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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Das Städel Museum in Frankfurt fragt nach dem Augenblicksmoment in der Skulptur und präsentiert fünf große Impressionisten der Bildhauerei

Das Flüchtige formen



in der Ausstellung „En passant. Impressionismus in Skulptur“

in der Ausstellung „En passant. Impressionismus in Skulptur“

Der Impressionismus war die Geburtsstunde einer Malerei, die mit klassischen Sehgewohnheiten brach und stärker als bisher den Akt der Wahrnehmung in den Vordergrund rückte. Es galt, sich der artifiziellen Umgebung der Ateliers und den Normen des Kunstbetriebs zu entledigen, sich hinaus in die Welt zu begeben, um diese in all ihrer Flüchtigkeit und Bewegtheit festzuhalten. Bezüglich eines Impressionismus in der Skulptur mag diese Vorstellung auf Anhieb wie ein Widerspruch klingen, war doch die neue Künstlergruppe darauf aus, die Behandlung von Licht, Farbe und Bewegung zu betonen sowie die Körperlichkeit und das bunte Leben mittels der Modellierung von Licht und Schatten zu erzeugen. Wie soll dies mit einem monochromen Material wie Marmor, Ton und Wachs möglich sein, dessen Widerstand und Zähigkeit in der Bearbeitung das genaue Gegenteil einer Malerei bilden, deren Manier ein schneller leichter Pinselduktus ist? Darüber hinaus in einem Medium, das den flachen Bildraum der Leinwand verlässt, die Grenze in den realen Raum überschreitet, ihn einnimmt und so das Kunstwerk im Rundgang stets unterschiedlich zeigt.


Das Städel Museum in Frankfurt am Main hat sich dieser Fragen nun angenommen und präsentiert in einer Auswahl der Kuratoren Alexander Eiling und Eva Mongi-Vollmer unter dem Titel „En passant – Impressionismus in der Skulptur“ mit Edgar Degas, Auguste Rodin, Medardo Rosso, Paolo Troubetzkoy und Rembrandt Bugatti fünf Künstler als Stellvertreter unterschiedlicher Erscheinungsformen impressionistischer Skulptur. Im Dialog mit ihren Zeitgenossen erwarten den Besucher rund 160 Exponate, angefangen bei den Hauptwerken der Protagonisten über Zeichnungen, Skizzen und Gemälde bis zu Fotografien, die im Wechselspiel die Skulpturen erläutern, ergänzen, kommentieren oder auch in Frage stellen.

Markierte die achte Impressionisten-Schau 1886 das formale Ende der Bewegung, verwiesen die dort ausgestellten Arbeiten jedoch auf eine neue Form der Experimentierfreudigkeit. Der Besucher des Städels bekommt einen Eindruck von diesem Umbruch, bei dem die Gemälde von Edouard Manet, Paul Cézanne und Pierre-Auguste Renoir – wie auch 1886 – im Dialog mit Paul Gauguins Holzrelief „La Toilette“ von 1882 oder den neoklassizistischen Skulpturen und Büsten von Auguste Ottin standen. Die unmittelbare Nähe zu den Gemälden der Impressionisten, aber auch das verwendete Material, wie Birnenholz oder Terrakotta, brachten zeitgenössische Kritiker dazu, von „impressionistischer Skulptur“ zu sprechen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Edgar Degas schon längst mit seiner Wachsfigur „Kleine 14-jährige Tänzerin“, die den Auftakt zu seinem Œuvre in der Schau bildet, einen Skandal verursacht. Eine aufreizende Pose, nach hinten verschränkte Arme, geschlossene Augen und eine hervorgestreckte Brust vermitteln Anmut und Sinnlichkeit und rückten 1881 das Sujet in das Milieu von Prostitution. Die vernichtende Kritik veranlasste Degas zu der Entscheidung, im Anschluss nie wieder eine Skulptur auszustellen. Bei dem Exponat im Städel handelt es sich um einen Bronzeguss, der von den Erben Degas’ in den 1920er Jahren in Auftrag geben wurde. Doch ist Degas noch kein impressionistischer „Bildhauer“, da seinen Wachsfiguren, die ihm als Vorlagen für seine Malerei dienten und sich als dreidimensionale Skizzen verstehen, der Charakter von Bozzetti anhaftet. Davon zeugen in der Ausstellung die Ballerinen aus Wachs, die er vor und hinter der Bühne beobachtete und deren Posen in seinen Gemälden wiederzufinden sind. Impressionistisch ist jedoch der Wille, das Momentane in der Dynamik festzuhalten und auch den damit verbundenen Ausdruck. Exemplarisch demonstrieren das Degas’ Wachsfiguren von Pferden und Jockeys, die in Umsetzung und Anordnung den Serienaufnahmen galoppierender Pferde des amerikanischen Fotografen Eadweard Muybridge entsprechen. Muybridges sogenannte „Chronofotografien“, mit denen er Bewegungsabläufe einfing, stehen in Frankfurt den Figuren Degas als Pendant gegenüber.

