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Holzvogel 1990 / Doris Ziegler

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Die Modern Week bringt bei Van Ham in Köln viele Höhepunkte für unterschiedlich dicke Geldbeutel aus dem 20. und 21. Jahrhundert

Der Schaumbläschenmeister



„Monumental in den Herbst“ lautet das Motto der anstehenden Auktionen bei Van Ham. Moderne und Zeitgenössische Kunst ist eine Spezialität des Kölner Auktionshauses, zeichnet sich diese Abteilung ohnehin durch ein besonders dynamisches Wachstum aus. Top-Los unter den modernen Kunstwerken ist ein abstraktes Gemälde von Max Ernst aus dem Jahr 1961 für 100.000 bis 150.000 Euro. Zum Hingucker wird „Enseigne pour une école de moustiques“ dank eines faszinierenden Blautons, in dessen flächendeckender Tiefe sich die weißen Strukturen stilisierter Blüten verlieren und zu einer verschlüsselten und fantastischen Bildwelt verschmelzen. Für seine doppeldeutige „Mückenschule“ wandte Max Ernst eine neuartige Technik an: die Grattage, ein Durch- und Abreibeverfahren, bei dem der Zufall eine Rolle spielt. Abschließend verlieh er der Komposition durch ein rotes Liniengefüge Struktur, die man im Durcheinander der wie ein Mückenschwarm flirrenden Bildelemente auch braucht.


Marc Chagall wurde fast 100 Jahre alt und brachte sich immer wieder selbst in die Fabelwelten seines umfangreichen Œuvres ein. Auf der Gouache- und Pastellarbeit „Peintre au double profil“, die Van Ham für 80.000 bis 120.000 Euro veräußern möchte, stellte sich 1977 der damals schon betagte Universalkünstler selbst als doppelköpfiges Wesen dar, zugleich Mensch und Tier. Die Malerinsignien Palette und Pinsel illustrieren seinen Werdegang. Mit farbenfrohem und dick geschwungenem Strich reiht sich die kleine Papierarbeit ein in die poetische Bildsprache des von russischer Volkskunst beeinflussten Chagall. Paul Kleinschmidt inspirierte hingegen das schillernde Nachtleben der Großstadt. Seine bildfüllende „Gähnende Dame“ von 1937 gehört einer Kapelle an, wie Schellenbaum und Notenblätter erkennen lassen, und hat gerade Pause. Im Gegensatz zu Kollegen wie Dix oder Grosz übt Kleinschmidt mit seiner üppigen Frauenfigur im glänzend-grünen Minikleid jedoch keine Sozialkritik, er genoss diese Szenen einfach (Taxe 43.000 bis 50.000 EUR).

Bekannte Namen und viel Picasso bei der modernen Kunst

Charakteristische Interpretationen des Menschen waren das Ziel Karl Hofers. Am besten präsentiert sich dieses Sujet in Figurenbildern wie „Bei der Toilette“ von 1948, das zwei junge Frauen, eine bekleidet, eine als Akt, vor weitgehend unbestimmtem Raum vorstellt. Komplementärfarben und die Abkehr vom Betrachter sorgen für Ruhe, die stereotype Wiedergabe und das stumme Beisammensein schaffen Expressivität (Taxe 45.000 bis 55.000 EUR). Werner Scholz, ebenfalls ein Vertreter des Expressiven Realismus, wirft mit seinem bedrückenden „Mord“ einen kritischen Blick auf gesellschaftliche Verhältnisse. Gedämpfte Farben unterstützten die Melancholie und Einsamkeit, die seine am Boden liegende, blutende Frau und der von ihr abgewandte Mann ausstrahlen (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Die Frau als attraktiven Akt feiert hingegen Pablo Picasso auf einer Tuschefederzeichnung, die einer 180teiligen Serie aus dem Winter 1953/54 angehört und vermutlich seine junge Geliebte Jacqueline Roque mit ihrem Hund darstellt; keine andere Frau hat Picasso öfter in seinen Werken festgehalten (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR).

