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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Mit einer herausragenden Sammlung von Roentgen-Möbeln und einer Privatkollektion von Meißner Porzellan sowie Glas begeht Lempertz sein 175jähriges Jubiläum, ohne das andere vielfältige Kunstgewerbe zu vernachlässigen

Prunkstücke des 18. Jahrhunderts



Abraham Roentgen, Schreibschrank, um 1765

Abraham Roentgen, Schreibschrank, um 1765

Die zwei deutschen Ebenisten Abraham und sein Sohn David Roentgen gelten als Ausnahmeerscheinungen ihrer Zeit. Ihre Werkstatt in der kleinen Residenzstadt Neuwied erfreute sich im 18. Jahrhunderts illustrer Kundschaft. Bei den Roentgens kauften etwa Friedrich II. von Preußen oder Carl August von Sachsen-Weimar, sogar Marie Antoinette, die Königin von Frankreich, und Katharina die Große oder seit 1779 auch der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm ein. Ihren exzellenten Ruf verdankten beide ihrer qualitativ hochstehenden Arbeit. Das Auktionshaus Lempertz hat nun 16 auserlesene Werke der Möbelbauer zusammengetragen und kann damit adäquat sein 175. Gründungsjahr feiern. Allen voran steht dabei ein Schreibschrank des ausgehenden Rokoko von Abraham Roentgen der Zeit um 1765. Aufwändige Blumenintarsien verschiedener, auch gefärbter Hölzer sind das auffälligste Gestaltungselement des sonst elegant schlicht geschwungenen Möbels. Sparsam, aber gezielt aufgesetzte vergoldete Bronzebeschläge ergänzen die wohl komponierte verspielte Blütenpracht im Holz. Für das außergewöhnliche Werk hofft Lempertz nun auf einen für den aktuellen Möbelmarkt stolzen Preis von 300.000 bis 400.000 Euro.


Dass David Roentgen seinem Vater nicht nachsteht und die Manufaktur zu einem erfolgreichen Wirtschaftsunternehmen ausbaute, beweist etwa eine seiner Kommoden, die sich vom spätbarocken Stil des Vaters abhebt. In den klaren Linien der klassizistischen Formensprache fertigte er um 1780/85 das Möbel aus edlem Mahagoniholz mit dezenter Dekoration aus Perlbändern, Akanthusblättern und Rosetten (Taxe 200.000 bis 250.000 EUR). Die Roentgen-Möbeln, die Lempertz hoch gesteckt als „Fit For A King“ feilbietet, sind am 13. November jedoch nur eine Rubrik, mit die Kölner im coronabelasteten Herbst punkten wollen. Neben dem üblicherweise offerierten alten Kunstgewerbe und der ausgegliederten Präsentation der jüngeren Stücke dieses Metiers macht noch die Privatsammlung Dreßen mit Meißner Porzellan auf sich aufmerksam.

Exquisite Arbeitsplätze

Repräsentative und angenehme Arbeitsgelegenheiten haben nicht erst seit dem lockdownbedingten Homeoffice Konjunktur. David Roentgen erschloss sich das Gebiet schon im 18. Jahrhundert mit kleinen Plätzen bis hin zu großen, funktionalen und trotzdem fein gezierten Schreibtischen. Ein ovales Arbeitstischchen aus Rosenholz, Nuss, Rüster, Esche, Buchs und Ahorn um 1775/80 punktet neben der feinen Einlegearbeit einer bäuerlichen Rastszene mit seinen vielen Funktionen und Fächern (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). Im geschlossenen Zustand verdeckt bei seinem wenige Jahre jüngeren Zylinderbüro eine fernöstliche Gartenlandschaft mit sieben großen Figuren die liegengebliebenen Aufgaben und macht den in seinen Grundformen schlichten Kasten mit viel mechanisch klappbaren Stauraum ansehnlich (Taxe 180.000 bis 200.000 EUR). Auf eine adlige Provenienz schaut der um 1785 entstandene, große klassizistische Schreibtisch David Roentgens zurück, den sich Kaiser Wilhelm II. kurz nach 1918 zulegte. Auffallend ist hier das etwas hellere, gesteinsartige Thujafurnier (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). Üppiger verziert, aber aufgrund der Werkstattarbeit dennoch günstiger zu haben ist die von Johann Michael Rummer 1772 gefertigte Poudreuse (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR). Für das kleinere Budget stehen sich noch einige Schatullen Abraham Roentgens oder sein seltenes Tablett mit Rautenmarketerie bereit, deren Schätzwerte zwischen 22.000 und 45.000 Euro changieren.

