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Das Kunstforum Wien präsentiert die malerische Entwicklung Gerhard Richters und hat sich dafür das Sujet der Landschaft ausgesucht

Natur ohne Abbild



in der Ausstellung „Gerhard Richter. Landschaft“

in der Ausstellung „Gerhard Richter. Landschaft“

Dafür dass Gerhard Richter ein Künstler von kaum zu überschätzendem Einfluss ist, dessen Schaffen mehr als 60 Jahre umspannt, war er erstaunlich wenig in institutionellen österreichischen Ausstellungen präsent. Zwar zeigten die Albertina, das Leopold Museum, das Belvedere und das MUMOK wiederholt Werke des Kölners in diversen Gruppenausstellungen. Einzelpräsentationen gab es jedoch bis auf die Schau „Gerhard Richter – Bilder aus privaten Sammlungen“ 2008 in der Albertina nicht. Nun hat das Wiener Kunstforum das ambitionierte Projekt gewagt, mit Richters Landschaften ein Thema auszuwählen, das ihn seit 1963 bis heute beschäftigt und dessen stilistische Vielfalt der seines Œuvres entspricht.


Seit Anfang Oktober sind hier rund 130 Werke in einem Überblick versammelt, der in Kooperation mit dem Kunsthaus Zürich entstand. Die Schau ist eine vergleichsweise ziemlich sichere Nummer, könnte man meinen. Denn bei dem Star-Status, den Richter genießt, muss man sich um Besucherzahlen normalerweise keine Sorgen machen. Vier Jahre dauerten die Vorbereitungen für das ambitionierte Vorhaben, das nun den aktuellen Corona-Umständen zum Trotz realisiert werden konnte und das Hausherrin Ingried Brugger angesichts des zu erwartenden Ausbleibens ausländischer Besucher als „Geschenk an die Wiener“ bezeichnete.

Es ist eine schöne Ausstellung geworden, die den mittlerweile 88jährigen einmal mehr als einen Künstler ausweist, der sich mit den großen Themen der modernen Kunst auseinandergesetzt hat: den Grenzen der Kunst und der Darstellbarkeit etwa und der Erinnerung. Es war eine kluge Entscheidung der Kuratorin Lisa Ortner-Kreil und ihres Kollegen Hubertus Butin, sich mit den Landschaften auf ein Genre zu konzentrieren, das Gerhard Richter stets aufs Neue reflektiert hat. Anhand fünf thematischer Kapitel, die die Werke in zeitlich unchronologischer und räumlich getrennter Reihenfolge voneinander präsentieren, wird anschaulich dokumentiert, wie sich in Richters heterogenem Schaffen verschiedene Stilperioden nicht gegenseitig ablösen, sondern in einer Art zyklischer Bewegung immer wiederkehren. Es ist ein Konzept, das den Stilbruch zum Stilprinzip erhebt und für dessen Umsetzung sich Richter verschiedener Methoden wie Fotorealismus, Unschärfen, Abstraktion, Montage, Vergrößerung und Übermalung bedient. Neben dem Portrait hat kein anderes Sujet den Künstler über einen so langen Zeitraum beschäftigt und wurde von ihm in einer so großen medialen Vielfalt bearbeitet. Es erscheint nicht nur in Gemälden, sondern ebenso in Druckgrafiken, Zeichnungen, Fotocollagen, Fotoeditionen und Künstlerbüchern.

Bei zahlreichen Werken, die nun im Wiener Kunstforum hängen, lässt sich leicht nachvollziehen, dass Gerhard Richter nicht auf die direkte, unmittelbare Wahrnehmung einer realen Landschaft reagiert, sondern dass er als bildnerische Vorlagen Fotografien verwendet. Die Arbeiten stellen genau genommen keine Landschaften, sondern Fotografien von Landschaften dar. Bereits die frühen, zwischen 1963 und 1967 entstandenen Landschaftsbilder gehen auf Schwarz-Weiß-Reproduktionen aus Zeitungen, Zeitschriften und Büchern zurück oder basieren auf alten Aufnahmen, die Richter in Familienfotoalben gefunden hat. Indem er sich fremdes Fotomaterial aneignet und in seine Arbeiten überträgt, erreicht Richter eine Sachlichkeit, die auf jeglichen subjektiven Ausdruck verzichtet. Ein weiteres explizit formalästhetisches und bildimmanentes Element ist Richters Verwendung von Text in den frühen Zeichnungen und Gemälden, etwa in der „Ägyptischen Landschaft“ von 1964/65.

1968 begann Gerhard Richter, eigene Fotos als Vorlagen für seine Gemälde zu verwenden. Die Aufnahmen, die wie Schnappschüsse wirken, entstanden bei Spaziergängen sowie auf Reisen im In- und Ausland. Sie wirken bewusst amateurhaft und klammern einen zeitlichen und biografischen Kontext weitgehend aus. Viele dieser selbstangefertigten Motive sind zudem stark angeschnitten. In der malerischen oder zeichnerischen Assimilation übernimmt Richter diese Ausschnitthaftigkeit und betont, wie im „Waldhaus“ von 2004, auch durch die Größe des Formats, dass das gemalte Landschaftsbild als Visualisierung aus zweiter Hand erscheint.

