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Frontales Bildnis I.B. 1988 / Max Uhlig

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Holzvogel 1990 / Doris Ziegler

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© Döbele Kunst Mannheim


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Frau und Sohn des Künstlers am Frühstücktisch, 1920 / Eugen Spiro

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© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


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Sauwetter am Stachus mit Nornenbrunnen im winterlichen München / Otto Pippel

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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Das Kinsky hat wegen des Lockdowns seine Weihnachtsauktionen um zwei Wochen verschoben. Jetzt warten in Wien Alte Meister, Gemälde des 19. Jahrhunderts, Skulpturen, Silber, Gläser, Möbel und Netsukes in Hülle und Fülle auf neue Besitzer

Mander, s’isch Zeit!



Ferdinand Georg Waldmüller, Zwey Tiroler auf einer Berghöhe ausruhend, 1829

Ferdinand Georg Waldmüller, Zwey Tiroler auf einer Berghöhe ausruhend, 1829

Vor einer herrlichen Alpenkulisse symbolisieren die beiden Männer geradezu die Freiheit und Unabhängigkeit des stolzen Tirols. Es sind zwei gestandene Tiroler mit ihren Waffen nach der Jagd, die auf jeden Fall Andreas Hofers Aufruf gefolgt wären. Mit ihren breitkrempigen Hüten, den aufwändigen Lederhosenträgern und den prächtigen federkielbestickten Ranzen scheinen sie Mühsal und Kargheit des Lebens in den Bergen nicht zu kennen – im Gegenteil, ihre Jagdbeute deutet beinahe ein herrschaftliches Leben an. Ferdinand Georg Waldmüller setzte hier als junger Maler 1829 eine Idylle in Szene, bei der er glänzen konnte: Er demonstrierte sein Können bei der Wiedergabe von unterschiedlichen Stoffen, von Natur und Atmosphäre. Gleichzeitig bewies er durch sein Arrangement, dass er Lichtführung und jedes Genre – vom Stillleben bis zum Portrait – beherrschte. Es ist wirklich ein museales Stück, das jetzt beim Auktionshaus im Kinsky für 250.000 bis 450.000 Euro zum Aufruf kommt.


Nach der Verschiebung wegen des Corona-Lockdowns in Österreich um zwei Wochen gibt der Wiener Versteigerer nun am 15. Dezember einen tiefen Einblick in die vielseitige Kreativität der vergangenen Jahrhunderte. Neben Bildern Alter Meister und des 19. Jahrhunderts sind auch Porzellan, Glas, Silber, Skulpturen und mehrere besondere Kuriositäten zu haben, so unter anderem auch ein echter Totenschädel in einem Eisenkäfig, der aussieht, als habe man ihn gerade aus einem Folterkeller geholt (Taxe 1.000 bis 2.000 EUR). Ewigen Frühling versprechen hingegen die „Hortensien“, die Olga Wisinger-Florian typisch pastos und impressionistisch zu einem Meer von rosafarbenen und weißen Blüten auf grünem Blättergrund zusammengefasst hat. Dieses Hauptwerk von 1901 entstand bei ihrem Hauptwohnsitz in Grafenegg, wie Tagebuchvermerke nahe legen, und wird auf 350.000 bis 700.000 Euro geschätzt. Von den österreichischen Stimmungsimpressionisten stehen ihr etwa Tina Blau mit einem um 1884 flüchtig gemalten „Sommerspaziergang“ an einer Baumallee (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR), Hugo Darnaut mit einer gotischen Kirchenruine oberhalb eines Flusstals von 1876 und Alfred Zoff mit mehreren Landschaften zur Seite. Für seine „Faraglioni-Felsen vor der Küste von Capri“ braucht es nicht mehr als markante Steinblöcke und das azurblaue Meer, um ein pastoses Bild zu schaffen, das beinahe eine salzig-warme Meeresbrise verströmt (Taxe je 10.000 bis 20.000 EUR).

