Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 03.12.2021 Auktion 1189: Photographie

© Kunsthaus Lempertz

Anzeige

Brandung bei Knokke, 1895 / Max Schlichting

Brandung bei Knokke, 1895 / Max Schlichting
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

ohne Titel / Günther Uecker

ohne Titel / Günther Uecker
© Galerie Luther


Anzeige

Blick aus dem Künstler-Atelier in Berlin. Kurfürstenstraße, 1927 / Ernst Oppler

Blick aus dem Künstler-Atelier in Berlin. Kurfürstenstraße, 1927 / Ernst Oppler
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Ohne Titel - Chromatische Konstellation, 2015 / Heinz Mack

Ohne Titel - Chromatische Konstellation, 2015 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Nach zweijähriger Sanierung haben die Münchner Antikensammlungen in der Glyptothek wieder ihre Tore geöffnet. Dies wird mit einer Retrospektive gefeiert, die an den 250. Geburtstag des dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen erinnert

Kühl geliftet in weißem Marmor



in der Ausstellung „Bertel Thorvaldsen und Ludwig I. – Der dänische Bildhauer in bayerischem Auftrag“

in der Ausstellung „Bertel Thorvaldsen und Ludwig I. – Der dänische Bildhauer in bayerischem Auftrag“

Vor Kraft und Schönheit strotzt ein Heros. Den syro-phönizischen Vegetationsgott Adonis, in der antiken Mythologie zum anmutigen Jüngling mutiert, interpretierte der dänische Bildhauer Bertel Thorvaldsen als Jäger. Mit der rechten Hüfte lässig an einen Baumstrunk lehnend, durchzieht ein sanft fließender Bewegungsstrom den nackten Körper. Er geht vom rechten Spielbein s-förmig aus und beherrscht die Figur, um im Kopf zur Ruhe zu gelangen. Nachdenklich hält Adonis mit leicht gebücktem Haupt und seitwärts zu Boden geneigtem grüblerischem Blick inne. Zwischen dem Speer in der rechten Hand und dem Baumstrunk hängt ein erlegter Hase. 1808 vom bayerischen Kronprinzen Ludwig in Auftrag gegeben und 1832 vollendet, konnte diese Statue dann endlich den reservierten Platz im „Saal der Neueren“ der zwei Jahre zuvor eröffneten Glyptothek einnehmen.


Münchens ältestes öffentliches Museum, dessen Name sich aus den altgriechischen Wörtern „glyphein“ für „meißeln“ und „theke“ für „Ablage“ zusammensetzt, widmet sich antiken griechischen und römischen Marmorstatuen. Bereits ab 1806 entwickelte Kronprinz Ludwig das Konzept. 1816 fand die Grundsteinlegung des Baus statt, für den Leo von Klenze die Pläne lieferte. Bombentreffer um 1944/45, nachfolgende Wassereinbrüche und Vandalismus fügten dem prunkvollen klassizistischen Raumdekor starke Schäden zu. Äußerlich originalgetreu wiederhergestellt, rekonstruierte man das Innere aus 14 Schausälen nicht mehr. Nach der Wiedereröffnung anlässlich der Olympischen Spiele im Jahr 1972 war nun eine Generalsanierung nötig. Vor nackten ziegelgemauerten Wänden und hell belichtet durch neue große Klarglasfenster kommen die erlesenen Meisterwerke antiker Plastik nun ihrer ursprünglichen Aufstellung auf öffentlichen Plätzen oder in Tempeln recht nahe. Neben moderner Elektro- und Haustechnik, erneuerten Fenstern und zeitgemäßer Gestaltung des Innenhofes gibt es nun barrierefreie Zugänge. Ende Juli werden auch die Außenfassaden restauriert sein.

Die Eröffnung vor 190 Jahren und die Wiedereröffnung vor fast 50 Jahren fiel mit dem 250. Geburtstag des dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen zusammen, der vom damaligen Kronprinzen und späteren bayerischen König Ludwig I. geschätzt und gefördert wurde. So lag es nahe, die im letzten Jahr im Kopenhagener Thorvaldsens Museum arrangierte Jubiläumsschau auch in München zu zeigen. Allerdings liegt hier nicht wie in Kopenhagen der Fokus auf der Porträtkunst. München nimmt die Beziehungen zwischen Ludwig und Thorvaldsen in den Blick. Dies geschieht in einer von Florian Knauß und Astrid Fendt in vier Sälen griffigen gruppierten Auswahl.

Zu Beginn verdeutlicht die Gegenüberstellung von Thorvaldsens Adonis mit Antonio Canovas Büste des Paris die spezifischen Wesenszüge des Dänen. Matte Oberflächen in einem Zusammenspiel mit flüchtig aufgerauten, von leichten Raspelspuren gekennzeichneten Partien sind Markenzeichen von Thorvaldsens Werkstatt. Sie lassen die Bildnisse edel, überaus bestimmt und etwas zart zugleich erscheinen. Die Werke seines älteren italienischen Konkurrenten und zweiten Hauptvertreters klassizistischer Skulptur sind dagegen von poliertem Hochglanz bestimmt, der verspielte Spannungen mit matteren Partien eingeht. Canovas Skulpturen erscheinen somit weicher und unbestimmter.

