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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Das Lentos Kunstmuseum in Linz entdeckt Josef Bauer und präsentiert seine Kunst zwischen Konkreter Poesie, Malerei, Performance und Skulptur

Der Buchstabenläufer



in der Ausstellung „Josef Bauer – Demonstration“

in der Ausstellung „Josef Bauer – Demonstration“

Mit Werken von Josef Bauer zeigt das Lentos Kunstmuseum eine im internationalen Kunstgeschehen bisher kaum wahrgenommene Position. Bauer, der 1934 in Wels geboren wurde, gehört zu den wesentlichen Protagonisten der konzeptuellen Kunst in Österreich seit den 1960er Jahren. Im Umkreis der Wiener Gruppe mit den Poeten Gerhard Rühm, Friedrich Achleitner und Oswald Wiener entwickelte er eine – im wahrsten Sinne des Wortes – skulpturale Sprache, die Körper und Objekte zueinander in Beziehung setzt.


Der oberösterreichische Konzeptkünstler bezeichnet einige Arbeiten als „Taktile Poesien“. Seine Installationen, Gemälde, Objekte und Performancefotografien kreisen stets um die Frage, was mit Kunst wie artikuliert werden kann. Es geht Bauer darum, Text, Bild und Schrift zu einer gemeinsamen Sprache zusammenzufügen. Kunst und Ausstellen bilden für ihn eine Einheit, eine „Sprache im Raum“. Dafür arbeitet der Künstler mit Suggestion und stellt stets neue Querverbindungen her, um die Inhalte aktuell zu halten. Die Doppelbedeutung des Ausstellungstitels „Demonstration“ verweist zum einen auf die Geste des Präsentierens, zum anderen auf den Ausdruck politischen Protests – zwei Themen, die in Bauers Werk wesentliche Rollen spielen.

Seit den 1950er Jahren interessiert sich Josef Bauer für die unterschiedliche Wahrnehmung von Bild und Text sowie für deren spezifisches Verhältnis zur Wirklichkeit. Den Bezug zu Wittgensteins Sprachkritik teilt der Konzeptkünstler mit der Neoavantgarde der 1950er und 1960er Jahre, der Wiener Gruppe und Vertretern der Konkreten Poesie in Deutschland. Bauer, der sein ganzes Berufsleben lang als Beamter gearbeitet hat und sich der Kunst nur in seiner Freizeit widmete, verstand und versteht seine avantgardistischen Bild- und Sprachspiele als eine medienkünstlerische und medienkritische Auseinandersetzung mit einer gesellschaftspolitischen Wirklichkeit, die ihm befragungswürdig erscheint.

In der Retrospektive, die gemeinsam mit dem Belvedere 21 erarbeitet wurde und in Wien bereits Ende letzten Jahres zu sehen war, hat Kuratorin Brigitte Reutner über 100 Arbeiten des Konzeptkünstlers versammelt. Fotoserien, Plastiken und Installationen hängen, stehen und liegen über das obere Stockwerk des Lentos verteilt. Farb- und Wortspielereien auf kleinen Zetteln, die Josef Bauer in den 1950er Jahren mit roten und blauen Farbstiften anfertigte, dienten als frühe Ideenskizzen für die späteren malerischen Arbeiten. Ab 1965 entstand die Serie „Taktile Poesie“ mit Polyesterobjekten, die der Begründer der Konkreten Poesie, Eugen Gomringer, als „Realobjekte“ bezeichnete.

Die Schau im Lentos rückt vor allem Bauers lebenslange Beschäftigung mit der eigenen Herkunft in Gestalt von nationaler Geschichtsschreibung, persönlichen Erinnerungen und politischem Tagesgeschehen in den Mittelpunkt. Hier kreuzt sich die Erfahrung historischer Ereignisse, wie des Weltkriegsendes, der Studentenproteste von 1968 oder der Bildung einer schwarz-blauen Regierungskoalition im Jahr 2000, mit Fragen nach deren gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. In Arbeiten wie „Schlagstock-Schlagzeile“, die bereits im Titel mit Worten verbundene Gewalttaten evozieren, untersucht Josef Bauer die Mechanismen von Sprache und Bildern und legt dabei Widersprüche offen. In einer weiteren Fotoserie halten Hände verschiedene Gegenstände in die Höhe: einen Buchstaben, eine Schere und eine Blume. Alles wird auf dieselbe Art präsentiert. Die Sprache des „Herzeigens“ ist nicht nur Titel dieser Fotoserie, sie kennzeichnet auch eine existentielle Fragestellung, die Bauer an die Kunst richtet.