Die Porzellan- und Glassammlung Dreßen

Die Leidenschaft des Münsteraner Sammlerpaars Dreßen galt vor allem dem Porzellan aus Meißen. Der Bauunternehmer Tono Dreßen schenkte seiner Ehefrau Renate vor vielen Jahrzehnten eine „Meißentasse, die so außergewöhnlich schön war, dass ich beschloss, eine kleine Sammlung aufzubauen“, beschreibt Dreßen die Initialzündung zu seiner Porzellankollektion. Diese glänzt etwa mit frühen Objekten, wie einem Kopf des Römischen Kaisers Aulus Vitellius nach einem Modell von Paul Heermann aus rotem Böttgersteinzeug von 1710/11 (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Etwas jünger ist die Ecuelle mit dem Allianzwappen der Familien Beauvau-Craon und Ligniville um 1722/25; den Dekor besorgten Bartholomäus Seuter und sein Bruder Abraham Seuter aus Augsburg (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Ein Frühwerk Johann Gregorius Höroldts für Meißen von 1723 übertrumpft diese noch an Exklusivität: Eine chinoise Teezeremonie und eine Opferszene schmücken seine lediglich in Eisenrot bemalte Teekanne für 25.000 bis 30.000 Euro. Ein Probeteller mit Muschelrelief und bunt gemalten Fischen, Krebsen und Kaurischnecken, den Johann Joachim Kändler um 1737 dem Grafen Heinrich von Brühl als einen Entwurf für sein Speiseservice vorstellte (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR), führt dann zu seinem berühmten Schwanenservice über, das mit der runden Schüssel No. 2 von 1738/39 für 10.000 bis 15.000 Euro zugegen ist.

Adelswürdige Service verfeinern das Angebot, so beispielsweise das goldene, wohl von Christian Friedrich Herold dekorierte Koppchen mit Untertasse für König Louis XV. und Maria Leszczynska um 1737 (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR) oder ein Teller aus dem Münchhausen-Service mit einem Fantasietier nach Adam Friedrich von Löwenfinck von 1745 (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Eine Tasse mit Untertasse aus dem Wappenservice für Papst Benedikt XIV. von 1741/42 ergänzt die Auswahl um die geistlichen Machthaber (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Ungefähr zur gleichen Zeit entwarfen wohl Johann Gottlieb Ehder und Johann Joachim Kändler ein leuchtend polychromes Uhrgehäuse, das eine sitzende Diana krönt (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Bei einem Walzenkrug um 1750/60 arbeiteten mehrere Künstler mit: Das Porzellan mit reliefierten Kirschzweigen stammt aus der Meißner Manufaktur, der Dekor mit vier weiblichen Allegorien der Jahreszeiten wohl von dem Hausmaler Franz Ferdinand Mayer aus dem böhmischen Pressnitz und die Vermeilmontierung von dem St. Petersburger Silberschmied Peder Karmack (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Das Ehepaar Dreßen widmete sich auch altem Glas. Ein wohl böhmischer, dicht bemalter Reichsadlerhumpen von 1601 tritt mit 8.000 bis 10.000 Euro dabei hervor. Ein niederschlesischer Deckelpokal von 1717 mit Reichsadler in einem Schnitt aus der Werkstatt Samuel Schneiders erweitert die technische Bandbreite (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Porzellan und Textil im Zusammenspiel