Beeindruckend sind die Tierfiguren Rembrandt Bugattis. Der Schützling Troubetzkoys war nicht nur durch ein kreatives Elternhaus vorgeprägt, sondern zeichnete sich auch als Autodidakt ohne jeglichen akademischen Einfluss aus. Seinen Kontakt zu den Impressionisten macht sein Hang deutlich, das Atelier zu verlassen, um in Zoos direkt vor den Tieren zu modellieren. In Betrachtung von Bugattis „Brüllender Kuh“ von 1901 oder der „Fressenden Löwin“ von 1903 vergegenwärtigt sich das hohe Maß an Beobachtungsgabe bezüglich Bewegung, Verhalten und Interaktion mit den Artgenossen und der Umwelt. Wie Troubetzkoy verwendete er Plastilin als Modelliermasse, die länger weich und somit formbar blieb. In den Muskeln, Sehnen und Oberflächen der Tiere machte Bugatti seine Arbeitsspuren sichtbar, wenn sich seine Finger und das Werkzeug in das weiche Material gruben. Die Unfertigkeit seiner Arbeiten nimmt daher Modellcharakter an. In der Gestaltung von Plinthe und Sockel bezog Bugatti den Raum ein, der je nach Interaktion zum Vorder- oder Hintergrund wird. In der Art der Wiedergabe, der Naturverbundenheit und der malerischen Behandlung seiner Werke macht sich bei Bugatti der Einfluss seines Onkels Giovanni Segantini bemerkbar, dessen Gemälde das Zwiegespräch mit Bugattis Figuren aufnehmen und ihm den Beinamen „Segantini der Skulptur“ einbrachten.

Der zweite Teil der Ausstellung im Erdgeschoss des Peichl-Baus setzt mit dem Entstehungsprozess einer Wachsfigur ein. Thematisch empfangen den Besucher die Plastiken des italienischen Bildhauers Medardo Rosso, von dem der Kunstkritiker Edmond Thiaudière 1886 schrieb, Rosso habe meisterlich den Impressionismus in der Skulptur begründet. In seinem Schaffen findet sich wohl die größte Annäherung an die impressionistische Malerei. Vor allem die Porträtstudie seiner „Portinaia“ von 1883/84 oder die Mutter-Kind-Gruppe „Aetas Aureas“ um 1902 illustrieren den flirrend verwaschenen Eindruck, den man im Vorbeigehen, also en passant, gewinnt. Nur aus einer bestimmten Richtung erkennbar, verwischen bei Veränderung des Standpunktes Konturen und Details zu einem irritierenden Vexierbild. Der umgebende Raum wird als Fragment nicht nur hinter der Figur modelliert, sondern fließt in den Vordergrund hinein, macht die Pinselführung und Handarbeit sichtbar, mit der Rosso das Wachs aufgetragen und geformt hat. Zudem setzte Rosso mit farbigem Wachs und später beim Patinieren seiner Bronzegüsse farbige Akzente, um die Ästhetik der Oberfläche in den Fokus zu rücken. Auf diese Art wirkte er in die Malerei zurück, was in Eugène Carrières Gemälde „Der Schlaf“ von 1890 unverkennbar ist, wenn der Maler sein Motiv in einer bewussten Unschärfe belässt und in einer monochromen, meist dunklen Palette ausgestaltet.

