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Jacqueline Diffring gestorben

Jacqueline Diffring, Götter oder Architekturale Skulptur, 2013

Gut sieben Monate nach ihrem 100. Geburtstag ist Jacqueline Diffring gestorben. Die deutsch-britische Bildhauerin, die zuletzt in Südfrankreich lebte, schied dort am 28. September aus dem Leben. Das teilte die in Berlin ansässige Jacqueline Diffring Foundation mit und würdigte sie als „unvergessliche liebevolle Freundin“. Die am 7. Februar 1920 in Koblenz geborene Künstlerin ist vor allem für ihre massiven Bronzeskulpturen in archaischen Formen bekannt. Viele ihrer Arbeiten stehen heute in musealen Sammlungen oder im öffentlichen Raum. Entlang des Berliner Kurfürstendamms wurde 2013 ihre Bronze „Götter oder Architekturale Skulptur“ positioniert. Der Guss setzt sich aus einer Reihe von quaderförmigen Elementen zusammen, die grob modelliert die Umrisse einer Figur einnehmen. Dieser Eindruck wird durch ein einzelnes Auge verstärkt, das zentral am obersten Quader sitzt und mit einem halb geschlossenen Augenlied auf den Bürgersteig hinabzublicken scheint.

Jacqueline Diffring studierte ab 1937 an der Schule Reimann in Berlin, bevor sie auf Grund von Repressalien der Nationalsozialisten als Tochter eines jüdischen Vaters 1939 nach England emigrieren musste. Dort setzte sie ihre Ausbildung ab 1946 am Technical College in Cambridge fort. An der Londoner Chelsea School of Art studierte sie dann bei Frederick Edward McWilliam und dem ebenfalls emigrierten Willi Soukop, lernte aber auch Henry Moore kennen, von dem sie wichtige Impulse erhielt. Mitte der 1980er Jahre erlangte ihr Werk verstärkt internationale Aufmerksamkeit. „Die Themen, die mich faszinieren und die mich tief berühren, entstehen aus Fragen, die den Menschen seit seiner Existenz fasziniert und berührt haben; sein Kampf, einen Sinn in seinem Dasein zu finden, seine Beunruhigung, einen Platz im Universum einzunehmen, und vor allem seine übermenschliche Anstrengung, Harmonie zu finden – alles Fragen, die offen stehen“, beschrieb Diffring die Themenbreite ihres Schaffens.

Seit den 1960er Jahren lebte und arbeitete Diffring in ihrer Wahlheimat Châteauneuf-Grasse an der Côte d’Azur. Dort schuf sie ihre zwischen Figuration und Abstraktion changierenden Skulpturen aus Bronze, Stein oder Ton in der Tradition der britischen Bildhauer-Moderne. 2007 gründete die Künstlerin die Jacqueline Diffring Foundation in Berlin, eine gemeinnützige Stiftung für Kunst und Kultur, die seit 2008 einen mit 5.000 Euro dotierten Preis für aufstrebende Bildhauer auslobt. In den letzten Jahren kümmerte sich die Galerie Hirschmann in Berlin verstärkt um ihr Werk. 2014 erhielt Diffring den Kulturpreis der Stadt Koblenz und eine dazugehörige Ausstellung im Mittelrhein-Museum. Zu ihrem 100. Geburtstag präsentierte die Berliner Galerie Florian Schönfelder im Frühjahr eine Personale mit Skulpturen und Zeichnungen Diffrings. Aktuell ist im „Schaufenster“ des Mittelrhein-Museums die Installation „Jacqueline Diffring – Das Atelier“ zu sehen, die den Ort ihres künstlerischen Wirkens authentisch rekonstruiert und in Form von 92 Skulpturen aus Gips, Ton und Bronze einen Einblick in ihr Schaffen vermittelt.


06.10.2020

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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