Porzellan spielt im Hauptkatalog des Kunstgewerbes bei Lempertz ebenfalls eine große Rolle. Neben Meißen fällt dort etwa die um 1856 etwas konservativ gestaltete „Urbino-Vase Nr. 3 mit der Muse Erato“ von KPM nach einem Modell von Julius Wilhelm Mantel aus dem Rahmen (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). In ihrer Zeit verhaftet ist eine Meißner Teekanne der Zeit um 1735/40 mit einer Komödiantenszene und in Grisaille, die Bartholomäus Seuter zugeschrieben ist und auf eine Bildfindung Jean-Antoine Watteaus zurückgeht (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Der französische Rokoko-Maler lieferte zudem das Motivrepertoire für eine Tapisserie der Berliner Manufaktur Charles Vigne mit einer Flusslandschaft, einem höfischen Liebespaar und einem Gitarrenspieler wohl aus den Jahren vor 1745 (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Dem Exotischen huldigte die Meißner Manufaktur im 18. Jahrhundert mit Johann Joachim Kändlers reich geschmücktem Paar Dromedare um 1740/63 (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), einem frühen Teller um 1728 mit Höroldt-Chinoiserien sowie einem Medaillon mit Blütenblättern der Chrysantheme und indianischen Blumen in der Spiegelmitte (Taxe 17.000 bis 20.000 EUR) oder einer Schale um 1740/50 mit roten und vergoldeten Drachen und Fenghuang-Vögeln (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Doch auch andere Porzellanorte treten noch hervor: Kelsterbach mit einer spätbarocken Tabatiere, die Friedrich Carl Wohlfahrt um 1767/68 außen mit einer Parforcejagd, innen mit dem Portrait Ludwigs VIII. von Hessen-Darmstadt bemalt hat (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR), Frankenthal mit der charmanten frühklassizistischen Puttengruppe „Die Künste auf dem Berg Parnaß“ von 1777 nach einem Modell Franz Conrad Lincks (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR), Ludwigsburg mit den jeweils zweifigurigen Pendants „Die Wahrsagerin und der Wahrsager“ von Valentin Sonnenschein um 1770 (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Eine exquisite Fayence-Sammlung aus Westfalen schließt sich an und wartet mit einer großen Kohlkopfterrine von Paul Anton Hannong aus Straßburg um 1750/54 für 8.000 bis 12.000 Euro oder einem gleichaltrigen Terrinenpaar in Gestalt zwei Auerhähne aus der Höchster Manufaktur für 12.000 bis 16.000 Euro auf. Wolfgang Rößler war in Nürnberg nicht nur als Silbermeister, sondern auch als Hausmaler tätig. In beiden Funktionen bearbeitete er einen Birnkrug der Fayencemanufaktur Hanau, malte darauf in Schwarzlot eine Flusslandschaft mit musizierenden Nymphen und Faunen und fasste das Gefäß noch mit einer Silbermontierung (Taxe 10.000 bis 15.0000 EUR). Zwei Engelshalskrüge stammen ebenfalls aus Hanau: Auf dem älteren schlingen sich in vielen Farben Blattranken mit Blüten, in denen Abraham Helmhack um 1690/1700 noch die biblische Begegnung von Rebekka und Elieser eingepasst hat (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR), die polychrome Blumenbemalung auf dem jüngeren führte um 1720 wiederum Bartholomäus Seuter in Augsburg aus (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Edle Metalle

