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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Teil 7 der SØR Rusche Collection bei Van Ham setzt auf weniger bekannte Namen, dafür aber auf das unvoreingenommene Auge ihres Sammlers Thomas Rusche, der viele junge Kreative förderte

Sinnlicher Genuss und ernste Kunst



Cornelius Völker, Austern 2-II, 2002

Cornelius Völker, Austern 2-II, 2002

Fein aufgereiht liegen bei Cornelius Völker die Austern und zwei ausgepresste Zitronenscheiben im ansonsten leeren Querformat. Leicht nach vorne gekippt, springen sie dem Betrachter förmlich entgegen. „Wie meine alten Holländer ist Völker nicht nur ein virtuoser Maler, sondern auch ein tiefsinniger Komponist. Seine Austern sind nicht nur irgendwelche Schalentiere, sondern Inbegriff sinnlicher Genüsse. … Der Gaumengenuss stimuliert die wollüstige Sehnsucht nach Mehr“, beschreibt Thomas Rusche das Ölgemälde aus dem Jahr 2002 und dessen Stellung in seinem Sammlungskontext. Sinnliche Kunst-Genüsse, die wie die Austern zum Zugreifen verleiten, hat der 1962 geborene Unternehmer reichlich angesammelt und trennt sich nun über Van Ham von ihnen, um den digitalen Wandel seiner Bekleidungsfirma zu stemmen. Die weniger bekannten, aber nicht uninteressanten Positionen sind nun in der siebten Tranche der insgesamt größten Versteigerung einer Privatkollektion in Deutschland zusammengefasst. Das Auktionshaus hat die Preise niedrig angesetzt, bei Völkers Austern etwa auf 6.000 bis 8.000 Euro.


Am 7. Oktober kommen in Köln insgesamt über 550 Stücke unter den Hammer. Das Katalogmotto „Gute Kunst? Sammeln!“ entspricht dabei der Motivation Thomas Rusches. Dieser wählte nicht nur nach Prominenz, sondern auch nach seinem persönlichen Geschmack und Verständnis, oft außerhalb der gängigen Strömungen und inhaltlichen Moden. Rusches übergreifendes Thema, auch bei seinen Ankäufen jüngerer Künstler, war der Mensch in all seinen Facetten von dessen grundlegenden Bedürfnissen wie Nahrung oder Sexualität, Gefühlen wie Liebe oder Angst über Religion bis hin zu seinen Lebensräumen. Vieles bietet sich für den kunstliebenden, aber kleineren Geldbeutel an. Am teuersten ist noch die plastische Installation „Aggregatzustand“ der Polin Alicja Kwade aus dem Jahr 2012. Eine Stahlplatte, ein Spiegel und zwei Zeiger einer alten Turmuhr, die gebogen an der Wand stehen, beziehen für 12.000 bis 18.000 Euro die Umwelt des Betrachters und diesen selbst mit ein. Ihre ein Jahr ältere Ringkonstruktion „Zwischenoption“ aus vier Messingreifen kommt auf 5.000 bis 7.000 Euro.

Düstere Atelierwelten

Eine eigene Passion hat Rusche für Schauriges und Düsteres. In dieses Schema fügt sich Wolfram Ebersbachs monochrom dunkelgrauer Blick von oben in den Innenhof der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, wo er als Lehrbeauftragter tätig ist. Die zentralperspektivisch in die Tiefe ziehende Leinwand des Jahres 2009 lässt auf 3.000 bis 4.000 Euro hoffen. Direkte Einblicke ins erstaunlich farbbefreite Atelier bei Schummerlicht lässt der Leipziger Johannes Rochhausen zu. Seine „Atelieransicht XV“ von 2010 stellt einiges Werkzeug in den Fokus (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR), während an der kleineren „Atelierwand“ von 2012 fein geordnet unfertige Porträts hängen (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Als „The Mine“ kreativer Möglichkeiten fasst Nicola Samorì 2013 das dunkelgraue Atelier auf, in dem zwei schemenhafte Gestalten neben einer scheinbar brennenden abstrakten Komposition knien. In „A.F.P.“ malte der Italiener 2010 dann zweifarbig abstrakt, was an ein stürmisches Seestück erinnert (Taxe je 4.000 bis 6.000 EUR).

Farbiger und lebendiger sind die Personen in Radek Szlagas „Surrogate activities“ von 2010. Mit der Leinwand, auf der ein kleiner dickbäuchiger Mann vor einer Wand mit weiteren Gemälden grimmig an seiner Szene malt, bezieht sich der 1979 geborene Pole surreal humorvoll auf Diego Velázquez’ bekanntes Barockgemälde „Las Meninas“ (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). Auch der ein Jahr ältere Slowene Matej Košir hat direkte Anleihen bei Alten Meistern gemacht und in seiner Version von „Jan de Bray: ‚Die Beweinung Christi‘“ einfach alle Personen bis auf den Leichnam Jesu eliminiert. Übrigens gehörte auch die Vorlage des niederländischen Barockmalers zur Rusche Collection (Taxe 700 bis 900 EUR). Schlierenhaft ist Matthias Meyers Ansicht „Hong Kong Nacht“ von 2007, die im Hochformat den Höhenzug der Häuser und die reflektierten Neonfarben der Leuchtreklame einfängt (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). Mit seinen „Seerosen II“ im Panoramaformat von 2006 rekurriert Meyer dann auf Claude Monet und dessen Abstraktionswillen in der späten Schaffensphase (Taxe 3.500 bis 4.500 EUR).

