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Am 03.12.2020 Auktion 69: Klassische Moderne, Post War & Contemporary Art

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Sauwetter am Stachus mit Nornenbrunnen im winterlichen München / Otto Pippel

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© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


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ohne Titel / Günther Uecker

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Amazone, nach 1906 / Franz von  Stuck

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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Sotheby’s präsentierte in Paris eine Auswahl an Werken bekannter Künstler der europäischen Avantgarde bis in die Nachkriegszeit. Der kleine, qualitätvolle Querschnitt durch die Kunst der Moderne zahlte sich aus: Die Modernités erzielten den höchsten Gesamtumsatz seit Einführung der Sparte

Viele Auktionsdebütanten unter den alten Hasen



Pablo Picasso, Tête d’homme, 1940

Pablo Picasso, Tête d’homme, 1940

„Moderne Kunst“ ist eine ebenso einprägsame, wie unscharfe Bezeichnung für die avantgardistischen Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts. Die Franzosen nennen sie „Modernités“, also „Modernitäten“, und kommen des Pudels Kern damit schon näher: Der Begriff steht für Innovation, Frische und Fortschritt. Von Picasso über Klee bis Miró versammelte Sotheby’s in der Pariser Dependance Kunstwerke der bekanntesten in Europa tätigen Künstler. Die Auktion fand gemeinsam mit der Versteigerung zeitgenössischer Kunst in London als Livestream statt. So vereinten die beiden Repräsentanzen des Traditionshauses wichtige Kunstmomente des 20. und 21. Jahrhunderts. Und die sind bei Sammlern trotz hoher Preise heute sehr gefragt, wie die erfolgreiche losbezogene Zuschlagsquote von 80 Prozent in Paris bewies. Mit einem Bruttoumsatz von 23,8 Millionen Euro erwirtschaftete Sotheby’s trotz mancher schwacher Einzelresultate nach eigenen Angaben das beste Ergebnis seit dem Aufbau dieser Auktionskategorie im Jahr 2017.


Mehr als die Hälfte der Lose am Abend des 21. Oktober stammte aus der Sammlung „Un regard moderne“. 25 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen werfen einen Blick auf den anspruchsvollen Geschmack eines Privatsammlers, der seit den 1980er Jahren ein eifriger Besucher renommierter Galerien und Auktionshäuser war. Von den dadaistischen Werken Max Ernsts, die leider ein Ladenhüter waren, führt dieser über die fantasievolle Welt Mirós in eine meisterliche Traumlandschaft Tanguys. „Les Tendresses de la lueur de la lune à l’aube croisée par un bel oiseau“, so der aufschlussreiche Titel von Joan Mirós Leinwand, ist ein poetisches Malgedicht, das trotz typischer Bildelemente wie Mond und Vogel mit 450.000 Euro zwar wegging, aber hinter den Erwartungen von 600.000 bis 800.000 Euro zurückblieb. Nicht nur für Miró war Blau die Farbe der Träume, auch Yves Tanguy hüllte seine Komposition „Feu couleur no. 2“ darin ein, weil Blau für ihn die Liebe zu Meer und Natur verkörperte. Kunsthändler Pierre Matisse erstand das Werk kurz nach seiner Entstehung 1941; bisher war es noch nie bei einer Versteigerung zu sehen und spielte nun taxkonforme 1,1 Millionen Euro ein.

Vielseitig und hochkarätig repräsentiert durch Künstler wie Klee, Kandinsky oder Mueller waren auch Expressionismus und Avantgarde. Von Paul Klee gab der Sammler eine verwelkte „Spätherbstliche Pflanze“ in rot-braunem Interieur, gemalt 1934 auf besticktem Stoff, für 110.000 Euro ab (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR), während Wassily Kandinsky ein abstraktes, amöbenförmiges Aquarell in Rot und Blau von 1920 für 170.000 Euro beisteuerte (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR). Für Otto Muellers schon vielfach ausgestellte Gouache zweier charakteristischer weiblicher Akte an einem Baum wurde mit 150.000 Euro die obere Erwartung erreicht. Bei Heinrich Campendonks charakteristischem Nachtbild „20 Minuten vor 1 Uhr“, auf dem ein stilisierter Mann seit etwa 1922 unter einer Hausfront samt Uhr sitzt und mit einer Blume in der Hand auf etwas wartet, hielt sich die Kundschaft indes zurück (Taxe 650.000 bis 850.000 EUR).