Als eine der Motivationen für die Auseinandersetzung mit der traditionsreichen Gattung des Landschaftsbildes befand Gerhard Richter 1974: „Ich sehe mich als Erben einer ungeheuren, großen, reichen Kultur der Malerei, der Kunst überhaupt, die wir verloren haben, die uns aber verpflichtet.“ Ein Jahr zuvor hatte er mit Caspar David Friedrich einen konkreten, für ihn wichtigen kunsthistorischen Referenzpunkt genannt. Anders aber als Friedrich, der die traditionelle christliche Bildsprache radikal veränderte, indem er die Gattung des profanen Landschaftsbildes für religiöse Gedanken tragfähig machte, negiert Richter romantische Symbolik. Auch wenn es zwischen den beiden Malern durchaus formale Ähnlichkeiten gibt, sind die Landschaften, die Richter in Auseinandersetzung mit Friedrich oder romantischen Motiven und Erlebnisformen entwickelt hat, zwar ebenfalls stimmungsvoll, doch „romantisch im geistesgeschichtlichen Sinn sind nie nicht“, wie Hubertus Butin in seinem Katalogbeitrag ausführt. Als Grund gab Richter an, dass ihm „die geistige Grundlage“ fehle, „auf der die romantische Malerei beruhe. Wir empfinden nicht mehr die ‚Allgegenwart Gottes in der Natur’. Für uns ist alles leer.“ Richter bezeichnet diese Landschaftsbilder deshalb als „Kuckuckseier“, da sie an Caspar David Friedrich erinnern, ohne deren transzendente Symbolkraft wiederholen oder erneuern zu wollen.

Ein weiteres Ausstellungskapitel betont die Wichtigkeit von Richters abstrahierten und abstrakten Landschaften für die Entwicklung seiner Malerei. Arbeiten wie „Waldstück“ von 1969 oder „Abstraktes Bild“ von 1987 sind stets auch ein Drahtseilakt zwischen Realismus und Abstraktion, Nachahmung der Landschaft und Eigenwertigkeit der Form. Sie sind Ausdruck jener grundsätzlichen Fragestellung, wie man ausgehend von Fotografie und Landschaftsmotiv, die Verselbstständigung der Form betreiben kann, ohne in einer beliebigen Gegenstandslosigkeit zu landen. Auch die von oben gesehenen schwarz-weißen Stadtlandschaften vom Ende der 1960er Jahre geben städtebauliche Strukturen wieder, sofern man die Gemälde aus der Entfernung von einigen Metern betrachtet. In der Nähe jedoch verschwimmen Details durch pastose, grob gesetzte Pinselstriche zu abstrakten Farbflecken, die keine inhaltliche Deutung zulassen.

Das zentrale Bild in diesem Hauptraum der Ausstellung ist „Sankt Gallen“, ein monumentales, fast sieben Meter breites Gemälde, das Richter 1989 als Auftragswerk für die Universität im schweizerischen St. Gallen schuf und das bisher erst einmal seinen Platz für die große Richter-Schau 2014 in der Fondation Beyeler verlassen hat. Es handelt sich um ein Bild, das Richter mit einer Rakel produziert hat und eine schlierenhafte, vielschichtige und komplexe Oberflächenstruktur aufweist. Auch wenn das Sujet eigentlich vollkommen ungegenständlich ist, erlauben die fast durchgehende horizontale Linie und der Titel eine landschaftliche Assoziation. Es geht Gerhard Richter darum, herauszufinden, was es heißt, ein Gemälde in Bezug zu vertrauten Eindrücken aus unserer Naturerfahrung zu sehen, auch wenn es das Ergebnis zufälliger Anhäufungen und Subtraktionen von Farbe ist. Vor allem aber ist „Sankt Gallen“ Ausdruck von Elan und Vitalität und damit von Perspektiven, die das Körperliche, Mentale und Emotionale erfassen. Hier bleibt es vor allem der Fantasie des Betrachters überlassen, Richters Bildatome zu bekannten Formen in der Natur zusammenzufügen. Geradeso wie man es seit kurzem im ältesten Kloster in Deutschland, in der saarländischen Abtei Tholey erleben kann, für die Gerhard Richter großartige Glasfenster schuf.

Die Ausstellung „Gerhard Richter. Landschaft“ ist bis zum 14. Februar 2021 zu sehen. Das Bank Austria Kunstforum Wien hat täglich von 10 Uhr bis 19 Uhr, freitags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt für Erwachsene 11 Euro, für Senioren 8,50 Euro und für 17- bis 27jährige 6 Euro, darunter 4 Euro. Der Katalog kostet 32 Euro.

Kontakt:

Bank Austria Kunstforum

Freyung 8

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 557 33 26

Telefax:+43 (01) 557 33 27

E-Mail: office@kunstforumwien.at



06.10.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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01.10.2020, Gerhard Richter: Landschaft

Bei:


Bank Austria Kunstforum

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Malerei

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Nachkriegskunst

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Zeitgenössische Kunst

Variabilder:

Hubertus Butin und Lisa Ortner-Kreil
Hubertus Butin und Lisa Ortner-Kreil

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Gerhard Richter, Sternbild, 1969
Gerhard Richter, Sternbild, 1969

Variabilder:

Gerhard Richter, Venedig, 1986
Gerhard Richter, Venedig, 1986







Hubertus Butin und Lisa Ortner-Kreil

Hubertus Butin und Lisa Ortner-Kreil

Gerhard Richter, Sternbild, 1969

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Gerhard Richter, Venedig, 1986

Gerhard Richter, Venedig, 1986

Gerhard Richter, Venedig (Treppe), 1985

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Gerhard Richter, Waldhaus, 2004

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in der Ausstellung „Gerhard Richter. Landschaft“

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Gerhard Richter, Wolke, 1976

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Gerhard Richter, Stadtbild PL, 1970

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Gerhard Richter, Seestück (See-See), 1970

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Gerhard Richter, Ruhrtalbrücke, 1969

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Gerhard Richter, Piz Surlej. Piz Corvatsch, 1992

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Gerhard Richter, Eis, 1981

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