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Am 21.01.2022 Auktion 139: Moderne und zeitgenössische Kunst - Moderne Photographie

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Interieur – Dame im Salon auf Chaiselongue sitzend / Bruno Piglhein

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© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


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ohne Titel / Günther Uecker

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Blick aus dem Künstler-Atelier in Berlin. Kurfürstenstraße, 1927 / Ernst Oppler

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© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


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zugeschrieben, Pfauenbank / Peacock bench, Ende 19. Jahrhundert / Marcello Andrea Baccetti

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© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


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Ohne Titel, 2016 / Heinz Mack

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Herausragende Verkäufe: Bei Irene Lehr ließen die Freunde der Moderne und Zeitgenossen kaum ein Stück liegen und gewährten häufig mehr, als veranschlagt war

Es geht voran



Leo Putz,  Im Schleißheimer Park, 1903

Leo Putz, Im Schleißheimer Park, 1903

Die elegant weiß gekleidete Dame, die „Im Schleißheimer Park“ an einem warmen Sommertag mit Sonnenschirm spaziert und dabei ihren Hund ausführt, war die Favoritin der vergangenen Auktion bei Irene Lehr und enttäuschte nicht. Mit der für den Südtiroler Leo Putz typischen groben und flüssigen Malweise – festzumachen etwa an den flächigen Streifen, die das Kleid formen, und den getupften Blumen im Hintergrund – nahm das Bild bereits 1903, ein Jahr vor dem berühmten „Picknick“ in den Bayrischen Staatsgemäldesammlungen, vorweg, was den andauernden Erfolg des „Scholle“-Malers ausmachte. Etwas widerwillig zieht die Frau an der Leine ihres anderweitig interessierten Vierbeiners. Ihrer Dynamik setzt das Tier damit einen Kontrapunkt entgegen, was die innere Spannung des großen Bildformates noch verstärkt. Das Publikum erkannte die Qualitäten des Werks und steigerte sich von 70.000 Euro bis zu einem Zuschlag von 95.000 Euro.


Schnell voran schritt nicht nur Putz’ Dame, sondern auch die gesamte Versteigerung der Moderne und Zeitgenossen bei Irene Lehr am 24. April. Die Berliner Auktionatorin, die die Schätzungen für die Kunstwerke nicht zu hoch ansetzt und sich daher auf eine treue Kundschaft verlassen kann, vermittelte sensationelle 98,4 Prozent ihrer 426 bewusst ausgewählten Positionen des 20. und 21. Jahrhunderts und erlöste damit immerhin einen Nettobetrag von rund 2 Millionen Euro. Einen nicht unbedeutenden Anteil hatte daran auch ihr „Hauskünstler“ Hermann Glöckner, der knapp 50 Positionen stellte und alle loswurde. Dessen repräsentative Malpappe mit dem geschickt austarierten „Schwarzweiß geteilten Keil auf Grau“ schoss von 25.000 Euro auf ungeahnte 60.000 Euro.

Einen weiteren Überblick über sein Œuvre verschafften noch die zwischen 1963 und 1974 rund 20 Mal herausgegeben „10 Handdrucke“ mit spielerischen Farb- und Formvariationen einer zerteilten Linoleumplatte für letztlich 16.000 Euro (Taxe 8.500 EUR). Damit steuerte Glöckner nicht alleine ein Konvolut bei, das die Vielfalt der Ost-Kunst bei Irene Lehr repräsentierte. Für Freunde der Grafik hielt der Katalog eine wohl kaum sonst vollständig erhaltene Reihe der 20 Mappen bereit, die die Kabinettpresse unter der Herausgeberschaft des DDR-Kunsthistorikers Lothar Lang zwischen 1965 und 1974 publiziert hatte. Zu den 190 Blättern für 18.000 Euro zählen unter anderem Arbeiten von Gerhard Altenbourg, Theo Balden, Carlfriedrich Claus, Wieland Förster, Hans Jüchser, Gerda Lepke, Wolfgang Mattheuer, Harald Metzkes, Christine Wahl oder Horst Zickelbein (Taxe 15.000 EUR).

