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Das Leopold Museum in Wien stellt die Werke Hundertwassers und Schieles gegenüber und entdeckt in ihnen viel Aktualität

Wahrzeichen der Versöhnung zwischen Menschen und Natur



Friedensreich Hundertwasser, Der Nasenbohrer und die Beweinung Egon Schieles, 1965

Friedensreich Hundertwasser, Der Nasenbohrer und die Beweinung Egon Schieles, 1965

Viele glauben, das Werk von Friedensreich Hundertwasser zu kennen. Er gehört zu der Kategorie belächelter Künstler, dessen Arbeiten man sofort wieder erkennt und zuordnet, nur weil man schon so oft im Souvenirladen an all den Postkarten, Kalendern, Regenschirmen und Tassen mit seinen fröhlich bunten Motiven vorbeigelaufen ist. Der 1928 als Friedrich Stowasser geborene Autodidakt prägte jedoch nicht nur als Maler die Kunst des 20. Jahrhunderts über die Grenzen Österreich hinaus. Als Vorkämpfer der Ökologiebewegung war er ebenso visionär, wie als Gestalter von Lebensräumen und als Erfinder einer grünen Architektur.


Den in Wien geborenen Sohn einer jüdischen Mutter, dessen Vater ein Jahr nach seiner Geburt starb, verband eine enge Wahlverwandtschaft mit Künstlern wie Giotto di Bondone, Paul Klee und Pablo Picasso. Zu seinem „geistigen Vater“ wählte Friedensreich Hundertwasser – wie er zu Beginn der 1950er Jahre in einem Text notierte – aber Egon Schiele. Die Begegnung mit dessen Kunst prägte ihn ein Leben lang, von seiner Selbstfindung als Künstler auf dem Weg durch Italien und in Paris bis zur Errichtung seiner Wohn- und Arbeitsräume in Venedig und Neuseeland.

Das Wiener Leopold Museum nimmt die vielgestaltige Beziehung Hundertwassers zu Egon Schiele zum Anlass einer sehenswerten und aufschlussreichen Ausstellung, die mit rund 200 Exponaten deren Korrespondenzen und Analogien nachspürt. Bereits als Student entdeckte Friedrich Stowasser in Ausstellungen und Büchern die Kunst der Wiener Moderne für sich. Hatte Egon Schiele im Alter von 19 Jahren der Akademie den Rücken gekehrt, um ein eigenes Atelier zu gründen, so verließ auch der 20jährige Stowasser 1949 die Akademie in Richtung Italien und Paris.

In der Kunst von Egon Schiele mit ihren Stilisierungen, dekorativen Elementen und der subtilen Verwendung von Farbe fand Hundertwasser sowohl formale, als auch motivische Anregungen. Prägend für den jungen Künstler waren aber auch das Naturverständnis des Älteren und dessen Vorstellungen von der gesellschaftlichen Funktion des Künstlers und der Kunst, auf deren Basis er später eine eigenständige Kunsttheorie entwickelte. Hundertwasser war fasziniert von Schieles charakteristischer Strichführung, der signifikanten Art, wie jener Flächen gliederte, und vor allem von dessen Vermögen, Landschaften auf eine Weise widerzuspiegeln, für die der Kunsthistoriker Wieland Schmied die Bezeichnung „Beseelung von Farbe und Einzelformen“ prägte.

Die von Robert Fleck kuratierte Ausstellung verdeutlicht die Impulse anhand von überzeugenden Gegenüberstellungen. Thematische Querverbindungen dokumentieren beispielsweise Werke wie Schieles „Waldandacht“ von 1915 und Hundertwassers 1953 entstandenes Gemälde „Le jardin des morts heureux“. Schiele deutete die Natur als Ursprung und Ende, als beseelten Ort. Hundertwasser entwarf mit seinem „Garten der glücklichen Toten“ das Bild eines ewigen Lebenskreislaufs. Scheinbar unbeeindruckt von den dominierenden Kunstrichtungen wie Informel und Tachismus, die Hundertwasser Anfang der 1950er Jahre in Paris kennenlernte, schuf er gegenstandsorientierte Kompositionen, die vom Lineament und zellenartiger Flächigkeit bestimmt sind.

Die Verbindung von gestalterischem Kalkül mit spontanen Gesten und Linien zeugt ebenso wie die Kombination naturhafter und architektonischer Motive mit konstruktiven Elementen von einer intensiven Auseinandersetzung Hundertwassers mit den Werken des bewunderten Vorläufers. Es ist nicht der expressive Ausbruch der damaligen Zeitgenossenschaft, sondern ihr poetischer Einbruch in eine Binnenwelt, den Hundertwasser zu einem biologisch-kosmischen Programm entfaltet. Das Symbol der Spirale wird ihm zum bevorzugten Bedeutungsträger, sowohl in der Theorie, als auch in seinen Werken. Sie dient Hundertwasser nicht nur als Sinnbild des vegetativen und organischen Prinzips, sondern generell als Metapher für das Werden und Vergehen sowie als Chiffre für die Zyklen der Natur.