Mitte der 1960er Jahre drückte Josef Bauer sein Interesse an Sprache visuell in dreidimensionalen Installationen aus, die malerische und performative Landschaften einbinden. Diese Szenerien umfassen häufig auch Buchstaben als Skulpturen, die den Prozess veranschaulichen, in welchem sich Themen zu Objekten transformieren. Sie ähneln vergrößerten Lesezeichen, erinnern aber auch an Requisiten, die häufig bei Demonstrationen zum Einsatz kommen.

Die installative Anordnung der Werke setzt die Vielgestaltigkeit der Exponate spannungsvoll in Beziehung. Sie unterstreicht den Erfindungsreichtum mit dem Josef Bauer Methoden und Medien wechselt. Referenzen kommen aus der Kunsttheorie genauso wie aus Bereichen wie Wahrnehmungspsychologie, Sprach- und Naturwissenschaft, Religion oder Poesie. Was Bauer mit den unterschiedlichen Materialien und künstlerischen Strategien anstrebt, ist ein produktiv irritierendes Oszillieren zwischen Bedeutungsträgern und Bedeutungsinhalt. So bezeichnet der Titel „Zweifarbenbild“ Bilder mit zwei Farben, von denen aber nur eine auftaucht. Die zweite wird verbal durch ein Wort bezeichnet, das in einer anderen Farbe gemalt ist. Betrachter*innen, die das Wort Blau lesen, aber die Farbe Rot sehen, sind irritiert und werden zurückgeworfen auf die Frage: Was sagen Bilder, was zeigen Wörter?

Beziehungsgefüge sind Bauer wichtiger als das Einzelobjekt. Stets geht es ihm um die Kommunikation der Dinge zueinander. Wie sich die Buchstaben zur Sprache verhalten, so geht Bauer auch mit seinen Objekten um. Verdichtungen entstehen, wenn die Metallbuchstaben „ROT“ am Boden liegend lesbar sind oder wenn das alles verbindende „UND“ eine Altarplatte trägt und damit neue Bedeutungsebenen eröffnet. Sprache und Objekt werden vom Künstler zusammengeführt – in der Landschaft, mit dem menschlichen Körper oder als Installation.

In seinen neuen malerischen Arbeiten, für die der heute 86jährige Künstler Materie in mehreren Schichten übereinander legt, geht es Josef Bauer weniger um die Sprache, als um das Monochrome, die Summierung und die Verdichtung von Farbe. Darüber hinaus kann man den bisher zu wenig beachteten Künstler in dieser längst überfälligen Präsentation als künstlerischen Vorreiter kennenlernen, der mit seinen „Körpernahen Formen“ Ideen verarbeitete, die später von Franz West in seinen „Passstücken“ oder von Erwin Wurm in den „One-Minute-Sculptures“ umgesetzt wurden. Ein hochinteressantes Werk, das es im Lentos in bislang nicht gekannter Breite zu entdecken gibt.

Die Ausstellung „Josef Bauer – Demonstration“ läuft bis zum 4. Oktober. Das Lentos Kunstmuseum hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Am 24. und 25. Dezember sowie am 1. Januar bleibt das Museum geschlossen. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro bzw. 4,50 Euro. Der Katalog aus dem Verlag Koenig Books kostet 29 Euro.

Kontakt:

Lentos Kunstmuseum Linz

Ernst-Koref-Promenade 1

AT-4020 Linz

Telefon:+43 (0732) 70 70 36 00

Telefax:+43 (0732) 70 70 36 04



22.07.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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in der Ausstellung „Josef Bauer – Demonstration“
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Künstler:

Josef Bauer







Josef Bauer, Zweifarbenbild gelb, 2019

Josef Bauer, Zweifarbenbild gelb, 2019

Josef Bauer, Taktile Poesie: Handalphabet, 1969

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Josef Bauer

Josef Bauer

Josef Bauer, Landschaftsmalerei „Linz, Blick gegen Norden“, 1997

Josef Bauer, Landschaftsmalerei „Linz, Blick gegen Norden“, 1997

Josef Bauer, Internetfoto mit Pinselstrich, 2018/19

Josef Bauer, Internetfoto mit Pinselstrich, 2018/19

Josef Bauer, Internetfoto mit Pinselstrich, 2018/19

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Josef Bauer, Konstellation mit Frau Hatheyer, 1971

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Josef Bauer, Buchstabenläufer, 1970

Josef Bauer, Buchstabenläufer, 1970

in der Ausstellung „Josef Bauer – Demonstration“

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