Die geometrische Moderne

Neben Glöckner bot die Berliner Versteigerung noch einiges mehr für Liebhaber der geometrischen Abstraktion. Der Ungar und spätere Wahlfranzose Victor Vasarely überzeugte mit seinem Konstruktivismus, den er stringent zur Op-Art weiterentwickelte. Schon früh nach dem Zweiten Weltkrieg erarbeitete er 1949 seine gelb-braun-schwarze Komposition „Lomna“, die 20.000 Euro einspielen sollte und es auf 26.000 Euro brachte. Noch minimalistischer sind die genau mathematisch berechneten, schwarzweißen Linienkompositionen François Morellets. Das weit reduzierte „Steel-Life Nr. 14“ von 1990 mit über die Leinwand hinausreichender Linie gab sich erst mit 56.000 Euro zufrieden (Taxe 30.000 EUR). Sein auf den ersten Blick ungeordnetes, doch genau kalkuliertes, 15 Jahre älteres Netz „Dix lignes aux hasard (#75090)“ stieg 7.000 Euro über seine Erwartung von 20.000 Euro. Wie bei Morellet kann die Leinwand auch den Tschechen Jan Kubicek nicht beschränken. „Geteilte Kreise, zwei Dimensionen“ von 1988/92 zeigt oben Halbkreise als fette Umrissbalken und unten in gleicher Farbstellung gefüllt, die als optisch täuschenden Effekt scheinbar über die realen Maße ihres Trägers hinauszugehen scheinen. 32.000 Euro waren dafür im Rahmen des Möglichen (Taxe 18.000 EUR).

Meister der Atmosphäre

Bei Franz Radziwills „Mosellandschaft“ von 1943 wirkt die Protagonistin isoliert. Immer wieder läuft der Blick über die Linien der Bergkämme und die beiden Häuser zu der sich entfernenden kleinen Frauengestalt, die perspektivisch überlängt ins Innere des Bildraumes schreitet. Zusammen mit seiner typisch bedrückenden Farbpalette schafft es Radziwill, so die die entmenschlichte Stimmung der 1940er Jahre zu schildern, und erntete dafür 43.000 Euro (Taxe 50.000 EUR). Eine ähnlich entwurzelte Gesellschaft nahm Werner Tübke in sechs Gemäldefassungen, von denen nur zwei erhalten sind, anlässlich des zweiten „Deutschlandtreffens“ 1954 in Ost-Berlin in den Blick. Seine melancholisch wirkende „Festliche Szene IV“, eine Studie zu dieser Reihe, hat als Temperaskizze von 1955 überlebt und kletterte von 4.000 Euro auf 21.500 Euro. Mehr die Atmosphäre als das Naturabbild stellte unter den älteren Kunstwerken noch Christian Rohlfs in den Mittelpunkt, etwa bei seinem taxkonform für 8.000 Euro übernommenen, blau kolorierten Wassertempera-Karton „Tannen vor Berg“ von 1920. Mehr Freude fand das Publikum an seiner linienhaften nackten „Tänzerin“ vor Blau um 1927, die den Sammlern 16.000 Euro wert war (Taxe 7.000 EUR).

Sein Zeitgenosse Karl Hagemeister gilt bis heute als Meister der Lichtführung und bewies dies mit seinem Pastell einer „Winterlandschaft“ mit einigen kahlen Bäumen, das bei extrem niedrig veranschlagten 2.000 Euro hohe 22.000 Euro in die Kassen spülte. In dem ehemaligen Schmiedehaus eines stillgelegten Steinbruchs bei dem sächsischen Ort Wehlen hatte Pol Cassel sein Sommeratelier bezogen und entwickelte in dieser Naturnähe seinen Magischen Realismus. Sein „Atelierhaus im Steinbruch“, das er 1924 verschattet mit wenigen Grundformen in Öl verewigte, konnte 26.000 Euro auf sich vereinen (Taxe 12.000 EUR). Bei den jüngeren Künstlern fing Christoph Bouet mit seinem pastosen verschwimmenden Gemälde „Berlin – Siegessäule bei aufziehendem Gewitter“ die unruhige Atmosphäre des Wetters und der deutschen Hauptstadt treffend ein. Das aktuelle Werk aus dem vergangenen Jahr reüssierte bei 9.000 Euro (Taxe 6.000 EUR).