Schon als Elfjähriger trat der 1770 in Kopenhagen geborene Thorvaldsen in die Königlich-Dänische Kunstakademie ein und half nebenbei in der väterlichen Werkstatt. Natürlich ging dies zu Lasten der Allgemeinbildung. Zeitlebens bereiteten ihm Lesen und Schreiben Probleme. Als Stipendiat fuhr er 1797 nach Rom, wo er von längeren Reisen abgesehen bis 1838 lebte und zum gefragten Porträtisten aufstieg. Den Durchbruch brachte die 1803 geschaffene Idealstatue des griechischen Helden Jason, eine Auftragsarbeit für den Bankier Thomas Hope. Erst 1838 sollte der „nordische Phidias“ als gefeierter Meister nach Kopenhagen zurückkehren, wo er 1844 verstarb. Vier Jahre zuvor porträtierte ihn Aymard-Charles-Théodore Neubourg in einer Daguerreotypie vor seinem Atelier in Kopenhagen. Diese Rarität gilt als ältestes fotografisches Porträt in Skandinavien.

Ein separater Abschnitt gewährt Einblicke in Thorvaldsens Werkstattbetrieb. Sein Schaffensschwerpunkt war der kreative Entwurf einer gefühlvollen Kompositionsidee, während seine rund 40 Bildhauer, Steinmetze oder Gipsformer in sechs Ateliers die Vorlagen in einem homogenen Werkstattstil ausfertigten. Neben originalen Werkzeugen, mit denen der Meister selten selbst Hand anlegte, wird die Arbeitsabfolge aus Fertigung eines Tonmodells, dessen Abformung in Gips und dann die Übertragung in Marmor mit der Punktiermethode vorgestellt. Diese Praktik erlaubte in dem spezialisierten, effektiv organisierten Betrieb die rasche wie unbegrenzte Vervielfältigung. So sind etwa 18 Marmorkopien von der Büste des Zaren Alexander I. überliefert. Thorvaldsens römisches Atelier avancierte rasch zum touristischen Highlight im Bildhauerviertel an der Piazza Barberini nahe der Spanischen Treppe. Die Gipse lagerte er in einem opulenten Depot- und Ausstellungsraum. Der Maler Hans Detlev Martens hielt in einem Gemälde diesen mächtigen, unter „Studio Grande“ firmierenden „Showroom“ in jenem Moment fest, als Papst Leo XII. ihm 1826 einen Besuch abstattete.

Zu den treuesten Auftraggebern gehörte der bayerische Kronprinz und spätere König Ludwig I., den Thorvaldsen 1818 in Marmor porträtierte. Sein Wirken als Berater Ludwigs bei Anschaffungen für die neue Glyptothek und als Vervollständiger antiker Torsi wird im zweiten Saal thematisiert. Die umfangreichste Antikenrestaurierung war die Ergänzung der 1812 von Ludwig erworbenen, östlichen und westlichen Giebelskulpturen des Aphaiatempels von Ägina. In bemerkenswerter Annäherung an den Stil frühklassischer Bildhauer ergänzte Thorvaldsen Beine oder Arme nach technischen, nicht aber nach freien künstlerischen oder anatomischen Kriterien. Heute sind diese Zusätze wieder entfernt und werden separat im Hintergrund präsentiert. Hinzu kommen andere ergänzte Torsi, darunter die antike Statue der Artemis mit dem ersetzten linken Arm oder die Vervollständigung der bekannten Alexander-Statue.

Der vorletzte Ausstellungsteil widmet sich öffentlichen Denkmälern, die nicht transportabel nur in Zeichnungen oder Modellen präsentiert werden können. Zu den bedeutsamsten Werken dieses Genres gehört das von dem bekennenden Protestanten Thorvaldsen für die katholische Kirche im Petersdom geschaffene und 1831 enthüllte Grabmonument von Papst Pius VII. In Ludwigs Auftrag schuf er das 1839 auf dem Wittelsbacher Platz in München eingeweihte Reiterstandbild des Kurfürsten Maximilians I. von Bayern. Die Geste mit der rechten erhoben Hand offenbart Anleihen an die Reiterstatue Marc Aurels auf dem römischen Kapitol, dessen Ross zudem seitenverkehrt nachgeformt wurde. Von ausnehmend kühler Statuarik ist das Grabmal für Eugéne de Beauharnais, Herzog von Leuchtenberg, in der Münchner Kirche St. Michael. Den architektonischen Rahmen für Standbild und Allegorien schuf Leo von Klenze. Von einem Aufenthalt in München im Jahr 1830 brachte Thorvaldsen übrigens volle Auftragsbücher mit, so unter anderem für das Schiller-Denkmal in Stuttgart oder das Gutenberg-Denkmal in Mainz.