Das mit 3,7 Millionen Euro ertragreichste Werk der Auktion gehörte ebenso dem „Regard moderne“ an, eine ausdrucksstarke Gouache Pablo Picassos aus der Kriegszeit. Gefertigt 1940 in Royan, spiegelt das dekonstruierte Antlitz der „Tête d’homme“ Picassos lebenslange Faszination für den Minotaurus sowie die Zerrissenheit der damaligen politischen Situation wider (Taxe 4 bis 6 Millionen EUR). Ossip Zadkines 1926 reduziert geformte Holzfigur „Nu debout“, deren gelängte Gliedmaßen der Schlankheit des zur Verfügung stehenden Holzblocks geschuldet sind, brachte die untere Schätzung von 250.000 Euro auf. In die Nachkriegszeit führte die facettenreiche Kollektion mit der Acryl-Farbexplosion „Site avec 6 personnages (E7)“ von Jean Dubuffet aus dem Jahr 1981 (Taxe 120.000 bis 180.000 EUR) und einer makellosen, glatt-glänzenden Marmorfigur eines Vogels mit kugelrunder und stolzgeschwellter Brust von Fernando Botero (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR), die jeweils für 200.000 Euro den Besitzer wechselten.

Pablo Picasso war der meistvertretene Künstler der „Modernités“. Ein weiterer männlicher Kopf, ein kubistisches Frühwerk von 1909, tauchte bisher nur zu wenigen Anlässen auf, zuletzt 1927 bei einer Auktion. Der Einfluss der maskenhaften und zerstückelten Gesichter der kurz zuvor entstandenen „Demoiselles d’Avignon“ ist hier deutlich sichtbar. Die Gouache verkaufte sich wie erwartet für 1,5 Millionen Euro. Den schnellmalerischen Spätstil weist hingegen der blaue Herrenkopf von 1963 auf, den Picasso auf eine Keramikkachel brannte. Er erzielte 80.000 Euro (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Eine erfreuliche Wertsteigerung auf 380.000 Euro erlebte sein Pastell „Violon et compotier sur un guéridon“, das zu einer Serie von abwechslungsreichen Stillleben zwischen 1919 und 1921 gehört. Picasso experimentierte in dieser Phase mit verschiedenen künstlerischen Stilen, hier Kubismus und neoklassischen Elementen, und mit der Dekonstruktion und Rekonstruktion der Form (Taxe 180.000 bis 250.000 EUR).

Francis Picabias Einfluss auf den Dadaismus ist in seinen eklektizistischen Leinwänden der späten 1920er Jahre unübersehbar: Wie auf dem „Minos“ von 1929 verwob er sich überlagernde, transparent scheinende Bildebenen miteinander, die auf andere Werke der Kunstgeschichte anspielen, und verlieh ihnen so eine neue Bedeutung. Picabias mythologisches Porträt des Königs von Kreta entstand im Auftrag des Kunsthändlers Léonce Rosenberg für dessen Pariser Wohnung und schlug mit 3,3 Millionen Euro gleich bei seinem ersten Auktionsauftritt ordentlich zu Buche (Taxe 2,8 bis 3,5 Millionen EUR). Figurativ und attraktiv präsentierte sich Picabias „La danseuse de French cancan“. Die Unbeschwertheit und erotische Frivolität, mit der die halbnackte Cancan-Tänzerin ihren Rüschenrock für den Betrachter hebt, steht im krassen Gegensatz zur Härte der Kriegsjahre, während denen viele Kabaretts geschlossen waren, weswegen der Künstler die fehlende Sinnlichkeit in sein Schaffen holte. Missbilligten Kritiker lange den Kitsch und zweifelhaften Geschmack des Ölbilds, wird Picabias Tänzerin heute als Teil einer neuen Ästhetik der 1940er Jahre anerkannt. Dafür gab es 420.000 Euro (Taxe 450.000 bis 650.000 EUR).