Starke Frauen

Im Bereich plastischer Gestaltung stachen zwei Künstlerinnen besonders hervor. Auf wenige Linien und Grundformen in glatterer Weise brach Marg Moll ihre kubistische „Stehende“ von 1929 herunter und generierte im Bieterwettstreit erfreuliche 30.000 Euro (Taxe 7.000 EUR). Noch entfernter an den menschlichen Körper erinnert Louise Stomps’ titellose Marmorskulptur, für die 1.200 Euro ebenfalls zu niedrig gegriffen waren und die schließlich für 16.500 Euro den Besitzer wechselte. Mit ihrer feinsinnigen Reflektion machte sich Kate Diehn-Bitt einen Namen und auch vor ihrer Familie nicht halt. Um 1931/32 malte sie ihren Ehemann Peter Paul Diehn mit einer Katze, die sich an seinen gestreiften Pullover schmiegt. Auf der anderen Seite der Tafel, 1933 fertiggestellt, ist ihre Schwester Annemarie dann weniger nahbar: Selbstbewusst und emanzipiert, wie die Malerin selbst beschrieben wurde, steht sie mit verschränkten Armen da. Das zweiseitige Gemälde brachte 1.000 Euro mehr als die Schätzung von 35.000 Euro. Es war jedoch nicht die einzige Offerte aus Diehn-Bitts familiären Umfeld: In kühlem Stil mit feinem Farbauftrag porträtierte sie Annemarie um 1935 zudem als liegenden Akt im Querformat, der trotz der intimen Nähe ähnlich distanziert erscheint. Auch hier war die Rückseite mit einem Liebespaar bemalt, die gemeinsam 30.000 Euro forderten (Taxe 25.000 EUR).

Dörte Clara Wolff, genannt Dodo, aquarellierte 1929 ihre mit dünnen Strichen konturierten Figuren mit neusachlicher Kühle. Ihre „Trübe Ahnung“ für überraschende 36.000 Euro führt die Dekadenz der 1920er Jahre vor Augen: Vor der blauen See bringt ein Steward einer vornehmen Dame einen Drink, während sich eine in Pelz gekleidete Frau weiter hinten an ihren Mann heranmacht (Taxe 25.000 EUR). Bei Irene Lehr ließen sich zudem wieder einige Entdeckungen weniger bekannter Künstlerinnen und Künstler der Moderne machen. Während Jeanne Mammen, die mit ihrer aquarellierten karikierenden Lithografie „Kurfürstendammpaar“ für 9.000 Euro glänzte, inzwischen schon einen Namen hat, kennt man ihre zwei Jahre ältere Schwester Marie-Louise Mammen kaum, die 1936 nach Teheran floh und zwanzig Jahre später dort starb. Ihre Liebe zum Exotischen offenbart um 1928 eine heute 32.000 Euro teure Leinwand mit zwei schwarzen jungen Frauen, die vor ornamentalem Fond anschmiegsam mit drei kleinen gelben Löwenbabys spielen (Taxe 5.000 EUR).