Derselbe Preis wird für eine kubistische „Nature Morte“ von Louis Marcoussis aus dem Jahr 1920 aufgerufen, in deren Mittelpunkt eine Ananas steht, um die Alltagsgegenstände abstrahiert und mit einer limitierten Farbpalette arrangiert wurden. Zwischen Interieur und Stillleben changiert ein mit kleinen Pinselstrichen gemaltes Ölbild von Oskar Moll. Es spiegelt in reinen und kontrastreichen, harmonisch ausbalancierten Farben einen Zimmerausschnitt mit Petunie und Skulptur am Fenster wider und bedient sich am lyrischen Erleben des Neoimpressionismus (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Christian Rohlfs schuf 1937 eine aquarellierte Rosenstudie, deren lebendige Wirkung auf das vibrierende Strichgefüge zurückzuführen ist, die die zart kolorierten Blüten durchziehen (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Die Natur war auch für Hans Purrmann eine Inspirationsquelle. Die vegetabilen Formen auf der südlichen Landschaft „Häuser umgeben von Pinien“ tauchte er Ende der 1950er Jahre wie Cézanne und Matisse in kraftvolle Farben und lichte Tonigkeit und erzielte so die für ihn typische Unmittelbarkeit, mit der man seine Gemälde erlebt (Taxe 35.000 bis 55.000 EUR).

Unter den Skulpturen ist das dunkelbraun patinierte Bronze-Rehpaar von August Gaul wohl das eleganteste Los. Es geht auf Entwurfsmodelle für ein Denkmal zurück, das Gaul 1913 für ein Denkmal seines Kollegen Walter Leistikow in Berlin plante, jedoch nie realisierte (Taxe 14.000 bis 16.000 EUR). In Köln wird zudem ein in Bronze gegossenes Selbstbildnis von Käthe Kollwitz für 15.000 bis 20.000 Euro veräußert, das das einzige dreidimensionale Selbstporträt der Expressionistin ist. Als müde dreinblickende Dame ist sie von Falten gezeichnet. Es brauchte zehn Jahre, bis Kollwitz ihr Wesen für sich zufriedenstellend in das Material bannen konnte. Entscheidungsfreudiger war da Pablo Picasso, der mit großem Ideenreichtum eine Vielzahl an Keramiken produzierte, von denen bei Van Ham einige unter den Hammer kommen. Die interessanteste Arbeit: ein Steingut-Krug mit Henkel aus dem Jahr 1969, den ein großes Antlitz mit großen türkisfarbenen Augen und einer schwarzen Nase ziert (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Anfassen erwünscht bei Botero und der Post War-Kunst

Fernando Boteros voluminöser Stil ist weltberühmt, und seine Werke sind immer Highlights auf dem deutschen Kunstmarkt. Der Kolumbianer dominiert die Abteilung „Post War“ mit zwei überlebensgroßen Skulpturen, die von seinem Interesse an Masse und Form, deren Beziehung zum sie umgebenden Raum und seiner Leidenschaft für das Monumentalisieren des Alltäglichen künden: Das dreidimensionale „Stillleben mit Wassermelone“ von 1976/77 für 150.000 bis 200.000 Euro stellt statt üppigen menschlichen Figuren pralle Früchte, Flaschen und Kannen auf einem Tisch in den Mittelpunkt; die Plastik „Bird on a column“ ist eine über zwei Meter hohe und goldglänzende Bronzesäule, die sich nach oben wellenförmig verjüngt und auf deren Spitze ein kugelrunder Vogel thront, der diesen Winter lieber die Finger vom Futter lassen sollte (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR).

Federleicht schwebt Norbert Krickes „Raumplastik“ über ihrem Basaltsockel. Gefertigt aus silbern bronzierten, zarten Edelstahlstreifen schuf Kricke mehr eine plastische Zeichnung als eine massive Skulptur. Ihn interessierte nicht das Volumen, sondern die Konstruktion (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Wie bei ihm steigt auch das Preisniveau für Arbeiten von Mary Bauermeister kontinuierlich. Die mit optischen Linsen bestückten Objektkästen zählen zu ihren begehrtesten Werken. „Chinese Flowers“ hält gleich zwei Wimmelbilder bereit: filigrane Alltagsszenen in Schwarz auf weißem Grund und Schriftfolgen mit kleinen Weisheiten auf der einen Seite, die andere ist von gelb-orangefarbenen Porträts übersäht, die sich zu blumenartigen Formen zusammenfügen (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR). Eindeutig identifizierbar ist Carlos Cruz-Diez’ „Schwimmende Chromostruktur“, die mit einem signierten Entwurf aufwartet – oder doch nicht? Der venezolanische Künstler verschrieb sich der kinetischen Kunst und den Qualitäten des Kolorits spielt beim Schiffsmodell eines Stückgutfrachters mit optischen Täuschungen und farblichen Illusionen (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

