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Unter dem Titel „Schwarz Weiß & Grau“ hat die Albertina in Wien kurzfristig eine Zeichnungspräsentation anberaumt und gibt mit zeitgenössischer Kunst einen Einblick in das Medium

Licht und Schatten



Nach langer Ungewissheit und verordneter Schließung sind die österreichischen Museen wieder geöffnet. Auch wenn mancherorts kurzfristig umdisponiert und langfristig Geplantes verschoben werden musste, steht den Besucherinnen und Besuchern ein breitgefächertes Ausstellungsangebot zur Verfügung. Ein besonderes Highlight ist die Zeichnungspräsentation mit zeitgenössischen Positionen, die die Albertina anstelle der ursprünglich für Herbst projektierten Modigliani-Picasso-Schau aufgebaut hat. Unter dem Titel „Schwarz Weiß & Grau“ versammelt die Ausstellung 55 großformatige Arbeiten von insgesamt 15 Künstlerinnen, Künstlern und Künstlerpaaren und liefert den Beweis, wie reizvoll Verzicht in der Zeichnung sein kann. Doch wozu die Welt von der Farbe abstrahieren? Dieser herausfordernden Frage widmet sich die Ausstellung und gibt in ihrer über 40 Jahre bis zur aktuellsten Gegenwart gespannten Auffächerung von Kunstwerken zahlreiche Antworten.


Eine davon ist evident: eine Zeichnung, die sich auf Tonwerte zwischen Schwarz und Weiß konzentriert, schafft Klarheit über Licht und Schatten und ermöglicht eine Steigerung des Ausdrucks. Farbreduzierte Verfahrensweisen und subtile Valeurs öffnen die Augen für die Welt des Farblosen und verhelfen zur Konzentration auf das thematische Sujet. Ein melancholischer Grundton begleitet beispielsweise die Werke von Eduard Angeli, den der 78jährige Künstler vor allem durch formal-ästhetische Reduktion erreicht. Seit über 50 Jahren arbeitet Angeli konsequent an einem einzigen Thema: dem Mythos des stillen Raums. Die Melancholie als Grundstimmung begleitet seine frühen Pastelle ebenso wie die dunkel-düsteren Werke, mit denen er sich seit den 1990er Jahren vorrangig in Venedig beschäftigt. Im Werk des Österreichers sind Einsamkeit und Leere ebenso bedrohlich wie utopisch angesichts einer Gegenwart voll Zerstreuung und Lärms. Ausgehend von Fotos, mit denen Angeli auf Reisen Bauwerke und ungewöhnliche räumliche Situationen dokumentiert, erzeugt er im Atelier düstere Visionen von menschenleerer Stille. Mit Venedig konzentriert sich Angeli auf eine Stadt, die heute von Touristinnen und Touristen überschwemmt und zur Gänze kommerzialisiert ist. Motivisch zwar als Landschaften konzipiert, fungieren die Zeichnungen als allegorische Stillleben und sind angesichts der gegenwärtigen Epidemie von beunruhigender Aktualität.

Stillleben im erweiterten Sinn thematisiert auch das Künstlerduo Peter Hauenschild und Georg Ritter in großformatigen Bleistiftzeichnungen, an denen die beiden Linzer oftmals über mehrere Wochen gemeinsam arbeiten. Die Werke entstehen zwischen ihren sonstigen Projekten in Auszeiten, die sie gemeinsam im Ausland verbringen. Neben der Fotografie als Vorbild und Zwischenschritt dienen ihnen digitale Zeichenprogramme zur Konstruktion der komplexen Raumsituationen. Die wandfüllende Pastellzeichnung „Wenn das Gras kniehoch steht“ von 1989 entstammt einer kreativen Zweisamkeit in Madrid und zeigt einen aufgelassenen Friedhof. Die einstigen Spuren der Gedenkstätte sind weitgehend verschwunden, stattdessen überwuchern Pflanzen, umgestoßene Steine und auf dem Boden liegende Holzbretter die von mächtigen Baumstämmen dominierte Szene.

Die Idee einer Vorstellung von Wirklichkeit, die durch das Okular einer Kamera auf eine Papierfläche geworfen und in unzählige Striche aufgelöst wird, transferieren Peter Hauenschild und Georg Ritter auch in der vier Jahre zuvor und während eines mehrwöchigen Aufenthalts in New York gefertigten querformatigen Pastellzeichnung „Underneath“. Sie dokumentiert auf scheinbar realistische und detailgetreue Weise den desolaten Kellerraum des von ihnen für die Zeit des Aufenthalts genutzten Ateliers. Verborgen bleibt in diesem Gemeinschaftswerk die individuelle Handschrift. Details des ursprünglichen Gefüges werden im Zeichnungsprozess isoliert, um sich in neuen Zusammenhängen und Anordnungen wiederzufinden.

