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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Bei den Arbeiten auf Papier war im Dorotheum vor allem die Druckgrafik gefragt. Die Zeichnungen hatten das Nachsehen

Einsamer Kaiser



Pieter van der Heyden,  Die Hexe von Malleghem, 1559

Pieter van der Heyden, Die Hexe von Malleghem, 1559

Pieter Bruegel d.Ä. war schon ein mit Fantasie gesegneter Künstler. Er bezog sich gerne auf sein Vorbild Hieronymus Bosch und schöpfte aus dem Vollen, wenn es darum ging, allegorische Werke oder Volkskultur und -leben bildlich umzusetzen. Bis in die kleinsten Details sind seine Kompositionen vollgestopft mit Symbolen und Bedeutungsträgern, so auch bei seinem Kupferstich „Die Hexe von Malleghem“ aus dem Jahr 1559, den Pieter van der Heyden für Hieronymus Cock, den wichtigsten niederländischen Verleger des 16. Jahrhunderts, grafiktauglich machte. Dort wimmelt es nur so von grotesken derben Gestalten, die unsinnigen Tätigkeiten nachgehen. Beim Dorotheum lag dieses spöttische Blatt nun in einer kolorierten Variante vor und verfehlte seine Wirkung nicht. Ein eifriger Bieter konnte seine Schaulust erst bei 20.000 Euro stillen; angedacht waren eigentlich nur 6.000 bis 8.000 Euro.


Fast Zweidrittel der Positionen wanderten in der Online-Auktion des Wiener Versteigerers in neue Hände – für Druckgrafik, Zeichnungen, Aquarelle und Miniaturen bis zur Moderne ein guter Wert. Vor allem die grafischen Blätter Alter Meister hatten es der Kundschaft angetan. Hier lag die losbezogene Zuschlagsquote sogar bei gut 84 Prozent. Schon der Auftakt mit Hans Sebald Behams Kupferstich „Der Tod und die schlafende Frau“ von 1548, auf dem das Gerippe der nackten Schönheit die ablaufende Sanduhr hinhält und ihr zuflüstert „O die Stund ist aus“, gelang dem Dorotheum bei 1.300 Euro mit Gewinnzuwachs (Taxe 800 bis 1.000 EUR). Ein erster Höhepunkt vor Bruegel war die Suite mit Arbeiten Albrecht Dürers, die bis auf 8.500 Euro für den Holzschnitt „Mariens Tempelgang“ um 1504/05 aus dem „Marienleben“ in der ersten Ausgabe vor dem lateinischen Text und auf 9.000 Euro für den innigen Kupferstich „Maria, das Kind säugend“ von 1519 kam (Taxe je 6.000 bis 8.000 EUR). Pieter Bruegel d.Ä. stellte zudem noch seine weite Weltlandschaft „Der heilige Hieronymus in der Wildnis“ zur Verfügung, gedruckt um 1555/56 wiederum bei Hieronymus Cock in Antwerpen, und erreichte damit die obere Erwartung von 4.000 Euro.

Dann kam schon Rembrandt an die Reihe, der 22 seiner 24 Positionen abgab. Auf freudige Gegenliebe stießen sein „Selbstbildnis mit federgeschmücktem Barett“ von 1638 (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR) und das Bildnis des ruhig sitzenden Amsterdamer Graphikhändlers „Clement de Jonghe“ in weitem Mantel von 1651 für jeweils 6.000 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR) sowie seine biblische Radierung „Joseph erzählt seine Träume“ von 1638 bei ebenfalls taxgerechten 8.500 Euro. Jeweils um 500 Euro zulegen konnten die neutestamentliche Szene „Christus und die Frau von Samaria unter Ruinen“ auf 6.000 Euro und die Charakterstudie „Der Perser“ auf 5.500 Euro. Den größten Zuwachs verbuchte Rembrandts fast vollkommen dunkles Interieur „Gelehrter an einem Tisch sitzend, bei Kerzenschein“ um 1642, das von 2.400 Euro auf 7.000 Euro sprang. Bei den 22 Losnummern von Giovanni Battista Piranesi war die Kauflaune dann schon etwas abgeflaut. Über 3.000 Euro für seinen „Catalogo delle Opere date finora alla luce“ um 1761 mit noch ein paar Fehlstellen und zudem für seine prächtige „Veduta della Villa dell’ Emo Sig.n Card. Alesandro Albani fuori di Porta Salaria“ mit der barocken Gartenanlage von 1769 ging es nicht hinaus (Taxe je 3.000 bis 4.000 EUR).