„Ich im Pantheon“, so der Titel eines dreiteiligen Bronze-Unikats von A.R. Penck aus dem Jahr 1995, bleibt seinem unangepassten Stil aus Strichmännchen und komplexer Bildsprache im Bildhauerischen treu. Das archaische Piktogramm ist für 40.000 bis 60.000 Euro zu haben. Adolf Luther experimentierte bei seinen Objekten mit Licht, Energie und Spiegelung und war dabei sehr produktiv, wie mehrere Lose in dieser Auktion beweisen, allen voran ein ästhetisch-sphärisches Spiegel-Streifen-Objekt für 25.000 bis 35.000 Euro. Luther stellte oft mit ZERO-Künstlern wie Günther Uecker aus. Dieser kreierte 2002 mit „Bunker“ eine Interpretation der Erfahrungen auf dem Golfplatz mit Hindernissen aus gebogenen Nägeln, Golfbällen und Sand. Mal sehen, ob der Schätzung von 100.000 bis 150.000 Euro ein Birdie gelingt oder doch nur ein Bogey! Sport ist Tom Wesselmann egal, bei seinem „Steel Drawing/Sitting Nude Edition“ geht es nur um die Reize des weiblichen Körpers und darum, sie ins beste Licht zu rücken. Das gelingt ihm mit bunter Emaille auf ausgeschnittenen Stahllinien für 40.000 bis 60.000 Euro.

Neben Objekten prägen die Post War-Auktion auch Gemälde. Bereits im Frühjahr brachte Van Ham Papierarbeiten aus der Serie „Triebkräfte der Erde“ von Fritz Winter erfolgreich unter die Sammlerschaft, und auch der Herbst hält spannende Positionen des Künstlers bereit. Das Werk „Planung“ von 1954 ist ein wunderbarer Beleg für Winters abstrakten gestischen Formenreichtum (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). In seinem Spätwerk ist die Bauhaus-Ausbildung nicht mehr zu erkennen, „Die Sturmvögel“ von 1961 verdeutlichen mit ihrem reduzierten, gleichwohl dynamischen Zusammenspiel aus Farbe, Linie und Form vielmehr die Hinwendung zum Informel (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Deren deutscher Hauptvertreter Karl Otto Götz schuf mit „Claudia“ 1993 eine großformatige, blau-schwarze Farbwoge, die mit ihrer schnellen Malweise und kraftvollen Rakeltechnik typisch für ihn ist (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Noch ein hoffnungsvoller Rückblick in die Frühjahrsauktion: Nachdem Sol LeWitts „Cube (B)“ für netto 110.000 Euro bereits einen Käufer fand, steht mit „Cube (A)“ nun das kunterbunte und dynamische Pendant aus dem Jahr 1994 für 100.000 bis 150.000 Euro zum Verkauf. Dasselbe Preisschild verpasst Van Ham einem dreiteiligen Liebesgeständnis an das Quadrat, besser gesagt zur Form im Allgemeinen: „Bank Holiday“ von Imi Knoebel. In feinster minimalistischer Manier wird erst bei genauerem Hinsehen deutlich, welche Vielschichtigkeit die monochrome Arbeit aufweist und was sie überlagert. Grafische Formen liebte auch Walter Dexel, der als Wegbereiter des Konstruktivismus gilt und mit der „Komposition Serie XXVII Nr. 9“ demonstriert, dass Schwarz eine facettenreiche Farbe ist. Durch die gekonnte Platzierung weißer Flächen und farbiger Akzente, vor allem leuchtendes Hellrot, erhält die rechtwinklige Flächenkonstruktion eine besondere Leuchtkraft. Außerdem spielt Dexel durch den Einsatz eines matten und eines glänzenden Tons mit der Wahrnehmung (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).

Richard Lin war ein britisch-taiwanesischer Vertreter der Minimal Art. Bei „Early Spring“ ist in der Anordnung gelber Rechtecke eine subtile Tiefenwirkung erkennbar, seine Ausbildung in Kalligrafie findet sich in der Präzision des Farbauftrages wieder, und die Abstufung der Weiß-Töne fußt auf der Beschäftigung mit Harmonielehre, die der fernöstlichen Tradition verhaftet ist (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Ganz anders Ernst Wilhelm Nays mythisches Tierbild „Elch und Elchkuh“ mit seinen schwarzen Konturen und dick aufgetragenem Rot und Braun. Nay löste sich vom Naturvorbild und suchte verborgene Chiffren, die er in geometrische Formen aufsplitterte (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR). Während der Hahn mit Dirigentenstock auf Jörg Immendorffs „Der Dogmatiker“ von 1989 unter wilden Krakeleien erkennbar ist (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR), erschließt sich Markus Lüpertz’ Monumentalgemälde erst dank des Titels: „Männer ohne Frauen. Parsifal“ setzt sich symbolbeladen und in gedeckten Farben mit der Sagenwelt Wagners auseinander (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Fotorealistisch mutet die Leinwand von Kim Tschang-Yeul an. Geprägt von der amerikanischen Pop Art machte der koreanische Maler die kristallin-reinen Wassertropfen darauf zu seinem Markenzeichen, die er selbst übrigens nicht als realistisch, sondern als idealistisch beschreibt (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Bezahlbare Zeitgenossen und beeindruckender Fotorealismus

