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Lebenswirklichkeiten von Harald Hauswald in Berlin

Harald Hauswald, Eythra bei Leipzig, 1986

Die C/O Berlin Foundation zeigt bis Anfang nächsten Jahres die Ausstellung „Harald Hauswald. Voll das Leben!“. Es ist die erste Retrospektive über das Werk des 1954 in Radebeul geborenen Fotografen. Ungefähr 250 Bilder vom Alltag in der DDR, die vom Ende der 1970er bis in die Mitte der 1990er Jahre datieren, haben die Kuratoren Felix Hoffmann, Ute Mahler und Laura Benz ausgewählt. Ergänzt werden die Fotografien durch Auszüge aus Hauswalds Stasi-Akten; weil der Künstler zu viele ungestellte und ungeschönte Ausschnitte des real existierenden Sozialismus schoss, wurde er von 40 Mitarbeitern der Staatssicherheit beschattet. Waren seine Bilder doch ein zu starker Kontrast zu dem Bild der DDR, das das Polit-Büro im Kopf hatte.

Heute gelten Hauswalds Werke als authentischer und unverfälschter Blick quer durch die ostdeutsche Gesellschaft: An der Bushaltestelle Wartende, über Liebespaare in einem Meer von Trabis, Demonstranten auf dem Berliner Alexanderplatz bis zu Hippies und Punks. Mit viel Empathie fing Harald Hauswald seine Mitbürger mit der Kamera in einer Umgebung ein, die immer grotesker und erdrückender wurde. Auf dem Foto „Eythra, bei Leipzig“ von 1986 sieht man, wie sich gerade eine mittelalte Dame hinter ihrem Mann auf das DDR-Kult-Kleinkraftrad „Schwalbe“ schwingt. Es wäre ihr vermutlich leichter gefallen, in ein Auto zu steigen. Beide blicken ernst nach vorne, aber trotzdem ist diesem Bild nicht eine gewisse Heiterkeit abzusprechen.

Nach seiner Fotografenlehre zog Harald Hauswald 1977 nach Ost-Berlin. Bereits Anfang der 1980er Jahre veröffentlichte er regelmäßig Fotoreportagen in westlichen Magazinen wie Geo, Stern, Zitty oder der Taz. Noch 1989 wurde er in den Verband Bildender Künstler der DDR aufgenommen, gründete mit gleichgesinnten Fotografen 1990 die Bildagentur „Ostkreuz“ und erhielt 1997 das Bundesverdienstkreuz. Seit 2007 hat Hauswald mehrere Bücher über den Alltag der DDR herausgegeben.

Die Ausstellung „Harald Hauswald. Voll das Leben! Retrospektive“ läuft bis zum 23. Januar 2021 im Amerika Haus in Berlin. Sie hat täglich von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 6 Euro. Das Buch zur Ausstellung erschien im Steidl Verlag und kostet 45 Euro.

C/O Berlin Foundation. Amerika Haus
Hardenbergstraße 22-24
D-10623 Berlin

Telefon: +49 (0)30 – 284 441 662
Telefax: +49 (0)30 – 284 441 619


14.10.2020

Quelle: Kunstmarkt.com/Hans-Jörg Berghammer

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Harald Hauswald, Konzert von Big Country, Radrennbahn, Weißensee,
 Berlin, 1988
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Harald Hauswald, Vor dem Außenministerium
 der DDR (heute Schloßplatz), Mitte, Berlin, 1984
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