Reich ist diesmal wieder die Ausbeute beim Silber. Unter den älteren Positionen macht ein spätgotischer norddeutscher Abendmahlskelch der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts auf sich aufmerksam, dessen Fuß der Gekreuzigte und eine Stifterin namens Margareta zieren (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Ein teils vergoldeter, deutscher oder österreichischer Renaissance-Deckelhumpen um 1580 mit Wappen und Medaillen zwischen Nelkenranken schließt daran chronologisch in musealer Qualität an (Taxe 35.000 bis 38.000 EUR). Es folgen einige Becher, etwa von Adam Hälbich aus Schweinfurt um 1600 mit einem Allianzwappen aus der Familie des dortigen Ratsherrn Willibald Schuler auf dem Boden und einem wohl etwas beriebenen Dekor von Rollwerkkartuschen auf der Wandung (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR) oder ein gleichaltriges Exemplar von dem Mainzer Erasmus Laub auf einem hohen Fuß (Taxe 16.000 bis 18.000 EUR). Köln vertritt ein Meister um 1650 mit einem weiteren Renaissance-Becher, auf den er allegorische Darstellungen der Caritas, Fides und Prudentia fein graviert hat (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Die für ihr Silberhandwerk berühmte Stadt Augsburg hat zahlreiche Artefakte vorzuweisen, unter anderem zwei vergoldete Toilettendosen von Gottlieb Satzger mit Blumen und Blattmuschen von 1749/51 (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR) und eine auf gleicher Stilhöhe des Rokoko stehende Deckelterrine von Andreas Friedrich Stemmler mit einem Présentoir von Johann Wilhelm Dammann (Taxe 10.000 bis 14.000 EUR). Noch in die Renaissance weist ein kleiner Deckelhumpen, den wohl Simon Pfanzelt um 1590 mit Architekturlandschaften zwischen Fruchtgebinden und einem Habsburger Groschen aus der Zeit Rudolfs II. auf dem Deckel geschmückt hat (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR). Rund zwanzig Jahre schuf Matthäus Seuter I. seinen Deckelhumpen mit Rollwerk zwischen Cherubköpfen und Fruchtgebinden und bekrönendem Löwen als Wappenhalter (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR). Hans Weienmayr II. nahm sich in dieser Zeit eine Birne als Formvorlage für seinen Pokal her und gestaltete den Schaft als Rebstock, an dem ein winziger Holzfäller mit Beil empor klettert (Taxe 16.000 bis 18.000 EUR). Formgleich präsentieren sich der Birnpokal samt Seelöwe als Wappentier der Patrizierfamilie Imhoff von dem Nürnberger Meister Hans Winckler um 1592/94 (Taxe 20.000 bis 24.000 EUR) und die Variante seines Kollegen Hans Emmerling von 1630/34 für die Familie Löffelholz von Colberg (Taxe 25.000 bis 28.000 EUR).

Zu diesem Komplex aus Silberpokalen Mittel- und Süddeutschlands gehört auch ein Heilbronner Akeleipokal der Forstverwaltung um 1620/30 bei, der das noch nicht aufgelöste Meisterzeichen „HH verbunden im Rechteck“ trägt (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR). Ein wenig jünger ist das hohe und schwere Augsburger Modell für den Westfälischen Frieden von Hans Endres um 1651/54 mit dem wohlmeinenden Spruch „Gott lob der uns so gütig liebt, dem Kriege wehrt und Fride gibt“ (Taxe 50.000 bis 55.000 EUR). Etwas schlichter ist der gleich hoch taxierte, stadtgeschichtlich interessante Nürnberger Pokal von Johann Holzmann um 1715/25 in Form eines Bottichs, den der Rotgerber Michael Höger anlässlich seiner Aufnahme in den Großen Rat zu Ostern des Jahres 1725 dem Ratssilber stiftete. Etwas alltäglicher im Gebrauch ist eine Abendmahlskanne um 1650, die Johann Jacob Leumann I. für Frankfurt beisteuert (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR).

