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Stuttgart widmet sich seiner Weißenhofsiedlung

Neues Wohnen für eine neue Zeit



Siedlung am Weißenhof

Siedlung am Weißenhof

„Wie wohnen?“ - eine Frage, die im Zeitalter der Individualisierung Teil jeder Lebensphilosophie ist. „Schöner Wohnen!“ - da sind sich Printmedien und asiatische Lebensweisheiten wie „Feng-Shui“ einig. Vielleicht begann alles vor gut 75 Jahren. Eine Gruppe von Künstlern und Architekten setzte sich zusammen und versuchte eine Lösung für das bestmögliche Wohnen zu gestalten. Mit Plakaten, die überdekorierte, überfüllte und dunkle Wohnungen zeigten - signalrot durchkreuzt - bezogen sie Stellung als Gegner der bis zum Ende des Ersten Weltkriegs die Wohnverhältnisse bestimmenden historisierenden Stilarchitektur. Zugleich warben sie für das Ergebnis ihrer Arbeit: „Die Wohnung – Werkbundausstellung Juli–Sept. 1927 Stuttgart“.



Kernstück der damaligen Ausstellung war die Weißenhofsiedlung auf dem Stuttgarter Killesberg. 17 Architekten - darunter so weltbekannte Namen wie Mies van der Rohe, Walter Gropius, Hans Scharoun, Bruno Taut und Le Corbusier - bauten Häuser, die alle einer gemeinsamen Vorstellung vom optimalen Wohnen entsprachen. „Funktionalität“ wurde zum Schlagwort, das Adjektiv „neu“ zu einem Schlüssel für eine bessere Zukunft. Die frisch gegründete Republik sollte in der Architektur ihre Entsprechung finden. Eine neue Formsprache, neue Bautypen und Raumkonzeptionen wurden präsentiert und symbolisierten den Bruch mit der Vergangenheit. Die äußere Form entsprach der inneren Funktion in jeder Hinsicht.

Durch die infolge des Krieges völlig veränderten gesellschaftlichen Strukturen hatten die Architekten zusätzlich eine neue „soziale Verantwortung“. Sie selbst verstanden es als Aufgabe, die Wohnsituation der Bevölkerung entsprechend den hygienischen Forderungen durch gute Innenbelichtung und Raumbelüftung zu verbessern. Ergebnis waren unter anderem grössere Fensteröffnungen und ausreichend Freiplätze unter offenem Himmel, nicht selten auf dem neuen Flachdach.

Voraussetzung der Architekturrevolution waren die technischen Innovationen dieser Zeit, die erste zukunftsweisende Konstruktionsverfahren ermöglichten. Die Entwicklung des Stahlskelettbaus erlaubte es, tragende und nichttragende Elemente zu trennen, was den Einsatz grosser Glasflächen erlaubte. Die wirtschaftliche Not der Zeit verlangte ökonomisches Bauen. Serienmäßig konstruierte Fertigteile aus allen Materialbereichen ermöglichten funktionale Arbeit und bedeuteten Verzicht auf jegliches „Geschnörkel“.

Bis heute ist die Weißenhofsiedlung ein Denkmal für die Anfänge moderner Architektur. Was heute jedem Architekturstudenten als planerischer Grundsatz gelehrt wird, wurde damals als neue Entwurfsnorm bestimmt. Was einst im Dritten Reich als „Araberdorf“ verschrien und zum Abriss freigegeben worden war, ist jetzt eine Pilgerstädte vieler Architekturfreunde. Dennoch ist die Siedlung in Deutschland und selbst in Stuttgart kaum bekannt, obwohl sich das „Neue Bauen“ zu einer internationalen Bewegung entwickelte und die Stuttgarter Weißenhofsiedlung von 1927 ein Meilenstein auf diesem globalen Siegeszug war.

Parallel zur Weißenhofsiedlung wurden 1927 in Stuttgart in einer begleitenden Ausstellung, der „Internationalen Plan- und Modellausstellung“, die neue Architekturauffassung in einen übernationalen Kontext gestellt, um sie gegen ihre damals zahlreichen Kritiker zu verteidigen. Architekten aus 10 Ländern waren beteiligt.

Das Institut für Auslandsbeziehungen nahm die Jubiläen „75 Jahre Weißenhofsiedlung“ und „50 Jahre Baden–Württemberg“ zum Anlass, Originalpläne, -zeichnungen, -skizzen, -grundrisse, -möbel und Modelle zu zeigen. Auch heute wird parallel zu den Plänen der Weißenhofsiedlung in den Räumen der Stuttgarter Galerie die Ausstellung „Neues Bauen International 1927/2002“ gezeigt. Massgebend für die Auswahl der Modelle, war die Bedeutung der Bauten, die noch heute vor der Architekturgeschichte Bestand hat.

Die beiden Ausstellungen „Die Weißenhofsiedlung Stuttgart 1927“ und „Neues Bauen International 1927/2002“ sind bis zum 6. Oktober 2002 dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr und mittwochs von 11 bis 20 Uhr zu sehen. Zu beiden Ausstellungen ist ein Katalog erhältlich.

Kontakt:

Kunstmuseum Stuttgart

Kleiner Schlossplatz 1

DE-70173 Stuttgart

Telefax:+49 (0711) 216 78 20

Telefon:+49 (0711) 216 21 88

E-Mail: info@kunstmuseum-stuttgart.de

Startseite: www.kunstmuseum-stuttgart.de

www.weissenhof.de



23.07.2002

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Mahret Kupka

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Siedlung am Weißenhof
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Richard Döcker, Haus 21, Wohnraum
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Hans Scharoun, Haus 33, Ansicht von Norden
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Richard Döcker, Haus 21, Wohnraum

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Hans Scharoun, Haus 33, Ansicht von Norden

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