Die Contemporary Art wartet erfreulicherweise mit vielen Arbeiten zu moderaten Preisen auf – und mit einem Unikat von Wolfgang Tillmans, das die Offerte preislich nach oben abschließt. Auf 100.000 bis 150.000 Euro schätzen die Kölner Experten die Bedeutung seiner Fotoarbeit „paper drop (black)“ aus dem Jahr 2001, die sich nicht nur durch Größe auszeichnet. In dem C-Print und in der dazugehörigen Werkreihe untersucht Tillmans die Beschaffenheit von Papier. Weitere Highlights sind zwei thematisch und stilistisch spannende Fotografien von Thomas Ruff: „17h 51 min/-18°“ von 1991 gehört zu seiner schwarzweißen Sternenbilder-Serie und zeigt die Milchstraße mit ihrer hohen Dichte an Sternen als Sinnbild der Zeit (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR), während sich „sub 15 III“ von 2003 aus Ruffs „Substrat“-Reihe in poppigen Farben mit der Abhängigkeit von Massenmedien auseinandersetzt, Manga-Bilder multipliziert und bis zur Unkenntlichkeit manipuliert (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Den Menschen stellt Ruud van Empel in den Mittelpunkt seiner Fotografie und präsentiert bei „World #9“ von 2006 ein kleines, adrett gekleidetes, schwarzes Mädchen in einem grünen Blätterdschungel, ebenso Elger Esser, der 2005 sein Schwarzweißfoto „513 Binic“ mit einem im Bach watenden Jungen handkolorierte und ihm ein altertümliches Aussehen verlieh (Taxe je 15.000 bis 20.000 EUR).

Die Zeitgenössische Bildhauerei steuert mit Stephan Balkenhol eigentlich einen Liebhaber von Holz bei. Seine Bronzen bearbeitet er allerdings analog, und so entstehen distanzierte Stereotypen, frei von persönlicher Emotion, mit groben, zerklüfteten und farbig gefassten Oberflächen, die zum Nachdenken über die eigene Existenz anregen sollen. Sein Mischwesen „Löwenmann“ begegnet dem Betrachter mit festem Blick und einer Taxierung von 18.000 bis 24.000 Euro, während das unbekleidete Paar aus „Liegender Frau“ und „Kniendem Mann“ für jeweils 13.000 bis 15.000 Euro eher in sich gekehrt ist. Tatsuo Miyajima beschäftigt sich mit Lebenszyklen und Glaubensfragen. Als Metapher dafür dient dem japanischen Objektkünstler die blinkende Lumineszenz seiner zu Zahlen geformten Neonröhren. Die Installation „Counter me on-18“ wird nie die Zahl 0 anzeigen, sondern auf 1 zurückspringen (Taxe 16.000 bis 20.000 EUR). Konzeptkünstlerin Jenny Holzer nutzt lieber Text als Kunstform, um sich in ihren „Truisms“, Einzeilern auf LED-Leuchtbändern, mit Themen wie Politik, Gewalt oder Feminismus zu beschäftigen. Die roten Dioden ihrer unbetitelten Arbeit von 1986 lassen das Wort „Threatening“ erkennen (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Das Künstlersein reflektiert Norbert Bisky in seinem Gemälde „Colorist“ von 2010, das ein Bindeglied zwischen seiner fröhlichen Werkphase und jener mit brutalen Bildinhalten ist. Die Helligkeit des jungen Malers stören winzige Details, wie die aus seinem Mundwinkel laufende blaue Farbe (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR). Sein junger vermummter Mann auf der Arbeit „Randale State Bank“ von 2015 steht dann schon eindeutig auf der gewaltbereiten Seite (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR). Adrian Ghenie thematisiert vor allem dunkle Momente der europäischen Geschichte und den Widerspruch zwischen Wirklichkeit und Erinnerung. Für 60.000 bis 80.000 Euro gibt es von ihm ein düsteres Szenario von intensiver Farbigkeit auf Karton, das eine Farbexplosion aus Gelb-, Rot-, Orange- und Grüntönen von dem Ende einer Zivilisation erzählen lässt. Derselbe Preis und ein ähnliches Kolorit finden sich bei David Schnells Landschaft „Orange“ von 2009, die an einen goldenen Herbsttag in einer endlosen Allee erinnert. Schnell bricht das traditionsreiche Genre mit extremen Fluchtpunkten, die den Betrachter förmlich in das Bild hinein saugen. In „Old Summer Palace“ von 2003 spielt Yuan Gong mit historischen Holzschnitten und Fotos des heute zerstörten Kaiserpalasts in Peking, die er überlagert, poliert und mit Farbe fasst, um seine Besorgnis über die chinesische Gesellschaft auszudrücken (Taxe 30.000bis 50.000 EUR).