Zum ersten Mal versteigert wurden Paul Klees „Villen (Versinkende) und Baracken (Aufsteigende)“ im passenden Künstlerrahmen. Mit einer schillernd-gedämpften Farbpalette kombinierte der Bauhaus-Meister 1923 meisterhaft verschiedene Techniken mit abstrakter Architektur, überlappenden Formen und Poesie, was sich in 1,1 Millionen Euro niederschlug (Taxe 800.000 bis 1,2 Millionen EUR). Die surrealistischen Geister- und Totemwesen, die Wifredo Lam 1945 mit zeichnerischem Gestus auf eine titellose Leinwand bannte, überzeigten bei 260.000 Euro (Taxe 240.000 bis 280.000 EUR). Der spanische Bildhauer Pablo Gargallo dachte seine plastische Arbeit oft vom negativen Volumen her. So besteht sein nun 65.000 Euro teurer Bronzekopf der Schauspielerin, Muse und Malerin Kiki de Montparnasse von 1928 auch nur aus Teilen der äußeren Hautschicht und lässt ansonsten viel weg (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR).

Pierre Soulages sorgte mit zwei Malereien, die beide bei Sotheby’s ihr Auktionsdebüt feierten, für gute Ergebnisse. Seine „Gouache 75 x 52,5 cm, 1958“ stand zur Zeit ihrer Entstehung in der Kritik, weil sie mit der Radikalität ihrer gestischen Abstraktion den vorherrschenden neofauvistischen Stil kontrastierte. Die Papierarbeit mit schweren schwarzen Balken befand sich bis zum 21. Oktober im Besitz der Schweizer Familie, die sie 1958 direkt vom Künstler erworben hatte; nun konnte sich ein Liebhaber das Blatt erst bei 280.000 Euro sichern (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). Die kraftvollen Nicht-Formen funktionieren aber auch auf Leinwand gut: Soulages blieb mit der „Peinture 73 x 60 cm, 15 Septembre 1975“ seinem Ruf als „Meister des Schwarzen“ treu und arbeitete mit wenigen Strichen und Farben ein Spiel aus Licht, Schatten und Transparenz heraus: Mit 600.000 Euro ein Volltreffer für die schätzenden Experten (Taxe 500.000 bis 700.000 EUR). Zao Wou-Kis gestisches Landschaft aus Blau und Braun heißt schlicht „12.12.68“ und vereint Himmel und Erde mit unterschwelligem Licht und dynamischem Pinselstrich zu einem komplexen Raum, der mit 900.000 Euro an seiner unteren Taxierung von 1 Million Euro kratzte.

Farben, flirrend in- und miteinander vermischt, verwandeln sich auf Jean-Paul Riopelles Komposition von 1962 in Steine, Blut, Luft oder Kristalle. Dem kanadischen Maler ging es nicht darum, die Natur zu reproduzieren, sondern ihr Gefühl und die Lebendigkeit zu interpretieren. Hierfür gab es 400.000 Euro (Taxe 300.000 bis 500.000 EUR). Wildheit und Gewalt strahlen hingegen die kraftvollen Farben auf Kazuo Shiragas Leinwand „Chikaisei Shinsanshi“ aus: Blau und Rot, das sich mit Tiefschwarz zu einem aggressiven Braun verbindet, formen eine performative Abstraktion, die der japanische Künstler mit seinen Füßen und wilden Bewegungen auf die Leinwand brachte. Das Werk gehört zu seiner berühmten „Water Margin“-Serie, in der er das chinesische Epos aus dem 14. Jahrhundert interpretierte und die Gemälde nach Helden der Legende betitelte. Der hier angebotene „Göttliche Mathematiker“ von 1961 gehört zu den ersten Werken der Serie, weswegen sich seine hohe Bewertung durch den Zuschlag von 2,1 Millionen Euro bestätigte. Formentreu und klar umrissen hebt sich Daniel Burens gestreifte Leinwand dagegen ab. Der Franzose ist ein Vertreter der Analytischen Malerei, und Streifen wie hier in Schwarz und Weiß von 1966, die stets exakt 8,7 Zentimeter breit sind, gelten als sein Markenzeichen. Für dieses Musterbeispiel fiel der Hammer bei 360.000 Euro leicht unterhalb der Schätzung von mindestens 400.000 Euro.