Flächiger ist dann Phyllida Barlows „untitled: hoardingbin“ aus dem Jahr 2010 mit einem orangefarbenen, kastenähnlichen Objekt vor dunkelblauem Schattengrund (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR). Angelehnt an die Neue Sachlichkeit nutzt Jan Dörre eine solche Flächigkeit nicht zur Abstraktion, sondern setzt seine glatt und sauber ausgemalten Formen in Spannung mit der räumlichen Tiefe des Beckenrandes, an dem sich in seiner „Badeerlaubnis“ aus dem Jahr 2008/09 ein Stillleben aus Büchern, einem Vogel und Obst angesammelt hat (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR). Den Tiefenzug bricht Daniel Behrendt bei seinem noch schlichteren Diptychon zweier Wände mit einem Segment aus Glasbausteinen, derer Fluchtpunkt in der Höhe gegeneinander verschoben ist (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Günstiger ist noch seine kleine „Ecke“ eines ebenso unprätentiösen Flurs (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR).

Fantasie und Realität neu geordnet

Marcel van Eeden erarbeitet auf realistische Weise Geschichten, die nicht stattgefunden haben. So zeichnete er 2010 in dreizehn Teilen die „Ausstellung des Gemäldesammlers Oswald Sollmann, die im Jahre 1951 im Berliner Haus am Waldsee nicht gezeigt wurde“ nach, wie Rusche erklärt. Sein Bezug: „Die Sammlung Sollmann scheint alte Meister zu umfassen, die auch in der SØR Rusche Sammlung anzutreffen sind“ (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Rinus van de Velde verfolgt einen ähnlichen Ansatz und schreibt seine erdachte Autobiografie als imaginären Kurator David Johnson fort. Sein titelloses Grisaille-Porträt aus der Reihe „Dear David Johnson“ für 3.000 bis 4.000 Euro gehörte 2011 mit entsprechenden Wandtexten zur gleichnamigen Ausstellung in der Monique Meloche Gallery in Chicago. Zu einer „Night in Museum“ lädt der Pole Pawel Olszczynski ein und präsentiert auf seiner Bleistiftzeichnung von 2010 zwei schwarze Geisterhände, die den Kopf einer klassizistischen Frauenbüste umfassen (Taxe 500 bis 600 EUR). Völlig der Fantasie des Betrachters überlassen ist Stefan Stößels „Puzzle“ von 1997 aus über einhundert einzelnen dreieckigen Leinwänden. Auf Stahlfahrgestelle gelegt, regen diese zum Neuordnen und Experimentieren mit dem Gesamtbild und seiner Aussage an (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Menschliches Handeln

„Die Hand gilt seit Aristoteles als ‚Werkzeug der Werkzeuge‘. Mit seiner Hand gestaltet der Mensch die Welt. Des Menschen Geist lenkt die Hand zur Tat. In Benedikt Hipps Modell sind die Hände jedoch verbunden und verkrüppelt“, erläutert Thomas Rusche zu Hipps Gemälde „Bewandlung“ aus dem Jahr 2013, der seinem Protagonisten mit angeschnittenem Gesicht genau jenes Instrument zum Handeln nimmt; vielleicht als Analogie auf die zu nutzende Erfindungs- und Geisteskraft oder deren Grenzen (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Deutlicherer Handeinsatz findet sich beim archaischen „Axe Boy“ der Amerikanerin Allison Schulnik, sowohl in der bewegten Geste der abstrahierten Figur mit der Axt, als auch in der gestisch pastosen Malweise (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). Plakativer durchschneidet eine Zange in Agnieszka Polskas malerischem Kurzvideo „Plunderer’s Dream“ von 2011 gleich ein Vorhängeschloss (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR). Eine sehr deutliche Bildsprache manifestiert sich zudem bei Carina Linge, von der zehn Fotoprints aus der Serie „Einsamer Eros“ von 2008/11 als Konvolut zu haben sind. Das Thema des Lebens und seiner Vergänglichkeit taucht in herben Stillleben auf, etwa der mit Gewalt herbeigeführte Tod bei einem gehäuteten Tier, das eine Frau zärtlich auf ihren Armen trägt (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR).