Außergewöhnliche Innenausstattung

Kunst aus Stein erfreute sich in der italienischen Spätrenaissance großen Interesses. Davon legt eine im späten 16. Jahrhundert von Cosimo Castrucci geschnittene Commessoplatte mit der bunten Ansicht von Florenz aus Jaspis, Achaten und Chalcedon Zeugnis ab (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Farblich kontrastreich ist der englische Kommodenaufsatzschrank um 1720/30 mit seinem schwarze Lack, auf dem fernöstliche Gartenmotive, Architekturen, Schiffe und Figuren in Gold und Rot glänzen (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Noch mehr Exklusivität verspricht eine kleine Schreibkommode aus Schloss Versailles, die Johann Gottlieb Frost um 1785/89 mit dunklem Mahagoni-Holz in klassizistischen Formen produzierte (Taxe 45.000 bis 60.000 EUR). Frost ist auch eine Stutzuhr mit vorgestellten Halbsäulen zugeschrieben, der er noch als Mitarbeiter der Roentgen-Werkstatt in Neuwied geschaffen haben soll (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR).

Weitere Superlativen offeriert Lempertz mit dem „größten Möbel der Neuwieder Roentgen-Werkstatt“: Der um 1755 vollendete Kommodenaufsatzschrank von Abraham Roentgen zeichnet sich durch sein auffälliges Nussmaserfurnier und die in den Türen eingelegten Elfenbeinbilder aus (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Eine prächtige, in der Front konvex und konkav geschwungene Kommode mit sporadischen Elfenbeineinlagen weist in den schlesischen Kulturkreis um 1730/40 (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Noch wuchtiger präsentiert sich die bombierte Kommode wohl von dem Stockholmer Ebenisten Johan Neijber, auf deren dunklem Holz die vergoldeten Bronzebeschläge deutlich aufstrahlen (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR). Weniger massig, aber reich an Dekor ist der kleine Ziertisch, bei dem die Würzburger Werkstatt von Adam und Stephan Barth in der Mitte des 19. Jahrhunderts schon historistische Formen aufgreift und die barocke Boulle-Technik wiederbelebt (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Strahlende Natur aus Nancy

Im Bereich des modernen Kunstgewerbes bringen einige Glaslampen die Naturverliebtheit des Jugendstils zum Leuchten, etwa die orangebraune „Lampe aux fleurs de tabac“ der Daum Frères aus Nancy um 1900 (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Zum gleichen Preis ist ihr Pendant mit etwas spitzerem Schirm zu haben. Aus dem Bestand der Frankfurter Villa Clara Schumann kommt zudem noch eine matte „Vase aux scarabées“ der Daum Frères um 1905 hinzu, bei der glänzend polierte Weinblätter und drei Käfer in Herbstfarben hervorstechen (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Ein etwas jüngeres Modell des Großproduzenten aus Nancy ist in seinem braunen Kolorit schlichter; dafür tritt die umlaufende Waldlandschaft mit reliefierten Laubbäumen umso deutlicher hervor (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Doch nicht nur das Glas fängt die Natur gekonnt ein, sondern genauso das Porzellan. Hier fällt der französische Emailkünstler André-Fernand Thesmar auf, der auf dem Kunstmarkt Seltenheitswert hat und 1911 eine Vase von Sèvres stilvoll mit Blättern des Kirschlorbeer und Weintrauben verfeinerte (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Sèvres tritt nochmal mit der flachen „Vase Ruhlmann N°3 sur socle carré en bronze“ von 1927 an. Ihr schlichtes Modell dachte sich Jacques-Émile Ruhlmann, die monochrom braune Bemalung im Inneren mit stilisierten Blättern und Vögeln Maurice Gensoli aus (Taxe 8.000 bis 8.500 EUR). Das Prunkstück des modernen Kunsthandwerks bildet jedoch der elegante quaderförmige Barschrank Ruhlmanns auf dünnen verjüngten Beinen. Das Möbel aus dunklem Amaranthfurnier und weißen geometrischen Elfenbeineinlagen um 1925 lässt immerhin auf 40.000 bis 60.000 Euro hoffen. Bei mit Wein verzierter Inneneinrichtung und hochwertigen Barschränken darf ein kleiner praller Bacchus nicht fehlen, der als Bronze mit schwarzbrauner Patina nach einem Entwurf von Carl Georg Barth im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts in München gegossen wurde (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Bauhaus-Ideen spiegelt ein unikates Teeservice Theodor Boglers, bei dem sich der Benediktinermönch 1925/26 auf die Grundform des Kreises bezogen hat (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Die Rubrik rundet als eines der jüngsten Stücke der unregelmäßige Spiegel von Line Vautrin um 1965 mit einem strahlenförmigen Kranz aus Kunstharzstäben ab (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR).