Kunst des 19. Jahrhunderts

Der etwas ältere Markus Pernhart steht dem mit seiner Darstellung eines Kärntner Sees nichts nach. In den 1850er Jahren malte er den Baumsolitär am Ufer mit feinem Pinsel und erzeugte eine ruhige Landschaft unter einem dramatischer werdenden Himmel (Taxe 20.000 bis 40.000 EUR). Zu den sechs biedermeierlichen Werken Pernharts in der Auktion gehören noch der Arbeitsalltag am „Hochofen von Hirt“ um 1851 (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR) oder das Panorama des Glocknermassivs vom Matreier-Törl mit einigen Jägern als Staffagefiguren und Nebelschwaden in den Tälern (Taxe 35.000 bis 70.000 EUR). Rudolf von Alt steuert ebenfalls mehrere Werke bei, darunter eine Ansicht von San Giorgio Maggiore in Venedig. Von der Uferpromenade Riva degli Schiavoni aus gesehen, bannt er die Kirche mit dem schlanken Kampanile in Öl auf die Leinwand, dass man fast vom Reisefieber gepackt wird (Taxe 35.000 bis 60.000 EUR). Der Italien-Sehnsucht frönte Alt zudem in seinen Aquarellen, etwa 1843 mit einem Blick in den Canal Grande (Taxe 20.000 bis 40.000 EUR) oder dem ein Jahr jüngeren Titusbogen auf dem Forum Romanum (Taxe 12.000 bis 24.000 EUR). Tosender als die Lagune des Mittelmeeres hat Theodor von Hörmann seinen Wasserfall am „Mühlsturzhorn am Hintersee“ im Watzmann-Gebiet angelegt und das schäumende Wasser durch eine dramatische Wolkenbindung und Lichtführung verlebendigt (Taxe 35.000 bis 50.000 EUR).

In die ruhigeren Gefilde der Tiermalerei führt Alexander Koester mit seinen „Enten im Schilfwasser“. Auf der spiegelglatten Wasseroberfläche kann die Entenfamilie sicher den Tag verbringen (Taxe 20.000 bis 40.000 EUR). Von Ferdinand Georg Waldmüller steht auch die Holztafel „Jagdhund des Grafen Esterházy“ zum Verkauf, der brav an einem Seeufer liegt und nur auf den Pfiff seines Herrn zu warten scheint (Taxe 25.000 bis 50.000 EUR). In puncto Charakterisierung eines Hundes kann die „Hexe von Harzloh“ mithalten: Mit lockerem Pinsel bannte Paul Mathias Padua 1935 den etwas skeptisch und zugleich stolz blickenden Dackel auf die nicht ganz vollendete Leinwand (Taxe 1.000 bis 2.000 EUR). Bei den Tierbildern bleibt es nicht beim „besten Freund des Menschen“, einige Werke von Wilhelm Kuhnert ergänzen den Kanon. So kann man für 14.000 bis 28.000 Euro seine eigene Menagerie um ein Rhinozeros im grünen Steppengras von 1906 erweitern.

Wer sich in Gesellschaft eines lauernden Löwen von Kuhnert für mindestens 8.000 Euro nicht wohl fühlt, dem sagt vielleicht das Damenkränzchen von Josef Gisela zu. Vier opulent gekleidete junge Frauen sitzen auf einem Balkon und scheinen mit einem für den Betrachter Unsichtbaren auf der Straße zu kokettieren (Taxe 7.000 bis 14.000 EUR). Viel ruhiger fasst Carl Moll seine Wäscherin auf. Diese hat allerdings keine Zeit zum Flirten und ist in der hellen Küche mit ihrer gelbbraunen Holzvertäfelung am Inhalt des grünen Zubers beschäftigt (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR). Gut getroffene Portraitkunst des Biedermeier gibt es von Johann Jacob Schlesinger, der 1818 den Heidelberger Mediziner und Chemiker Leopold Gmelin, einen der Begründer der Physiologischen Chemie, und seine Gattin Louise vor einem Landschaftsausblick ins Neckartal auf zwei Leinwänden verewigte (Taxe 8.000 bis 15.000 EUR).

