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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Nur selten zeigte die Auktion mit Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts bei Van Ham Schwächen. Vor allem die Moderne und die Sammlung Eggers gefielen dem Publikum

Online geht die Reise



Georg Schrimpf, Mädchen am Fenster, 1935

Georg Schrimpf, Mädchen am Fenster, 1935

Nachdenklich, vielleicht auch ein wenig melancholisch steht die junge Frau an der steinernen Fensterbrüstung, schiebt den blaugrauen Vorhang zur Seite und schaut aus dem dunklen Zimmer über die hügelige Landschaft in die abendliche Ferne. Wartet sie auf jemanden? Ruhig und gelassen hat Georg Schrimpf 1935 sein „Mädchen am Fenster“ beobachtet. Wie üblich verzichtet er auf schmückendes Beiwerk, konzentriert sich auf die Person und bringt gerade in dieser Reduktion der Mittel Großes hervor. So umweht auch diese neusachliche Rückenfigur ein zauberisches Mysterium, dem sich die Kunden bei Van Ham nicht entziehen konnten. Über 70 Jahre erfreute sich eine Familie aus Nordrhein-Westfalen an der geheimnisvollen Aura des Mädchens und wollte sich bei 50.000 bis 70.000 Euro davon trennen. Die Abnabelung wurde ihr versüßt, nachdem ein hessischer Sammler im Bietgefecht die Oberhand behielt und schließlich 195.000 Euro für das Mädchen hinblätterte.


Die Favoritenrolle in der Auktion „Modern“ galt eigentlich Hans Arps klar gegliedertem abstraktem Gemälde „Fronde et nombrils“ von 1926. Doch bei 300.000 bis 500.000 Euro wollte niemand die etwas uninspirierte Komposition haben. Dennoch gab sich Van Ham-Chef Markus Eisenbeis mit dem Verlauf der Versteigerung in Köln sehr zufrieden. Denn trotz Corona-Krise konnte er 80 Prozent der 70 Positionen an Kunst der Moderne losschlagen und einige Wertsteigerungen einfahren, etwa für Albert Blochs lyrisch-träumerisches „Blumenstück“ von 1915 mit 24.000 Euro (Taxe 4.500 bis 5.500 EUR) oder für Sándor Bortnyiks energischere Mischtechnik von 1920, in der ein Feuerball auf schwankende Häuserfassaden trifft, mit 15.000 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Moderne Kunst

Die obere Schätzgrenze von 35.000 Euro erreichte Alexander Kanoldts postimpressionistischer getupfter „Sonnenuntergang“ von 1907 in strahlendem Gelb. Joseph Kölschbachs kubistisch zersplitterte und in die Gegenwart transferierte „Mariä Verkündigung“ von 1923 platzierte sich taxkonform bei 21.000 Euro, Karl Hofers in sich gekehrter Akt „Mädchen mit Tuch“ von 1947 am unteren Taxrahmen von 50.000 Euro. Erst im Nachverkauf wurde Christian Rohlfs’ mit mehr als zwei Metern ungewöhnlich breite und überdies stark querformatige Leinwand „Mutter und Kind“ für 40.000 Euro wiederum an der unteren Erwartung erlöst. Dagegen konnte sich sein atmosphärischer „Mondschein am See“ von 1936 schon während der Auktion von 20.000 Euro auf 33.000 Euro verbessern.

Auch bei den Druckgrafiken gab es einige schöne Preise, so für Pierre-Auguste Renoirs zarte Farblithografie ausgelassener „Enfants jouant à la balle“ von 1900 bei 16.000 Euro (Taxe 7.000 bis 10.000 EUR) oder für Hermann Max Pechsteins Mappe mit den zwölf kantigen Holzschnitten zum „Vater Unser“ von 1921 bei 12.000 Euro (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Bei der ungegenständlichen Kunst punktete El Lissitzky mit seiner konstruktivistischen titellosen Collage-Lithografie aus „Proun“ von 1919/23 aus Kreisen, Trapezen, Geraden und Rechtecken bei 22.000 Euro (Taxe 12.000 bis 18.000 EUR).

Topstück bei den Skulpturen war Georg Kolbes grazile Bronze „Kniende“ mit erhobenen Armen aus dem Jahr 1907, für die sich bei 85.000 Euro ein Bonner Sammlers interessierte (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Ebenfalls um 5.000 Euro konnte Amedeo Modiglianis posthumer Guss der hieratisch stilisierten „Tête de jeune fille à la frange“ auf 35.000 Euro zulegen. Ewald Matarés in der Gestalt stark reduzierte „Grasende Kuh II“, die er nach 1930 nach einer bereits existierenden Holzfigur in goldbrauner Bronze goss, weidet nun für 70.000 Euro bei einem neuen Liebhaber (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Ohne Lücken wurden die neunzehn grafischen Blätter und Keramiken von Pablo Picasso übernommen, mit dem Tonkrug samt „Laughing-eyed-face“ von 1949 bei 40.000 Euro an der Spitze (20.000 bis 30.000 EUR).

Sammlung Christian Eggers

Begeisterung bei den Kunden weckte besonders die Sammlung des vor wenigen Monaten verstorbenen Mediziners Christian Eggers, deren Erlös in die von ihm gegründete Eggers-Stiftung für psychisch kranke Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene eingeht. Von den 117 Positionen mit meist expressionistischen und vom Expressionismus beeinflussten Landschaften und Figurenbilder gingen 99 weg, was einer hohen Zuschlagsquote von knapp 85 Prozent entspricht. Beigetragen zu der gelungenen Versteigerung haben vor allem weniger geläufige, dennoch spannende Künstler aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Rekordansagen waren die 24.000 Euro für einen müden, fast schlafenden „Bajazzo“ auf einem Ölgemälde von Paul Kother (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR) und die 63.000 Euro für Werner Scholz’ oft einäugige Gesellschaft von „Trauernden“ aus dem Jahr 1930, die damit ihren bisherigen Spitzenpreis, aufgestellt 2004 bei Grisebach, um 3.000 Euro anhob.

Lumpen ließen sich gleichfalls nicht Jankel Adlers surreale Erfindung „Kleines Niemandsland“ von 1943 bei 14.000 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR), Albert Muellers kosmische Farberuption um 1919 bei 4.300 Euro (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR), Werner Schramms farbintensive „Junge Frau vor Landschaft“ mit übergroßen Augen von 1919 bei 7.500 Euro (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR) oder Alexander Mohrs gleichaltriges buntes Aquarell einer aus den Fugen geratenen Berglandschaft mit Dorf bei 3.000 Euro (Taxe 1.800 bis 2.400 EUR). In höhere Preisgefilde ging es mit Walter Opheys kraftvoller, an den Fauvisten orientierter „Parklandschaft mit Bank“ um 1911/12 bei 38.000 Euro aus der Hand eines Düsseldorfer Sammlers (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR) und mit Mimmo Paladinos Triptychon „La balena immalata“ von 1981, in der abstrakte Ölmalerei, Kopfformen und collagierte Gegenstände assoziationsreich Empfindungen zwischen Schrecken und Zuversicht hervorrufen, bei taxgerechten 80.000 Euro. Ebenfalls zur Kunst der Nachkriegszeit gehörte Heinz Trökes’ informelles schwebendes „Sonnenhorn“ von 1951, das von 2.000 Euro auf 13.000 Euro kletterte. Etwas nachgeben musste die schwungvolle Darstellung einer „Roten Brücke“ von Herm Dienz aus dem Jahr 1920 mit 18.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Christian Eggers hatte auch ein Faible für Skulpturen und legte sich etwa Étienne Béöthys gelängte, elegant gerundete und nun 9.000 Euro teure „Suzanne II“ von 1928 (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR) oder Gerhard Marcks’ strengere, von ihrem Kleid in Kegelform umschlossene „Hererofrau“ von 1955 zu, die den höheren Grenzwert von 35.000 Euro erklomm. Bei Hermann Blumenthal reüssierte der Akt „Schreitender mit Tuch“ von 1934, auch „Stehender verlorener Sohn“ genannt, bei 11.000 Euro (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR) und bei Karl Hartung die in sich verschmolzene Gruppe „Mutter mit Kind“ von 1951 bei 8.000 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Den Abschluss der Sammlung Eggers bildeten einige afrikanische Skulpturen, darunter eine Schalenträgerin der Luba aus dem Kongo für 11.000 Euro (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR) oder eine mit Messingblech verkleidete Reliquiarfigur der Kota aus Gabun für 15.000 Euro (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Darin waren einige entsprechende expressionistische Grafiken eingestreut, bei denen sich besonders Emil Maetzel mit seinem aquarellierten Linolschnitt der Großstadtszene „Frau mit Kindern und Hund“ von 1920 bei 6.000 Euro hervortat (Taxe 500 bis 700 EUR).

Kunst der Nachkriegszeit

Die meisten Federn musste am 10. Juni die Abteilung „Post War“ lassen. Hier lag die losbezogene Verkaufsrate nur bei 57,7 Prozent, und es gab doch einige Ausfälle bei den Highlights. Liegenblieben etwa Günther Ueckers kleines Nagelquadrat „Weiß-Weiß“ von 1968 mit der Erkenntnis „Schlag ich einen Nagel in die Wand kommt er mir hinterrücks entgegen“ (Taxe 120.000 bis 180.000 EUR), Günther Förgs querrechteckige Holzfaserplatte mit mehreren großen Flecken in Anthrazitblau und Grün von 2004 (Taxe 110.000 bis 180.000 EUR) oder Imi Knoebels sechsteilige Wandinstallation „Lilola“. Bei einer Schätzung 300.000 bis 500.000 Euro hätte die rechtwinklige knallige Farbgitterstruktur von 2002 zusammen mit Hans Arp die Favoritenrolle des Auktionstags übernehmen sollen. Wenigstens verabschiedeten sich die sechs kleineren Tafeln „ATAAAA“, für die Knoebel 2003 Acrylfarbe ebenso geometrisch-konstruktiv auf Kunststofffolie aufbrachte, bei guten 33.000 Euro (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

So setzte sich Fritz Winter mit vier Papierarbeiten aus der frühen Serie „Triebkräfte der Erde“ an die Spitze. Die freien mystischen Farbformen auf den mit Öl bemalten Blättern, die sich seit ihrer Entstehung 1944 im selben Privatbesitz befanden, erzielten bis zu 170.000 Euro für die „Entfaltung I“ (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). Figural arbeitete in dieser Zeit Jean Dubuffet, dessen archaisch anmutendes Portrait des französischen Schriftstellers und Philosophen Georges Limbour aus dem Jahr 1946 bei 85.000 Euro an einen Pariser Sammler ging (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Bei Marlene Dumas’ Tuschezeichnung einer verknautschen „Liz Taylor“ von 1993 verdoppelte sich der Zuschlag auf 24.000 Euro. Diesen Wert gab es zudem für einen weiblichen Akt auf Mel Ramos’ Aquarell „Unfinished Painting No. 1“ von 1999 (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Die amerikanische Pop Art hatte noch Andy Warhols bekannte Serigrafie „Cologne Cathedral“ von 1985 in blauer Farbstellung für 24.000 Euro (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR) und Roy Lichtensteins weitaus abstraktere Folge „Seven Apple Woodcuts Series“ von 1982/83 für 48.000 Euro zu bieten (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Etwas gruselig wurde es für 30.000 Euro auf Gottfried Helnweins Gemälde „Verfluchtes Gold“, auf dem seit 1983 eine im Gesicht bandagierte Frau mit heruntergelassener Unterhose auf einem hell erleuchteten Rechteck steht (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR). Fast schon manisch malte der im Februar verstorbene Peter Dreher zwischen 1974 und 2017 an seiner Bildserie „Tag um Tag ein guter Tag!“ und sah ein einfaches zylindrisches Wasserglas in der immer gleichen symmetrischen Anordnung vor neutralem Hintergrund. Bei Van Ham schlugen sich vier dieser Leinwände gut, vor allem das Duo mit den Nummern 1500 und 1511 bei 22.000 Euro (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Ebenso dinghaft ging Dreher bei seinen Schlüsseln ans Werk: Zwölf kleine Gemälde mit diesem Motiv errangen 13.000 Euro (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Mit ihrer „Money City“ haben Gilbert & George einen kritischen Kommentar auf Wirtschaft, Politik und Gesellschaft ihrer britischen Heimat gegeben und dafür Abbildungen von Münzen über den Stadtplan von London gelegt. Die vierteilige Mischtechnik von 1998 kam auf 40.000 Euro (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR). In die Natur machte sich dagegen Franz Gertsch auf und hielt 1997 die Wellenkreise auf einem See in einem lapislazuliblauen Holzschnitt fest. 35.000 Euro waren sein Lohn (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

In kräftigen bunten Strichen umriss Sol LeWitt 1994 einen über Eck stehenden „Cube“ vor vertikal strukturiertem Hintergrund und tat damit sein Interesse an räumlicher Tiefe und Farbenklängen kund. Bei der Gouache von 1994 engagierte sich ein Bieter aus dem Rheinland für 110.000 Euro (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Die gegenstandlose Kunst wartete zudem mit Heinz Macks frühem „White relief“ aus Karton von 1958 für 40.000 Euro (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR), drei Farbquadratkompositionen aus der Serie „Farben der Erinnerung“ von Ulrich Erben aus dem Jahr 1996 für bis zu 24.000 Euro (Taxe je 8.000 bis 12.000 EUR) oder Sigmar Polkes schwarzem Rasterpunktenetz auf metallisch graublauen Farbverläufen von 2002 für 40.000 Euro an der unteren Schätzgrenze auf. Sein Kollege Gerhard Richter erlöste mit der vorwiegend grauen „FAZ-Übermalung“ von 2002 gute 75.000 Euro (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Als Op-Art-Künstlerin kam Bridget Riley mit ihren drei Serigrafien „Green Dominance/Blue Dominance/Red Dominance“ von 1977 als vibrierende, scheinbar verdrehte Farbbahnen bei 24.000 zum Zug (Taxe 12.000 bis 18.000 EUR).

Im Bildhauerischen ging es abstrakt weiter, etwa mit Ulrich Rückriems rechtwinkliger Granitstele mit Bohrlöchern und Schnittkanten für 38.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Auf die Kreisform setzte dagegen Abraham David Christian 1991 bei seiner grün patinierten Bronze „Interconnected Sculpture“ und ließ sich achterbahnartig verlaufen. Hier standen 22.000 Euro auf der Rechnung (Taxe 12.000 bis 18.000 EUR). Bernar Venet fand bei seiner nicht allzu großen „Indeterminate line“ aus korrodiertem Stahl zu einer geordneteren und offeneren Form, die die Käufer zu 33.000 Euro animierte (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Der Schweizer Roman Signer steckte 2007 acht rote Flaggen auf einen Holzbalken und ließ sie nicht ohne Humor durch acht Ventilatoren im Wind des Museumsraums flattern, was sich nun in einem Ergebnis von 14.000 Euro niederschlug (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Zeitgenossen

Mit den „Contemporaries“ hatte Van Ham wieder mehr Glück. Hier rückte die losbezogene Verkaufsrate wieder auf knapp 80 Prozent in die Höhe, und auch das Hauptlos, Luc Tuymans’ „Insomnia“ aus dem Jahr 1988 mit zarten Farbflecken auf grünlichem Grund, hielt sich mit 115.000 Euro beinahe an die Erwartungen von 120.000 bis 180.000 Euro. Einen teuren Ausfall gab es dann doch bei dem international arrivierten Rumänen Adrian Ghenie, dessen unbetitelte Abstraktion mit einem verschlingenden Feuerball stattliche 80.000 bis 120.000 Euro einbringen sollte. Albrecht Schniders 24teilige Gemäldeserie von gesichtslosen Kopfabstraktionen aus den Jahren 2004/05 musste sich mit 40.000 Euro zufriedengeben (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR), während sich Bernard Frizes mit seiner rot-grün-braun-blauen Pinselstrichabstraktion „Serré“ von 2002 bei 45.000 Euro durchsetzen konnte (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR).

Thomas Scheibitz gewann die Sammler mit einer titellosen Farbfeldmalerei samt stilisiertem Vogelkopf von 2003 bei 22.000 Euro für sich (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR), Sven Kroner mit dem Großformat einer winterlichen Bergwelt samt nicht ganz perspektivisch korrekt angelegter Skipiste von 2002 bei 20.000 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Ulla von Brandenburg freute sich ebenfalls über die Kundenbeteiligung bei ihren malerischen Rückgriffen auf Bilder der Moderne, so bei dem Diptychon „Tanz“ in bunten verlaufenden Aquarellfarben von 2015 über 17.000 Euro (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Bei 17.000 Euro fiel der Hammer zudem für die neun Farbserigrafien „Dulles“ mit gitterartigen Farbstrukturen von Sarah Morris aus dem Jahr 2001 (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).

Der Bildhauer Stephan Balkenhol ist für seine stoisch stehenden Figuren von Menschen bekannt. Ein süddeutscher Sammler holte sich eine Frau in lilafarbenem Kleid auf hohem Sockel von 2012 für 38.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR), den passenden Mann von 2000 für 40.000 Euro nach München (Taxe 35.000 bis 50.000 EUR). Rainer Fetting gesellte sich mit seiner schrundigen, barock bewegten Bronzebüste „Raoul“ mit rotem Mund von 2004 für 20.000 Euro hinzu (Taxe 12.000 bis 18.000 EUR), Jeppe Hein mit seinem glänzenden „Ball on Pedestal“ von 2007, der herunterfallen zu droht, es aber nicht tut, für 13.000 Euro (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Konsumwelt, Begierde und Fetisch thematisiert Tatiana Trouvé in ihrer filigranen Arbeit aus drei hohen verbogenen Metallstangen, die sie 2008 mit silbergefasstem Leder umkleidet hat und untertourige 9.500 Euro einspielten (Taxe 12.000 bis 18.000 EUR).

Auch einige jüngere Fotokünstler hatte Van Ham in die Zeitgenossen integriert, von denen sich Frank Thiel mit seinen rhythmisierten Eisengittern und -verstrebungen auf einer Baustelle in der „Stadt 2/55 (Berlin)“ von 2002/03 bei 8.500 Euro (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR) oder Andreas Gursky mit seiner „Autobahn, Mettmann“ von 1993 behaupteten. Auf dem nun 35.000 Euro teuren C-Print ist von der titelgebenden Straße nichts zu sehen, vielmehr überlagern graue Horizontalstreifen eine vertrocknete Wiese mit grasenden Kühen (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR). Dem malerischen Fotorealismus frönte der vor kurzem an Covid-19 verstorbene Amerikaner Tom Blackwell. Seine vier günstig angesetzten Gemälde gingen weg wie warme Semmeln, die konsumfreudige Schaufensterspiegelung „D&G. West Broadway. Soho“ von 2006 zu einem Online-Bieter für 65.000 Euro (Taxe 12.000 bis 18.000 EUR).

Dass diese Freude am Hyperrealismus keine Eintagsfliege war, bewies sieben Tage später bei Van Ham die Versteigerung „Discoveries“ mit günstig angesetzter Kunst aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Heiß umkämpft waren hier Roberto Bernardis farbenfroher Blick in eine „Candy machine“ von 2008 bei 30.000 Euro, Bertrand Meniels Züricher Stadtvedute „Munsterbridge“ von 2007 bei 33.000 Euro (Taxe je 2.000 bis 3.000 EUR) und vor allem Anthony Brunellis fast zwei Meter breite Szenerie der „Candy Street“ von Hanoi aus dem Jahr 2006 bei 90.000 Euro (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). Für seine Abteilung „Modern – Post War – Contemporary“ vermeldete Van Ham einen Halbjahresumsatz von rund 10 Millionen Euro, der rund 2 Millionen Euro unter dem Vergleichswert von 2019 liegt. Einen deutlichen Zuwachs gab es hingegen bei den Online Only-Versteigerungen von circa 500.000 Euro im vergangenen Jahr auf nun 1,6 Millionen Euro, und auch in den Präsenzauktionen werden inzwischen 25 Prozent des Umsatzes über Live-Plattformen im Internet generiert.

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Van Ham Kunstauktionen

Hitzelerstraße 2

DE-50968 Köln

Telefon:+49 (0221) 925 86 20

Telefax:+49 (0221) 925 86 24

E-Mail: info@van-ham.com



23.07.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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