Lempertz versteigert das moderne Kunstgewerbe am 12. November ab 19 Uhr. Am Tag darauf folgen um 9:30 Uhr das Meißen-Porzellan mit der Sammlung Renate und Tono Dreßen sowie das Kunstgewerbe ab 11:30 Uhr. „Fit For A King. Abraham & David Roentgen“ rundet die Auktion dann am 13. November ab 17 Uhr ab. Die Objekte können bis zum 11. November von 10 bis 17:30 Uhr und am 12. November von 10 bis 13 Uhr nach Voranmeldung besichtigt werden. Alle Lose sind zudem unter www.lempertz.com abrufbar.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



11.11.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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Kaiserlicher Schreibtisch von David Roentgen, Neuwied, um 1785

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Taxe: 150.000 - 200.000 

Losnummer: 402

Hans Winckler, Birnpokal der Familie Imhoff, Nürnberg 1592/94

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Taxe: 20.000 - 24.000 EURO

Losnummer: 982

Poudreuse aus der Werkstatt von Abraham Roentgen, Neuwied, Michael Rummer, 1772

Poudreuse aus der Werkstatt von Abraham Roentgen, Neuwied, Michael Rummer, 1772

Taxe: 120.000 - 150.000 

Losnummer: 408

Tapisserie mit Motiv nach Watteau, Berlin, Manufaktur Charles Vigne, wohl vor 1745

Tapisserie mit Motiv nach Watteau, Berlin, Manufaktur Charles Vigne, wohl vor 1745

Taxe: 10.000 - 15.000 

Losnummer: 1176

Großer Kölner Renaissance-Becher, Köln, Meister mit Hausmarke, um 1650.

Großer Kölner Renaissance-Becher, Köln, Meister mit Hausmarke, um 1650.

Taxe: 10.000 - 15.000 EURO

Losnummer: 997

Musealer Renaissance-Deckelhumpen, Deutschland oder Österreich, um 1580

Musealer Renaissance-Deckelhumpen, Deutschland oder Österreich, um 1580

Taxe: 35.000 - 38.000 

Losnummer: 980

Gottlieb Satzger, Paar Toilettendosen, Augsburg 1749/51

Gottlieb Satzger, Paar Toilettendosen, Augsburg 1749/51

Taxe: 18.000 - 24.000 EURO

Losnummer: 964

Seltene Ecuelle mit dem Wappen Beauvau-Craon/Ligniville, Meissen, um 1720

Seltene Ecuelle mit dem Wappen Beauvau-Craon/Ligniville, Meissen, um 1720

Taxe: 10.000 - 15.000 EURO

Losnummer: 605

Bedeutender Walzenkrug mit Hausmalerdekor, Meissen, um 1750/60

Bedeutender Walzenkrug mit Hausmalerdekor, Meissen, um 1750/60

Taxe: 8.000 - 10.000 

Losnummer: 606

Kommode von David Roentgen, Neuwied, um 1780 - 85

Kommode von David Roentgen, Neuwied, um 1780 - 85

Taxe: 200.000 - 250.000 

Losnummer: 405

Urbino-Vase Nr. 3 mit der Muse Erato, Berlin, KPM, um/kurz nach 1856, das Modell von Julius Wilhelm Mantel

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Taxe: 15.000 - 20.000 

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Runde Schüssel No. 2 aus dem Schwanenservice, Meissen, 1738/39,

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Losnummer: 638

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Friedrich Carl Wohlfahrt, Tabatiere mit Parforcejagd und Portrait Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt, um 1767/68

Taxe: 10.000 - 15.000 EURO

Losnummer: 838




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