Alte Meister

Bei den Gemälden bis 1800 dominieren vor allem Schulen und Werkstätten der großen Meister, so zum Beispiel das Bildnis eines Philosophen, das einem Nachfolger Rembrandts zugeschrieben wird. Auf der dunklen Leinwand kann man einen betagten, bärtigen Mann wahrnehmen, wie er in einem Armlehnstuhl sitzt. Dabei wird die Qualität Rembrandts, wie sich eine Person dem Licht und dem Betrachter zuwendet, übernommen (Taxe 25.000 bis 50.000 EUR). Nach Albrecht Dürer inszenierte ein Unbekannter um 1600 den heiligen Hieronymus. Stark am Kupferstich des Nürnbergers orientiert, arbeitet der Kirchenvater in einer Kammer an seiner Bibelübersetzung, während sein Symboltier, der Löwe, gelangweilt am Boden liegt (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR). Zu den Stücken, die in den Dunstkreis eines berühmten Malers gerückt werden, zählen auch eine „Heilige Nacht“ von einem Nachfolger Correggios (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR) oder eine „Pietà“ nach Annibale Carracci (Taxe 7.000 bis 14.000 EUR). Von diesen Zuschreibungen hebt sich unter anderem Lavinia Fontanas „Darstellung des Herrn“ deutlich ab. Die manieristisch leuchtenden Farben des Gemäldes lassen erkennen, dass sich die Bologneserin hier noch stark an ihrem Vater orientiert hat. Wie allerdings das kleine Jesuskind die Nähe von Maria sucht, zeugt von der dämmernden Genialität der Malerin (Taxe 35.000 bis 70.000 EUR).

Von innerer Zuneigung beseelt ist auch „Die mystische Vermählung der heiligen Katharina“, die ihr jüngerer Bologneser Kollege Domenico Maria Canuti um 1670 in ein angenehmes Spiel aus Licht und Schatten getaucht hat (Taxe 20.000 bis 40.000 EUR). Ebenso einfühlsam portraitiert Martin van Meytens d.J., der Hofmaler Maria Theresias, den Thronfolger Joseph II. In einen viel zu großen Mantel gehüllt, präsentiert der junge Erzherzog die Collane des Ordens vom Goldenen Vlies, in dessen Dimensionen der kleine Bub noch hineinwachsen muss (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR). Zu den besonderen Portraits des 18. Jahrhunderts darf ein Bildnis eines Fürsten von Georges Desmarées zählen. Der gebürtige Schwede gibt den Adeligen in einem repräsentativen blauen hermelinverbrämten Hausmantel beim Lesen eines Briefes wieder und verwendet dabei ein ansprechend warmes Kolorit (Taxe 8.000 bis 16.000 EUR). Von französischer Seite gesellt sich Jean-Baptiste van Loo mit dem einnehmenden Portrait eines Edelmanns in seiner Rüstung hinzu und hat dabei die Texturen der diversen Stoffe und Metalle trefflich herausgearbeitet.

Zu einem der Glanzstücke bei der Barockmalerei zählt die Inszenierung der Göttin Diana von Frans Francken II. Der flämische Maler huldigt in der tiefblauen Waldlandschaft an einem Fluss mit zahlreichen Nymphen und Putten den drei Facetten der Göttin: Der Jägerin, der Fruchtbarkeitsgöttin und der verzaubernden Hexe (Taxe 100.000 bis 200.000 EUR). Weit profaner, aber nicht weniger interessant ist die „Lustige Bauerngesellschaft“ seines älteren Antwerpener Kollegen Jan Massys. Bei Dudelsackmusik lässt sich einer der drei zechenden Kartenspieler nur zu leicht von einer belustigten Frau ablenken und zieht sie weinselig an sich. Sein Kumpan verdeutlicht mit seinem Fingerzeig auf die Schamkapsel die Hintergedanken des Zupackenden (Taxe 30.000 bis 60.000 EUR). Wesentlich gesitteter erweist sich das Treffen Salomons und der Königin von Saba. In Kolorit und Antikenrezeption bleibt der Antwerpener Erasmus Quellinus II. seinem ehemaligen Meister Peter Paul Rubens verbunden. Wie schüchtern Quellinus die Protagonisten interagieren lässt und wie er die Figuren in einer Raumebene anordnet, beweist allerdings, dass er von seinem Lehrherrn weit entfernt war. Im April 2017 beim Kinsky schon einmal für 20.000 Euro versteigert, sollen jetzt mindestens 50.000 Euro auf der Rechnung stehen.