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Fotorealismus. Bereits die Frühjahrsauktion bei Van Ham hat die Kauflust an diesem Genre offenbart, das sich durch raffinierte Kompositionen und enorme Detailtreue auszeichnet. Den Höhepunkt markiert mit 80.000 bis 120.000 Euro das Gemälde „Exiting Celine. Monaco“ von Tom Blackwell. Es ist eines seiner größten und detailreichsten „Storefront“-Bilder und beeindruckt mit einer täuschend echten Reflexion der spiegelnden Schaufensterfläche. Auch die Motorradbilder „Naples Custom Chopper“ von Blackwell (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR) und „Mullins“ von David Parrish (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR) fordern mit ihren glänzenden, fast blendenden Oberflächen den Betrachter heraus, die Realität zu hinterfragen. Aufgrund seiner Komplexität ist Glas ein beliebtes Sujet, das Roberto Bernardi 2004 meisterhaft in Öl bannte und den Betrachter reizt, in die Leinwand zu greifen, um sich den eingeschenkten goldgelben Whisky zu gönnen (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Noch einen Schritt weiter geht es mit Stadtpanoramen, mit denen die Künstler ihre Meisterschaft an verschiedensten Objekten und Texturen demonstrieren, so wie Anthony Brunelli mit „Grossmunster Reflection“ (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR) oder John Salt mit „Red Mailbox 2“, für das der Brite einen Trailerpark in der Vorstadt fotografierte und dann auf der Leinwand detailgenau reproduzierte (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). In den Playboy hat es sogar schon die dunkelhaarige Nixe von Hilo Chen geschafft, der in „Bath Room-16“ von 1978 so viele Herausforderungen – Wasser, Schaumbläschen, Gänsehaut, Inkarnat, Spiegelung – meisterte, dass die Schätzung auf 7.000 bis 9.000 Euro fast schon ein Kampfpreis ist.

Die Auktionen werden von Van Ham live übertragen und starten am 2. Dezember um 11 Uhr mit der Modernen Kunst, ab 14 Uhr folgen Werke der Nachkriegszeit, den Abschluss macht die Contemporary Art. Eine Vorbesichtigung in Köln ist bis zum 30. November täglich möglich: samstags von 10 bis 16 Uhr, sonntags von 11 bis 16 Uhr und montags von 10 bis 18 Uhr. Es wird gebeten, schriftlich, telefonisch oder online mitzubieten. Eine Teilnahme im Auktionssaal ist nur nach vorheriger Platzreservierung möglich. Der Katalog listet die Objekte unter www.van-ham.com.

Kontakt:

Van Ham Kunstauktionen

Hitzelerstraße 2

DE-50968 Köln

Telefon:+49 (0221) 925 86 20

Telefax:+49 (0221) 925 86 24

E-Mail: info@van-ham.com



29.11.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Viviane Bogumil

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Fotografie

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Käthe Kollwitz, Selbstbildnis, 1926/36

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Losnummer: 17

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Christian Rohlfs, Rosenstudie, 1937

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August Gaul, Schreitendes Reh – Sicherndes Reh, um 1918

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Taxe: 14.000 - 16.000 EURO

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Paul Kleinschmidt, Gähnende Dame, 1937

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Taxe: 43.000 - 50.000 EURO

Zuschlag: 43.000,- EURO

Losnummer: 16a

Louis Marcoussis, Nature Morte á la Ananas, 1920

Louis Marcoussis, Nature Morte á la Ananas, 1920

Taxe: 70.000 - 90.000 EURO

Zuschlag: 40.000,- EURO

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