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Covent Gardens Hockney bei Christie’s

David Hockney, Portrait of Sir David Webster, 1971

Das von der Corona-Pandemie heimgesuchte Royal Opera House Covent Garden steckt in der Krise und trennt sich daher von einem Stück seines Tafelsilbers: Am 22. Oktober soll David Hockneys „Portrait von Sir David Webster“ bei Christie’s in London 11 bis 18 Millionen Pfund einbringen. Das Opernhaus befinde sich in der schlimmsten Phase seit der Gründung, so Direktor Alex Beard. Der Verkauf des Portraits sei Teil der Strategie, um die durch Corona hervorgerufene Situation zu überstehen. Durch den Erlös sollen die Standards gehalten und das Publikum auch weiterhin mit Hervorragendem aus Ballett, Tanz, Musik und Oper unterhalten werden, so Beard weiter.

Das Ganzfigurenportrait von 1971 zeigt Sir David Webster, den Generaldirektor des Royal Opera House. Der damals 67jährige, bereits ehemalige Chef des Theaters sitzt im Profil auf einem MR 10, einem von Ludwig Mies van der Rohe entworfenen Freischwinger ohne Armstützen. Die Beine hüftbreit abgestellt, die Hände auf den Oberschenkel blickt er gelassen in die Ferne. Vor Webster steht ein niedriger Glastisch mit einer Vase voll Tulpen, die er nicht wahrzunehmen scheint. Der derart spartanisch und gleichzeitig theaterhaft in Szene gesetzte Raum hat nur eine geringe Bildtiefe, weshalb der Webster, wie bei einem Zaubertrick auf einer schmalen Bühne, vor der in Lokalfarben gehaltenen Kulisse zu schweben scheint. Damit erinnert Hockneys Schöpfung an seine Theaterentwürfe für zahlreiche Opernhäuser, darunter eben auch an die Arbeiten für das Royal Opera House.

Mit den Reflexen der metallenen Stuhlbeine und der Glasplatte, den zart gemalten Tulpen und der authentischen Wiedergabe des Anzugstoffes spiegle das Bild den Gipfel von Hockneys realistischer Phase, so Katharine Arnold, Vizechefin der Abteilung „Post-War and Contemporary Art Europe“ bei Christie’s. Im November 2018 erzielte der Auktionsgigant bei der Versteigerung von Hockneys „Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)“ einen Rekordpreis von netto 80 Millionen US-Dollar. Damit war der britische Maler der bestbezahlte lebende Künstler, bevor er im vergangenen Jahr wieder von Jeff Koons überrundet wurde.


13.10.2020

Quelle: Kunstmarkt.com/Hans-Jörg Berghammer

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