Das Highlight bildet die biblische Historie „Moses schlägt Wasser aus dem Felsen“, eine feinmalerische Zusammenarbeit von Jan Brueghel d.Ä. mit Hendrik van Balen d.Ä. auf kleiner Kupferplatte. Während auf der linken Seite noch über das in der Bildmitte stattfindende Wunder diskutiert wird, erfreuen sich die Menschen rechts am kühlen Nass und stillen ihren Durst (Taxe 250.000 bis 500.000 EUR). Von seinem Sohn Jan Breughel d.J. und einem Nachfolger Balens listet der Katalog zudem eine „Allegorie der vier Elemente“. Man sieht Ceres, die lagernde Mutter der Natur, neben der Amphitrite mit einer Muschel steht und Flora als Rückenakt am Boden sitzt. Von Wolken umgeben, schweben Personifikationen von Luft und Feuer im Himmel, während im Hintergrund ein Vulkan ausbricht. Auf dem Bild liegen die Früchte der Erde und machen es zu einem Sinnbild des Überflusses, der bei passendem Zusammenklang der Elemente entsteht (Taxe 80.000 bis 150.000 EUR). Ebenfalls mit versteckter Bedeutung ist der Entwurf für den Bühnenvorhang des Alten Burgtheaters am Wiener Michaelerplatz von Friedrich Heinrich Füger aufgeladen. Der Direktor der Wiener Akademie setzt hier einen vergeistigt nach oben blickenden Apoll in den Mittelpunkt. Als Hirte des Königs Admetus lehrt er dem einfachen Bauernvolk die hohe Kunst des Gesangs. Ganz verzückt lauschen die Schäfer und Nymphen in der Idylle dem Gott der Musen (Taxe 12.000 bis 20.000 EUR).

Skulpturen, Antiquitäten und der Ferne Osten

Die kunsthandwerklichen Gegenstände aus alter Zeit folgen im Kinsky am 16. Dezember. Los geht’s mit dem Glas, bei dem ein von Ignaz Preissler um 1720 in Schwarzlot bemalter Trichterpokal mit Rankenwerk, galoppierenden Reitern und dem Wappen des Grafen Johann Leopold von Paar für 15.000 bis 30.000 Euro herausragt. Zwei um 1700 gefertigte bernsteinfarbene nüchterne Branntweinflaschen aus Kramsach in Tirol mit Parallelrippendekor waren dagegen für den Alltag bestimmt (Taxe 7.000 bis 14.000 EUR und 10.000 bis 20.000 EUR). Hohen dekorativen Ansprüchen genügten dann wieder zwei von Philippe-Joseph Brocard am Ende des 19. Jahrhunderts gestaltete Vase mit ihrer orientalisch inspirierten Emailmalerei. Sie gehen zu den gleichen Preisvorstellungen wie die Branntweinflaschen ins Rennen um die Gunst der Bieter.

Auf einem Nürnberger Enghalskrug, datiert auf das Jahr 1704, und seiner weißen Fayenceglasur prangt frontseitig das Wappen der dortigen Patrizierfamilie Kreß von Kressenstein in Blau (Taxe 10.000 bis 18.000 EUR). Johann Friedrich Straub hat sich um 1680 bei einem silbernen Kugelfußbecher viel Mühe gegeben und die vergoldete Wandung sowie den Deckel mit einem filigranen floralen Silbernetz überzogen (Taxe 5.000 bis 8.000 EUR). Die ältesten Objekte beim Porzellan datieren in die 1730er Jahre und stammen noch aus der Manufaktur von Claudius Innocentius du Paquier, etwa zwei Steckvasen mit je drei Hälsen und einer Bemalung von Chinesen bei verschiedenen Tätigkeiten (Taxe 5.000 bis 10.000 EUR). Zahlenmäßig dominiert die Kaiserliche Porzellanmanufaktur Wien, unter anderem mit einer Aufsatzschale von 1828, die mit Dorf- und Ruinenlandschaften verziert ist (Taxe 2.500 bis 5.000 EUR).