Dass mit Werken von Sonja Gangl, Birgit Knoechl, Ulrike Lienbacher und Florentina Pakosta auch vier Künstlerinnen Aufnahme in diese sehenswerte Schau fanden, ist eine Selbstverständlichkeit, muss aber angesichts der Ausstellungspolitik der Albertina, die noch nicht einmal ein Dutzend Personalen von Künstlerinnen seit 2003 vorweist, besonders hervorgehoben werden. Entlarvende Blicke auf männliche Machtgesten von Florentina Pakosta waren 2018 Inhalt einer Retrospektive der Albertina. Die aktuelle Schau präsentiert unter anderem ihre „Schützende Hand“, eine frühe Kreidezeichnung von 1980. In ihren nahezu klassischen, überdimensionalen Handstudien setzt sich Pakosta mit der Körpersprache und deren Ausdruckskraft auseinander. Die einzelnen Gesten erzielen in ihrer Isoliertheit eine eigene starke Wirkung: etwa eine geballte Faust als Ausdruck von Entschlossenheit, aber auch von Aggression. Gleichermaßen doppeldeutig ist die Geste der schützenden Hand, die auch als kraftvoll angespanntes Innehalten zu lesen ist.

Die in Zeichnung übersetzten Filmstills der 1965 geborenen Künstlerin Sonja Gangl waren bereits 2014 anlässlich ihrer Einzelausstellung in der Albertina zu Gast. Im Grunde ist es das finale Bild, das jeweils letzte Motiv eines Films, das die Künstlerin in ihre Zeichnungen übersetzt. In minutiöser Arbeit konzentriert sie sich auf Details und Bildausschnitte, blendet den großen Zusammenhang aus und übersetzt das Gesammelte in Zeichnungen unterschiedlichen Formats. Die gleichmäßige Schraffur und Textur der Bleistiftstriche treten in den Vordergrund und verändern den Bildtypus. Sonja Gangl geht es vor allem um den Transfer einzelner Motive und Bildelemente von einem künstlerischen Medium in ein anderes. Das Filmbild wird zum Standbild – ein dramaturgisches Mittel, das den Abschied ins Unendliche verlängert. In weiteren Zeichnungen beschäftigt sich Gangl mit den Aufgaben und Möglichkeiten des menschlichen Auges. Sie zeigt es in Großaufnahme und gibt sich mit äußerster Präzision jenen Details von Wirklichkeit hin, die sich in den Pupillen widerspiegeln.

Während Gangls Interesse bevorzugt solchen Schnittstellen gilt, die wie die Netzhaut Trennendes miteinander verknüpft oder an denen die Welt des Films als reine Illusion entzaubert wird, erweitern Fritz Panzers Drahtplastik „Hommage an Nam June Paik“ von 2010 und Birgit Knoechls von einer Ecke in den Raum wuchernder Papierschnitt „out of control_revisited the autonomy of growth_0IV“ (2006-2008/20) die Zeichnung skulptural in den Raum. Auch William Kentridge gelingt es, staunen zu machen. Setzen, Wachsen und Verwischen bestimmen den Werdegang seiner Metamorphosen. Neben gezeichneten Mischwesen aus Mensch und Maschine ist die rund achtminütige Videoarbeit „Schattenprozession“ von 1999, eine Neuerwerbung der Albertina, hier erstmals zu erleben. In seiner Animation benutzt Kentridge die Technik des Schattentheaters: anstatt mit Zeichnungen zu arbeiten, verwendet er dunkle Ausschneidefiguren, die er von links nach rechts über den Bildschirm paradieren lässt – eine emotional bewegende Schau choreografierter Figuren, die sich zur eindringlichen Hymne eines Johannesburger Straßenmusikers bewegen. Es sind ,reale‘ Personen im Wechsel mit Schattenrissen historischer Anmutung, die Kranke, Tote, Flaggen, Flugblätter, Blumen, Infusionsständer und in Kisten und Säcken verstaute Habseligkeiten vor sich hertragen, schieben oder nachziehen. Der zweite Teil des Films beginnt mit Echos militanter Toyi-toyi-Gesänge aus Südafrikas Freiheitskampf, unterbrochen von revolutionären Parolen, bevor eine bedrohliche Figur die Bühne erklimmt: König Ubu. Die groteske Gestalt ist dem Theaterstück „Ubu Roi“ von Alfred Jarry entnommen, der die Machtgier und Tyrannei seiner Figuren ins Lächerliche und Absurde zog. Kentridge hat König Ubu wiederholt aufgegriffen, um mit der Figur des korrupten feigen Despoten den Irrsinn der Apartheidpolitik zu thematisieren.

„Eine Zeichnung ist“ für William Kentridge „eine Membran zwischen der Welt, die auf uns zukommt und unserer Sicht der Welt, die wir hinausprojizieren, ein Austausch zwischen uns und der externen Realität.“ Einen vergleichbaren Ansatz verfolgt auch Rainer Wölzl, der in der Ausstellung mit fünf großformatigen Panoramen vertreten ist. Eines seiner neuesten Werke initiiert die Schau: in „Panoptikum-Zaatari“ von 2020, einem aus mehreren Einzelteilen zusammengesetzten Tableau, widmet sich Wölzl einem der weltweit größten Flüchtlingslager. Zaatari liegt in Jordanien, nur wenige Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. Seit 2012 finden dort Syrer Zuflucht vor dem Krieg in ihrem Heimatland. Mittlerweile sind es 80.000 Menschen. Für seine Kohlezeichnung adaptiert und transformiert Wölzl eine Luftaufnahme des Lagers, gibt sie reduziert in Schwarz-Weiß-Werten wieder und betont gleichzeitig die wie eine Schneise sich durch das Lager ziehende Straße, die sich als Diagonale vom linken unteren zum rechten Bildrand zieht. Das von oben gesehene Lager scheint menschenleer. Nicht ein einziges Detail gibt Auskunft über das Schicksal der hier lebenden Menschen. In der oberen Blattreihe sind Frauen, Männer und Kinder nur als dunkle Umrisse zu sehen, die sich mit wenigen Habseligkeiten auf den Weg gemacht haben. Schicht um Schicht überlagert Wölzl zeichnerische Spuren und weist damit alles Fixe von sich. In einem langen Arbeitsprozess von Zeichnen, Befragen und Ergänzen delokalisiert und entzeitlicht er die gesicherte Erzählung – genau das macht Wölzls Standpunkt aus und eröffnet auch dank der farblichen Reduktion Raum für Assoziationen.

„Panoptikum-Zaatari“ ist ein aktuelles Werk aus Wölzls langjährigem Projekt „Museum der Schatten“. Der Begriff taucht in seinem Œuvre erstmals in den 1990er Jahren auf und bezieht sich damals auf ein lithografiertes Buch, das die Jugoslawien-Kriege aufgreift. Seit den 2000er Jahren bezeichnet der Titel eine Serie meist großformatiger und aus mehreren Einzelteilen zusammengesetzter Tableaus, die motivisch auf kunsthistorische Vorbilder und Bilder des medialen Zeitalters rekurrieren und sich zeitgeschichtlichen wie gegenwärtigen sozial-politischen Themen verschrieben haben. Der Begriff des Schattens dient hierbei, wie es Wölzl formuliert, „als vielfältiger Bezugsrahmen, als Projektionsbild, als ständiger Begleiter und als Teil der Erinnerung und Aneignung“. Diesen Anspruch löst Wölzl mit vier großformatigen Kohleblättern, die als Abschluss der Ausstellung im letzten Raum präsentiert werden, mit großer Eindringlichkeit ein.

Während die Zeichnung „Gedicht I“ von 2009 dem von unten nach oben gerichteten Blick in Baumkronen folgt, es beim gleichaltrigen „Gras des Vergessens“ um Verdrängen und Erinnerung geht, bei „Der Blick“ von 2017 ums Sehen beziehungsweise wer schaut wie auf wen und auf was, bildet bei dem extremen Querformat „Die Hecke I – zur Tarnung des Krematoriums V in Auschwitz-Birkenau“ die dokumentarische Aufnahme eines KZ-Aufsehers den Ausgangspunkt. Das Foto fand Wölzl in dem Buch „Bilder trotz allem“ des französischen Kunsthistorikers und Philosophen Georges Didi-Huberman, in dem dieser die theologisch-moralisch motivierte Doktrin der Nichtdarstellbarkeit der Nazi-Massenvernichtung hinterfragt. Wölzl adaptiert die Fotografie und paraphrasiert sie zu einer sich scheinbar endlos über den Bildrand fortsetzenden Barriere. Auch die Zeichnung thematisiert die Darstellbarkeit und Nichtdarstellbarkeit der Shoa. Durch die Mehrteiligkeit der Bildelemente und die gitterartige Rasterung werden Abgrenzung und Distanz ebenso ermöglicht wie gesellschaftspolitische Reflexion, die sich nicht einem geschichtlichen Vergessen und einer visuellen Entropie der digital generierten Bilderfluten ergibt. Wölzls thematische Auswahl hat ihren Ursprung in einem Nachdenken über Macht und Unterdrückung und ihre Spielarten und Erscheinungsformen in verschiedenen Lebensbereichen. Es ist, wie Rainer Wölzl 2016 schreibt, „eine Aneignungsstrategie zwischen Aktuellem und Vergangenem, eine Konstruktion von Bildelementen, ein Spiel mit Adoption und Adaption, mit der Intention, auf verschiedenen Ebenen der Komplexität der Realität näher zu kommen.“

Die Ausstellung „Schwarz Weiß & Grau“, die zudem Arbeiten von Jim Dine, Robert Longo, Alois Mosbacher, dem Duo Markus Muntean und Adi Rosenblum, Ugo Rondinone und Max Weiler enthält, ist bis zum 14. März verlängert. Die Albertina hat täglich von 10 bis 18 Uhr unter den geltenden Abstands- und Hygieneregeln geöffnet. Der Eintritt beträgt 16,90 Euro, ermäßigt 12,90 Euro bzw. 11,90 Euro; für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren ist er kostenlos.

Kontakt:

Albertina

Albertinaplatz 1

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 534 83 199

Telefon:+43 (01) 53 48 30



21.02.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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