Den schwächsten Auftritt hatten die Zeichnungen mit einer Verkaufsrate von knapp 55 Prozent. Zwar verzeichnet die Ergebnisliste auch einige höhere Preise, etwa die 17.000 Euro für Giovanni Domenico Tiepolos bisher nicht publiziertes Tuscheblatt mit einem Kentaur und einem weiblichen Faun, die in einer hügeligen Landschaft lagern und sich zärtlich umarmen (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR), doch hielten sich die Kunden hier merklich zurück und ließen sich nur selten zu einem Bietgefecht hinreißen. Ein solches entspross etwa bei der Rötelzeichnung des Herkules, bei der sich ein Florentiner Meister des 17. Jahrhunderts auf eine antike Bronzestatue des Heroen in den römischen Musei Capitolini bezogen hatte. Hier verdoppelte sich der Wert auf 3.000 Euro. Auch Pietro Novellis flott skizzierte Osterszene „Der ungläubige Thomas“ blieb bei 2.000 Euro nicht unentdeckt (Taxe 400 bis 500 EUR). Sie stammte wie die mit roter Kreide entwickelte Studie einer Festung mit Wachtürmen des Neapolitaners Aniello Falcone, die sich über 2.400 Euro freute (Taxe 800 bis 1.000 EUR), aus der Sammlung des Kunsthistorikers Giancarlo Sestieri. Mit seiner Provenienz reüssierten zudem ein sitzender männlicher Akt mit einer Vase als Allegorie eines Flusses aus dem Umkreis Luigi Garzis (Taxe 800 bis 1.000 EUR) und sein ebenso muskulöses Pendant von Pierre Le Gros d.J. bei jeweils 1.800 Euro (Taxe 1.000 bis 1.200 EUR) oder Francesco Naricis Ölskizze mit einem ersten Eindruck von Herkules samt Amor und einem Posaune spielenden Engel bei 3.000 Euro (Taxe 800 bis 1.000 EUR).

Bei 8.500 Euro kam Jan Erasmus Quellinus’ fast malerisch ausgearbeitetes und großes Blatt mit dem „Letzten Abendmahl“ über einer Treppenanlage in einer offenen barocken Architektur von 1689 nahe an die Fünfstelligkeit heran, erreichte die untere Schätzung von 10.000 Euro aber nicht. Besser platzierte sich da Rosalba Carrieras mit kurzen Strichen gezeichnete Charakterstudie einer jungen Frau als Muse mit Lorbeerkranz und einem Buch bei 9.500 Euro (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Während beim 19. Jahrhundert Ivan Konstantinovich Ajvazovskijs Segelschiff auf bewegter See von 1850 ohne Ankerwurf weiterschipperte (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR), traf Adolph von Menzels Frau mit Kind auf dem Arm sowie sein Mann in Rückenansicht als Fahnen- oder Laternenträger, erste Ideen von etwa 1879 für sein Gemälde „Prozession in Hofgastein“, exakt die unteren anvisierten 10.000 Euro. Die anschließenden sechs Zeichnungen von Wilhelm Busch wurden wohlwollend bedacht, mit bis zu 2.400 Euro für die Bleistiftzeichnung der Grete Fehlow im Schleppenkleid beim Sitzen nach rechts von 1881 (Taxe 800 bis 1.000 EUR). Am Ende der Abteilung kam dann aber doch noch etwas Engagement auf, als eine hochformatige Kreidezeichnung mit flehenden Müttern und weinenden Kindern an der Reihe war. Mit ihr hatte der Pole Stanislaw Wyspianski um 1892 eines der symbolistischen Glasfenster für die Sankt-Georgs-Kathedrale im damals noch österreichischen Lemberg vorbereitet und heimste dafür nun 16.000 Euro ein (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).