Ein großer italienischer Bronzemörser des 17. Jahrhunderts, auf dem der Bibelspruch „In te Domine speravi“ steht, soll 14.000 bis 28.000 Euro einbringen, eine Nürnberger Zinnschraubflasche, die Jobst Sigmund Geisser 1681 fein mit Blüten, Blättern, Kränzen, Figuren und Wappen graviert hat, 2.500 bis 5.000 Euro. Prächtig nimmt sich ein deutscher, wohl sächsischer Deckelhumpen um 1700 aus. Auf der Wandung aus dunkelgrünem Serpentin leuchtet die vergoldete Silberfassung effektvoll auf (Taxe 12.000 bis 20.000 EUR). Eher volkstümlich wird es mit einer Salzburger Schnupftabakdose von Ende des 18. Jahrhunderts aus Steinbockhorn mit ihren darin geschnitzten Jagdszenen (Taxe 3.500 bis 7.000 EUR). Für Heimatmuseen ein Muss sind die 22 Zunftzeichen und Aushängeschilder aus dem 18. und 19. Jahrhundert. So zeugen neben den Zeichen der Wagner, der Schmiede, der Wachszieher und Brauer zwei gekreuzte Fische mit einer Tafel davon, dass es früher genügend Binnenfischer gab, die in einer Zunft organisiert waren (Taxe 3.000 bis 6.000 EUR).

Wie bei den Gemälden der Alten Meister lassen sich mehrere Skulpturen mit klangvollen Namen in Beziehung setzen. Da wäre zum einen eine Verkündigungsgruppe, die im Umkreis von Erasmus Grasser um 1500 gefertigt wurde. Maria und der Engel Gabriel haben beide ihre ehemals eingesetzten Hände verloren. Zudem legen die flachen Falten von Gabriels Gewand nahe, dass beide gut 80 Zentimeter hohen Lindenholzfiguren gefasst gewesen sein könnten (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR). Eine noch bemalte zarte Anna Selbdritt-Gruppe lokalisieren die Experten in der Nähe des im Salzkammergut tätigen Lienhard Astl um 1520 (Taxe 25.000 bis 50.000 EUR). Die höchste Schätzung dieses Segments von 25.000 bis 50.000 Euro verzeichnen zudem acht Apostelfiguren. Ohne Attribute sind die meisten ab dem Oberschenkel abgeschnitten; nur einer steht mit den Füßen fest auf dem Boden. Durch ihre dramatisch bewegten Gesichter und ihre expressiven Gesten verdeutlichen sie Überraschung und betonen die Vertikale. Es liegt daher nahe, dass sie ursprünglich für eine Himmelfahrt Mariens gedacht waren. Urheber der original gefassten, um 1630 datierten Figuren soll die florierende Werkstatt der Bildhauerfamilie Zürn aus Oberschwaben gewesen sein.

Auf den oberbayrischen Barockbildhauer Lorenz Luidl verweist eine um 1710 bewegt ausformulierte heilige Katharina mit ihrem Attribut des Schwerts (Taxe 5.000 bis 10.000 EUR). In der Werkstatt Ignaz Günthers ist um 1760 ein Engelskopf über Wolken geschnitzt worden. Denn das Köpfchen zeigt die typisch leicht längliche Gesichtsform und halb geschlossene Augen, die man bei dem Münchner oft findet (Taxe 2.5000 bis 5.000 EUR). Zwei weiß gefasste, anbetende Engel mit vergoldeten Flügeln und rockartigem Gewand, das nur bis zur Taille reicht, deuten auf einen Künstler im Umfeld des frühklassizistischen Würzburger Hofbildhauers Johann Peter Wagner hin (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR). Auf gleicher Stilhöhe stehen zwei detailreich und erzählerisch gefertigte Relieftafeln von der „Taufe Christi“ und der „Bergpredigt“, bei denen die Hand von Johann Georg Schwanthaler als sicher gilt (Taxe je 5.000 bis 10.000 EUR).