Hell und Dunkel liegen bei der Düsseldorferin Miriam Vlaming nah beieinander. In den links goldgelb leuchtenden Hintergrund greift von rechts eine düster graubraune organische Struktur über. Die hellen jungen „Three Spanish Friends“ im Vordergrund stehen in der Leinwand von 2004 statisch zwischen diesen Sphären (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). In sich gekehrt genießt der Clown mit großer Schleife in Katrin Heichels Querformat „Des Speeres Spitze“ von 2007 dagegen seine dunkle Umgebung, aus der sein weiß geschminktes Gesicht hervorleuchtet. Oder ist es doch nur ein auf dem Bildtitel aufgepfählter Kopf? (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR). Völlig ihrer Umwelt entrissen sind vier an menschliche Gestalten erinnernde pastose Farbtupfer in Clemens Krauss’ „Konstellation“ von 2010, die zu einer unten liegenden Person mit langem Schatten greifen (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Für ihr kreatives und abwechslungsreich figürliches Schaffen ist die so genannte „Leipziger Schule“ um die dortige Hochschule für Grafik und Buchkunst bekannt. Das 2009 entstandene Mappenwerk „Fünf Jahre Lithographisches Atelier Leipzig“ mit sieben Lithografien von Tilo Baumgärtel, Rolf Kuhrt, Rosa Loy, Rolf Münzner, Neo Rauch, Christoph Ruckhäberle und Matthias Weischer nimmt die jüngere Generation dieser Richtung in den Blick (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR).

Visionäre Landschaften

Wie eine Lichterscheinung im Dunkeln strahlt dem Betrachter die warm beleuchtete „Bergstraße“ Robert Klümpens von 2008 entgegen, die sich um eine Ecke gleich wieder im Unbekannten verliert (Taxe 1.600 bis 2.000 EUR). Konkreter eingefasst ist da auf den ersten Blick die „Kleine Petersburger Hängung“ von Titus Schade aus dem Folgejahr. Ein Porträt, ein Jägerssitz und ein Industriebau hängen als Bilder im Bild ordentlich gerahmt an einer dunkelroten Wand. Die Wolkenformation im Landschaftsgemälde links sprengt jedoch ihre Begrenzung und tritt surreal darüber hinaus bis an die Grenze des tatsächlichen Gemäldes (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR). Einen ähnlichen, die Realität überschreitenden Effekt nutzte Paule Hammer 2008 für sein Gemälde „Wie es wirkt“. Während die Augen der Zuschauer noch die skurrilen organischen Formen der Pflanzen verfolgen, wird ihnen erst gewahr, dass sie von ebensolchen an Stielen zwischen den Pflanzen gemustert werden (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR). Viel aufgeräumter ist Ulf Puders „Pool“ von 2010 aus pappartigen Hütten, die sich in der spiegelnden Bodenoberfläche wiederfinden (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR).

Van Ham versteigert die „SØR Rusche Collection Part VII – Gute Kunst? Sammeln!“ am 7. Oktober ab 10 Uhr in Köln. Die Vorbesichtigung ist am 2. Oktober von 10 bis 18 Uhr, am 3. Oktober von 10 bis 16 Uhr, am 4. Oktober von 11 bis 16 Uhr und am 5. Oktober von 10 bis 18 Uhr möglich. Alle Lose sind online unter www.van-ham.com abrufbar.

Kontakt:

Van Ham Kunstauktionen

Hitzelerstraße 2

DE-50968 Köln

Telefon:+49 (0221) 925 86 20

Telefax:+49 (0221) 925 86 24

E-Mail: info@van-ham.com



03.10.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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Daniel
 Behrendt, Ecke, 2012
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Marcel van Eeden, Oswald Sollmann. Haus am Waldsee 1951, 2010

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Taxe: 4.000 - 6.000 EURO

Losnummer: 105

Paule Hammer, Wie es wirkt, 2008

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Taxe: 2.000 - 2.500 EURO

Losnummer: 165

Daniel Behrendt, Ecke, 2012

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Taxe: 1.500 - 2.000 EURO

Losnummer: 33

Benedikt Hipp, Bewandlung (positives Modell N° II), 2013

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Taxe: 3.000 - 4.000 EURO

Losnummer: 178

Wolfram Ebersbach, HGB Leipzig Lichthof, 2009

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Taxe: 3.000 - 4.000 EURO

Losnummer: 100

Katrin Heichel, Des Speeres Spitze, 2007

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Taxe: 2.000 - 2.500 EURO

Losnummer: 172

Phyllida Barlow, Untitled: hoardingbin, 2010

Phyllida Barlow, Untitled: hoardingbin, 2010

Taxe: 2.000 - 2.500 EURO

Losnummer: 18

Daniel Behrendt, Ohne Titel (Diptychon III), 2012

Daniel Behrendt, Ohne Titel (Diptychon III), 2012

Taxe: 2.000 - 3.000 EURO

Losnummer: 31

Jan Dörre, Badeerlaubnis, 2008/09

Jan Dörre, Badeerlaubnis, 2008/09

Taxe: 2.000 - 2.500 EURO

Losnummer: 91




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