Bei dem letzten Block mit den Aquarellen und Miniaturen legte die Verkaufsrate wieder auf 63,8 Prozent zu. Auch hier gab es einen Ausreißer in die Fünfstelligkeit: Jakob Alts aquarellierte unbeschwerte Sommerlandschaft mit der Burgruine zu Theben an der Donau bei Preßburg von 1851 spielte 15.000 Euro ein (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR). An diesen Wert kam sonst niemand heran. Bei 9.000 Euro folgte sein Sohn Franz Alt mit seinem Blick auf das geschäftige Treiben im Wiener Graben mit dem Leopoldsbrunnen von 1878, bei 7.000 Euro Hugo Darnaut, der einfe zerfallende Toreinfahrt mit Hühnern in Plankenberg festhielt (Taxe je 4.000 bis 5.000 EUR), sowie Rudolf Weber, der mit dem Donauufer in St. Michael in der Wachau ebenfalls das ländliche Leben feierte (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Einen bildlichen Spaß erlaubte sich Johann Christian Schoeller 1846, der in seiner „Mineralwasser Curanstalt“ für 1.500 Euro einen Stenz verzweifelt vor dem Klohäuschen trippeln lässt, während ihm die Toilettenfrau „Nur Geduld junger Mann, es dauert höchstens noch zehn Minuten“ zuruft (Taxe 1.000 bis 1.200 EUR). Franz Xaver Nachtmanns märchenhaftes, farbleuchtendes Aquarell eines orientalischen Prinzen mit schwarzem Diener am Meer, der seine Angebetete auf einer Terrasse mit einer Rose grüßt, verharrte schüchtern bei 3.000 Euro (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).

Unter den Blumenmaler stieß Leopold Zinnögger mit seinen Pendants von weißen und weiß-violett gefiederten Tulpen bei 2.600 Euro auf Gegenliebe (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR), bei den Portraitisten Karl von Saar mit seinen gleichfalls zusammengehörigen, fein ausgeführten Konterfeis eines Ehepaars in schöner Biedermeierkleidung für 3.200 Euro (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Dazu gesellte sich Alexander Pock mit seinem feschen k.k. Offizier als ganze Figur in leichter Untersicht für unerwartete 3.000 Euro (Taxe 500 bis 700 EUR). Der Mähre Joža Uprka zeigte sich nationalgesinnt und hielt sich lieber an die einfache Bevölkerung seiner Heimat, die er in einem bewegten „Bauerntanz“ flüchtig mit Aquarellfarben verewigte und dafür nun 3.800 Euro einnahm (Taxe 1.200 bis 1.500 EUR). Eher staatstragend, wenn auch überraschend melancholisch, war Ernst Graners taxgerecht bei 5.000 Euro umworbene Ansicht vom alten Naschmarkt vor dem Freihaus auf der Wieden, von dem sich 1912 ein einsamer Kaiser Franz Joseph eben davonmacht. Frohsinn ließ gegen Ende der Auktion nochmals Carl Franz Bauer aufkommen, der sich in seiner Karikatur mit dem Siegerpferd Pfälzerwald und dem Jockey Josef Schejbal bei 2.200 Euro köstlich über das österreichische Derby des Jahres 1949 amüsierte (Taxe 800 bis 1.200 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at

Startseite: www.dorotheum.com



18.05.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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