Immer noch skulptural gedacht, aber für eine Funktion vorgesehen ist ein Girandolenpaar von Josef Ulrich Danhauser um 1800: auf Löwentatzen, Adlerfüßen und einer Vase steht eine Frau in antikem Gewand, die auf ihrem Kopf die geschwungenen Leuchtarme trägt (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR). Auf architektonische Elemente griff der Belgier Léon Bressers 1892 zurück und entwarf eine silberne und vergoldete Turmmonstranz im neogotischen Stil mit Strebewerk, Fialen, Maßwerkfenstern und figürlicher Zier (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR). Fernöstliche Schnitzkunst bildet mit einer Netsuke-Sammlung den Abschluss der Auktion. Besonders kurios sind dabei ein kleines, liegendes Wildschwein aus Buchsbaumholz mit Hauern aus Elfenbein, eine aus denselben Materialien gefertigte Bohnenschote, die sogar signiert ist und ein kleiner Affe, der den Kopf einzieht. Alle stammen aus dem frühen 19. Jahrhundert und werden auf 1.000 bis 2.000 Euro geschätzt. Unter den zahlreichen Kagamibuta, den als kleiner Napf gestalteten Netsuke mit einem Deckel aus verziertem Metall, sticht besonders ein bunt mit Tusche bemaltes Exemplar hervor: Auf dem Relief pickt ein Hahn zwischen den Blumen nach Körnen. Ein altes Sammlungsetikett enthüllt, dass dieses Stück bereits mehrere Besitzerwechsel hinter sich hat; wer weiß, wie seine Geschichte nach der Auktion im Kinsky weitergehen wird (Taxe 1.000 bis 2.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 15. Dezember um 15 Uhr mit den Alten Meister, um 17 Uhr folgen die Gemälde des 19. Jahrhunderts. Am 16. Dezember stehen ab 14 Uhr die Antiquitäten auf dem Programm. Die Vorbesichtigung ist bis zum Auktionsbeginn täglich von 10 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 17 Uhr möglich. Der Internetkatalog ist unter www.imkinsky.com abrufbar.

Kontakt:

im Kinsky - Kunst Auktionen GmbH

Freyung 4

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 532 42 00-9

Telefon:+43 (01) 532 42 00

E-Mail: office@imkinsky.com



10.12.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Jörg Berghammer

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15.12.2020, Alte Meister - Gemälde des 19. Jahrhunderts

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Johann Georg Schwanthaler, Bergpredigt, um 1790

Johann Georg Schwanthaler, Bergpredigt, um 1790

Taxe: 5.000 - 10.000 EURO

Zuschlag: 6.000,- EURO

Losnummer: 772

Martin van Meytens d.J., Erzherzog Joseph II. als Kleinkind, um 1743/44

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Taxe: 15.000 - 30.000 EURO

Losnummer: 62

Johann Georg Schwanthaler, Taufe Christi, um 1790

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Taxe: 5.000 - 10.000 EURO

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Erasmus Grasser Umkreis, Mariä Verkündigung, um 1500

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Taxe: 15.000 - 30.000 EURO

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Netsuke als Wildschwein, Japan, um 1800

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Taxe: 1.000 - 2.000 EURO

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Martin Zürn Werkstatt, 8 Apostelfiguren, um 1630

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Taxe: 25.000 - 50.000 EURO

Losnummer: 771

Ignaz Preissler, Trichterpokal mit Reitern und dem Wappen von Johann Leopold Graf von Paar, um 1720

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Taxe: 15.000 - 30.000 EURO

Losnummer: 521

Stammtischzeichen der Fischer-Bruderschaft, 1. Hälfte 19. Jahrhundert

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Taxe: 3.000 - 6.000 EURO

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Deckelhumpen, Sachsen, um 1600

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Taxe: 12.000 - 20.000 EURO

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Losnummer: 647

Markus Pernhart, Glocknermassiv vom Matreier-Törl

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Taxe: 35.000 - 70.000 EURO

Zuschlag: 55.000,- EURO

Losnummer: 256

Olga Wisinger-Florian, Hortensien, 1901

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Taxe: 350.000 - 700.000 EURO

Losnummer: 398

Philippe-Joseph Brocard, Vase, Ende 19. Jahrhundert

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Taxe: 7.000 - 14.000 EURO

Losnummer: 557

Aufsatzschale mit Vedutenmalerei, Kaiserliche Porzellanmanufaktur Wien, 1828

Aufsatzschale mit Vedutenmalerei, Kaiserliche Porzellanmanufaktur Wien, 1828

Taxe: 2.500 - 5.000 EURO

Zuschlag: 2.500,- EURO

Losnummer: 627




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