Am Ende blüht die Schau noch einmal mit Bildnissen kräftig auf. Am Anfang von Thorvaldsens Schaffens stand die opulente Gewandbüste des dänischen Außenministers Andreas Peter von Bernstorff. 1795 im Kostüm und mit schwerer Ordenskette auftretend, ist sie noch der Formensprache des Rokoko verpflichtet. Bereits zwei Jahre später hat sich der Wandel zum Klassizismus vollzogen. Faltenlosigkeit und fehlende buschige Haartracht greifen Platz. Die neuen, nackteren und von kleinerem Ausschnitt geprägten Büsten kommen hinsichtlich analoger Augenpartien, scharf umrissener Lippen, schnittiger Falten oder straff gespannter Haut antiken Büsten sehr nahe, wie direkte Gegenüberstellungen offenbaren. Zudem verstand es der Meister, zeitgenössische Elemente mit antiker Formensprache geschickt zu verbinden. Ein erlesenes Beispiel ist das Porträt von Marianna Florenzi, einer Geliebten Ludwigs, deren bestechende Frisur aus aufwendig gedrehten und herabfallenden Lockenbahnen eine biedermeierliche Anmutung vermittelt.

Obwohl dank Thorvaldsens schneller Auffassungsgabe und eingespielten Werkstattteam sein Betrieb wie eine Bildhauerfabrik agierte, betrachtete er das Anfertigen von Büsten als „leidiges Zubrot“, was vorrangig dem Einkommen diente. Am Ende der Münchner Schau steht das auf Schwingen eines Adlers gestützte Herrscherbildnis Napoleons in idealisierter Version ohne Tränensäcke, Falten und mit Lorbeerkranz. Die opulent mit einer fein ausgearbeiteten Palme gestaltete Rückseite verdeutlicht die Sonderstellung dieses Porträts. Es ist das Meisterwerk für einen Herrscher, der kurzzeitig mit Gewalt Europa erobern wollte, ganz im Gegensatz zu seinem Bildhauer, der friedlich mit seinem grandiosen Werkschaffen bis heute Europa beglückt.

Die Ausstellung „Bertel Thorvaldsen und Ludwig I. – Der dänische Bildhauer in bayerischem Auftrag“ ist bis zum 25. Juli zu sehen. Die Glyptothek hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr mit Buchung eines Zeitfenstertickets und unter Berücksichtigung der aktuellen Hygiene- und Abstandsregeln geöffnet. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog für 29,90 Euro erschienen.

Kontakt:

Glyptothek

Königsplatz 3

DE-80333 München

Telefax:+49 (089) 28 92 75 16

Telefon:+49 (089) 28 92 75 02

E-Mail: Info@antike-am-koenigsplatz.mwn.de

Startseite: www.antike-am-koenigsplatz.mwn.de



19.05.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 19

Seiten: 1  •  2  •  3

Events (1)Adressen (1)Kunstsparten (1)Stilrichtungen (1)Berichte (4)Variabilder (10)Künstler (1)

Veranstaltung vom:


26.03.2021, Bertel Thorvaldsen und Ludwig I. – Der dänische Bildhauer in bayerischem Auftrag

Bei:


Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek

Kunstsparte:


Skulptur

Stilrichtung:


Klassizismus

Bericht:


Schöner Schein

Bericht:


Die Klassik und deren Transformation

Bericht:


Ist etwas kalt hier

Bericht:


München erinnert an Schlacht von Salamis

Variabilder:

Bertel Thorvaldsen, Porträtbüste Napoleon Bonaparte, 1830
Bertel Thorvaldsen, Porträtbüste Napoleon Bonaparte, 1830







Bertel Thorvaldsen, Porträtbüste Napoleon Bonaparte, 1830

Bertel Thorvaldsen, Porträtbüste Napoleon Bonaparte, 1830

Rudolph Suhrlandt, Porträt des Bildhauers Bertel Thorvaldsen, 1810

Rudolph Suhrlandt, Porträt des Bildhauers Bertel Thorvaldsen, 1810

Bertel Thorvaldsen, Selbstporträt mit Spes

Bertel Thorvaldsen, Selbstporträt mit Spes

Bertel Thorvaldsen, Ludwig als Kronprinz, 1821

Bertel Thorvaldsen, Ludwig als Kronprinz, 1821

Bertel Thorvaldsen, Porträtbüste der Marianna Florenzi, 1858

Bertel Thorvaldsen, Porträtbüste der Marianna Florenzi, 1858

Bertel Thorvaldsen, Porträtbüste des Homer, 1799

Bertel Thorvaldsen, Porträtbüste des Homer, 1799

Bertel Thorvaldsen, Porträtbüste Andreas Peter von Bernstorff, 1795

Bertel Thorvaldsen, Porträtbüste Andreas Peter von Bernstorff, 1795

Hans Detlef Martens, Papst Leo XII. besucht Thorvaldsens Werkstätten an der Piazza Barberini in Rom, 1830

Hans Detlef Martens, Papst Leo XII. besucht Thorvaldsens Werkstätten an der Piazza Barberini in Rom, 1830

Bertel Thorvaldsen, Porträtbüste Napoleon Bonaparte, 1830

Bertel Thorvaldsen, Porträtbüste Napoleon Bonaparte, 1830




Copyright © '99-'2021
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce