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Trauer um Judit Reigl

Judit Reigl, die Grande Dame der gestischen Malerei in Frankreich, ist gestorben

Judit Reigl ist tot. Die ungarisch-französische Malerin starb am 7. August in Marcoussis südlich von Paris. Sie wurde 97 Jahre alt. Das gab die in Budapest ansässige Galerie Kálmán Makláry Fine Arts bekannt, die ihr Werk vertritt. Die am 1. Mai 1923 in der nordwestungarischen Stadt Kapuvár geborene Künstlerin widmete sich in ihrem frühen Schaffen surrealistischen Tendenzen, setzte beunruhigende und fremdartige Kreaturen in Szene, integrierte in ihre Fotocollagen aber auch schon abstrakte Elemente. Mit der Serie „Outburst“, die sie 1955 startete, trennte sich Reigl vom Surrealismus. Dafür brachte sie die Farbe mit den Händen auf die Leinwand auf und schabte sie kraftvoll nach außen. In diesen Bildern wird ihre energische gestische Malweise erfahrbar. Mit innovativen Maltechniken erarbeitete sie sich in der Serie „Unfolding“ einen einzigartigen Stil, der visuelle Kalligrafie und Malgesten miteinander verband. Die Werke Reigls sind in Ausstellungen und Sammlungen mehrerer internationaler Häuser zu sehen, etwa im Centre Pompidou in Paris, im Museum Moderner Kunst in Tokyo, dem Metropolitan Museum in New York oder im Musée des Beaux-Arts in Brest.

Judit Reigl studierte von 1942 bis 1945 an der Ungarische Akademie der Bildenden Künste in Budapest bei István Szönyi. Ein Stipendium ermöglichte ihre einen Aufenthalt in Italien, wo byzantinische Ikonen, die Mosaike von Ravenna und die Arbeiten von Giotto, Masaccio, Giorgione und Tizian sie beeindruckten. Da der Kommunismus ihre künstlerische Freiheit limitierte, versuchte sie nach Westeuropa zu fliehen, was ihr 1950 erfolgreich gelang. Sie ging nach Paris, verkehrte im Kreis der Surrealisten um André Breton und zog 1963 nach Marcoussis. Sowohl ihre Auseinandersetzung mit dem Surrealismus und die spätere Lyrische Abstraktion brachten ihr in der Folge Anerkennung in Frankreich, Deutschland und den USA ein.

Ihre erste Einzelausstellung fand Dank der Vermittlung Bretons 1954 in der Pariser Surrealisten-Galerie L’Étoile scellé statt. In ihrem Interesse für die gegenstandlose Kunst wandte sich Judit Reigl dann vermehrt dem Abstrakten Expressionismus und Künstlern wie Jackson Pollock, Willem de Kooning, Franz Kline und Georges Mathieu zu. In ihrer Serie „Outburst“ kombinierte sie eine gestische Malweise mit Farbstreifen, die zu einem bestimmten Punkt hin- wie auch fortstreben. In späteren Arbeiten wie „Guano“ bearbeitete Judit Reigl die Farbe mit verschiedenen Werkzeugen, um den Effekt der Bewegung zu erzielen. In der späteren großformatigen Werkreihe „Man“ griff sie mit dem männlichen Torso auch wieder figurative Elemente auf. Ihre Beschäftigung mit dem menschlichen Körper sollte in weiteren Arbeiten der 1980er und 1990er Jahre fortdauern. 2005 widmete die Kunsthalle Budapest Judit Reigl ihre erste Personale in Ungarn. Mit dem Kossuth-Preis erhielt sie 2011 schließlich die wichtigste kulturelle staatliche Auszeichnung ihres Heimatlandes.

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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