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Sotheby’s Paris

76, rue du Faubourg Saint-Honoré

FR-75008 Paris

Telefon:+33 (01) 53 05 53 05

Telefax:+33 (01) 47 42 22 32



18.11.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Viviane Bogumil

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21.10.2020, Modernités

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Sotheby's

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Malerei

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Arbeiten auf Papier

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Skulptur

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Moderne Kunst

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Surrealismus

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Kubismus







Heinrich Campendonk, 20 Minuten vor 1 Uhr, um 1922

Heinrich Campendonk, 20 Minuten vor 1 Uhr, um 1922

Taxe: 650.000 - 850.000 EURO

Losnummer: 6

Daniel Buren, Peinture aux formes variables, 1966

Daniel Buren, Peinture aux formes variables, 1966

Taxe: ,- EURO

Zuschlag: 360.000,- EURO

Losnummer: 22

Paul Klee, Villen (Versinkende) und Baracken (Aufsteigende), 1923

Paul Klee, Villen (Versinkende) und Baracken (Aufsteigende), 1923

Taxe: 800.000 - 1.200.000 EURO

Zuschlag: 1.100.000,- EURO

Losnummer: 8

Francis Picabia, Minos, 1929

Francis Picabia, Minos, 1929

Taxe: 2.800.000 - 3.500.000 EURO

Zuschlag: 3.300.000,- EURO

Losnummer: 10

Jean-Paul Riopelle, Composition, 1962

Jean-Paul Riopelle, Composition, 1962

Taxe: 300.000 - 500.000 EURO

Zuschlag: 400.000,- EURO

Losnummer: 27

Zao Wou-Ki, 12.12.68, 1968

Zao Wou-Ki, 12.12.68, 1968

Taxe: 1.000.000 - 1.500.000 EURO

Zuschlag: 900.000,- EURO

Losnummer: 11

Joan Miró, Les Tendresses de la lueur de la lune à l’aube croisée par un bel oiseau, 1954

Joan Miró, Les Tendresses de la lueur de la lune à l’aube croisée par un bel oiseau, 1954

Taxe: 600.000 - 800.000 EURO

Zuschlag: 450.000,- EURO

Losnummer: 4

Jean Dubuffet, Site avec 6 personnages (E7), 1981

Jean Dubuffet, Site avec 6 personnages (E7), 1981

Taxe: 120.000 - 180.000 EURO

Zuschlag: 200.000,- EURO

Losnummer: 1

Ossip Zadkine, Nu debout, 1926

Ossip Zadkine, Nu debout, 1926

Taxe: 250.000 - 350.000 EURO

Zuschlag: 250.000,- EURO

Losnummer: 3

Yves Tanguy, Feu couleur no. 2, 1941

Yves Tanguy, Feu couleur no. 2, 1941

Taxe: 1.000.000 - 1.500.000 EURO

Zuschlag: 1.100.000,- EURO

Losnummer: 2

Pierre Soulages, Gouache 75 x 52,5 cm, 1958, 1958

Pierre Soulages, Gouache 75 x 52,5 cm, 1958, 1958

Taxe: 150.000 - 200.000 EURO

Zuschlag: 280.000,- EURO

Losnummer: 9

Pablo Picasso, Violon et compotier sur un guéridon, 1920

Pablo Picasso, Violon et compotier sur un guéridon, 1920

Taxe: 180.000 - 250.000 EURO

Zuschlag: 380.000,- EURO

Losnummer: 17




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