. Während die Landschaftsdarstellungen mit Figurenstaffage beim Kännchen und den beiden Koppchen auf einem Purpurfond aufstrahlen, werden sie bei den Unterschalen von einem weißen Grund samt Goldspitzenbordüren eingefasst (Taxe 6.800 bis 7.000 EUR). Die Freude an stilisierter Natur nutzt bei der fernöstlichen Porzellankunst eine typisch blauweiße Vase aus China wohl des 18. oder 19. Jahrhunderts im Ming-Stil (Taxe 2.000 bis 2.400 EUR). Das langwährende Interesse an diesem ostasiatischen Land, das als Ursprung des Porzellans gilt, spiegelt zudem eine Meißner Kaffeekanne um 1730/40 mit chinesischen Figuren an einer Tafel vor einem Götzenbild wider (Taxe 4.000 bis 4.200 EUR).

Der Mensch im Fokus der alten Malerei

Die ältere europäische Malkunst dominiert Cornelis de Baellieur d.Ä. mit seiner „Kreuztragung“. Der menschenreiche Zug zieht sich von der Ferne bis in den Vordergrund, wo die heilige Veronika Christus eben das Schweißtuch reicht, während ihn ein hämisch dreinschauender Schächer zum Weitergehen zwingen will. Die große Kupferplatte gilt als ein Hauptwerk des Künstlers und soll dementsprechend mit 30.000 bis 50.000 Euro honoriert werden. Eine frühere Szene des Christuslebens wählte Mitte des 16. Jahrhunderts ein italo-flämischer Meister mit seiner „Anbetung der Könige“ aus, für den es bereits einige Versuche der Identifizierung als Girolamo da Carpi oder als Maler aus dem Umkreis des Lambert Lombard gibt (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Die Porträtkunst vertritt ein Künstler aus dem Umkreis Conrad Faber von Creuznachs, der im typischen deutschen Renaissancestil einen anonymen Herren im Alter von 38 Jahren in bildfüllender Monumentalität verewigte (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Eleganter ist da die Figurenbildung, die sich Johann Friedrich Gerhard 1727 für seine Venus mit Amor ausgedacht hat (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Fast schon ein impressionistischer Zugriff gelingt Johann Georg von Dillis bei seiner kleinen Landschaftsstudie mit der Münchner Praterinsel samt Isar am Abend (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Am 15. Juli versteigert Neumeister in München die „Alte Kunst“ ab 14 Uhr. Die Vorbesichtigung ist bis zum 13. Juli von 10 bis 17:00 Uhr möglich. Alle Lose sind online unter www.neumeister.com abrufbar.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



13.07.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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