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Cruzeiro Seixas ist tot

Der Surrealist Cruzeiro Seixas ist mit 99 Jahren gestorben

Cruzeiro Seixas starb am vergangenen Sonntag im Alter von 99 Jahren in Lissabon. Der Maler, Bildhauer und Dichter, der am 3. Dezember 100 Jahre alt geworden wäre, gehörte zu den führenden Figuren des Surrealismus in Portugal. War Seixas in Nord- und Mitteleuropa eher weniger bekannt, so nimmt er in der Kunstgeschichte der Iberischen Halbinsel eine besondere Stellung ein. In seiner Heimat war er als „der letzte der portugiesischen Surrealisten“ eine feste Größe. Träumerische Nachtlandschaften, anthropomorphe Gestalten, düstere apokalyptische Wesen und farbenfrohe verzauberte Bergketten säumen sein facettenreiches Werk.

Seixas, geboren als Artur Manuel Rodrigues do Cruzeiro Seixas in Amadora bei Lissabon, studierte an der Escola Artística António Arroio der portugiesischen Hauptstadt und durchlief dort eine Ausbildung im neorealistischen Stil. Gegen Ende der 1940er Jahre lernte er die Künstler Mário Cesariny und Júlio Pomar kennen, mit denen er sich gemeinsam dem zuvor in Paris entstandenen Surrealismus anschloss. „Die künstlerische Welt ist heute sehr arm im Vergleich zu dem außergewöhnlichen Moment der Neuerfindung, der während der surrealistischen Periode in Portugal in den 1940er und 1950er Jahren stattfand“, sagte Cruzeiro Seixas 2011 in einem Interview. „Wir haben den Surrealismus in der Zeit [der Diktatur] von Salazar neu erfunden, als es in Portugal nichts gab. Es gab so viel Hunger und keine Bücher. Nichts kam hierher. Aber wir waren dabei, sie neu zu erfinden.“ Obwohl er von der künstlerischen Tätigkeit in Portugal begeistert war, trat Seixas bald darauf in die Handelsmarine ein und fuhr nach Afrika.

Vom Reisefieber infiziert, fuhr er daraufhin nach Indien und den Fernen Osten und ließ sich 1952 in Angola nieder, wo er mehrere Ausstellungen veranstaltete, die die surrealistische Formensprache in Afrika bekannt machten. Nach seiner Rückkehr nach Portugal im Jahr 1964 erhielt Cruzeiro Seixas ein Stipendium der renommierten Calouste Gulbenkian-Stiftung. 1967 veranstaltete er eine Retrospektive in der Galerie Buchholz in Lissabon und eine Ausstellung mit Mário Cesariny in Porto. 1999 schenkte er seine gesamte Sammlung der Stiftung Cupertino de Miranda in Vila Nova de Famalicão für die Gründung des Zentrums für das Studium des Surrealismus und des inzwischen gegründeten Museums für Surrealismus. Hier wird auch sein Schaffen im Espaço Cruzeiro Seixas in einer Dauerausstellung präsentiert.

Bis zuletzt blieb Cruzeiro Seixas ein kritischer Geist, der sich immer wieder in den kulturellen Diskurs seiner Heimat einmischte und dazu aufrief, die Kunst nicht als Selbstverständlichkeit zu betrachten: „Der schlimmste Unsinn in der heutigen Welt – und das nehme ich Portugal sehr übel – ist, dass die Menschen denken, das intellektuelle Leben, die Kunst, die Kultur seien Nebensächlichkeiten und sollten im Hintergrund stehen.“


13.11.2020

Quelle: Kunstmarkt.com/Maximilian Nalbach

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