Mit Ernst Ludwig Kirchners zackiger, 15.000 Euro schweren Tuschzeichnung „Akt mit Tuch – Dodo“ überzeugte eine weitere Frauendarstellung (Taxe 10.000 EUR). Mit Leopold Thieme und einem Selbstbildnis konnte Irene Lehr schon in ihrer letzten Versteigerung punkten. Und auch diesmal trat der vorwiegend in Lübeck tätige Maler mit einer markanten Selbstbespiegelung an, die sich erst bei 14.000 Euro aus dem Auktionssaal bitten ließ (Taxe 1.000 EUR). Nicht ganz so energisch portraitierte Georg Walter Rössner 1928 die österreichische Schauspielerin Franziska Kinz rauchend und mit ihren charakteristischen geraden Lippen in gedämpften, vorwiegend braunen Farben und kam damit auf 2.800 Euro (Taxe 800 EUR). Gerade auch bei den günstigen Preisen schauten sich die Kunden um und langten etwa bei Otto Freundlichs abstraktem Holzschnitt „Vegetative Komposition“ um 1919/20 für 3.600 Euro (Taxe 900 EUR), Oskar Gawells lyrischer Gouache eines Bauernpaars mit Tieren aus den 1920er Jahren für 4.000 Euro (Taxe 3.000 EUR), Oskar Holwecks zartem papierenem Reißrelief von 1982 für 4.800 Euro (Taxe 3.500 EUR) oder Fritz Uphoffs nüchterner Industrielandschaft mit dem Hochdruckhaus der Bergin-Anlage in Mannheim für 4.400 Euro beherzt zu (Taxe 1.500 EUR).

Monochrome Formenspiele und prägnante Farbexplosionen

1949 positionierte Werner Heldt ein hausähnliches, aber verzogen geschwungenes „Stillleben vor Häuserfront“. Die in Teilen surrealistisch erscheinende schwarzweiße Tuschekomposition heimste mit 42.000 Euro großen Beifall ein (Taxe 6.000 EUR). Ebenso ungezwungen und mehr mit stoffartigen feinen Wölbungen, als mit konkreten Körpern beschäftigt, ging Günther Förg 1986 an sein titelloses Bronzerelief heran, das sich nun bei 22.000 Euro behauptete (Taxe 9.000 EUR). Bei Jirí Kolárs schwarzen, leicht bunt gesprenkelten Korpora zweier Geigen für 21.000 Euro, die er 1973 auf eine Holzplatte anbrachte, spielen verstärkt philosophische Gedanken eine Rolle, wie der Titel „Grabstein der reinen Poesie“ verrät (Taxe 2.500 EUR). Radikal mit Vorhandenem ging auch der Österreicher Arnulf Rainer um. Ursprünglich schwarzweiße Fotografien übermalte er gestisch wild und schreckte dabei 1976 selbst vor Sokrates und 1983/84 vor Goya nicht zurück. Beide erreichten ihren Schätzwert von 15.000 Euro.

Der früh aus der DDR in den Westen geflüchtete und zum Professor an der Düsseldorfer Akademie ernannte Gotthard Graubner wandte sich komplett von der Figur ab und widmete sich etwa in einem titellosen Aquarell von 1965 blau-roten Farbstudien. Die Freude an seinen feinsinnigen Kompositionen hält bis heute an, wie die markgerechten 22.000 Euro bewiesen (Taxe 4.000 EUR). Nochmals schlugen die Farbfreunde bei Karl Otto Götz’ querformatiger Farbexplosion „Sylphide II“ von 1985 für 13.000 Euro (Taxe 6.000 EUR) und bei Katharina Grosses infernal roter Leinwand von 1994 zu, die mit ihren vertikalen Pinselstrukturen für 19.000 Euro wegging (Taxe 5.000 EUR). Starke Farben brachte der ZERO-Künstler Otto Piene dank seiner neuen, teils archaischen Methoden zu besonderer Leuchtkraft, was eine unbetitelte farbenfrohe Feuergouache von 1975 für 16.000 Euro (Taxe 14.000 EUR) und ein in gleicher Technik produzierter dunkler Karton mit rot leuchtenden Farbinseln namens „Little Star War“ von 1978 für 18.000 Euro bewiesen (Taxe 20.000 EUR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dr. Irene Lehr Kunstauktionen

Sybelstraße 68

DE-10629 Berlin

Telefon:+49 (030) 881 89 79

Telefax:+49 (030) 881 89 95

Startseite: www.lehr-kunstauktionen.de



11.06.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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Pol Cassel, Atelierhaus im Steinbruch, 1924
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 Putz, Im Schleißheimer Park, 1903
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Pol Cassel,  Atelierhaus im Steinbruch, 1924

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Taxe: 12.000,- EURO

Zuschlag: 26.000,- EURO

Losnummer: 59




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