Die Œuvres der beiden Künstler berühren sich in mehreren Themenkomplexen, etwa der animistisch aufgefassten Natur, der Rolle des Künstlers als Prophet, dem Verhältnis von Individuum und Gesellschaft oder der anthropomorphisierenden Auffassung von gebauter Umwelt, die bei beiden als natürlich gewachsener Organismus erscheint. Hundertwassers Affinität zu Egon Schiele zeigt sich auch in vielen Texten und Briefen, in denen er seine Hochachtung bekundete, und wird spürbar in den Fotografien der verschiedenen Wohn- und Arbeitsräume in Venedig und Neuseeland, wo er sich bis zu seinem Tod mit Reproduktionen von Werken Schieles umgab.

„Imagine tomorrow“ lautet der Titel der Schau. Sich das Morgen vorstellen, das gelang Friedensreich Hundertwasser auf staunenswerte Weise. Kaum ein anderer Künstler war zu Lebzeiten so beliebt wie er und wurde zugleich wegen seiner architektonischen Eingriffe, wie zum Beispiel beim Umbau des Fernwärmewerks Spittelau in Wien oder des Bahnhofs Uelzen, von Fachleuten harsch als „naiver Behübscher“ kritisiert. Hundertwasser deutete Kunst als Brücke zwischen Mensch und Natur. Die Schönheit von Farben und Strukturen setzte er ein, um eine Parallelwelt entstehen zu lassen, die für ihn eine bessere und somit „echtere Welt“ bedeutete. Während Egon Schiele zu Lebzeiten eine einzige Einzelausstellung außerhalb Österreichs zeigen konnte – nur 1912 in der Münchner Kunsthandlung Hans Goltz – und seinen endgültigen künstlerischen Durchbruch auf der Sezessionsschau im Jahr seines Todes gerade noch erlebte, nicht mehr jedoch den internationalen Siegeszug seiner Kunst, konnte Hundertwasser fünfzig Jahre später den weltweiten Erfolg seiner Malerei für die Popularisierung seines Natur- und Umweltkonzepts nutzbar machen.

Schon früh stellte der Wegbereiter der Umweltbewegung Bäume, Gräser und Menschen auf eine Stufe und vermittelte seine Vorstellungen und Konzepte mit Hilfe seiner Kunst. Mit neuen Ideen wie begrünten Dächern und Hausfassaden, Autobahnen, die unter der Erde verschwinden, und Bäumen und Grünflächen, die als eine Art Wiedergutmachung gepflanzt werden sollten, trat Friedensreich Hundertwasser der Verdrängung des Organischen entschieden entgegen. Als Wegbereiter der Umweltbewegung setzte er seine Kunst ein, um die Vision einer naturverbundenen Lebensweise zu propagieren, und trat vehement für ein Umdenken auf dem Gebiet der Ökologie ein. Wie, das dokumentiert die Ausstellung mit Werken wie „Green Town, Venedig“ von 1978 oder dem Modell des 1975 entworfenen „Hochwiesenhauses“. Das Gebäude erstreckt sich über mehrere Ebenen und ist durch mehrere große Plateaus gegliedert, auf denen Sträucher und Bäume wachsen. Hundertwasser verstand seinen Entwurf als „wegweisendes Wahrzeichen der Versöhnung des Menschen mit der Natur“. Was seinen Zeitgenossen als Utopie erschien, ist heute von dringlicher Virulenz und überraschender Aktualität.

Die Ausstellung „Hundertwasser – Schiele. Imagine Tomorrow“ ist bis zum 10. Januar 2021 verlängert. Das Leopold Museum hat mittwochs bis sonntags dienstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 14 Euro, ermäßigt 10 Euro. Der Katalog aus dem Verlag der Buchhandlung Walther König kostet im Museum 29,90 Euro.

Kontakt:

Leopold Museum

Museumsplatz 1

AT-1070 Wien

Telefon:+43 (01) 525 700

Telefax:+43 (01) 525 701 500

E-Mail: leopoldmuseum@leopoldmuseum.org



20.08.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


21.02.2020, Hundertwasser Schiele - Imagine Tomorrow

Bei:


Leopold Museum

Kunstsparte:


Arbeiten auf Papier

Kunstsparte:


Malerei

Kunstsparte:


Zeichnung

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Stilrichtung:


Nachkriegskunst

Stilrichtung:


Expressionismus

Stilrichtung:


Moderne Kunst







Friedensreich Hundertwasser, Selbstbildnis, 1951

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Egon Schiele, Selbstbildnis mit hochgezogener nackter Schulter, 1912

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Friedensreich Hundertwasser, Le grand chemin, 1955

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Egon Schiele, Tote Mutter I, 1910

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Friedensreich Hundertwasser, Le jardin des morts heureux, 1953

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Egon Schiele, Waldandacht II, 1915

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in der Ausstellung „Hundertwasser – Schiele. Imagine Tomorrow“

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Anton Josef Trcka, Egon Schiele vor seinem 1913 vollendeten und heute verschollenen Gemälde „Begegnung“, 1914

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Stefan Moses, Friedensreich Hundertwasser in seinem Arbeitszimmer in der „Hahnsäge“

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Friedensreich Hundertwasser, Almhütten auf grünem Platz, 1951

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Egon Schiele, Der Häuserbogen II (Inselstadt), 1915

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Friedensreich Hundertwasser, Casa che protegge, 1960

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Peter Femfert, Friedensreich Hundertwasser 1983 in Venedig

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