Im vorletzten Abschnitt der Frankfurter Schau fesselt das Schaffen des Italieners Paolo Troubetzkoy. War bei Medardo Rosso die Flüchtigkeit das wesentliche Merkmal, manifestiert sich bei Troubetzkoy ein hohes Maß an Expressivität in der Ausarbeitung bei gleichzeitiger intensiver Beobachtung von Augenblicksmomenten. Die tief aufgerissenen Oberflächen kontrastieren zu glatt gehaltenen Gesichtern und schaffen ein bewegtes Licht- und Schattenspiel. Das Aufbrechen und Zerklüften führen zu fragmentierten Konturlinien, in deren Tälern sich tiefe Schattenzonen bilden und somit Ton- und Farbwerte erzwingen. In der Mutter-Kind-Gruppe von 1898 entwachsen der zerrissenen Oberfläche von Kleid und Boden die glatten Formen von Armen, Händen und Gesichtern; die Innigkeit der Umarmung sowie das gegenseitige Anschmiegen finden in den fließenden und ineinander verschmelzenden Konturen des Materials ihre Entsprechung. Der hohe Realitätsgehalt steht im Kontrast zu der groben Ausgestaltung. Man muss der Versuchung widerstehen, die Finger in Falten und Furchen zu legen, um den Prozess des Formens nachzuempfinden. „Ich möchte nicht, dass sie Geschichten erzählen“, soll Troubetzkoy 1911 über seine Bronzen gesagt haben. Aber genau das Gegenteil ist der Fall, wenn er seinen Freund Giovanni Segantini im Moment des Umwendens als Dreiviertelporträt in Bronze bannt, während dieser lässig den Daumen unter die Weste schiebt und den Kopf zur Seite dreht.

Die letzte Sektion der Ausstellung bildet das weite Atrium und entspricht in Größe und Ausstattung dem Künstler, der hier seinen Auftritt hat: Auguste Rodin. Gleich beim Betreten des Raumes fällt der Blick auf die im Zentrum positionierte, lebensgroße und schamhafte „Eva“ von 1881. Sie ist in der gleichen Art inszeniert, wie im Salon de la Société nationale de Beaux-Arts des Jahres 1899: Die Plinthe im Boden versenkt, balanciert die Figur in verletzlicher Pose. Rodin beließ die Oberfläche ungeschliffen und an vielen Stellen unbehandelt, so dass das Lichtspiel auf der abwechslungsreichen Textur für eine Belebung der Urmutter sorgt. Eine ähnliche Dynamik ist bei der ebenfalls lebensgroßen Bronze von Johannes dem Täufer um 1880 zu beobachten, wie er – den Kopf zum Betrachter gewendet und den Finger zu Himmel erhoben – im Schreitmotiv eingefroren scheint. Mit seiner Abkehr von statischen Motiven, dem „non finitio“ seiner Oberflächenbehandlung und der Nähe zum Impressionismus legte Rodin den Grundstein, der ihn zum Wegbereiter der Moderne werden ließ. Auch in der Büste von „Victor-Henri Marquis de Rochefort-Luçay“ vor 1897, dem „Faun“ um 1885 oder der exaltierten Gestalt „Pierre de Wissant“ aus den „Bürgern von Calais“ machen sich diese gewisse Unruhe und Bewegtheit bemerkbar, oder wie es Rainer-Maria Rilke 1902 formulierte: „Es war die Fülle von Leben, die in diesen Zügen versammelt war.“

Die Ausstellung „En passant. Impressionismus in Skulptur“ ist bis zum 25. Oktober zu sehen. Das Städel Museum hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags und freitags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 14 Euro; für Kinder unter 12 Jahren ist er frei. Zur Ausstellung ist im Prestel Verlag ein Katalog erschienen, der im Museum 39,90 Euro kostet.

Kontakt:

Städel Museum / Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie

Schaumainkai 63

DE-60596 Frankfurt am Main

Telefon:+49 (069) 60 50 98 0

Telefax:+49 (069) 61 01 63

E-Mail: info@staedelmuseum.de



02.10.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ramin Shafiai

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09.05.2020, En Passant - Impressionismus in Skulptur

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Städel Museum

Kunstsparte:


Skulptur

Stilrichtung:


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in der Ausstellung „En passant. Impressionismus in Skulptur“

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